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Nationalitätenprobleme in der r.k. Kirche



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Nationalitätenprobleme in der r.k. Kirche


Nachdem Zweiten Weltkrieg machte die sprachliche Diskriminierung auch vor den Kirchentüren nicht halt. In der Zeit des stärksten Nationalismus zwischen den beiden Weltkriegen hatten die nationalen Minderheiten (Deutsche, Slowaken, Kroaten, Serben und Rumänen) wenigstens teilweise noch Gelegenheit, das Wort Gottes in ihrer Muttersprache zu hören. Dies wurde nach 1945 anders. Von nun an wurde auch in solchen Gemeinden ungarisch gepredigt, in denen die Mehrheit der Gläubigen Nicht-Magyaren waren. Auf politischem Gebiet verhielten sich die Deutschen vollkommen passiv. In den kirchlichen Organisationen blieben sie jedoch weiterhin aktiv. Sicher, die Priester hatten in den gemischtsprachigen Pfarrgemeinden einen schweren Stand, sie mußten die bestehenden Gegensätze, die hauptsächlich wirtschaftlicher und sprachlicher Natur waren, ausgleichen.

Im Zeichen des politischen Tauwetters 1955/1956 machte die Regierung auch der deutschen Minderheit Konzessionen. In dieser Zeit erfolgte die Gründung des »Verbandes der deutschen Werktätigen in Ungarn«. In den deutschbewohnten Dörfern wurde die Forderung nach erneuter Einführung der deutschen Sprache in der Kirche immer lauter. In unserer Gemeinde, in der ca. 90 % der Katholiken deutscher Muttersprache waren, wurde die Diskussion darüber mit solcher Heftigkeit geführt, dass zwei Seelsorger nacheinander versetzt werden mussten.

Der Tarianer r. k. Pfarrer Dr. Béla Erdössy fasste (1957)1 seine Meinung über die Nationalitätenfrage folgendermaßen zusammen: „Ich muß gestehen, dass ein großer Teil der Priester, so auch meine drei unmittelbaren Vorgänger auf dem starren nationa-listischen Standpunkt steht, der etwa so lautet: ,Wer ungarisches Brot ißt, der soll auch ungarisch reden, wer das nicht tun will, der gehe nach Deutschland.‘ Die Kirche und so auch ich stehen dem Standpunkt des christlichen Universalismus, denn ,Da ist nicht mehr Grieche und Jude, Barbar, Skythe, Knecht und Freier,

sondern alles und in allen Christus.‘ (Paulus an die Gemeinde in Kolossä 3, 11). Die Kirche steht also über den Völkern und sie will diese für Christus gewinnen.

Pius XI. sagte 1926 zu den Seelsorgern: ,Die Priester sollen bei den Völkern niemals den Eindruck erwecken, dass die Kirche sie in der Aufrechterhaltung ihres angestammten nationalen Charakters hindert. Die Kirche anerkennt alle ererbten Gefühle, so auch das Festhalten an der eigenen Volksgruppe. Sie ist deshalb katholisch, weil sie alle Nationen und Rassen umfaßt und weil die Religion niemals gegen die Erhaltung der nationalem Eigenart benutzt werden kann.‘ (in »Schöne Zukunft«, Jahrgang 6, Nr.11)

Hier sei auch der Beschluß der 8. Internationalen Minderheiten-Konferenz vom Jahre 1932 in Genf angeführt: Nach Anhören der berufenen Vertreter der Kirchen stellt der Kongreß mit großer Genugtuung fest, dass seine Forderung, welche sich um die Erhaltung des Volkscharakters bemüht, mit der Lehre der Kirchen übereinstimmt. Die Kirchen bauten seit Jahrhunderten ihr Funktionieren auf die Volkstümlichkeit und sie anerkannten und anerkennen das heilige Recht der Gläubigen, ihre religiösen Pflichten in ihrer Mutter-sprache zu erfüllen. Er bittet die Kirchen, sie mögen die natürlichen Rechte der Minderheiten unterstützen. Es braucht gar nicht gesagt zu werden, dass die jetzige Verfassung und ihre Exekutive den Minoritäten jedes Recht zubilligt. Natürlich macht sie damit die nach dem Krieg begangenen Fehler nicht gut.«

Im folgenden schildert Pfarrer Dr. Erdõssy seine Erlebnisse in der Pfarrgemeinde von Tarian: „Von diesen Thesen ausgebend entschloß ich mich, die stief-mütterliche Behandlung (der Deutschen) zu ändern, welche sowieso nicht mehr aufrechtzuerhalten war, nachdem 1956 die deutsche Sprache in den Schulen freiwilliges Fach wurde, nachdem man im Jahre 1957 deutsche Gymnasien eröffnet hat, 1958 der Ratsvorsitzender einer mit deutscher Muttersprache wurde.

Am Christkönigsfest 1957 fügte ich meiner Predigt einige deutsche Worte hinzu und in der Messe wurde auch ein deutsches Lied gesungen. Am 1. Dezember wählten wir dann Herrn Josef S. zum Kantor, von dem wir wußten, dass er uns in unseren sprachlichen Anliegen unterstützt. Das alles geschah nicht wegen der deutschen Sprache, sondern zur Stärkung des Glau-benslebens.

In Sachen Sprachengebrauch ist jede Entscheidung dem Oberhirten vorbehalten. Ich versäumte jedoch, die Genehmigung des Oberhirten einzuholen. Es war ein Fehler, vor der Entscheidung der deutschen Sprache in der Kirche Raum zu geben, da wir dadurch auch den Zorn der ,Felvidéker‘ (ungarischen Siedler) hervorge-rufen haben. Diese Nachgiebigkeit war aber nur geringfügig. Außer den oben erwähnten Fall erklangen nur ein-zwei Weihnachtslieder nach den Messen.

Am 20. Januar 1958 suchte mich eine Delegation unter Führung des Faßbinders Josef Straubinger auf und verlangte mit Nachdruck die Wiedereinführung der deutschen Sprache. Am 2. Februar hielt der Kirchenvorstand in dieser Angelegenheit eine Sitzung ab. Wir haben den Wunsch der Gläubigen mit der Halbierung der Messen umrissen. Die Antwort des Oberhirten gestattet für eine dreimonatige Probezeit monatlich eine deutsche Messe in der Hoffnung, dass dadurch die Zahl der Kirchgänger zunimmt. (…)

Die Probezeit ist abgelaufen. Inzwischen hat auch ein Artikel der (Budapester) Neuen Zeitung (14. Febr. 1958) die hitzige Gruppe ermuntert.3 Die Zahl der Kirchenbesucher hat zwar nicht wesentlich zuge-nommen, die Deutschen waren sich auch nicht einig, die Tonangeber blieben auch weg, aber wir haben die Erlaubnis bekommen.

Die Freude verderben die Felvidéker, da sie nicht in die deutsche Messe kommen. In die frühere Messe können sie auch nicht kommen, sie lehnen das Steuerzahlen ab, sie sind auf mich böse.

So dass man sich mit der Sache noch befassen muss.

In den deutschsprachigen Messen habe ich auch gemeinsame ungarische Gebete eingeführt. So kann nur von gemischtsprachigen Messe die Rede sein.


Die Zahl der ungarischsprachigen Messen ist rund 4mal größer als die der gemischtsprachigen. Ich versuchte noch einmal die Sprachenfrage zugunsten der ungarischen Sprache zu regeln. Auf der Sitzung vom 7. Dezember 1958 machte ich verschiedene Vorschläge, die deutschsprachigen Vertreter stimmten jedoch alles entschieden nieder. Die Felvidéker mußten auch einsehen, dass das Nationalitätengefühl sehr tiefe Wur-zeln hat, nicht nur außerhalb des Pfarrgemeinderats, sondern auch innerhalb.

Unter Vorsitz des Chefs der Diözesankanzlei György Vitányi fand dann am 25. Januar 1959 erneut eine Sitzung statt. Er teilte uns mit, dass von nun an infolge der zunehmenden Madjarisierung der Gemeinde nur noch einmal im Monat im Hochamt und in einer anderen Messe deutscher Gesang erlaubt sei. Dies wurde dann auch nach gewissem Widerspruch und Zögerung verwirklicht. Gott gäbe, dass diese Entscheidung Frie-den bringen möge.“

Eines Tages werden die Historiker dieses natio-nalistische, unchristliche Verhalten der Oberhirten und Pfarrer der Ungarischen Katholischen Kirche gegen über den Ungarndeutschen verurteilen. Wie obiges Zitat zeigt, haben sie den Wunsch nach deutschen Gottesdiensten mit fadenscheinigen Argumenten abgelehnt. Den Wunsch von zweitausendeinhundert eingesessenen Deutschen ablehnend erfüllten sie den Willen der etwa 200 eingesiedelten Felvidéker…

Seither sind rund 40 Jahre vergangen und an der sprachlichen Situation der Tarianer »Schwaben« hat sich nichts verändert. Einige Pfarrer zeigten in dieser Zeit Verständnis für die Deutschen, so z. B. Otto Kormos und Gábor Vendrey, aber alles blieb beim alten!

Ohne die Opferbereitschaft der Tarianer Deutschen, auch der im Westen lebenden, wäre die r. k. Kirche heute eine Ruine! Sie haben – trotz der diskri-minierenden Behandlung durch die Kirchenführung – die von ihren Ahnen erbaute Kirche nicht im Stich gelassen …

Die Lage hat sich Anfang der 90er Jahre sogar noch verschlechtert: Jahre lang gab keinen Pfarrgemeinderat.

Nach der dem Sturz des Kommunismus keimte erneut die Hoffnung, dass sich in dieser Angelegenheit etwas zum Besseren verändern werde. Ich schrieb 1989 zwei offene Briefe an die Vorsitzenden der ungarischen und deutschen Bischofskonferenzen.2 Der ungarische Oberhirte zeigte sich – wie ich aus seiner Umgebung erfuhr – darüber erbost! Obwohl er kurz zuvor bei einem Besuch in der Karpato-Ukraine die dortigen Ungarn zum Festhalten an der Muttersprache ermun-

terte, hielt er es noch nicht einmal für nötig, auf meine Bitte – den Ungarndeutschen speziell auch in der Erzdiözese Gran dieselben Rechte einzuräumen – zu antworten ...

Der Ortspfarrer wehrt die Bitte nach deutsch-sprachigen Gottesdiensten in gewohnter Manier ab: Die Leute würden kein Deutsch mehr verstehen! Darüber gibt es natürlich keine Untersuchung. Der Pfarrer spricht selber kein Wort deutsch, wie sollte er die Lage beurteilen? Sporadisch abgehaltene deutsche Messen sind sehr gut besucht!

Römisch-katholische Pfarrer von Tarian





1 Koller, Johann Georg 1756 – 1762

2 Légrádi, Ferenc

1762 – 1807

3 Viturka, Georgius

1807 – 1810

4 Balásy, Ferenc

1810 – 1814

5 Szent Iványi, József 1814 – 1850

6 Dragfy, Nándor

1851 – 1879

7 Toczek, János

1879 – 1904

8 Pálmai, Ferenc

1904 – 1914

9 Niederrnann, Josef 1914 – 1937

10Lezsánszki, József 1937 – 1947

11 Fütty, Imre

1947 – 1948

12 Szabó, Lajos 1948 – 1957

13 Dr. Erdössy, Béla 1957 – 1960

14 Kormos, Ottó 1960 – 1968

15 Miklós, László 1968 – 1971

16 Parádi, Gyula 1971 – 1976

17 Juhász, László 1976 – 1983

18 Vendrey, Gábor 1983 – 1989

19 Varga, Lajos 1989 –







Dorfrichter von Tarian


1 Werli, Simon 1774

2 Weiler, Nikolaus 1780

3 Kranz, Josef 1787

4 Iseli, Josef 1790

5 Sedelmayer, Adam 1800

6 Miller, Johann 1804

7 Lottenberger, Stefan 1809

8 Újszászi Péter 1819

9 Iseli, Peter 1826

10 Somogyi István 1845

11 Bachmann, Martin 1846

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12 Götz, Paul 1858

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13 Mayer, Martin 1894

14 Pertl, Johann 1900

15 Berendi, Michael 1903

16 Schalkhammer, Andreas

1907

17 Weiler,Franz 1919



18 Goldschmidt, Franz 1924

19 Pertl, Georg 1927

20 Goldschmidt, Franz 1934

21 Kranz, Anton 1939

22 Szalai László 1945-50


Ratsvorsitzende3

Über die Amtsinhaber der Ratsvorsitzenden in der Zeit von 1950 bis 1990 liegen keine genauen Aufzeich-nungen vor. Sie wurden von der kommunistischen Partei je nach Bedarf ein- und abgesetzt. Diese Zeit ist in der Gemeindegeschichte als eine Phase der Stagnation anzusehen, obwohl wichtige Maßnahmen – wie die Er-weiterung des Dorfes, der Bau der Wasserleitung 1973 – in diese Epoche fallen …

Namen der Ratsvorsitzenden in der Reihenfolge ihrer Amtszeit mit 1950 beginnend und 1990 endend:



1 Ollé Gábor

2 Balogh Ferenc

3 Kupor Józsefné

4 Korpás Sándor

5 Molnár Károly

6 Rajna Sándor

7 Dékány János


3) Mikonya, József; S. 30. Von wann bis wann sie ihr Amt ausgeübt haben, konnte J. M. nicht ermitteln. Die Schreibweise der Familiennamen wurde der deutschen Rechtschreibung angepasst.






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