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Die Tarianer reformierte Kirchengemeinde



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Die Tarianer reformierte Kirchengemeinde

A tarjáni református hitközösség


Wie aus der Zeittafel ersichtlich, wurde Tarian nach seiner Vernichtung durch die Türken (1529) erst wieder 1640 mit reformierten Ungarn besiedelt. Sie hatten ab 1646 eine Pfarrgemeinde. 1673 (nach anderen Angaben 1674) wurde ihr Seelsorger vor den Gerichtshof nach Preßburg zitiert. Über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt.

Aufgrund der als Carolina resolutio genannten Gesetze Nr. 25 und 26 des Jahres 1681 wurde die Tätigkeit der reformierten Kirche und die Gründung von Konfessionsschulen erlaubt. Daraufhin wurde 1682 in Tarian auch die reformierte Schule gegründet. Sie bestand aus einem Klassenraum in einem Bauernhaus.

1731 wurde in der 2. Carolina resolutio das Recht auf freier Glaubensausübung in den 1681 aufgezählten Ortschaften bestätigt. Tarian gehörte sicher zu den genannten Siedlungen, denn 1732 begann hier der erste – namentlich bekannte – ref. Pfarrer Sámuel P. Pátkai seine Tätigkeit. (> Namensliste der ref. Pfarrer) In seine Dienstzeit fiel die Ansiedlung der ersten 40 deutschen r. k. Siedler (1737).

Wie sich der doppelte Gegensatz – Religion und Volkszugehörigkeit – auf das Zusammenleben der Ungarn und Deutschen auswirkte, wissen wir nicht. Sicher war die Verfügung des Grundherrn, Josef Esterházy, vom 5. Februar 1747, die von den Calvinisten genutzte Kirche samt der 65 Pfund Glocke an die Katholiken zu übergeben, nicht geeignet, den Frieden zu fördern. Auch dann nicht, wenn es sich um die Rückgabe einer ehemaligen katholischen Kirche handelt, wie behauptet wird.



Die feindliche Haltung des Grundherrn und der r. k. Kirchenführung gegenüber den Reformierten wirkte sich bestimmt auch auf das gemeine Volk aus. Dennoch wird nir-gendwo über offene Konflikte zwischen beiden Volksgruppen berichtet. Im Endeffekt saßen beide im gleichen Boot, d. h. sie waren bis 1848 Leibeigene (Fronbauern) und danach Klein- und Mittelbauern, die hart für ihr tägliches Brot arbeiten mussten.

1758 – nach anderen Quellen 1763 – stellte die ref. Kirche ihre Tätigkeit in Tarian ein und nahm diese erst wieder 1783 bzw. 1785 auf. Die letzten Eintragungen von reformierten Christen in die r. k. Matrikel von Tarian erfolgten am 11.März 1787, am 10.Mai 1788 und am 13.Dezember 1789. Von 1779 bis 1785 dauerte der Neubau der ref. Kirche im Hinterhof des Pfarrhauses. Offensichtlich ließ es der Grundherr nicht zu, sie auf einem Dorfplatz zu errichten, sondern nur im Hinterhof,

in gleicher Höhe wie die Scheunen. ( > Foto) Die Häuser der Calvinisten befanden sich – seit jeher – in der Nähe ihrer Kirche. So kam es auch zu einer räumlichen Trennung der beiden Glaubensgemeinschaften. Die Reformierten wurden von uns nach dem Reformator Johann Calvin (1509–1564) Calviner genannt (korrekt muss es Calvinisten heißen).

Schräg gegenüber des ref. Pfarrhauses (heute: Rákóczi Str. 61) wurde 1910 eine neue ref. Schule gebaut. Hier wurden alle ref. Kinder des Dorfes von dem jeweiligen Kantor-Lehrer in einem Klassenraum unterrichtet. 1948 wurden beide Schulen – die katholische und reformierte – verstaatlicht. Obwohl das ref. Schulgebäude (heute: Rákóczi Str. 66) 1991 der ref. Kirchengemeinde zurückgegeben wurde, ist es ungewiß, ob es jemals wieder eine ref. Schule geben wird, da es zu wenig ref. Kinder gibt. Aber auch die katholische Kirche wird wohl aus Kostengründen keine eigene Volksschule haben wollen.

Während des Ersten Weltkriegs wurde eine Glocke der ref. Kirche für Kriegszwecke requiriert (ähnliches geschah auch mit einer Glocke der r. k. Kirche im Zweiten Weltkrieg). Die ref. Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg von einem Artilleriegeschoss getroffen. Der Schaden wurde nach dem Krieg bald behoben.

In den folgenden Jahrzehnten verschlechterte sich der bauliche Zustand der Kirche immer mehr. In den 80er Jahren stellte man fest, dass die Holzbalken der Deckenkonstruktion vermodert sind, so dass man – wegen Einsturzgefahr – schon an die Schließung dachte. Als der damalige Seelsorger Péter Tóth 1989 zu Studienzwecken in die USA ging, wandte er sich mit Bittbriefen an die Hilfsorganisation der amerikanischen Kirchen. Das Kuratorium einer kirchlichen Stiftung bewilligte 21000 US-$ für die Renovierung der ref. Kirche von Tarian.

Die Gläubigen im Ort sammelten 35000 Ft, so dass – mit obiger Summe – im Endeffekt 2,1 Millionen Ft zur Verfügung standen. Damit konnte die Kirche ganz erneuert werden. 1991 sind folgende Arbeiten durch-geführt worden: In die Decke wurden neue Betonträger eingezogen. Die Decke selbst errichtete man aus betonierten Kassetten. Ein neuer Dachstuhl mit Eternitplatten bedeckt, neuer Anstrich der Turm-verkleidung sowie neue Dachrinnen kamen hinzu. Die Wände bekamen einen neuen Putz und Anstrich. Außerdem hat man alle Fenster und Türen erneuert sowie einen Mosaikfußboden gelegt. Sándor Kiss und seine Familie warben als Kirchendiener unter den ref. Gläubigen freiwillige Helfer, die den örtlichen Baumeister Andres Straubinger bei den Reno­vierungsarbeiten unter-stützten.

Die so eingesparten Gelder erreichten die Summe, die das Presbyterium und die Gläubigen als Bargeld sammelten. Trotzdem reichte das Geld nicht auch noch für die Renovierung des Pfarrhauses. Es konnte nur mit einem Außenputz versehen werden. Wegen der Überalterung der Gläubigen und der verschlechterten Lebensbedingungen, muss die Innenrenovierung des Pfarrhauses für spätere Zeiten verschoben werden.

Nach Aussagen vom damaligen Pfarrer Antal Szûcs* – er wohnte in Héreg und betreute auch die dortigen ref. Gläubigen, heute lebt er als Pensionär in Tarian – gab es Ende 1995 in Tarian 160 Erwachsene und 30 Kinder calvinischen Glaubens. Die Abnahme der Geburten und die größere Alterssterblichkeit wird zu einem weiteren Rückgang der Calvinisten führen ...

Reprivatisierung von Grund und Boden


Die wirtschaftliche Grundlage von Tarian war von jeher der Boden. Seinet wegen kamen die ersten deutschen Siedler in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts hierher, als in ihrer alten Heimat das Ackerland zu knapp wurde.

Als die Zahl der Einwohner des Dorfes immer größer wurde, nahm auch die Größe der Bauernbetriebe – trotz langsamer Vergrößerung des Hotters – ab (> Statistik). Die Nagyatádische Bodenreform von 1920 brachte in Tarian keine wesentliche Besserung (> Zeittafel). Manche konnten ihre Familie nur ernähren, indem sie als Tagelöhner oder Industriearbeiter Geld verdienten.

Die Bodenreform von 1946 war der Anfang vom Ende der ungarndeutschen Bauernhöfe. Landesweit wurden neben den Großgrundbesitzern auch die deutschen Mittel- und Kleinbauern enteignet. Diese Enteignungs-welle war etwa 1960 mit der Vollkollektivierung der Landwirtschaft abgeschlossen. Wegen der ungerechten und entschä-digungslosen Enteignung der »Schwa-ben« klangen in deren Ohren die Propaganda-Schlag-wörter »Befreiung« und »Bodenreform« wie Hohn!

Jahrzehnte vergingen, bis 1989/90 der Kommunismus in Ungarn abgewirtschaftet hatte. Nach dem Übergang zu einer demokratischen Regierungs- und marktwirt-schaftlichen Wirtschaftsform beschloß am 15. März 1990 das ungarische Parlament die Entschädigung der ehemaligen (Land-)Besitzer, wobei die Ungarn-deutschen zunächst ausgeschlossen blieben. Später zeigte sich das Parlament großzügiger und beschloß auch die Entschädigung der ausgewiesenen Ungarn-deutschen. Viele der Enteigneten erlebten diese Wiedergutmachung nicht mehr …

Da das Land arm war, konnte es den Betroffenen den erlittenen Schaden nur teilweise ersetzen und das auch nur in Form von „Entschädigungsscheinen“ (ung. kárpótlási jegy), die sie bei der Versteigerung von Land und sonstigen Immobilien einlösen konnten.

In Tarian kam es im September 1993 zur Land-versteigerung aus dem Besitz der LPG. 88 Tarianer und 14 Auswärtige aus Tatabánya, Totis und Kirne – von denen 5 aus Tarian stammen – erwarben dabei 606,7825 ha Land. Nach der Nutzungsart überwiegt das Ackerland, dann folgt der Wald und schließlich Weide-, Öd- und Sumpfland.

Insgesamt wurden von den 88 Tarianern Entschädi-gungsscheine im Wert von 9,97 Millionen Forint (Ft) bei der Versteigerung umgesetzt. Je nach der Größe des enteigneten Vermögens fiel die Höhe der Entschä-digungssumme unterschiedlich aus. Von Null bis 10000 Ft erhielten 9 Familien (10%), von 11000–30 000 Ft 11 Familien (12,2%), von 31 000–60000 Ft 13 Familien (14,4 %), von 61 000–100 000 Ft 18 Familien (20 %), von 101 000–200 000 Ft 26 Familien (28,9 %), von 201 000 – 300000 Ft 8 Familien (8,9 %), von 301000–400000 Ft 1 Familie, von 401000–500 000 Ft 2 Familien ((2,2 %) und von 501 000–650 000 Ft 2 Familien (2,2 %).

Die neuen Landbesitzer mußten sich – aufgrund des Gesetzes XXV/23/1 aus dem Jahre 1991 – verpflichten, das Land in den nächsten 5 Jahren nicht aus der landwirtschaftlichen Produktion herauszunehmen, es seuchen- und unkrautfrei zu halten. Bei Nicht-einhaltung dieser Verpflichtung geht das Land entschädigungslos in den Besitz des Staates über.

Da man mit den Entschädigungsscheinen sonst nicht viel hätte anfangen können – es sei denn, man hätte sie zu einem Bruchteil ihres Nennwertes gegen Bargeld an Spekulanten verkauft – war es wohl die beste Lösung, mit ihnen Land zu kaufen. Natürlich bietet das Land heute nicht mehr die Sicherheit, wie einst bei unseren Vorfahren. Kaum einer der neuen Besitzer denkt daran, sich als Bauer niederzulassen. Sie sehen es eher als eine Anlage an, die nicht so schnell an Wert verliert, wie das Geld.

Im Hinblick auf die angestrebte Mitgliedschaft Ungarns in der Europäischen Union (EU) wird das so erworbene Land – angesichts der Überproduktion und großen Subventions-Brachflächen – auch von seinem bisherigen Wert verlieren…




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