Masarykova univerzita



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MASARYKOVA UNIVERZITA

Filozofická fakulta

Ústav germanistiky, nordistiky a nederlandistiky
Geschlechtsspezifische Phraseologie

im System und Text

Magisterská diplomová práce

Vypracovala: Bc. Hana Řezníčková

Vedoucí diplomové práce: PhDr. Jiřina Malá, CSc.

Brno 2009

Ich erkläre, dass ich meine Diplomarbeit selbstständig geschrieben habe und dass ich nur die im Literaturverzeichnis angeführten Quellen verwendet habe.

…………………………………….

An dieser Stelle möchte ich mich bei Frau PhDr. Jiřina Malá, CSc. für ihre wertvollen Ratschläge und Hinweise, die für diese Arbeit hilfreich waren, herzlich bedanken.


Inhalt
I. Vorwort der Diplomarbeit 6
II. Theoretische Grundlagen von Phraseologie 7
1. Phraseologie als wissenschaftliche Teildisziplin 7

1.1. Gegenstand der Phraseologie 7

1.2. Entwicklung der Phraseologie 8

2. Merkmale der Phraseologismen 9

2.1. Polylexikalität 9

2.2. Festigkeit 9

2.3. Idiomatizität 12

2.4. Lexikalisierung 13

3. Konnotationen 14

4. Klassifikation und Terminologie 16

4.1. Klassifikation nach dem Kriterium der Zeichenfunktion 16

4.2. Spezielle Klassen 18



III. Geschlechtsspezifische Phraseologie im System 22
1. Einführung in den Bereich der Geschlechtsspezifik 22

1.2. Problemaufriss der geschlechtsspezifischen Phraseologie 22


2. Die Systematik Geschlechtsspezifische Phraseme 23

2.2. Geschlechtsspezifische Aspekte im Komponentenbestand

der Phraseme 23

2.3. Geschlechtsspezifische Aspekte bei der Verwendung

der Phraseme 25

2.4. Dubletten der geschlechtsspezifischen Phraseologismen 36



IV. Geschlechtsspezifische Phraseologie im Text 39
1. Phraseologismen im Text 39

1.1. Phraseologismus und Textsorten 39

1.2. Funktionen der Phrasemen in Pressetexten 40

1.3. Modifikationen der Phraseme 41


2. Charakteristik der Zeitschrift ‚DER SPIEGEL‘ 43


  1. Die Analyse der Verwendung der geschlechtsspezifischen

Phrasemen in Pressetexten 44
4. Das Ergebnis der Analyse 96
V. Das Schlusswort der Diplomarbeit 98

VI. Literaturverzeichnis 99




VORWORT DER DIPLOMARBEIT
In meiner Diplomarbeit werde ich mich mit der geschlechtsspezifischen Phraseologie beschäftigen. Die Diplomarbeit wird in drei Hauptteile gegliedert.

Der erste Teil (II.) richtet sich auf die Theorie der Phraseologie. Ich gehe von den theoretischen Grundlagen aus, die ich schon in meiner Bakkalaureatsarbeit erarbeitete, manche Kapitel werden jetzt ausführlicher behandelt, wie z.B. spezielle Klassen der Phraseme.

Der zweite Teil (III.) ist der Geschlechtsspezifik gewidmet. Zuerst werden die Grundinformationen zu diesem Bereich angeführt und dann die geschlechtsspezifische Phraseologismen von verschiedenen Gesichtspunkten aus klassifiziert.

Der dritte Teil (IV.) besteht in der Analyse der Pressetexte, in denen die geschlechtsspezifischen Phraseme vorkommen. Ich werde mit der elektronischen Version des Magazins ‚Der Spiegel’ arbeiten.

Diese Arbeit setzt sich als Ziel die Übersicht über die Theorie der geschlechtsspezifischen Phraseologie zu schaffen und die Tendenz bei der Anwendung der geschlechtsspezifischen Phraseologismen festzustellen.





THEORETISCHE GRUNDLAGEN

VON PHRASEOLOGIE

1. Phraseologie als wissenschaftliche Teildisziplin
Phraseologie gehört zu jungen sprachwissenschaftlichen Teildisziplinen der Lexikologie. Der Terminus Phraseologie (wie auch Phraseologismus) kommt von Charles Bally und wurde dann durch sowjetische Linguisten weiterentwickelt. Der Terminus muss aber als doppeldeutig betrachtet werden, er betrifft sowohl die sprachwissenschaftliche Disziplin als auch ihr Objekt, d.h. den ganzen Bereich der Phraseologismen.



    1. Gegenstand der Phraseologie

Als Gegenstand der Phraseologie wird eine Verbindung von zwei oder mehr Wörtern, die als eine Einheit wahrgenommen wird, bezeichnet. Überdies muss der Ausdruck ein Autosemantikum enthalten. Zur Benennung des Gegenstandes wird vor allem der Termin Phraseologismus, der aus dem griechisch-lateinischen Wort ‚phrasis’ (rednerischer Ausdruck) stammt. Äquivalente Ausdrücke sind phraseologische Wortverbindung, feste Wortverbindung und Phrasem (die Verkürzungsform des Phraseologismus).

Einige Autoren wie Thun haben eine negative Einstellung zum Begriff ‚das Phrasem’, weil es sowjetische Phraseologieforscher für die Bezeichnung einer bestimmten Klasse der Phraseologismen verwenden. In meiner Diplomarbeit werde ich mit folgenden Bezeichnungen für der Gegenstand der Phraseologie arbeiten: Phraseologismus, Phrasem und phraseologische Wortverbindung.

(vgl. Buhofer- Burger-Sialm 1982, Burger 2003, Fleischer 1997, Thun 1978)





    1. Entwicklung der Phraseologie

Die Phraseologieforschung setzte schon im 17. Jh. an, zuerst orientierten sich die Autoren auf das Sammeln der Sprichwörter, später auch der geflügelten Worte. Erst die Junggrammatiker wie Paul, Ries oder Behaghel behandelten Phrasemen vom grammatischen Gesichtspunkt aus, sie nahmen sie „als besondere Erscheinungen gegenüber den freien Verbindungen“1 wahr. Aber in ihren linguistischen Arbeiten wurde den Phrasemen nicht die Aufmerksamkeit gewidmet.


Anfang 20. Jh. entstanden die Arbeiten von Charles Bally, die für die europäische Phraseologie sehr wichtig waren, dort erschienen zuerst die Termini ‚Phraseologie’ und ‚Phraseologismus’. In den 40er Jahren des 20. Jh. wurden diese Begriffe von Viktor Vinogradov für die russische Sprachwissenschaft modifiziert.

Die ersten theoretischen Werke, die die deutsche Phraseologie betreffen, wurden von R. Klappenbach und E. Agricola in den 60er Jahren herausgegeben. Diese Werke basierten an der lexikographischen Praxis ihrer Autoren. Die deutsche Phraseologie wurde vor allem durch die sowjetische Phraseologieforschung beeinflusst und namentlich von I. Černyševa, die in den 70er Jahren eine selbständige Gesamtdarstellung der deutschen Phraseologie verfasste. Zu den gegenwärtigen deutschsprachigen Linguisten, die sich mit der Phraseologie beschäftigen, gehören Fleischer, Burger, Buhofer, Sialm, Palm, Hessky usw.




2. Merkmale der Phraseologismen
Die Phraseologismen lassen sich durch vier wichtige Eigenschaften charakterisieren: Polylexikalität, Festigkeit, Idiomatizität und Lexikalisierung. Wenn die phraseologischen Wortverbindungen Polylexikalität und Festigkeit aufweist, gehört diese zur Phraseologie im weiteren Sinne. Wenn sich der Phraseologismus auch noch durch die Idiomatizität, auszeichnet, ordnen wir diese zur Phraseologie im engeren Sinne.

2.1. Polylexikalität
Das erste Merkmal lässt sich so erklären, dass der Phraseologismus aus mehr als einem Wort besteht. Für die Zahl der Komponenten im Ausdruck sind gewisse Beschränkungen festgelegt. Die untere Grenze bilden mindestens zwei Wörter, es ist aber umstritten, ob man in die Zahl der Wörter auch Verknüpfungselemente (Pronomina, Präpositionen, Artikel, Konjunktionen) oder nur Basiselemente (Substantive, Adverbien, Numeralia, Verben) einbezieht. Die obere Grenze wird syntaktisch auf die Länge eines Satzes festgelegt. Zu Grenzfällen gehören Ausdrücke, die nur aus einem Wort bestehen, sog. Einwortphraseme wie Löweanteil, Herzenangelegenheit und Wellerismen, bei denen es sich um eine witzige Erweiterung des Sprichwortes handelt, z. B.: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß, sagte der Ochse, als er gebraten wurde.

2.2. Festigkeit
Die Festigkeit auch Stabilität genannt, wird durch eine bestimmte Kombination der einzelnen lexikalischen Elemente definiert; diese Elemente werden dann als eine sprachliche Einheit gebraucht. Wir unterscheiden lexikalisch-semantische Stabilität, bei der der Austausch der Komponente meistens unmöglich ist, und morphosyntaktische Stabilität, bei der innerhalb des Phrasems die Regeln des Sprachsystems eingehalten werden.

2.2.1. Irregularitäten
Es gibt verschiedene Anomalien, die die Gesetze des Sprachsystems verletzten. In vielen Fällen handelt es sich um morphosyntaktische Irregularitäten, die durch ältere Formen einiger Ausdrücke verursacht werden– z. B. auf gut Glück, wo gut als unflektiertes attributives Adjektiv funktioniert.
2.2.2. Restriktionen
Im Rahmen der Festigkeit gibt es im Sprachsystem Einschränkungen, nach denen sich die Anwendung der Phraseologismen regelt.
2.2.2.1. Morphosyntaktische Restriktionen
Man ist durch die Regeln des sprachlichen Systems beschränkt, d.h. man kann keine morphologischen und syntaktischen Operationen frei durchführen. Es kann zur Verschwindung der phraseologischen Bedeutung kommen. Dafür einige Beispiele:


  1. das Adjektiv kann nicht in prädikative Position versetzen werden

Das ist kalter Kaffee. → *Der Kaffe ist kalt.


  1. das Element kann nicht in einen Relativsatz umgewandelt werden

Das ist kalter Kaffee. *Das Kaffee, der kalt ist.


  1. der Ausdruck kann nicht in den Plural gesetzt werden

Das ist kalter Kaffe. *Das sind kalte Kaffees.


  1. der Tempus kann bei einigen verbalen Phrasemen nicht verändert werden Otto hat einen Narren an Emma gefressen *Otto fraß einen Narren an Emma.

2.2.2.2. Lexikalisch-semantische Restriktionen
Die Ersetzung eines Elements innerhalb der phraseologischen Verbindung durch einen synonymen oder bedeutungsähnlichen Ausdruck löst meistens die phraseologische Bedeutung. Aus diesem Grund ist der Ersatz der Komponente begrenzt:

die Flinte ins Korn werfen *das Gewehr ins Korn werfen

→ *die Flinte in den Hafen werfen



Die lexikalische Besetzung muss sehr streng bei Unikalia („d.h. Wörtern, deren Formativ außerhalb des Phraseologismus überhaupt nicht vorkommt“2, z. B. sich nicht lumpen lassen) eingehalten werden. Die Komponenten könnenweder durch ein entsprechendes Element ersetzt noch miteinander verwechselt werden, z.B. *klar und klipp.
2.2.3 Variation und Varianten
Die phraseologische Stabilität ist nach einigen Autoren nur begingt gültig und deshalb zeichnet sich durch facettenreiche Variante aus. Unter der Variation verstehen wir usuelle Veränderungsmöglichkeiten an der lexikalischen Ebene, die im Phraseolexikon gespeichert sind. Fleischer beschreibt die Variationen in dreierlei Hinsicht:


  1. morphologische bzw. auch syntaktische Veränderung: diese haben Auswirkung z. B. in Numerus (seine Hand/Händchen im Spiel haben), Rektion (große Stücke halten auf j-n/ von j-m), Lautstruktur (etw. ist gehupft / gehüpft wie gesprungen).




  1. Austausch lexikalischer Komponenten des Phraseologismus: es werden phraseologische Synonyme (auf den Arm/die Schippe nehmen) oder Antonyme (auf dem aufsteigenden/absteigenden Ast sein) vermittelt.




  1. Erweiterung oder Reduktion des Phraseologismus: (z. B. auf der Achse sein / immer auf der Achse sein).


2.2.4. Modifikationen
Die Festigkeit der Phraseme ist relativ und diese Tatsache wirkt sich in der Modifikation aus. Im Gegensatz zu der Variation, bei der es um usuelle Erscheinungen geht, ist die Modifikation eine gelegentliche Umformung eines Phrasems, die für einen Text gestaltet wurde.
2.3. Idiomatizität
Die Idiomatizität ordnet sich zu semantischen Aspekten und wirkt sich dadurch, dass die Bedeutung der ganzen Wortkette nicht aus der Bedeutung der einzelnen phraseologischen Konstituente nicht verstanden wird. In solchem Falle geht es um die übertragene bzw. phraseologische Bedeutung. (Dagegen steht die wörtliche Bedeutung, die natürlich aus den phraseologischen Komponenten gewonnen wird, überdies gibt es noch die freie Bedeutung, bei der eine Komponente des Phraseologismus außerhalb des Phraseologismus stehen kann, wo sie eine bestimmte Bedeutung hat). Falls es kein Zusammenhang zwischen der freien und phraseologischen Bedeutung auf der Ebene des Sprachsystems gibt und eine Gegensätzlichkeit zwischen der phraseologischen und wörtlichen Bedeutung des vollständigen Ausdrucks zu finden ist, kann Ausdruck als idiomatisch im semantischen Sinne bezeichnet werden.. Nach dem Unterschied zwischen der wörtlichen und idiomatischen Bedeutung können Grade der semantischen Idiomatizität festgestellt werden:

  1. idiomatischals Beispiel können wir j-m einen Korb geben oder Öl ins Feuer gießen nennen

  2. teil-idiomatischeinen Streit vom Zaun brechen: der Ausdruck vom Zaun brechen ist idiomatisch und der Ausdruck einen Streit besitzt eine freie Bedeutung

  3. nicht-idiomatischsich die Zähne putzen: bei diesem Ausdruck gibt es keinen oder minimalen Unterschied zwischen der wörtlichen und phraseologischen Bedeutung.

2.4. Lexikalisierung
Das letzte Merkmal des Phrasems ist die Lexikalisierung, was die Aufnahme und Speicherung im Lexikon bedeutet. Die syntaktischen Konstruktionen werden lexikalisiert, was dazu führt, dass „sie nicht mehr nach einem syntaktischen Strukturmodell in der Äußerung ‚produziert’, sondern dass sie als ‚fertige’ lexikalische Einheit ‚reproduziert’ wird.“3
(2. Merkmale der Phraseologismen: vgl. Fleischer 1997, Burger 2003, Burger-Jaksche 1973, Palm 1995)

3. Konnotationen
Unter dem Begriff Konnotationen werden zusätzliche Markierungen, die über die Einstellung des Nutzers oder die Verwendungsebene informieren, verstanden. Die Konnotationen beziehen sich nicht auf den Inhalt des Phraseologismus und sind

u. a. für die Expressivität der Sprache wichtig. Es gibt fünf Ebenen, die die Konnotationen betreffen:




  1. kommunikative Ebene, sog. Stilschichten

Unter dem Gesichtspunkt der Stilschichten sind diese Gruppen zu unterscheiden:

  • neutral/normalsprachlich, etw. für den inneren Menschen tun (sich verpflegen); in den Wörterbüchern ist die Ebene ‚neutral/normalsprachlich’ nicht mit Markierung versehen, aber hier wird für die Vollständigkeit angeführt)

  • bildungssprachlich, in medias res kommen (unmittelbar zur Sache kommen)

  • gehoben, seine Hände in Unschuld waschen (j-d verzichtet auf die Verantwortung)

  • dichterisch, von Amors Pfeil getroffen (sich verlieben)

  • umgangssprachlich, etw. zum alten Eisen werfen (etw. nicht mehr brachen)

  • salopp, j-s Hosen sind voll (j-d hat Angst)

  • vulgär, j-m die Fresse polieren (j-n stark ins Gesicht schlagen)




  1. emotionale Ebene

Die Emotionalität wirkt sich in diesen Stilfärbungen aus:

  • scherzhaft, im Adamskostüm sein (nackt sein)

  • ironisch, seinen zweiten Frühling erleben (sich im reifen Alter nochmals verlieben)

    • euphemistisch (verhüllend), Tüten kleben (im Gefängnis sein)

    • negativ/ abwertend/ pejorativ, j-m aus. etw. einen Strick drehen (j-m zum Fall bringen)

    • positiv, mit j-m Pferde stehlen können (j-m vertrauen)

  1. Funktionsbereich

Dieser Bereich ist situationsabhängig:

  • Sport, j-m schachmatt setzen (j-m besiegen)

  • Justiz, j-n unter Eid nehmen (j-n schwören lassen)

  • Medizin, ans Bett gefesselt sein (unbeweglich sein)

  • Militär, scharf laden (scharfe Munition)

  • Administrative, Antrag stellen

  • sozialer Bereich, null Bock haben (jugendsprachlich, keine Lust haben), ein Bäuerchen machen (familiär, aufstoßen)




  1. regionale Ebene

Auf Grund der Unterschiede zwischen den Regionen entstehen:

  • Teutonismen (Binnendeutsch), etw. aus Daffke tun (berlinisch, aus Trotz machen)

  • Austriazismen: sich ziehen wie ein Strudelteig (österreichisch, lange dauern)

  • Helvetismen, ein Extrazüglein fahren (deutschsprachige Schweiz, auf eigene Verantwortung fahren)




  1. zeitliche Ebene

Nach der Aktualität besteht folgende Einteilung:

  • archaisiert/ veraltet, den Bund der Ehe eingehen (heiraten)

  • Neologismen (meistens Anglizismen), down sein (sich niedergeschlagen füllen)

(vgl. Burger 2003, Fleischer 1997, Malá 2006)


      1. Klassifikation und Terminologie

Die phraseologische Klassifikation und Terminologie ist ganz uneinheitlich, während der Existenz der Phraseologieforschung wurden verschiedene Klassifikationen und Terminologien gebildet. Heutzutage tendiert die Forschung in dem Bereich der Phraseologie zur Vereinbarung der Klassifikationskriterien und zur Festlegung der Hauptklassen In der Regel werden die Kriterien kombiniert, vor allem das syntaktische, semantische und pragmatische.



Die folgende Klassifikation berücksichtigt das pragmatische Kriterium der Zeichenfunktion, das bei Burger (vgl. Burger 2003) vorkommt.
4.1. Klassifikation nach dem Kriterium der Zeichenfunktion
Nach dem Kriterium der Zeichenfunktion teilen wir folgende Gruppe von Phraseologismen ein: refentielle, strukturelle und kommunikative Phraseologismen. Dieses Kriterium orientiert sich vor allem auf die Phraseme in der Kommunikation.

  1. refentielle Phraseologismen: unter den refentiellen Phrasemen, in Bezug auf das semantische Kriterium, sind nach Burger nominative und propositionale Phraseologismen zu unterscheiden. Die nominale Phraseme beziehen sich auf Objekte und Vorgänge, z. B. das schwarze Brett, und propositionale Phraseme geben Auskunft über Objekte und Vorgänge, informieren z.B. Morgenstund hat Gold im Mund.

In Bezug auf die Semantik, nach dem Grad der Idiomatizität, können die referentiellen nominativen Phrase in drei Haupttypen gegliedert werden: Idiome, Teilidiome und Kollokationen (nicht- oder schwach-idiomatische Phraseologismen).


  1. strukturelle Phraseologismen: sie werden im Rahmen der Sprache benutzt, wodurch grammatische Relationen entstehen, z. B. in Bezug auf oder sowohl-als auch.

Unter dem Gesichtpunkt der Idiomatizität sind im Rahmen der strukturellen Phraseologismen zwei große Untergruppen zu unterscheiden: feste Phrasen und topische Formeln. Diese Einteilung bringt ein Problem mit: die Klasse Sprichwörter fasst nur der idiomatische Teil der Sprichwörter um, der nicht-idiomatische Teil wurde in eine andere Klasse einbezogen.


  1. Feste Phrasen

Feste Phrasen sind Formulierungen, die zwar satzwertig sind, aber mit dem Text verbunden werden müssen. Die Verbindung folgt durch verfestigte Komponente oder durch spezielle Elemente, die zu diesem Zweck formuliert werden. Wir unterscheiden im Bezug auf Verbindungselemente drei Typen der festen Phrasen:


    1. Das deiktische Element ‚das’ verbindet den Ausdruck mit dem vorhergehenden Gesprächsbeitrag oder Situation: das schlägt dem Fass den Boden aus.

    2. Das Anschluss des Phrasems an die Situation wird durch die Leerstellen geleistet, meistens handelt es sich um Attribut oder Dativobjekt: j-m geht ein Licht auf

    3. Als Verbindungselement dienen bei diesem Typ Partikeln und Adverbialen, also kein auffälliges Oberflächenelement, z.B. auf Familienurlaub an der See geht die Post ab.




  1. Topische Formeln

Unter dem Begriff topische Formeln sind satzwertige, ohne Kontext verständliche, Formulierungen zu verstanden. Sie müssen also nicht durch zusätzliche lexikalische Elemente mit der Situation verbunden werden. Man kann sie noch in zwei Hauptgruppen einteilen: Sprichwörter und Gemeinplätze.

  • Sprichwörter oder Parömien, sind feste Satzkonstruktionen, die sich durch lexikalische Stabilität und oft auch durch metaphorische Bedeutung auszeichnen. Sie bilden in sich abgeschlossene Sätze und können auch als selbstständige ‚Mikrotexte’ auftreten. Die Parömien haben sehr oft eine lehrhafte Tendenz: Wie man in den Wald hineinschreit, so schallt es heraus. Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.

  • Gemeinplätze bewerten oft Situationen, so dass sie allgemeine Selbstverständlichkeiten interpretieren. Für die Anschaulichkeit Beispiele: Man lebt nur einmal.Was sein muss, muss sein.




  1. kommunikative Phraseologismen: haben die Aufgabe kommunikative Handlungen herzustellen, zu beschreiben und zu beenden, z. B. Guten Tag; ich meine. Man nennt sie auch Routineformeln oder kommunikative Formeln.


4.2. Spezielle Klassen
Zwillingsformeln, Paarformeln, phraseologische Wortpaare

Charakteristisch für diese spezielle Gruppe ist die Struktur: in manchen Fällen geht es um zwei Wörter der gleichen Wortart, die eine Konjunktion (in der Regel - und) oder Präposition (in, an) verbindet. Als Komponenten können unikale Komponenten, Synonyme, Antonyme oder mit dem Stab- oder Endreim verbundene Komponente vorkommen.

Die meisten Autoren unterscheiden nicht zwischen den Zwillingsformeln, Paarformeln und phraseologischen Wortpaaren, aber es gibt Vorschläge zur terminologischen Differenzierung, die sich u. a. auf ihre Semantik und historische Entwicklung stützen können:


  • Paarformeln: es handelt sich um zwei verschiedene Wörter der gleichen Wortart, die durch eine Konjunktion verbunden sind, die Reihenfolge der zwei Wörter ist fest. Weitere wichtige Merkmale sind der semantischen und morphosyntaktischen Art: „Für die prototypischen idiomatischen Paarformeln ist kennzeichnend, dass sie nicht zwei Denotate bezeichnen, sondern auf einen Gesamtbergriff deuten, wie in Himmel und Erde (in Bewegung setzten) ’alles’. Gänzlich irreversibel sind Paarformeln, wenn so genannte unikale Komponenten beteiligt sind, wie in gang und gäbe, Kind und Kegel. Ein weiteres Kennzeichen vieler Paarformeln sind bestimmte morphosyntaktische Besonderheiten, z.B. der Ausfall von Artikeln und Präpositionen bei substantivischen Paarformeln wie in über Stock und Stein.4




  • phraseologische Wortpaare: diese sind wieder die Wörte der gleichen Wortart wie Paarformeln, die mit und, oder, wie, weder-noch verbunden sind. Im Unterschied zu den Paarformeln bezeichnen sie zwei Denotate. Man unterscheidet zwei Stufen:

  1. diese „Wortpaare können jederzeit okkasionell nach dem bekannten produktiven Strukturmuster gebildet werden, vgl. etwa Entstehung und Entwicklung.“5

  2. die zweite Gruppe der phraseologischen Wortpaare kann man als Begriffspaare bezeichnen, weil der Begriff lange ganz unveränderlich blieb. Was die Regel der Morphosyntax und Reihenfolge betrifft, sind sie ziemlich frei, die Wahl der lexikalischen Komponente ist – unter der Berücksichtigung eines engen semantischen Musters auch veränderbar, z. B. Mann und Frau resp. Frau und Mann

Phraseologische Wortpaare sind im Vergleich zu den Paarformeln nicht als eine feste Formel wahrgenommen.


  • Zwillingsformeln: Zwillingsformeln bilden zwei identische Wörter, die konjunktional oder präpositional zusammengefügt sind. Als Beispiele: Schulter an Schulter, Auge um Auge, nach und nach.

Zu der Gruppe der Paarformeln, phraseologischen Wortpaaren und Zwillingsformeln werden manchmal auch die synonymen Wortpaare gezählt, wie arbeiten und schaffen oder siech und krank.



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