Evangelisches Gemeindelexikon



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B


Baader, Franz Benedikt Xaver von, * 27.

  1. 1765 München, t 23. 5. 1841 ebda, kath., studierte zuerst Medizin (Dr. med. Ingol­stadt, 1785), dann Bergbau, Oberbergrat in München, 1820 pensioniert, nachher philo­sophischer Schriftsteller, Vorlesungen an der Universität München, stark beeinflußt von Boehme, Oetinger und Schelling, schar­fer Kritiker Kants. B. ist einer der prägnante­sten Vertreter des romantischen Organis­musgedankens. Er lehnt sowohl den Libera­lismus der Radikalen ab, der zur —> Revolu­tion und zur Zerstörung aller Gemeinschaft (auch im Völkerleben) führe, wie auch die Despotie, den Absolutismus (daher auch die Unfehlbarkeit und »Diktatur« des Papstes), weil sie das schöpferische und harmonische Wachstum unterdrücke. Stattdessen bejaht er die Evolution und die Mannigfaltigkeit im Gesamtleben, wie sie in der Natur vorgebil­det ist. In sozialer Hinsicht verficht er den korporativen Gedanken, dem die relative Selbständigkeit der Stände und Gruppen in­nerhalb einer staatlich-gesellschaftlichen Kooperation entspricht. Als einer der ersten warnte er vor den Gefahren der einseitigen Geldwirtschaft und der Industrialisierung, die ebenso zur Desintegration der Gesell­schaft führen werde wie die als Gegensatz hervorgerufene Proletarisierung der Arbei­terschaft (-» Soziale Frage). Schon 1834/35 ersucht er die Regierung um Maßnahmen gegen die Verarmung der Arbeiter. Der Grund der Revolution liege nicht im Re­gierungssystem, sondern im Mißverhältnis der vermögenslosen Arbeiter zu den vermö­genden Gesellschaftsklassen (W.VI, 129). B. ist sich aber bewußt, daß die harmonische Ordnung, wie sie ihm vorschwebt, letztlich im Religiösen wurzeln muß, weil Gott der schöpferische Urgrund alles Lebens, die Kraft der Liebe ist.

Lit.: Baader, Werke I-XI, 1850-1860-A. Schlat- ter, Die philosophische Arbeit seit Descartes, 19594 - E. Klamroth, Die Weltanschauung Franz von Baaders . . ., Diss. Berlin 1965 (mit Literatur).

Flückiger



Bäckermission -> Berufsmissionen.

Baedeker, Friedrich Wilhelm, ‘3.8.1823 Witten/Ruhr, f 9-10.1906 Clifton (England).

—» Evangelist. B. stammt aus einer Gelehr­tenfamilie. Ein starker Wandertrieb führt ihn 1854 nach London, von dort nach Au­stralien, das er vier Jahre lang durchzieht. 1859 gründet er in dem westenglischen Ba­deort Weston-super-Mare ein College. In Freiburg erwirbt er den Dr. phil. Durch Lord —» Radstock zu Christus geführt, geht B. zu­nächst als Evangelist nach Deutschland zu­rück. 1877 siedelt er mit seiner Frau nach Rußland über, wo es zu einer —> Erwek-






Friedrich Wilhelm Baedeker


kungsbewegung in Kreisen des Adels ge­kommen war. Dann besucht B. die Arbeits­lager und Gefängnisse von Finnland bis zur Insel Sachalin, um mehr als 40000 Gefange­nen das Evangelium zu sagen. - r 886 ist B. an der Gründung der —> Blankenburger Allianz beteiligt.

Lit.: Ringwald, Menschen vor Gott II208,1958-F. Hauss, Väter der Christenheit, 1959 -

Rothenberg

Bahnauer Bruderschaft

Im Gefolge der ostpreußischen —> Erwek- kungsbewegung wurde 1906 von Pfr. Carl Lange das »Evang. Gemeinschaftsbrüder­haus« in Pr. Bahnau/Ostpr. gegründet. Die dort ausgebildeten Prediger schlossen sich zur Bahnauer Bruderschaft zusammen. Nach dem 2. Weltkrieg entstand in Unter-



weissach (Neugründer Pfr. Max Fischer) ein neues Zentrum der Bruderschaft. Sie ist Trä­gerin der »Evang. Missionsschule», in der junge Männer zum Verkündigungsdienst in Kirche, Gemeinschaftsbewegung und Mis­sion ausgebildet werden. Nach der 4jährigen theol. Ausbildung folgt ein Anerkennungs­jahr, das in der Regel mit der Ordination und Aufnahme in die Bruderschaft endet. Die Bruderschaft sieht ihren Auftrag neben der missionarischen Verkündigung u.a. auch darin, die Verbindung zwischen —> Pietis­mus und —> Theologie zu suchen und zu pflegen. Norm allen Dienstes der Bruder­schaft und Ausbildungsgrundlage in der Missionsschule ist die für Lehre und Leben verpflichtende Bindung an die Heilige Schrift gemäß den reformatorischen Be­kenntnissen und der Theologischen Erklä­rung von Barmen 1934. Die Bruderschaft hat ca. 300 Glieder im In- und Ausland. Zur Ausbildung in der Missionsschule sind je­weils etwa 40 Brüder.

Bittighofer

Bahnhofsmission

Durch Pastor Joh. Burckhardt, der dem »Verband ev. Jungfrauenvereine« Vorstand, wurde 1894 in Berlin die erste B. gegründet. 1897 entstand der »Verband ev. deutscher



  1. « - Die Sorge um junge Menschen, die vom Land in die Großstädte abwanderten und dort der Ausbeutung und Verführung ausge­setzt waren, ließ die B. entstehen; Seelsorge durch Mahnung, Warnung und Tröstung hat sie bisher begleitet. Zum seelsorgerlichen Zuspruch kam in der Folgezeit, bes. während und nach den Kriegen, die Fürsorge für Flüchtlinge und Umsiedler. Alte und kranke Reisende sowie Mütter mit Kindern werden besonders betreut. Auf allen großen Bahnhö­fen stehen Aufenthaltsräume, Übernach­tungsmöglichkeiten und Kaffeeausschank zur Verfügung. Fahrschüler können in der B. ihre Aufgaben machen. - In der BRD beste­hen 115 B.en, in der Regel gemeinsam mit der kath. B. 22 5 ev. Bahnhofsmissionarinnen leisten mit über 3000 freiwilligen Helfern den Dienst. Die Geschäftsstelle befindet sich in Stuttgart.

Lit.: Diakonie 2, 1976 - M. Gerhardt, Ein Jahrhun­dert Innere Mission, 1948, Bd. 2, S. 134

Möller


Baptismus/Baptisten

I. Kennzeichen

Die B. sind durch folgende Überzeugungen

und Eigenarten zu kennzeichnen: 1. die Schrift ist alleinige Autorität und Norm; 2. sie bilden selbständige (= independente, oder autonome), auf Freiwilligkeit basie­rende Ortsgemeinden, die nur lose zu einem Bund zusammengeschlossen sind; 3. sie praktizieren die —» Taufe der Glaubenden und verwerfen die Säuglingstaufe. Diesem auffallendsten Merkmal verdanken sie ihren Namen, den sie von Außenstehenden erhiel­ten. Sie sind jedoch nicht so sehr eine Tauf- als vielmehr eine Gemeindebewegung; 4. Taufe und Abendmahl werden nicht als Sa­krament, sondern als Zeichen verstanden. Überhaupt haben B. wenig Verständnis für Sakramental-Liturgisches; 5. als —» Freikir­che fordern sie Freiheit des Gewissens, Gleichberechtigung der Konfessionen, Reli­gionsfreiheit und Trennung von —> Kirche und Staat; 6. in Ländern mit -» Volkskirchen lehnen sie Doppelmitgliedschaft ab.

n. Ursprung und Entwicklung in Eng­land

Der Baptismus entstand auf dem Boden der vielfältigen puritanischen Reformbemü­hungen. John Smyth war mit seiner Separa­tistengemeinde von England nach Amster­dam ausgewichen, wo er 1608/9 zuerst sich selbst und dann seine Anhänger in der Er­kenntnis taufte, daß die Gemeinde nur aus Heiligen bestehe und die Taufe auf diese zu beschränken sei. Smyth bereute später unter Einfluß holländischer —» Mennoniten (Wa­terländer) seine Selbsttaufe. Sein Freund Thomas Helwys ging mit einigen Anhän­gern 1612 nach London zurück, wo sie für Gewissens- und Willensfreiheit sowie den Heilsuniversalismus (»General Baptists«) eintraten und mehrere Gemeinden gründe­ten. Unabhängig davon bildeten sich Bapti­stengemeinden, die an der strengen Lehre der —» Prädestination festhielten, für die also die Möglichkeit des Heils nicht allgemein (= general) offensteht, sondern nur denen, die besonders (= particular) erwählt sind (»Par- ticular Baptists«).

Die Taufe durch Untertauchen übernahmen die frühen B. von einer holländischen Reli­gionsgemeinschaft, den Rijnsburger Kolle- gianten. Versuche der Mennoniten, die B. für den Pazifismus zu gewinnen, mißlangen. Die B. unterstützten im allgemeinen Cromwell, dessen Diktatur sie allerdings verwarfen, da sie für Religions- und Gewis­sensfreiheit sowie die Freiheit der Presse (der



Dichter John Milton) eintraten. In der Re­staurationszeit mußten sie Verfolgungen über sich ergehen lassen. Im Gefängnis ent­stand durch John Bunyan eines der meistge­lesenen Erbauungsbücher der Christenheit, die »Pilgerreise«. Durch die Toleranzakte 1689 erlangten die B. und andere Gruppen die Freiheit der Religionsausübung. Die Zeit des Rückgangs wurde durch die Erwek- kungsbewegung des -» Methodismus um John Wesley überwunden. Durch die Grün­dung einer eigenen Missionsgesellschaft (r792), durch Beteiligung an der London Missionary Society sowie an der British and Foreign Bible Society und durch den persön­lichen Einsatz William Careys trugen die B. wesentlich dazu bei, das »Jahrhundert der protestantischen Mission« einzuleiten. Gemeinsam mit den Methodisten verhin­derten die B. durch ihren Einsatz in den Pro­letariervierteln der Industriestädte das Ab­gleiten der englischen Arbeiterschaft in den —» Atheismus. Außerdem war die Sklaven­befreiung wesentlich ihr Werk. Unter dem Einfluß John Cliffords (1836-1923) und

  1. H. -» Spurgeons kam es 1891 zur Grün­dung einer Union, der sich fast alle Particu- lar und General Baptists anschlossen. I

School) und der —>• Evangelisation (—»■ Moo- dy, Torrey, —> Graham, Baptist Jubilee Ad- vance) kennzeichnende Aktivitäten der Gemeinden. Von England und Amerika aus wurde der Baptismus nach Afrika, Asien und Lateinamerika verpflanzt.

  1. Die Ausbreitung ostwärts Als J. G. —> Oncken, 1834 von dem Ameri­kaner Barnas Sears in der Elbe getauft, im Jahre 1849 gedrängt wurde, einen Bund der Baptistengemeinden auf dem Kontinent ins Leben zu rufen, erschienen Abgeordnete aus Dänemark, später auch aus Holland, der Schweiz, Österreich, Polen, Rußland und der Türkei (Balkan). So stark war die Aus­strahlung der ersten Baptistengemeinde in Deutschland. Onckens Mitarbeiter waren J. —» Köbner, der Gründer der Gemeinde in Ko­penhagen und E.W. -» Lehmann, Gründer der Gemeinde in Berlin. Handwerksbur­schen mit Reisepässen, von Oncken getauft und ordiniert, zogen über Ostpreußen nach Litauen und in die Baltenländer. - Von Eng­land brachte Oncken die —» Sonntagsschule und die klare Gemeindeform der —> Inde­pendenten mit. Wichtig war außerdem, daß er sich bei den Methodisten in London um 1820 bekehrt hatte und so Anschluß an die Erweckung erhielt. Für den Baptismus öst­lich des Rheins hatte das zur Folge, daß die calvinistisch lehrenden B. in Friesland, die im —> Pietismus wurzelnden Gemeinden Württembergs, die vom Darbysmus (-* Dar- by, —» Versammlung) beeinflußten rheini­schen B. und die aus der ■—> Brüdergemeine stammenden preußischen Kreise sich durch das Eine Wort und den Einen Geist verbun­den wußten. Der »Oncken'sche Baptismus« blieb bis heute von ernsten Spaltungen ver­schont. - 1938 kamen die pfingstlich ausge­richteten —> Elim-Gemeinden zum Bund. 1942 schlossen sich die deutschen B. mit dem größten Teil der »Brüderbewegung« (—> Versammlung,) zum neuen Bund Evange­lisch-Freikirchlicher Gemeinden zusam­men. Nach 1945 lösten einige Kreise die Verbindung wieder. - Die —» Ausbildung der Pastoren erfolgt an den Theologischen Se­minaren in Hamburg und Buckow (DDR), an dem Theologischen Seminar in Rüschlikon (Schweiz) oder an den Ev.-Theolog. Fakultä­ten (mit anschließendem Seminarbesuch).

Im russischen Raum wurde der —> Stundis­mus integriert, nachdem Oncken 1869 mennonitische Gemeinden in der Ukraine besucht und getauft hatte. Im Kaukasus ließ sich 1867 N. J. Woronin, aus molokani- schem Herkommen, als erster taufen. Die­ses Datum gilt als Geburtsjahr des ostslawi­schen Baptismus. J. T. Rjaboschapka und M.

  1. Ratuschnyj gelten als markante Vertreter der Anfänge, V. G. Pawlow und Iwanow Klyschnikow der folgenden Generation. Im Petersburger Raum wurde in den 70er Jahren die Erweckung in Adelskreisen um den Eng­länder Lord —» Radstock bedeutsam, die durch die Wirksamkeit von Oberst Paschkow und Graf —► Korff auch den einfa­chen Menschen erreichte. Aus diesem Kreis gingen später die —> Evangeliumschristen hervor, deren Gründer und langjäriger Leiter —> Prochanow war. Wiederholte Bemühun­gen (1884 und nach 1920) um Einigung der Gruppen scheiterten. Erst 1944 gelang das Einigungswerk; 1945 schlossen sich pfingst- liche Taufgesinnte und 1963 die Mennoni- ten-Brüder dem »Allunionsrat der Evange- liumschristen/Baptisten« an. Eine wegen staatlicher Registrierung seit den 60er Jah­ren währende Spaltung (unregistriert: Rat der Kirchen, vormals Initiativniki) ist noch nicht behoben. Die Mitgliederzahl des Bun­des wird auf über 650000 geschätzt. I II

schen Freikirchen bilden sie die Vereinigung evangelischer Freikirchen (seit 1926). Am stärksten sind die Gemeindeglieder durch die Ev. -» Allianz mit Christen anderer Prä­gung verbunden.

Lit.: E.A. Payne, The Fellowship of Believers, 1945 - R.G. Torbet, A History of the Baptists, 196 s6 - W. Lumpkin, Baptist Confessions of Faith, 1959 - H. Luckey, J. G. Oncken und die Anfänge des deut­schen Baptismus, 19583 - J. D. Hughey, Die Bapti­sten, 1964 - W. Scheffbuch, Christen unter Ham­mer und Sichel, t972 - H. Brandenburg, Christen im Schatten der Macht, 1974 - G. Balders, Der Bund Ev.-Freik. Gemeinden. In: H. B. Motel, Glie­der an einem Leib, 1975, S. 95—x33 - W. Kahle, Ev. Christen in Rußland und der Sowjetunion, 1978 -



  1. Balders, Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe. 150 Jahre Baptistengemeinden in Deutschland, 1984 Luckey f/Geldbach Barth, Christian Gottlob, * 31. 7. 1799 Stuttgart, f 12. 11. 1862 Calw, Pfarrer (1834-1838 in Möttlingen, Vorgänger von

J.Chr. —» Blumhardt), Schriftsteller, Vertre­ter des schwäbischen —» Pietismus. Das Pfarramt gab er auf, um sich ganz dem »Cal- wer Verlagsverein« (gegr. 1833) zu widmen. Als Verfasser und Herausgeber christlicher Literatur, vor allem von Kinderschriften und Schulbüchern, setzte er sich unermüdlich für die Jugend ein. 1825 war es schon auf seine Veranlassung hin zur Gründung eines »Vereins zur Rettung verwahrloster Kinder« (Anstalt in Stammheim) gekommen. Bei Basler Missionsfesten sind zwei seiner be­kanntesten Lieder entstanden: »Der du in Todesnächten« und »Zieht fröhlich hin­aus«.

Lit.: J. Roessle, Von Bengel bis Blumhardt, 19664, S. 3 57 ff- Breymaier



Barth, Karl,

I. Leben und frühe Theologie Karl Barth, *10.5.1886 Basel, f10.12.1968 ebda. Theologiestudium in Bern, Berlin, Tü­bingen und Marburg, u.a. bei den liberalen Theologen A. von Harnack und W. Herrman. In Marburg auch Einflüsse des Neukantia­nismus, der alle übersinnliche (metaphysi­sche) Erkenntnis ablehnt. Ab 1911 Pfarrer in Safenwil (Aargau). Wirksamkeit im Geist des religiösen —» Sozialismus, wie -> Blum­hardt d.J. und Kutter ihn vertraten. —> Kier­kegaards und Overbecks Gedanken verstär­ken die Kritik am christlichen Bürgertum. Ringen um den eigenen Weg auch aus per­sönlicher Predigtnot: Wie soll man von dem unerkennbaren Gott reden? Der Römer­briefkommentar (i.Aufl. 1919,2. stark über­arbeitete Aufl. 1922) markiert den Durch-




Karl Barth


bruch. In seiner »Theologie der Krise«« ver­kündet B. das radikale göttliche Gericht über alles irdisch Zeitliche, besonders auch über Religion und Frömmigkeit (—> Geistliches Leben). Die —» Offenbarung Gottes in Chri­stus kommt senkrecht von oben. Sie ist wie bei Kierkegaard, aber im Unterschied zum NT (vgl. Joh 1,14; ijoh 1,1-3) völlig unan­schaulich, indirekt und verhüllt. Das Wort Gottes erscheint in menschlicher Rede ge­brochen. Was in Gott beisammen, ja eins ist wie Ewigkeit und Zeit, Gericht und Gnade, Zorn und Liebe, Tod und Leben, das zeigt sich im Denken als dialektischer Gegensatz. Die Wurzeln dieser Dialektik sind grie­chisch und nicht biblisch, und sie kann sehr wohl auch zum Mittel werden, durch das der Mensch sich der direkten Gottesbegegnung und Gottesgemeinschaft entzieht. Das hat Karl —> Heim gesehen.

1921 wurde B. als Professor nach Göttingen berufen, 1925 nach Münster und 1930 nach Bonn. Weggenossen wurden vor allem Edu­ard Thurneysen (1888-1974), anfangs auch

R. —> Bultmann, Friedrich Gogarten (1887-1967) und der Zürcher Systematiker Emil -> Brunner (1889-1966). Brunner be­tonte am Gottesverhältnis das freie, perso­nale Gegenüber zwischen Gott und Mensch. Darin sah er die Gottebenbildlichkeit und den Anknüpfungspunkt für die Verkündi­gung, fand aber den Widerspruch B.s. Als die Dialektiker sich trennten, ließen sie auch ihre gemeinsame Zeitschrift (Zwischen den Zeiten 1922-33) wieder eingehen. Seit 1933 nahm B. führend am deutschen -> Kirchen­kampf teil. Er wurde deswegen 193 5 in Bonn abgesetzt und wirkte seither in Basel.



n. Die Kirchliche Dogmatik (KD I-IV mit Teilbänden) erschien ab 1932 (unvollendet, 12 Bände) und entfaltet die Lehre vom Wort Gottes, von Gott, von der Schöpfung und der Versöhnung. Es fehlt die Erlösungslehre. Dogmatik ist kritische Funktion der Kirche und ihrer Verkündigung. Kriterium ist das Wort Gottes Heiliger Schrift, in dem der dreieinige Gott sich offenbart. Gottes freier Gnadenbund in Christus ist Inhalt dieser Of­fenbarung. Er ruht in Gottes ewiger -» Er­wählung, gewinnt zuerst Gestalt im Alten Bund und endgültig im Neuen durch die Menschwerdung Gottes und das Versöh­nungsgeschehen am Kreuz. Die —» Schöp­fung ist äußerer Grund des Bundes. Im Un­terschied zu den Reformatoren wird natürli­che Gotteserkenntnis abgelehnt. Nur durch Offenbarung lernt der —» Mensch sich selber, seine Bestimmung für Gott und Mitmensch­lichkeit kennen (Ebenbild). Wesensähnlich­keit mit Gott wird nur im Glauben offenbar (keine analogia entis, wohl aber analogia fi- dei und dann im Tun des Willens Gottes ana­logia operationis). Auch vom —> Gebot kann der Mensch nur durch Gott wissen. Die Be­deutung des —> Gewissens tritt zurück. Ethik ist Teil der Dogmatik. Die ewige Gna­denwahl gilt allen Menschen. Sie geht der Schöpfung und der —» Sünde voraus, ist sei­tens des Menschen unveranlaßt und kann von ihm nicht durchkreuzt werden. Das —» Böse als das Nichtige ist durch Christus er­ledigt, wenn auch immer noch zugelassen. Im Kreuz hat Gott die Verdammnis für sich und für den Menschen das —> Heil gewählt. Damit wird der Ernst menschlicher Ent­scheidung, Bekehrung und Heiligung unterschätzt, und die -> Allversöhnung kommt in den Blick. Der Mensch ist in die Geschichte Christi hineingenommen und damit gerettet, was man ihm nur noch zur Kenntnis bringen muß.

III Würdigung

  1. hat die theol. Landschaft des 20. Jh.s weit­hin geprägt, ohne jedoch das breite Kirchen­volk zu erreichen.

  1. Er hat mit seiner Offenbarungstheologie dem religiösen Bemühen des 19. Jh.s zu Recht entgegengehalten, daß der Mensch von sich aus —» Gott niemals erkennen und erreichen kann. Seine unbiblische Dialektik macht aber anderseits gerade das Gelingen der Offenbarung wieder fraglich.

  2. B.s Ruf zur —> Bibel ist von vielen gehört worden. Nicht religiöse Innenschau, son­dern allein die Hl. Schrift kann uns Gott zei­gen. Anderseits ist bei B. das Bibelwort doch wieder nur Menschenwort und wird deshalb zu leichthin der historischen Kritik überlas­sen.

  3. B.s Gnadenlehre lenkt den Blick des Menschen zu Recht von sich und seinem Bemühen weg, hin auf Gottes ewige Erwäh­lung. Sie wird aber so rigoros durchgezogen, daß sowohl das geschichtliche Versöh­nungswerk, als auch der persönliche Ent­scheidungsruf das ihnen zukommende Ge­wicht zu verlieren drohen. In der Bibel dage­gen behalten sowohl -h» Geschichte als auch Einzelleben in Chance und Gefährdung vol­les Gewicht. Man kann die Gnade nicht zum Prinzip machen, sonst wird sie zur bloßen —>• Ideologie.

Lit.: K. Kupisch, K. B. in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten (Lit.), 1971 - E. Busch, Barths Le­benslauf, 1975 - K. Bockmühl, Atheismus in der Christenheit, 1969 - W. Scott, Die Missionstheo- logie K.B.s., 1977 RSchmid

Baur, F. C. —» Liberale Theologie IA

Beck, Johann Tobias, ‘22.2.1804 Balin- gen/Wttbg., f28.12.1878 Tübingen. 1827 Pfarrer in Waldtann, 1829 Stadtpfarrer in Bad Mergentheim. 1836 auf Empfehlung des Missionsinspektors Chr. G. —> Blumhardt auf eine vom »Verein zur Beförderung christ­lich-theologischer Wissenschaft und christ­lichen Lebens« gestiftete Professur nach Ba­sel berufen. Er sollte »wahre Wissenschaft­lichkeit mit der Begeisterung des Glaubens verbinden« und ein Gegengewicht zur kriti­schen Theologie De Wettes bilden. 1843 Pro­fessor für Systematische Theologie und Frühprediger an der Stiftskirche in Tübin­gen.

  1. hat als theologischer Lehrer und Seelsor­ger bis in sein hohes Alter einen überragen­den Einfluß auf mehrere Tübinger Theolo­gengenerationen ausgeübt. Den —» Biblizis- mus des württembergischen Pietismus ver­band er mit einer originellen heilsgeschicht­lichen Schau.

Drei Aspekte seiner Theologie fanden dabei immer wieder besondere Beachtung: Seine




Johann Tobias Beck


als »Theopneustie« verstandene Inspira­tionslehre der Heiligen Schrift, unter Ab­lehnung der orthodoxen mechanistischen Verbalinspiration. Seine Lehre vom —»Reich Gottes, dessen idealistisches Mißverständ­nis er ablehnte, das vielmehr »schon von Grundlage der Welt an als selbständiges Reich besteht« und erst am Ende dieser Welt mit dem Kommen Christi voll in Erschei­nung tritt. Seine christliche Ethik, die er als Einheit von Denken und Wollen darstellte, und die ihn zum prophetischen Warner vor einer Verweltlichung der Kirche machte.

Lit.: B. Riggenbach, J. T. Beck, 1888 - A. Schiatter, Becks theolog. Arbeit, 1904 - G. Sentzke, Die Theologie J. T. B.s und ihr Einfluß in Finnland I, 1949

Rott



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