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Ungarndeutsches Jugendlager



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Ungarndeutsches Jugendlager


Tarian ist seit September 1995 um eine Einrichtung reicher: Damals wurde in Anwesenheit hochrangiger Politiker aus Deutschland und Ungarn das Jugendlager eingeweiht. Die mit deutscher Finanzhilfe von rund einer halben Million Mark errichtete Jugend­begegnungs- und Fortbildungsstätte liegt in einer malerischen Umgebung – umgeben von bewaldeten Gebirgszügen – ein Kilometer von Dorf entfernt.

Sie besteht aus einem schmucken Gemein-schaftshaus mit einem großen Ver­­sammlungsraum, Küche, sanitären Anlagen und Schlafräumen in der Mansarde. Daneben gibt es noch fünf kleinere Häuser mit je drei Dreibettzimmern und einem größeren Aufenthaltsraum mit Kochnische. Ferner ist auf dem Ge­­lände noch eine kleine Dienstwohnung für die von der Gemeinde angestellte Jugendpflegerin. Diesen Posten hat Frau Ildikó Erös, geb. Szalczinger inne. Ihre Aufgabe ist es, die Jugendlichen zu betreuen und Beschäftigun-gen in deutscher Sprache durchzuführen. Nach 1990 sah die Gemeinde Tarian eine Chance, etwas für die Verständigung der hier lebenden Nationalitäten zu tun. Nach Auflösung der kommunis-tischen Arbeitermiliz war ihr Schießplatz auf diesem Gelände verwaist. Da es seit der Bodenreform von 1920 zum Tarianer Hotter gehörte, stellte die Gemeinde bei der Staatlichen Vermö-gensverwaltung den Antrag, den Platz wieder an sie zurückzugeben. Vor der Bodenreform befand sich an dieser Stelle Wald. Nach der Rodung haben unsere Eltern hier 5–10 m breite Äcker erworben, die sie Stockfeld nannten. Sie hatten ihre Raten dafür noch nicht abbezahlt, als man ihnen das Land wieder ohne Entschädigung abnahm. Das neugegründete Staatsgut Tornyópuszta bewirtschaftete die Felder von 1946 bis 1956.

Nach dem Volksaufstand von 1956 hat die Arbeitermiliz (ung. munkás-örség) von Tatabánya hier einen Schießplatz errichtet. Am 20. Dezember 1993 ist das Gelände wieder in den Besitz der Gemeinde übergegangen. Bevor es genutzt werden konnte, mußte es zunächst entsorgt werden, d. h. von Munition und Altöl gereinigt werden. Anschließend wurde unter Vermittlung von Géza Hambuch vom Deutschen Verband in Budapest ein Antrag an das Auswärtige Amt in Bonn auf finanzielle Unterstützung zum Bau einer Jugendbegeg-nungsstätte gestellt. Zunächst wurde ein Zuschuß von DM 450000,-- gewährt. Später kamen noch weitere 68000,-- DM hinzu. Die Partnergemeinde Tarians, Staufenberg/Hessen, beteiligte sich am Bau mit Baumaschinen und anderen Geräten. Die Finanzhilfe aus Deutschland wird als eine Art Wiedergutmachung an den Ungarndeutschen für den erlittenen Schaden nach 1945 betrachtet.

Der Aufenthalt von Jugendlichen hier soll zum gegenseitigen Verständnis der verschiedenen Bevöl-Tarian ist seit September 1995 um eine Einrichtung reicher: Damals wurde in Anwesenheit hochrangiger Politiker aus Deutschland und Ungarn das Jugendlager eingeweiht. Die mit deutscher Finanzhilfe von rund einer halben Million Mark errichtete Jugend­begegnungs- und Fortbildungsstätte liegt in einer malerischen Umgebung – umgeben von bewaldeten Gebirgszügen – ein Kilometer von Dorf entfernt. Sie besteht aus einem

schmucken Gemeinschaftshaus mit einem großen Ver­­sammlungsraum, Küche, sanitären Anlagen und Schlaf-räumen in der Mansarde. Daneben gibt es noch fünf kleinere Häuser mit je drei Dreibettzimmern und einem größeren Aufenthaltsraum mit Kochnische. Ferner ist auf dem Ge­­lände noch eine kleine Dienstwohnung für die von der Gemeinde angestellte Jugendpfle-gerin. Diesen Posten hat Frau Ildikó Erös, geb. Szalczinger inne. Ihre Aufgabe ist es, die Jugendlichen zu betreuen und Beschäftigungen in deutscher Sprache durch-zuführen. Nach 1990 sah die Gemeinde Tarian eine Chance, etwas für die Verständigung der hier lebenden Nationalitäten zu tun. Nach Auflösung der kommu-nistischen Arbeitermiliz war ihr Schießplatz auf diesem Gelände verwaist. Da es seit der Bodenreform von 1920 zum Tarianer Hotter gehörte, stellte die Gemeinde bei der Staatlichen Vermögensverwaltung den Antrag, den Platz wieder an sie zurückzugeben. Vor der Bodenreform befand sich an dieser Stelle Wald. Nach der Rodung haben unsere Eltern hier 5–10 m breite Äcker erworben, die sie Stockfeld nannten. Sie hatten ihre Raten dafür noch nicht abbezahlt, als man ihnen das Land wieder ohne Entschädigung abnahm. Das neugegründete Staatsgut Tornyópuszta bewirt-schaftete die Felder von 1946 bis 1956.

Nach dem Volksaufstand von 1956 hat die Arbeitermiliz (ung. munkásõrség) von Tatabánya hier einen Schießplatz errichtet. Am 20. Dezember 1993 ist das Gelände wieder in den Besitz der Gemeinde übergegangen. Bevor es genutzt werden konnte, mußte es zunächst entsorgt werden, d. h. von Munition und Altöl gereinigt werden. Anschließend wurde unter Vermittlung von Géza Hambuch vom Deutschen Verband in Budapest ein Antrag an das Auswärtige Amt in Bonn auf finanzielle Unterstützung zum Bau einer Jugendbegeg-nungsstätte gestellt. Zunächst wurde ein Zuschuß von DM 450000,-- gewährt. Später kamen noch weitere 68000,-- DM hinzu. Die Partnergemeinde Tarians, Staufenberg/Hessen, beteiligte sich am Bau mit Baumaschinen und anderen Geräten. Die Finanzhilfe aus Deutschland wird als eine Art Wiedergutmachung an den Ungarndeutschen für den erlittenen Schaden nach 1945 betrachtet.

Der Aufenthalt von Jugendlichen hier soll zum gegenseitigen Verständnis der verschiedenen Bevöl-kerungsgruppen beitragen.

(UP, 11/95, S. 31)


Weihnachten früher


Als die Menschen noch viel ärmer waren als heute, standen die christlichen Feiertage viel höher im Kurs als in der jetzigen Zeit. Die Kinder freuten sich schon Wochen vorher auf das Christkindl. Die Eltern und älteren Geschwister verstanden es, den Kleinen die Ankunft des Jesu Kindes so spannend erscheinen zu lassen, dass wir es kaum erwarten konnten, bis Weihnachten kam. Bis zu einem bestimmten Alter glaubten wir, dass an Heiligabend die Christkindl wirklich über eine „Himmelsleiter“ vom Himmel herabsteigen und von Haus zu Haus gehen, um die Frohbotschaft über die Geburt Christi zu verkünden.

Vor Einbruch der Dunkelheit schauten wir schon neugierig die Gasse entlang, wo am Dorfrand die Himmelsboten herabsteigen sollten. Die Erwachsenen besorgten schon Tage vorher einen Weihnachtsbaum aus dem Weinamer Wald. Da es keine Fichten gab, diente bei uns ein anderer Nadelbaum, der Wacholder – Kronawittn genannt – als Weihnachtsbaum. Dieser wurde liebevoll mit Nüssen, Äpfeln und Salonzucker geschmückt (auf'kranzelt).

Als es dunkel wurde, gingen die Christkindl – am Ende der Straße beginnend – von Haus zu Haus, um den Kleinkindern die Geburt Christi zu verkünden. Die Kinder mußten hinter dem Tisch sitzend auf die Ankunft der Christkindl warten. Bevor sie die Stube betraten, gab man ihnen den geschmückten Weihnachtsbaum und die Geschenke, ohne, dass die Kinder das sahen. Sie stellten alles auf den Tisch. Singend trugen sie den Text des Christkindlspieles vor. Neben der religiösen Unterweisung diente der Besuch der Christkindl auch der Disziplinierung der bösen Kinder, die anstelle von Geschenken die Rute bekamen!

Auch für die braven Kinder fielen die Geschenke ziemlich bescheiden aus. Wenn man einen Bleistift, einen Bleistiftspitzer oder eine Tafel Schokolade bekam, war man schon überglücklich. Da Süßigkeiten rar waren, wurden nach Weihnachten die Salonzucker vom Weih-nachtsbaum heimlich gegessen.

Bis Ende der 40er Jahre war die Sprache der Christkindl deutsch. Danach ungarisch. Später gab es wegen des atheistischen Drucks auf die Jugend, keine Jugendliche mehr, die Christkindl spielen wollten …

Ende der 60er Jahre erlaubte man wieder das deutsche Christkindlspiel. Lehrerinnen ließen von ihren Schülern den Text aufschreiben ( > unten).

Damit begann die Wiederbelebung einer alten Tradition. Ob es je gelingen wird, das Tarianer Christkindlspiel so neu zu beleben, wie es früher war, ist fraglich.

Man kann nicht Lebensformen einer kleinbäuerlichen Gesellschaft in eine Industriegesellschaft übertragen.

Andere Lebensumstände bedingen auch andere Formen der Religiösität.



Text des Christkindelspiels

Personen: Josef, zwei Engel, zwei Hirten

1. Engel: Gelobt sei Jesus Christus, schön' guten Abend gebe Euch Gott! Von Gott, von Gott sind wir gesandt. Den Zepter in meiner Hand, die Krone auf unser'm Haupt, das hat Gott, der Vater, uns erlaubt. Maria, Maria tritt herein mit deinen zwei Hirtelein!

Maria: Herein bin ich getreten. Wenn alle Kinder schön fleißig beten und singen, dann werd' ich ihnen die goldenen Gaben bringen. Wenn sie aber nicht schön fleißig beten und singen, dann wird die Rute umher-springen.

2. Engel: Maria, Maria sprich nicht so hart, es wird geschehen nach Deinem Wort.

Maria: Jetzt will ich mich noch einmal bedenken, noch werde ich den Kindern die goldenen Gaben schenken.

1. Engel: Es soll sein, oh herzliebster Josef mein. Komm rein und wieg das Kindelein ein!

Josef: Wie soll ich das Kindelein einwiegen? Ich kann meinen alten Steifbuckl nicht bücken. Jungfrau rein, ich wieg' das kleine Kindelein ein.

Engel und Maria: Es soll sein, oh herzliebster Josef mein! /Refrain/ Was soll dem Kind seine Wiege sein?

Josef. Krippe soll die Wiege sein!

Engel und Maria: Es soll sein .... /Refrain/ Was soll dem Kind sein Hemdelein sein?

Josef: Schlarlein* soll sein Hemdlein sein!

Engel und Maria: Es soll sein .... /Refrain/ Was soll dem Kind sein Name sein?

Josef: Jesus soll sein Name sein!

Alle: Jesus soll sein Name sein. Gloria, Gloria, wie einig ist das Leben. Wir wiegen mit Freude das kleine Jesulein, und lass uns stolz Dir dienen in alle Ewigkeit. Auf, auf Ihr Hirten, das Schäflein das schläft, das Kind ist geboren, wir haben's gesehen. Die Engel vom Himmel sie kommen herab, sie eilen, sie eilen zum Bethlehem-Stall. Dort finden sie das Kindelein. DasKindelein grüßen, da fallen sie alle zu Füßen. Oh Jesulein süß und oh Jesulein süß, der Tag ist vergangen, die Nacht kommt herbei, ist Jesus, Maria und Josef dabei. Gelobt sei Jesus Christus in aller Ewigkeit! Glückselige Feiertage! Spannt ein, spannt ein in unseren Wagen, dass wir die Straße den Himmel hochfahren! Wir wünschen Euch, glückselige Weih-nachtsfeiertage!

1) Gesammelt im Auftrag von Theresia Lunczer von Tarianer Schülerinnen des Kossuth-Gymnasiums Budapest. Veröffentlicht in: Unser Hauskalender 1990, S. 141/42

Schlar = Schleier




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