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Der innerörtlicher Bereich von Tarian



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Der innerörtlicher Bereich von Tarian


Tarian ist heute – wie die meisten Dörfer der Umgebung – ein Mehrstraßendorf. Es liegt – zusammen mit dem benachbarten Héreg – im zentralen Becken des Geretsch-Gebirges. Die Mitte des Dorfes – rund um die r. k. Kirche – liegt auf einer Höhe von 192-193 m NN. Hier befindet sich eine Art Dorfanger, auf dem die Kirche steht. In südöstlicher Richtung von ihr verläuft die Hauptstraße.

Die Dorfentwicklung muß von hier ausgegangen sein. Der Untergrund besteht aus mehreren Metern mäch-tigem Löss . In ihm konnten standfeste – mit Natursteinen ausgemauerte Gewölbekeller unter den Häusern errichtet werden. Eine Besonderheit stellen die sog. unterirdischen Getreidespeicher in den einstigen Vorgärten ("Gartl") auf beiden Seiten der Hauptstraße dar.



Nach Josef Mikonya1 handelte es sich dabei um kegelstumpfartigesenkrechte Schächte. Am oberen Ende hatte der Schacht einen Durchmesser von 50-60 cm, am unteren 120 bis 150 cm. Die Tiefe betrug 350–400 cm. Der Rauminhalt lag somit zwischen 5 und 7,4 m3. Hier konnte der Getreidevorrat einer Familie sicher vor Feinden und Feuer aufbewahrt werden. Vor der Einlagerung wurde der Hohlraum mit Strohfeuer getrocknet und von eventuellen Schädlingen befreit. Als Deckel benutzte man rote Marmorplatten, die man zur Tarnung von oben noch mit Erde zudecken konnte. Wollte man der Grube Getreide entnehmen, stieg ein Mensch ein und füllte die Säcke2. Ähnliche Getreide-speicher legte man 1929 beim Ausbau der Hauptstraße von Tolnau frei.3

Der bei der Ausschachtung der Grundmauern angefallene Löss – im Volksmund „Lahm“ genannt – wurde mit Spreu vermischt als Mörtel benutzt. Die sog. Kotziegel zum Hausbau fertigte man ebenfalls aus Löss und Spreu an. Die Dächer wurden mit dem Rohr der in der Nähe befindlichen Sumpfgebiete gedeckt. Die sog. Langhäuser stehen senkrecht zur Straße. Die Hoffenster und Türen blicken nach S – in Richtung Sonne. Die Rückseite – Grundstücksgrenze zum Nachbarn – war von der Sonne abgewandt.

Am unteren Ende der Hauptstraße wohnten die eingesessenen Ungarn, am oberen die deutschen Einwanderer.

Mit der allmählichen Zunahme der Bevölkerung in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde die breite Hauptstraße in Richtung NW verlängert. So entstand die Obergasse (Ouwakosn, Felsõ utca, h. Jókai Gasse). Sie wurde nicht mehr ganz so breit angelegt wie die Hauptstraße, aber immer noch etwa 20 m breit. Ebenso breit ist – hinter der Kirche von SW kommend senkrecht auf die Hauptstraße stoßende – Untergasse (Undakosn, Vadász utca).

Sie liegt ca. 9 m tiefer als die beiden anderen Gassen. Ist also im Untergrund schon feuchter. Zwei Wassergräben fließen unter sie hindurch. Der eine in der Mitte, der andere am Ende. Hier befand sich einst ein Forsthaus – Restgebäude davon befinden sich hinter der Pension "Sziget". Der ungarische Name der Gasse (Vadász utca: Vadász = Jäger, Förster) ist darauf zurückzuführen.

Bis Ende der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts gab es hier rechts der Straße einen großen Ziehbrunnen – direkt gegenüber dem Haus der Gesundheit. Vor diesem bohrte man in den 40er Jahren einen artesischen Brunnen – vom Volk als »Wedöprunna« genannt, nach dem ungarischen Namen "Védõház" für das Haus der Gesundheit. Das sog. "Wedöwossa" erfreute sich bei der Dorfbevölkerung großer Beliebtheit, da es – im Gegensatz zu dem kalkhaltigen harten Wasser der übrigen Brunnen – weich war, und somit gut geeignet zum Kochen und Waschen. An Samstagnachmittagen entstand vor dem artesischen Brunnen großes Gedränge, die Leute fuhren mit ihren Pferde- und Rindergespannen vor, um in großen »Standern« das begehrte Wasser heimzufahren. Anfang der 70er Jahre unseres Jahrhunderts stellte sich heraus, dass das "Wedöwasser" bakterienverseucht ist, deshalb wurde der Brunnen von den Behörden geschlossen.

Im oberen Teil der Untergasse – in der Höhe des Rochus-Denkmals – mündet die Hintergasse (Hinda-kosn, Hátsó utca, heute Ady-E.-Gasse) ein. Sie verläuft parallel zur Obergasse, ist aber viel schmaler als diese. Die Baugrundstücke sind viel kleiner. Die Gärten der linken Häuserreihe grenzen an einen Wassergraben, der seinen Ursprung – z. T. – im Teichtl (ung. Szúnyog tó) hat. In Richtung Totis baute man eine Abzweigung der Hintergasse. 1945 gab es hinter der Kapelle nur noch 4 Häuser. Im Kischtarian (h. Kiskert- oder Kleingarten-Gasse) standen damals links und rechts jeweils 2 Häuser. Zunehmend wurden im 19. Jh. Bauplätze erschlossen, die entweder wegen hohen Grund-wasserstandes oder Hügel in der Anfangsphase der deutschen Besiedlung gemieden wurden.

So wurde am unteren Ende der Hauptstraße die

Senke – heute Móricz-Zsigmond-Platz – und die Löss hügel rund um den Friedhof (Am Berg) erst spät bebaut. Da sich hier ärmere Leute ansiedelten, sind heute noch die Grundstücke sehr klein. Die ebenerdigen Häuser stehen dicht gedrängt. Manche Familien wohnten bis 1945 gar in Höhlen, der 4–5 m hohen senkrechten Lösswände. Von Süden betrachtet, kann man nordwestlich des Friedhofs vier unterschiedlich hoch liegende besiedelte "Terrassen" erkennen.

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurde das Dorf im Westen erweitert. Die Untergasse wurde in Richtung Tatabánya fortgeführt. So entstand die »Neue Welt« (ung. Új világ und Új telep). In den 20er Jahren wurden in der heutigen Linde- und Pfadfinder-Gasse mit FOKSz-Kredit etwa 50 Häuser gebaut.

Auch hier wohnten entweder Arbeiter-Bauern oder Häusler, so dass die Baugrundstücke kleiner sind als in der Dorfmitte. In den tiefergelegenen Straßen (Cserkész oder Pfadfinder-Gasse u. a.) steht das Grundwasser so hoch, dass man unter den Häusern keine Keller errichten konnte.

Solang es nicht in jedem Hof einen Radbrunnen gab, waren die öffentlichen Brunnen auf Plätzen und Straßen von großer Bedeutung. In der Hauptstraße – vor dem Haus von Johann Pertl (heute Haus-Nr. 20a) – existierte bis in die 50er Jahre ein Radbrunnen. Ferner gab es in der Obergasse bis in die 30–40er Jahre des 20. Jahrhunderts in bestimmten Abständen mitten auf der Straße 4 Brunnen. Sie wurden vor dem Zweiten Weltkrieg zugeschüttet. Die nachsackende Erde zerstört heute noch die Asphaltdecke an den betreffenden Stellen. In weniger breiten Straßen, wie z. B. in der Hintergasse, grub man Brunnen zwischen Straße und Gehweg.

An der Straße nach Héreg – im Spann-Gassl – existierte unweit der Brücke bis in die 60er Jahre unseres Jahrhunderts ein Ziehbrunnen. Hier konnten die Bauern bei der Heimkehr vom Hotter ihre durstigen Haustiere tränken.

Die Obergassler holten an heißen Sommertagen Gießwasser aus dem Spann-Gassl-Brunnen. Auf dem heutigen Móricz-Zsigmond-Platz gab es auch einen öffentlichen Ziehbrunnen, ebenso in der Senke unterhalb des ref. Friedhofs und der Kellerreihe an der Straße nach Witschke. Diesen nannte man Zigeuner-Brunnen, weil sich hier die "Wosnzigeina" – ähnlich wie im Spann-Gassl – bei ihren Wanderungen durchs Land einige Zeit aufhalten durften. Für die Bewohner des Nichtsbrot gab es auf der Ost-Seite des kath. Friedhofs einen Radbrunnen. Die Tiefe des jeweiligen Brunnens hing von seiner Höhenlage ab: In 183 m Höhe war er nur 2–3 m, in 193 m Höhe 10 und mehr m tief.

Mit der Einschränkung der privaten Viehhaltung und dem Bau einer Wasserleitung (1973) verloren die innerörtlichen Gemeinschaftsbrunnen ihre Bedeutung ganz. Sie wurden nach und nach zugeschüttet. Nach Ausbau eines Freizeit­zent­rums im Wiesengrund des Schulgartens, nahe der Gaststätte „Fehér Holló“ (Weißer Rabe), ließ die Gemeinde 1993 einen Naturstein-Springbrunnen errichten.

Der Friedhof der Katholiken befand sich anfangs – als die Deutschen angesiedelt wurden – vermutlich an der Stelle der heutigen Schule, d. h. in unmittelbarer Nähe der Kirche. Dafür sprechen zwei Gründe: Erstens fand man 1951 beim Neubau der Schule beim Ausschachten des Kellers zahlreiche Knochenreste und sogar einen Goldring; zweitens ist es auch in Deutschland Sitte, die Friedhöfe nahe bei der Kirche anzulegen (Kirchhof).

Nach Josef Mikonya soll sich der nächste katholische Friedhof unterhalb des Kalvarienberges befunden haben. Diese Auffassung bestätigt das 1997 zum Vorschein gekommene Dokument von Pfarrer Drághfy aus dem Jahre 1858.

Als dieser auch ganz belegt war, legte man am SO-Ende des Dorfes (Am Berg) den heutigen Alten Friedhof an. Gegen diese Auffassung sprechen zwei Grabsteine (siehe bei den Bildern!) – der eine aus 1789, der andere aus 1834. Danach hat man den Alten Friedhof schon vor und nach der Gründung des Friedhofs unter dem Kalvarienberg (1858) benutzt. Dahinter befindet sich seit je her der reformierte Friedhof. Der Alte Friedhof war bis zum Eingangstor im Jahre 1906 ebenfalls voll belegt. Der Neue Friedhof – oberhalb des alten – wurde ab 1907 als Begräbnisstätte der Deutschen eingeweiht, und vom hinteren Ende beginnend – auf der rechten Seite mit Erwachsenen, auf der linken mit Kindern – belegt. In den 60er Jahren ,erreichte‘ die Erwachsenen-Seite das vordere Ende an der Straße. Danach begann man die Gräber auf der Kinderseite von vorn nach hinten anzulegen. Bald werden die Gräber bis zu den Kindergräbern reichen. Ende des Jahrtausends muß man wahrscheinlich mit der Neubelegung des Alten Friedhofs beginnen. In der Mitte der Kinderparzelle befindet sich das Kriegerdenkmal – errichtet ca. 1948 – für die Tarianer Gefallenen des Zweiten Weltkrieges Hier wurden auch die 42 deutschen Soldaten zur ewigen Ruhe gebettet, die 1944/45 in Tarian fielen. Leider sind nur 4 namentlich bekannt: August Hermann Gren (aus Altenkirchen/Westerwald), * Mahlert, 14. Juli 1907 – † 7. März 1945; Herbert Scholz, * 27. Juli 1921 – † 4. Febr. 1945; Ufz. Johann Bamilik 1916–1945; Walter Schubert 1925–1945.

Vorübergehend beerdigte man hier auch die fünf Opfer der Revolution vom Herbst 1956. Die in der Gemeinde gefallenen Sowjetsoldaten haben ihr Gemeinschaftsgrab rechts am Eingang des Neuen Friedhofs. Ihrer gedachte man jedes Jahr mit einer offiziellen Kranzniederlegung am »Tag der Befreiung«, am 4. Apr. Der übrigen Opfer des Krieges durfte nicht gedacht werden, weil sie als Feinde des Kommunismus starben.

Bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden die Toten – mangels Leichenhalle – in der vorderen Stube ihres Wohnhauses aufgebahrt. Die Leiche wurde am Tag der Beerdigung (Leicht) auf – von 2 Pferden gezogenen – „Totenwagen“ auf den Friedhof gefahren. Mit diesem Totenwagen – der in einem Häuschen an der Héreger Str. untergebracht war – werden bis heute die Toten zum Grab gefahren. Erst danach wurde das von der Gemeinde erneuerte und vergrößerte »Totenhäusel« am hinteren Ende des Alten Friedhofs gemeinsam mit den Reformierten genutzt.

1996 baute man eine neue Leichenhalle am Eingang zum Alten Friedhof. Diese moderne Einsegnungshalle sucht ihres gleichen weit und breit!



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