Die Verben

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M A S A R Y K O V A U N I V E R Z I T A

V  B R N Ě
FILOZOFICKÁ FAKULTA
ÚSTAV GERMANISTIKY, NORDISTIKY A NEDERLANDISTIKY

DIE ENTWICKLUNG DER FLEXION DES

SUBSTANTIVS UND DES VERBS VOM INDOEUROPÄISCHEN

BIS ZUM NEUHOCHDEUTSCHEN

Diplomová práce


Vypracovala: Jana Březinová

Vedoucí práce: prof. RnDr. Václav Blažek, Csc.

Třebíč, červen 2006

Prohlašuji, že jsem tuto práci vypracovala samostatně a uvedla veškerou použitou literaturu.

………………..


Jana Březinová

Poděkování

Chtěla bych poděkovat panu profesoru Blažkovi za námět k pro mne velice zajímavé práci, za poskytnutou literaturu, za rady, připomínky a morální podporu.

Za poskytnutou literaturu a vstřícnost děkuji také panu doktoru Bromovi.

Děkuji mým rodičům, kteří mi po celou dobu mého ne vždy jednoduše probíhajícího studia po všech stránkách pomáhali a kteří věřili (mnohdy víc než já), že to nakonec zvládnu.

Za nehynoucí optimismus, technickou spolupráci a za mne občas k šílenství dovádějící otázky ohledně ukončení mé diplomové práce, které nakonec pravděpodobně zapůsobily jako katalyzátor, děkuji také mému bratrovi Stanislavovi.

Mým přátelům děkuji za inspiraci a za to, že jsou.

A nakonec děkuji i genům a memům, které (zřejmě) daly vzniknout lidské řeči, čímž mi dodaly klíčový materiál k diplomové práci.

Die Einleitung


Das Thema der Arbeit stellt die historische Entwicklung der grammatischen Kategorien und der Flexion des Substantivs und des Verbs dar. Die Entwicklung wird (in relevanten Fällen) vom Indoueorpäischen über das Germanische bis zum Neuhochdeutschen verfolgt.

Die Arbeit ist in sieben Kapiteln gegliedert.

Das erste Kapitel (eine Art „Anführungskapitel“) wird der Problematik der Sprache und der grammatischen Kategorien allgemein gewidmet.

Im zweiten Kapitel wird die Struktur der Nominal- und Verbalformen behandelt. Es werden die wichtigsten Veränderungen und deren Ursachen behandelt, zu denen es während der Entwicklung seit dem Indoeuropäischen gekommen ist.

Das dritte und vierte Kapitel befassen sich mit dem Substantiv. Im dritten Kapitel wird die Entstehung und Entwicklung der grammatischen Kategorien angedeutet.

Im vierten Kapitel wird die eigentliche Deklination des Substantivs beschrieben. Der Übersichtlichkeit wegen wird die Entwicklung der einzelnen Deklinationsformen auch mithilfe der Tabellen präsentiert.

Im fünften und sechsten Kapitel werden das Verb, die Entstehung und Entwicklung der grammatischen Kategorien (Kapitel 5) und die Konjugation (Kapitel 6) behandelt.

Da sich die Meinungen der Linguisten seitens der Entstehung und Entwicklung einiger Formen auseinandergehen, werden hier einige der wichtigsten Hypothesen (Erhart, Szemerenyi, Beekes) erwähnt.



Im siebten Kapitel wird die Arbeit zusammengefasst.

1. Die Sprache und die grammatischen Kategorien
Unter einer grammatischen Kategorie verstehen wir ein Inventar (ein Teilsystem) von gewissen gleichartigen semantischen Eigenschaften, bzw. ihren Bündeln (den sog. Gramemen), welche verbindlich und einheitlich an einer nominalen oder verbalen Form bezeichnet werden.“ (Erhart 1989: 67)

Die grammatischen Kategorien gehören nicht zu der eigentlichen Natur der Sprachen. Die Relationen, die mit ihnen ausgedrückt werden, können (und in vielen Sprachen ist es auch so) „nur“ mithilfe der verschiedentsten lexikalischen Mittel angedeutet. Damit man von einer grammatischen Kategorie wirklich sprechen kann, muss eine wichtige Bedingung erfüllt werden - die einzelnen Formen der Kategorien müssen durch die entsprechenden grammatischen Mittel (also nicht nur durch die lexikalischen Mittel) bezeichnet werden, vgl. noch unten. So stellt die Ausformung der grammatischen Kategorien das Ergebnis eines langen Prozesses dar. Sie erscheinen in der Sprache nur allmählich, im Zusammenhang mit der Entwicklung des menschlichen Denkens und mit dem Bedürfnis, neue Gegenstände und kompliziertere Handlungen und Beziehungen ausdrücken und feiner differenzieren zu können. Das Indoeuropäische stellt in dieser Hinsicht eine „reife“ Sprache dar, in der es zu der Entwicklung mehrerer grammatischer Kategorien gekommen ist. „Das Urindogermanische des 6. 5. vorchristlichen Jahrtausends war wohl keine primitive Sprache mehr (der zeitliche Abstand zwischen der eigentlichen Sprachschöpfung und dieser vorhistorischen Periode war ja unvergleichlich größer als zwischen diesem Protoindogermanischen und den bekannten idg. Sprachen!)“ (Erhart 1993: 15) (Heute wird angenommen, dass alle für die vollkommene Artikulation notwendigen Veränderungen und Entwicklungen des Gehirns des Menschen (Homo sapiens sapiens) ungefähr vor 45 Tausend Jahren abgeschlossen worden sind. Damit wird die Kommunikation, die Übermittlung der Erfahrungen und die damit zusammenhängende Entwicklung und Vervollkommnung der Sprache, der Fähigkeiten der Menschen allgemein (einschließlich der Kultur) sehr wesentlich erleichtert. Die Bedeutung der Sprache und der Kommunikation ergibt sich u. a. aus dem Vergleich des Homo sapiens sapiens mit dem Homo neanderthalensis (zu der Trennung der zunächst gemeinsamen Linie kommt es etwa vor 500 Tausend Jahren). Die antropologischen Untersuchungen bewiesen bereits, dass die Entwicklung der Sprechorgane und der Kommunikationsmöglichkeiten des Homo Neanderthalensis ein wesentlich niedrigeres Niveau erreicht hat als bei Homo sapiens sapiens, was - selbstverständlich zusammen mit anderen Faktoren - zu deren regressiven Entwicklung und zuletzt auch zum deren ziemlich schnellen Untergang „kurz“ nach dem Kontakt und relativ kurzem Nebeneinanderleben mit den in Europa vor etwa 40 - 35 Tausend Jahren angekommenen Homo sapiens sapiens geführt hat. Was die eigentliche Entstehung der Sprache anbelangt, wird sie noch nicht eindeutig erklärt. Es sind während der Geschichte sehr viele Theorien entstanden und es werden immer neue auch entwickelt. Zu erwähnen sind z. B. die älteren Theorien der Entstehung der Sprache als Nachahmung der verschiedentsten Laute und Schälle der Umwelt, die Sprache als Ausdruck der Warnungen, Verbote, der Emotionen oder des Wollens; die Sprache als Fähigkeit, die Gesten durch die Form des Mundes nachzuahmen und dabei einen Laut zu äußern. Von Bedeutung ist auch die Theorie der genetischen Prädispositionen des Menschen für die Sprache, die von den Linguisten Chomsky oder Bickerton vertreten ist. Einen anderen und sehr anregenden Blick auf die Entstehung der Sprache bietet die in der Gegenwart ziemlich einflussreiche Theorie der Memetik (ihr Schöpfer - Richard Dawkins, der britische Biologe, seine Theorie wurde dann v. a. von der Psychologin Susan Blackmoor präzisiert und weiterentwickelt). Die Memen werden in dieser Theorie als nichtgenetische Replikatoren definiert - als Memen kann man verstehen z. B.: Informationen, die Fähigkeiten, Sitten, Mode, Lieder, Innovationen, Einfälle, die Methoden der Herstellung der verschiedentsten Sachen usw., die sich durch die Nachahmung in den Populationen (also horizontal, nicht vertikal, wie es bei den Genen der Fall ist) verbreiten. Die Sprache stellt für sie und deren möglichst breite Verbreitung ein sehr nützliches Mittel dar. Die Memetik erklärt (sehr vereinfacht ausgedrückt) also die Entstehung der Sprache als Ergebnis des Druckes der Memen auf die Genen, die auf diese Weise „gezwungen wurden“, die Sprechorgane zu entwickeln.)

Jede Sprache weist ihre eigentümliche Struktur der grammatischen Kategorien auf. Zum Beispiel fehlt die Kategorie des gramm. Genus im Englischen, dagegen spielt sie eine wichtige Rolle im Deutschen. (Hier ist jedoch die Tatsache zu erwähnen, dass das Indoeuropäische, dessen „Nachkommen” Englisch und Deutsch sind, die grammatische Kategorie des Genus entwickelt hat. Im Englischen wurde sie erst später abgeschafft.) Oder kommt das Malaysische (es handelt sich um eine nichtindoeuropäische Sprache) ohne die grammatische Kategorie des Tempus aus - die Zeitangaben müssen mittels der Adverbien ausgedrückt werden. So kann der Satz Ahmad pergi dreierlei bedeuten: 1. Ahmad ist gekommen. 2. Ahmad kommt. 3. Ahmad wird kommen. Die betreffende Zeitebene wird erst durch das Adverbium angedeutet: Ahmad pergi samalam - „Ahmad ist gestern gekommen“. Dagegen wird die Kategorie des Tempus in vielen Sprachen sehr reich entwickelt, z. B. im Tschechischen, Deutschen, Englischen usw. (Bem.: Alle Sprachen, die bereits auch in der schriftlichen Form erfasst werden (die ersten aus der Zeit vor etwa 5000 Jahren) kennzeichnen sich durch eine reiche grammatische Struktur. Dasselbe gilt aber auch für die Sprachen der Naturvölker, deren Sprache auch in der Gegenwart nur mündlich überliefert wird, z. B. die zahlreichen Sprachen der Eingeborenen auf der Insel Papua-Neuguinea. Damit werden zwei Aspekte bestätigt: 1. es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Gesellschaft und der Kompliziertheit der Sprache. 2. die Fähigkeit des Menschen, eine solche komplizierte Struktur der Sprache zu gestalten, musste sich wesentlich früh entwickeln - wesentlich früher vor der Entstehung der ersten in der Schrift erfassten Sprachen. Diese Sprachen spiegeln bereits die Ergebnisse des langen Prozesses wider.)

Von Bedeutung ist auch der Grad der Grammatikalisierung der grammatischen Kategorien, der auch in den einzelnen Sprachen unterschiedlich sein kann. Erhart unterscheidet drei Phasen der Grammatikalisierung: prägrammatische, semigrammatische - diesen Phasen folgt der letzte Grad, die völlige Grammatikalisierung der grammatischen Kategorie, wobei diese Phase nur in wenigen Sprachen erreicht wird. Zu erwähnen ist noch die sog. kryptogrammatische Kategorie. Als solche wird diejenige Kategorie bezeichnet, für deren Ausdruck keine besonderen Formen entwickelt werden. Statt dessen werden bestimmte „umschreibende” Formen gebraucht. In diesem Zusammenhang ist z. B. die grammatische Kategorie des Kasus zu erwähnen. Im Tschechischen ist diese Kategorie völlig grammatikalisiert - die einzelnen Kasus werden durch formale Mittel = die einzelnen Kasussuffixe ausgedrückt. Dagegen werden im Französischen die einzelnen Kasus nur mittels der Präpositionen bezeichnet, die Form der Substantive ändert sich dabei nicht.

Für die Ausformung der grammatischen Kategorien stellt die Entstehung der Oppositionen einen wichtigen Aspekt dar. (Die Theorie der Entstehung der grammatischen Oppositionen stützt sich auf den Forschungen von Roman Jakobson und Nikolai Trubetzkoy, der Linguisten der Prager Schule. Trubetzkoy hat die Theorie der privativen Oppositionen in der phonologischen Ebene entwickelt. Diese Theorie hat dann Jakobson (mit bestimmten Veränderungen) auch auf die morphologische Ebene übertragen. Beide Theorien wurden während der weiteren Entwicklung von mehreren Linguisten, u. a. von Chomsky angewendet und weiter präzisiert.)

Konkrete Beispiele einiger morphologischer Oppositionen: für die Kategorie des Genus spielt die Opposition männlich (Maskulinum)/weiblich (Femininum) eine große Rolle, für die Kategorie des Tempus - die Opposition Präsens/Vergangenheit. Das eine Glied der Opposition vetritt die sog. unmarkierten Formen (in diesen konkreten Fällen sind das das Maskulinum und das Präsens), das andere Glied dann die sog. markierten Formen (das Femininum und die Vergangenheit). (In der Literatur werden auch andere Termini gebraucht: unmarkierte = merkmallose, engl. unmarked, tsch. bezpříznakové; markierte = merkmalhaltige = merkmalhafte, engl. marked, tsch. příznakové.) Der Hauptunterschied zwischen ihnen besteht in der Fähigkeit der unmarkierten Formen, die markierten zu ersetzen (die markierten Formen verfügen über diese Möglichkeit nicht). Daraus ergibt sich die Tatsache, dass die grammatischen Kategorien asymetrisch angeordnet sind. Vgl. z. B. die Sätze: Jeder Student (= Studenten + Studentinnen) kann die Fremdsprache lernen. Dagegen: Jede Studentin (= nur Studentinnen) kann die Fremdsprache lernen. (Der generische Gebrauch wird heute oft vermieden, in der gesprochenen Sprache werden v. a. im Plural oft die Paarformen gebraucht: Studenten und Studentinnen. In der geschriebenen Sprache werden diese Paarformen oft auf besondere Weise verkürzt: StudentInnen.) Was die Kategorie des Tempus betrifft: mit der unmarkierten Präsensform können alle Zeitebenen ausgedrückt werden: Morgen fahre ich ins Gebirge. (= Futur); Im Jahre 1348 gründet Karl IV die Universität. (= Vergangenheit); Die Erde dreht sich um die Sonne. (= die allgemeine Aussage, mit der angedeutet wird, dass eine Handlung in der Vergangeheit begonnen hat, in der Gegenwart verläuft und (wohl) in der Zukunft fortsetzen wird). Dagegen wird die Kompetenz der Vergangenheitsform nur auf eine Zeitebene – auf die Vergangenhiet beschränkt. Die Handlung wird als abgeschlossen ausgedrückt, sie spielt sich in der Gegenwart nicht mehr ab, z. B: Die Erde drehte sich (hat sich) um die Sonne (gedreht) - jetzt also nicht mehr.

Die Oppositionen waren zunächst (= in der Zeit vcr der Entstehung der grammatischen Kategorien) nur lexikalisch ausgedrückt, z. B. musste man immer neue, voneinander unabhängige Ausdrücke erdenken, z. B: Vater/Mutter, Bruder/Schwester, Mann/Frau usw., um das Genus ausdrücken zu können. Was die Kategorie des Tempus betrifft, spiegelt das oben erwähnte Beispiel des Malaysischen wohl die frühen Verhältnisse (= vor der Entstehung der Kategorie des Tempus) allgemein wider. Die Verben bezeichneten die Handlung des Verbs allgemein, ohne Hinsicht auf die Zeitebene.

Während der Entwicklung der Sprache (im Zusammenhang mit der Entwicklung des menschlichen Denkens, mit den immer neuen Kenntnissen, mit dem Bedürfnis, immer neue Gegenstände und komplizierte Handlungen präzis auszudrücken) entwickelt sich die Fähigkeit, die lexikalischen Mittel durch die formalen grammatischen Mittel zu ersetzen, indem die neuen markierten Formen von den unmarkierten abgeleitet worden sind. Z. B. entsteht die markierte Form Studentin aus dem unmarkierten Glied der Opposition Student - u. z. durch das Anhängen des Suffixes -in an das Wort Student. Es muss also kein ganz neuer Ausdruck mehr erdacht werden. Die neue Weise - die Verwendung der Suffixe stellt dagegen eine sehr ökonomische und daher auch produktive Möglichkeit der Bildung der Oppositionsformen für die neu entstehenden Ausdrücke dar. (Es gilt selbstverständlich nicht absolut.)

Was die Kategorie des Tempus anbelangt, wird die konsequente Bezeichnung der Zeitebenen neu durch die Ausformung und Unterscheidung der spezifischen Personalendungen (= formale grammatische Mittel, im Indoeuropäischen sind es die sog. primären und sekundären Endungen, vgl. 5.1.1.5.) erreicht, die an die einzelnen Verbalstämme angehängt werden, mit denen ursprünglich nur die unmarkierte neutrale „Tempusform“, bzw. nur der Verlauf einer Handlung ausgedrückt wird (es handelt sich noch um keine „reine“ Tempusform, denn es müssen mindestens zwei Formen nebeneinanderstehen, die durch formale Mittel unterschieden werden, damit man von der grammatischen Kategorie des Tempus sprechen kann, vgl. 5.1.). Mit den primären Endungen wird das Präsens angedeutet, mit den sekundären dann die Vergangenheit.


Während der Entwicklung der Gesellschaft und der sich daraus ergebenden neuen Ansprüchen an die Präzisierung der Sprache kommt es zur Ausformung neuer Oppositionen und auch zur weiteren Differenzierung der bereits entstandenen Oppositionen (z. B: entstehen die Tempora Futur, Futur II, Plusquamperfekt usw.) Diese große Spezialisierung der einzelnen Formen und die Verwendung von immer neuen markierten Ausdrücken bringt in einigen Fällen auch Gegenbestrebungen mit sich - es setzt sich oft die Tendenz durch, die Ausdrucksweise zu vereinfachen und sich zu den älteren und weniger spezialisierten Formen zurückzukehren (z. B. ist es in bestimmten Fällen möglich, Plusquamperfekt durch Perfekt zu ersetzen usw. ). Oft werden auch die unmarkierten Formen vor den markierten bevorzugt (z. B. Präsens statt Futur I usw.).

2. Die Struktur des Wortes und deren Entwicklung
Die Struktur des Wortes hat seit dem Indoeuropäischen viele wesentliche Veränderungen durchgemacht, was auch ihre Folgen für die Entwicklung auf der Ebene der Grammatik hatte. Darum wird hier kurz die Struktur des Wortes und die wichtigsten Veränderungen beschrieben. Es wird auf die wichtigsten Aspekte aufmerksam gemacht, die in der Geschichte der Sprache eine wichtige Rolle gespielt haben.
2. 1. Die Struktur des neuhochdeutschen Wortes

Ein Wort kann in getrennte Elemente = Morpheme segmentiert werden, es können also Morphemgrenzen festgelegt werden. Das Morphem (= die kleinste bedeutungstragende Einheit) stellt eine Abstraktion dar und wird in dem betreffenden Wort durch Morphe vetreten und realisiert. Es gibt mehrere Arten von Morphemen, traditionell werden drei unterschieden:



  1. lexikalische Morpheme (bei einigen Authoren als Lexeme bezeichnet) - bei Substantiven und Verben entsprechen sie dem wiederkehrenden bedeutungstragenden Element, das gewöhnlich als Wurzel bezeichnet wird.

  2. grammatische Morpheme (Flexionsmorpheme) - die Endungen.

  3. wortbildende Morpheme - Präfixe, Suffixe, Infixe.

Aus der Sicht der Semantik (= die Lehre von den sprachlichen Zeichen) stellen die Morpheme einer der Ebenen der Sprache dar (die Sprache kann man als System auffassen, das aus mehreren Ebenen besteht (z. B. die phonologische, morphologische, lexikalische Ebene usw.), wobei sich die Funktion der Glieder der betreffenden Ebenen in der Beziehung zu den Mitgliedern ergibt. Diese Beziehungen bezeichnet man als paradigmatische und syntagmatische Beziehungen.



Die Morpheme und die syntagmatischen („horizontalen“) Beziehungen

Das Syntagma = Kombination von mindestens zwei Elementen derselben Ebene der Sprache. Damit die einzelnen Elemente (hier die Morpheme) nebeneinander stehen können (und so das Syntagma bilden) müssen einige wichtige Bedingungen erfüllt werden: vor allem die lexikalische und grammatische Kompatibilität (Verträglichkeit) der einzelnen Elemente.

Beispiele: das Suffix -agoge kann nur in Fremdwörtern gebraucht werden: Pedagoge : *Geschichtologe ; das Suffix -bar kann nur bei Adjektiven stehen; das Präfix Vize- kann nur im Zusammenhang mit den Funktionen der Menschen, nicht der Dinge gebraucht werden; die Endung -en kann als Merkmal des Partizips II nur bei den starken Verben stehen, nicht bei den schwachen usw.

Die Morpheme und die paradigmatischen („vertikalen“) Beziehungen

Das Paradigma = eine Klasse von Elementen (in diesem konkreten Fall sind das die Morpheme), die äquivalent sind und die an einer konkreten Stelle gegenseitig substituierbar sind. Die einzelnen Morpheme stehen so in paradigmatischen Beziehungen zu anderen Morphemen, die statteinander vorkommen können.

Die wichtigsten paradigmatischen Beziehungen sind:

1. Synonymie: z. B. die Präfixe un-, in-, im-.

2. Polysemie: z. B. die Endung -en wird für die Bildung sowohl der Pluralformen der schwachen Feminina, als auch für die Bildung der Pluralformen der schwachen Maskulina gebraucht.

3. Homonymie: z. B. der Morph -er: 1. in der Steigerung der Adjektive

2. in der Pluralform von Substantiven

3. in der Flexion der Adjektive

Die Homonymie der Morphe hat eine besondere Entwicklung in der Geschichte der Sprache durchgemacht, wofür die im Germanischen verlaufene Akzentverschiebung und die damit zusammenhängende Reduzierung und Abschwächung der vollen Vokale, Schwund einiger nicht betonter Silben und andere Lautprozesse verantwortlich sind. Seit dem Germanischen nimmt die Zahl der homonymen Morphe sehr zu, worauf noch später aufmerksam gemacht wird.



4. Opposition: z. B: -voll :-los, -haltig : frei = die sog. antonymische Opposition; -er :-erin = pragmatische Opposition.

5. Hierarchie: Hyperonymie und Hyponymie.
Wie schon angedeutet wurde, sind die Morpheme durch Morphe vertreten, die entweder frei (selbstständig) oder gebunden (nur innerhalb der Wörter) auftreten können.

Die Beziehung zwischen den Morphemen und den entsprechenden Morphen kann dreierlei Formen aufweisen:



  1. die Zahl der Morpheme entspricht der Zahl der Morphe, z. B. im Wort lieb - te: 2 Morpheme - lieben + Vergangenheit - 2 Morphe: 1. lieb = die Wurzel + 2. -te = Zeichen der Vergangenheitsform.

  2. mehr Morpheme als Morphe, z. B. im Wort flog: - 2 Morpheme - 1. fliegen + 2. Vergangenheit - 1 Morph.

  3. Mehr Morphe als Morpheme, die sog. diskontinuierlichen Morphe (die einzelnen Morphe können durch andere Morphe getrennt werden, sie stellen den Übergang zwischen der Morphologie und der Syntax dar). Z. B: Er ist nach Spanien geflogen. Die Form ist geflogen verbirgt in sich: 2 Morpheme (1. fliegen + 2. Vergangenheit) und 5 Morphe: 1. das lexikalische Morph, d. h. die Wurzel + 4 Morphe als Vergangenheitszeichen: 2. ist + 3. ge- + 4. Änderung des Wurzelvokals + 5. die Endung -en.

Einige Morpheme können durch mehrere Morphe realisiert werden, es handelt sich um die sog. Allomorphe. Sie haben dieselbe grammatische Funktion und stehen nicht in der Opposition. Der Gebrauch des betreffenden Allomorphs in einem bestimmten Wort hängt mit phonetischen, lexikalischen und morphologischen Faktoren zusammen. Beispiele der phonetisch bedingten Allomorphie: die Bildung des Präteritums der schwachen Verben durch - ete oder -te hängt von der Lautumgebung ab. Beispiele der lexikalisch bedingten Allomorphie - die Pluralbildung der Substantive - Tag /Tage, aber: Gast/Gäste, Hand/Hände, Land/Lande/Länder. Dieselbe Regel bezieht sich auch auf die abgeleiteten Suffixe - täglich/gastlich, ländlich/landlich. (Diese Varibialität spiegelt nach Wells das ziemlich späte Entstehen der deutschen Standardsprache wider. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass die deutsche Standardsprache in sich Merkmale aus mehreren Dialektsgebieten einbezieht. Die erwähnten lexikalischen Allomorphien stellen so die mundartlichen Varianten dar.)

Beispiele der morphologisch bedingten Allomorphie: die Bildung der Endung der 3. P. Sg., z. B.: die Präsensform mit dem Personenmorph -t, die Präteritalform mit dem Nullmorph (im Falle der starken Verben), die Konjunktivform mit dem Personenmorph -e usw.

Eine spezielle Kategorie stellen die Nullmorphe dar, die auch sehr funktional sein können, z. B. die Anwesenheit einer Pluralendung gegenüber dem Fehlen einer Endung im Singular bildet eine übersichtliche Numerusopposition, z. B: Sg. die Frau + Ø : Pl. die Frau + -en.

Während der Geschichte der deutschen Sprache kommt es zu der Entwicklung auf der morphologischen Ebene, man kann eigentlich drei Arten des morphologischen Wandels (die Übersicht wird von Wells übernommen) feststellen:


  1. keine Veränderung - die Zahl der Morpheme entspricht auch weitehin der Zahl der Morphe.

  2. morphologische Verschmelzung - zwei oder mehrere Morpheme lassen sich nicht mehr als selbstständige Morphe unterscheiden (v. a. wegen den oben genannten Lautprozessen, vgl. noch weiter).

  3. morphologische Spaltung – die Morpheme werden durch mehrere Morphe vertreten. (Damit wird v. a. die Entstehung der analytischen Mittel gemeint.)

Das Deutsche entwickelt sich während der Geschichte von der synthetischen zur analytischen Sprache, was bedeutet, dass der Gebrauch von diskontinuierlichen Morphen immer zunimmt. Beispiel: ide. * dhogw h - / -o-/ -s - nhd. Tag. An der Form des indoeuropäischen Wortes kann man gleich Kasus, Numerus, Genus und die Zugehörigkeit zu der betreffenden Klasse identifizieren. Die Wortform Tag verrät dagegen eigentlich nur die Kategorie des Numerus. Andere Kategorien müssen durch die analytischen Mittel ausgedrückt werden, z. B. durch den Artikel. Die grammatischen Beziehungen werden immer mehr durch die Syntax vermittelt.


2. 2. Die Nominal - und Verbalformen im Indoeuropäischen und im Germanischen
Die ide. und germ. Nominal - und Verbalformen weisen eine dreiteilige Struktur auf: *dhogw h - / - o - / - s - „der Tag”- 1. = die Wurzel, 2. = das stammbildende

1. 2. 3. Element, 3. = die Flexionsendung.

3. P. Sg. germ.* bend- / - i -/ -þ(i) „er bindet“.

(Die Entwicklung zum Nhd: ide. *dhogwhos > germ. *dagaz > ahd. tag > mhd. tac > nhd. Tag; 3. P. Sg. Ind. Akt. germ. *bendiþi (ide. Wurzel *bhendh-, das stammbildende Element

-é und die Endung -ti / -) …ahd. bindit > mhd. bindet > nhd. bindet.)

(Bem: in der folgenden Analyse werden die einzelnen Teile des Verbs in der Kursive geschrieben.



1. ide. *dhogw h- , *bhendh- = die Wurzel – ein notwendiger Bestandteil der Nominal - und Verbalformen, der semantische Wortkern, Träger der lexikalischen Bedeutung. Die Wurzel ist allen davon abgeleiteten Formen gemeinsam. Sie stellt in den meisten Fällen kein Wort dar und kann daher nicht selbstständig auftreten. Die Wurzel ist meistens einsilbig. Was den Ablaut betrifft, weist die ide. Wurzel meistens nur einen Ablaut auf, wobei seine Position nach Kümmel v. a. distinktive Funktion hat, z. B: *ters „vertrocknen“ - *tres „zittern“. Im Germanischen erhält der Ablaut eine wichtige Rolle bei der Bildung des Präteritums der starken Verben, vgl. 5.1.2.2.)

2. ide. *-o-, *-é- das stammbildende Element (andere Bezeichnungen: Klassenmorphem, Stammsuffix, Thema, Ableitungssuffix, vgl. noch 2.2.1.). Dieses Element verbindet zwei Funktionen in sich:


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