Nrz duisburg-Nord Samstag 18. 03. 2006


Ökostrombranche will massiv investieren



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Ökostrombranche will massiv investieren

Nachdem die konventionellen Stromversorger Milliarden für den Ausbau von Kohlekraftwerken in Aussicht gestellt haben, ziehen jetzt auch die Unternehmen der alternativen Energiebranche nach. Die Branche will in den kommenden 15 Jahren rund 200 Milliarden Euro in die Energieversorgung stecken und die Zahl der Beschäftigten von derzeit 160.000 auf etwa eine halbe Million erhöhen. Das kündigte der Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energie, Johannes Lackmann, am Montag in Berlin mit Blick auf den Anfang April anstehenden Energiegipfel im Kanzleramt an.

"Wir erwarten, dass es für fossile Kraftwerke keine langfristigen Zusagen der Investitionssicherheit geben wird", sagte Lackman angesichts anders lautender Aussagen von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU). Zuvor hatte das "Handelsblatt" unter Berufung auf einen "hochrangigen Energiemanager" berichtet, dass die großen Stromkonzernen Investitionen von bis zu 13 Milliarden Euro in Kohlekraftwerke auf dem Energiegipfel verkünden wollen. Im Gegenzug wolle die Regierung Zugeständnisse beim Emissionshandel machen.

Anteil von 20 Prozent angestrebt

Lackam verwies darauf, dass die Investition von 200 Milliarden Euro "15 mal mehr sind, als die gerade angekündigten Investitionen in neue Kohlekraftwerke". Das energiepolitische Gesamtkonzept müsse auf dem entschlossenen Ausbau erneuerbarer Energien basieren, fügte er hinzu. Bis 2020 will die Branche ihren Anteil am deutschen Energieverbrauch von rund sieben auf 20 Prozent anheben. Damit werde die nur Strom erzeugende Atomwirtschaft überflüssig, Braun- und Steinkohle könnten zunehmend ersetzt werden.

Die alternative Energiebranche verlangte darüber hinaus ein eigenständiges Gesetz zur Förderung des Heizungs- und Wärmedämmbereichs ähnlich dem Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG). Zudem muss laut Lackmann der Fokus stärker auf Biokraftstoffe gelenkt werden. Zugleich wies er die Vorwürfe zurück, seine Branche sei noch zu sehr von Subventionen abhängig. "Wir steuern in kurzen Zeiträumen auf gängige Marktpreise zu."

Am 3. April findet auf Einladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein Energiegipfel im Kanzleramt statt. Auf der Agenda stehen vor allem die jüngsten Krisen um die Gasimporte aus Russland sowie die anhaltend hohen Energiepreise. nz)



(N24.de, Netzeitung)
Der Tagesspiegel 20. März 2006

Stromkonzerne versprechen Investitionen

Regierung könnte Regeln für die Kohle erleichtern

Düsseldorf - Die deutschen Stromproduzenten werden auf dem Energiegipfel am 3. April Zusagen für milliardenschwere Investitionen in neue Kraftwerke geben. Die Branche wolle ein Programm im Volumen von bis zu 13 Milliarden Euro ankündigen – den Großteil davon mit Kohletechnik, sagte ein hochrangiger Energiemanager dem Handelsblatt. Im Gegenzug solle die Bundesregierung die Rahmenbedingungen für die Kohleverstromung verbessern.

Damit könnte von dem mit Spannung erwarteten Gipfeltreffen ein klares Signal für die Zukunft von Braun- und Steinkohle in der Stromerzeugung ausgehen. Die Bedeutung von Gas würde dagegen deutlich relativiert. Offiziell bestätigen wollten die Pläne allerdings weder Branchen- noch Regierungsvertreter. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat für den 3. April eine große Runde zum Thema Energie geladen. Dabei soll nach den jüngsten Krisen im Gasimport aus Russland und den Klagen von Industrie und Verbrauchern über steigende Kosten, über die Versorgungssicherheit und die Strom- und Gaspreise diskutiert werden. Teilnehmen werden unter anderem die Chefs der vier großen Konzerne Eon, RWE, Vattenfall Europe und Energie Baden-Württemberg (EnBW).

Die Investitionszusagen beinhalten zwar zum größten Teil bereits avisierte Projekte. Es handle sich um „alten Wein in neuen Schläuchen“, räumte ein Energiemanager ein. Das Paket umfasse aber zum einen auch einige neue Projekte. Zudem sind die meisten der bereits bekannten Projekte noch vage, nur für wenige Kraftwerke gibt es bisher verbindliche Investitionsentscheidungen. Die Versorger fordern von der Regierung verlässliche Rahmenbedingungen, die einen Betrieb neuer Kraftwerke über Jahrzehnte hinaus rentabel machen.

Betreiber von Kraftwerken erhalten vom Staat Emissionsrechte, die den Ausstoß einer bestimmten Menge des klimaschädlichen Kohlendioxids erlauben. Da Kohlekraftwerke vergleichsweise hohe Emissionen haben, müssen sie meist Emissionszertifikate teuer zukaufen. Die Stromproduzenten fordern nun eine üppige Ausstattung neuer Kohleanlagen mit Zertifikaten, damit sie nicht gegenüber anderen Brennstoffen – vor allem dem Gas – benachteiligt werden. Dies will Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) auf dem Energiegipfel nun offenbar auch zusagen. Allerdings könnte dies noch am Widerstand des Umweltministeriums scheitern. dri/juf/jsn/str (HB)
Bundesministerium der Finanzen 20. März 2006

Energiesteuergesetz beschlossen

Energiebesteuerung – Regierung beschließt Neuregelung

Das Bundeskabinett hat am 15. März 2006 den Entwurf eines Gesetzes zur Neuregelung der Besteuerung von Energieerzeugnissen und zur Änderung des Stromsteuergesetzes verabschiedet. Mit dem Gesetzentwurf kommt die Bundesregierung ihrer Verpflichtung nach, die europäische Energiesteuerrichtlinie in nationales Recht umzusetzen.

Das Mineralölsteuergesetz soll unter Berücksichtigung der europarechtlichen Vorgaben durch ein neues Energiesteuergesetz abgelöst werden, erklärt hierzu das Bundesministerium der Finanzen (BMF). Im Wesentlichen sind folgende Änderungen vorgesehen:

Der bisherige Katalog der Steuergegenstände des Mineralölsteuergesetzes wird im Energiesteuergesetz nach den Vorgaben der Energiesteuerrichtlinie erweitert. Danach werden künftig insbesondere auch Steinkohle, Braunkohle und Koks als Energieerzeugnisse erfasst und besteuert.

Die Besteuerung von Erdgas wird neu geregelt, da sie nicht mehr der aktuellen Energiesteuerrichtlinie entspricht. Die Steuer entsteht nicht mehr mit der Aufnahme des Erdgases in das Leitungsnetz, sondern erst mit dem Zeitpunkt der Lieferung an den Verbraucher.

Die steuerliche Behandlung von zur Stromerzeugung verwendeten Energieerzeugnissen wird geändert. Entsprechend der Vorgaben der Energiesteuerrichtlinie werden sie grundsätzlich von der Steuer befreit. In diesem Zusammenhang werden die Vorschriften zur Steuerbegünstigung von Anlagen der Kraft-Wärme-Kopplung wesentlich vereinfacht.

Einführung einer teilweisen Besteuerung der Biokraftstoffe.

Der Biokraftstoffbericht der Bundesregierung für das Jahr 2004 stellte eine europarechtlich unzulässige Überförderung von Biokraftstoffen in Höhe von fünf Cent je Liter Biodiesel und 1zehn Cent je Liter Beimischung fest. Die zum Ausgleich vorgesehenen Steuersätze berücksichtigen auch den zwischenzeitlichen Anstieg der fossilen Kraftstoffpreise, die zu einer weiteren Überkompensation geführt hat.



Dadurch ergibt sich im Ergebnis eine europarechtlich konforme Besteuerung von:

15 Cent je Liter für Pflanzenöl

10 Cent je Liter für Biodiesel in Reinform

15 Cent je Liter für Biodiesel als Beimischungskomponente

In der Land- und Forstwirtschaft verwendete reine Biokraftstoffe bleiben von der Steuer befreit. Der in der Koalitionsvereinbarung vorgesehene Wechsel von der Steuerbefreiung der Biokraftstoffe zu einer Quotenregelung wird in einem gesonderten Gesetzgebungsverfahren geregelt.

Mit einer gesetzlichen Definition des Begriffes "Verheizen" werden die gesetzgeberischen Konsequenzen aus der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes vom 29. April 2004 gezogen. Zugleich werden bestimmte energieintensive Prozesse auf Grundlage der Energiesteuerrichtlinie steuerlich begünstigt. Damit sollen durch die neue Definition des Begriffes "Verheizen" bedingte Nachteile für Unternehmen, die durch die derzeitige Auslegung begünstigt sind, vermieden werden.

Wie auch in einigen unserer Nachbarstaaten wird für Gasöle, die steuerfrei als Kraftstoff in der Schifffahrt verwendet werden, eine Kennzeichnungspflicht eingeführt. Das erhöht den Schutz vor missbräuchlicher Verwendung.

Herausgeber: Bundesministerium der Finanzen
Stadtwerke Hannover AG Pressemitteilung vom 20.03.2006

Neue Positive Energie - enercity plant Kraftwerksneubau mit EKW

Hannover, den 17. März 2006 - Die Chancen sind hoch, die Risiken gering - so bewerten die Stadtwerke Hannover den Neubau eines Kraftwerks. Favorisiert ist ein Gemeinschaftsprojekt mit E.ON Kraftwerke (EKW). Die Eckdaten der Planung: enercity investiert in eine so genannte Kraftwerksscheibe mit 265 MW eines modernen 1.100-MW-Steinkohle-Kraftwerks, das 2015 in Betrieb genommen werden wird.

In der heutigen Sitzung des Aufsichtsrats gab der Vorstand der Stadtwerke Hannover AG dem Aufsichtsrat die Empfehlung, dem Bau eines Gemeinschaftskraftwerks mit der E.ON Kraftwerke GmbH zu zustimmen. Zuvor hatte der Vorstand anhand detaillierter Pläne und Wirtschaftlichkeitsberechnungen die Planungen erläutert. Die endgültige Entscheidung soll im Mai 2006 fallen.

Mit unserem Vorschlag erzeugen wir Diskussionsbedarf', ist sich Harald Noske bewusst. 'Doch die Argumente sprechen klar für die vertragsreif ausgehandelte Lösung'. Davon ist der für den Kraftwerksneubau zuständige Technische Vorstand der Stadtwerke Hannover AG überzeugt. Er sieht die anstehende Entscheidung in direkter Folge der bisherigen Kraftwerksprojekte der Stadtwerke Hannover. Auch mit den Beschlüssen zur Beteiligung am Kraftwerk in Mehrum 1979, zur Public-Privat-Partnership beim Gemeinschaftskraftwerk in Stöcken 1989 oder der 1999 in Betrieb gegangenen GuD-Anlage in Linden habe das Unternehmen individuelle und zukunftsweisende Strategien verfolgt, die sich langfristig als sehr gut erwiesen hätten.



Bedarf ist vorhanden

Die Stadtwerke Hannover konnten in jeder Marktphase durch den strategischen Einsatz der eigenen Stromproduktion Wettbewerbsvorteile generieren. Auch in der zukünftigen Marktentwicklung ist davon auszugehen, dass ein Mix aus Eigenerzeugung und Handel gute Chancen für Vertrieb sowie Ertragslage bietet. Zwar ist der Kraftwerkspark der Stadtwerke Hannover noch vergleichsweise jung - Erneuerungsinvestitionen hätten also noch ein paar Jahre Zeit. Ein zeitnaher Bau eines zusätzlichen Kraftwerks liegt jedoch aus zwei Gründen nahe: Experten erwarten bis 2020 einen Neubaubedarf von mindestens 20.000 Megawatt (MW) Kraftwerkskapazität - im wesentlichen als Ersatz für Kraftwerksblöcke, die aus Altersgründen abgeschaltet werden. Der politisch gewollte Kernkraftausstieg erhöht zudem den Bedarf an neuen Anlagen. Da auch weltweit die Nachfrage nach neuen Kraftwerken wächst, sind aufgrund der begrenzten Anzahl der Lieferanten von Kraftwerkskomponenten eventuelle Engpässe zu berücksichtigen. Die Folge: steigende Investitionskosten und geringere Wirtschaftlichkeit von später errichteten Kraftwerken.

Die heutigen technischen Möglichkeiten für neue Kraftwerke führen zu höheren Wirkungsgraden bei reduziertem Brennstoffbedarf und reduzierten CO 2 -Emissionen. Dies ermöglicht günstige Kostenstrukturen und hierdurch mit Sicherheit eine gute Positionierung im Strommarkt. Die Wirtschaftlichkeitsrechnung lässt daher auf eine sehr gute Ertragskraft schließen.

Die Stadtwerke Hannover planen ihre Investition zu einem Zeitpunkt, der sicherstellt, dass das Unternehmen noch vollständig von den zukünftigen Marktchancen profitieren kann. Allerdings wird hierbei bewusst auf eine Vorreiterrolle verzichtet, um das Risiko eventueller Kinderkrankheiten der neuen Technik zu vermindern.



Die Größe ist doch entscheidend

Interne Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsstudien der Stadtwerke Hannover haben gezeigt: Eine Leistungsscheibe von 200 bis 250 MW ist die optimale Größe. Dies lässt sich am wirtschaftlichsten bei einem Steinkohle-Kraftwerk mit mehr als 700 MW Leistung realisieren, das als Gemeinschaftskraftwerk errichtet wird und an dem sich enercity beteiligen würde. Bewusst haben sich die Stadtwerke Hannover gegen ein gasbefeuertes GuD-Kraftwerk entschieden. Die Vorteile des präferierten Steinkohle-Kraftwerks auf einen Blick: wirtschaftlicher Grundlastbetrieb möglich hohe und langfristige Verfügbarkeit des Brennstoffs geringe Preisrisiken beim Brennstoff geringe Rohstoff-Abhängigkeiten von einzelnen Förderländern absolute CO 2 -Reduktion mit GuD-Anlage vergleichbar

An den innerstädtischen Kraftwerksstandorten der Stadtwerke Hannover kann unter den derzeitigen Rahmenbedingungen kein wirtschaftliches Kraftwerkkonzept umgesetzt werden. Der zunächst favorisierte Standort Mehrum ergab bei genauerer Analyse einige Nachteile - zum Beispiel Lasteinschränkungen durch den geplanten Ausbau der Windkraft in Norddeutschland. Alternativ betrachtete Standorte erwiesen sich zum Teil als besser. In sofern konnte mit der hannoverschen EKW eine gemeinsame Strategie für den Bau und Betrieb erarbeitet werden: Die Stadtwerke Hannover errichten gemeinsam mit EKW ein Gemeinschaftskraftwerk mit 1.100 MW Leistung. Entsprechend dem finanziellen Anteil in Höhe von 25,2 Prozent können die Stadtwerke Hannover über eine Kraftwerksscheibe von rund 265 MW verfügen, 'für die wir den Steuerknüppel auch selbst in den Händen halten', erläutert Noske. Weiter fasst er zusammen: 'Wir haben die Vorteile eines Kraftwerks in der von uns benötigten Größenordnung und profitieren von den Skaleneffekten eines Großkraftwerks. Gleichzeitig begrenzen wir stark die Marktrisiken. Und da das neue Kraftwerk in jedem Fall Altanlagen ersetzt, ist auch insgesamt die deutschlandweite Ökobilanz positiv.'

Dem geplanten Bau eines Gemeinschaftskraftwerkes müssen neben dem Aufsichtsrat der Stadtwerke Hannover AG auch die Aufsichtsgremien der E.ON Kraftwerke GmbH zustimmen.

 Ansprechpartner: Harald Noske, Technischer Vorstand Stadtwerke Hannover AG, Tel. 0511/430-2177
NRZ Dienstag 21.03.2006

Erneuerbare Energien geben Gas

BERLIN. Im Vorfeld des Energiegipfels bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Branche der erneuerbaren Energien auf ihre geplanten Milliarden-Investitionen verwiesen. Die mehr als 5000 Unternehmen der Sparte wollten bis zum Jahr 2020 in Deutschland 200 Mrd E ausgeben, sagte der Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE), Johannes Lackmann, in Berlin. Das sei 15 Mal mehr, als die angekündigten Investitionen in neue Kohlekraftwerke, fügte er hinzu. Lackmann sagte, Voraussetzung für die Milliardenausgaben seien aber stabile Rahmenbedingungen.

"Das energiepolitische Gesamtkonzept muss daher auf dem entschlossenen Ausbau erneuerbarer Energien basieren", forderte er mit Blick auf den Energiegipfel bei Merkel am 3. April. Der BEE stützt sich bei seinen Prognosen auf das Ziel, bis 2020 mehr als 20% des Energieverbrauchs aus alternativen Energien zu decken.

Allein im vergangenen Jahr hätten die Betreiber von Wind-, Solar- und sonstigen Anlagen fast 9 Mrd E in neue Produktionskapazitäten investiert. (afp)


Rheinische Post Mittwoch 22.03.2006

WIRTSCHAFT__Sorge_ums_Gas'>WIRTSCHAFT

Sorge ums Gas

Unsicherheitsfaktor Russland, energiehungriges China: Experten prognostizieren Energie-Knappheit in wenigen Jahren. Die Folgen sind steigende Kosten. Deutsche Gasversorger wie Eon Ruhrgas setzen auf alternative Quellen.

VON ALEXANDER VON GERSDORFF

BERLIN Bürger und Unternehmer müssen sich auf dauerhaft steigende Energiekosten einstellen. Deutsche Gasversorger hatten 2005 ihre Endverbraucherpreise teilweise um mehr als 25 Prozent erhöht. Als Grund haben sie die gestiegenen Importpreise genannt. Doch der Rohstoff wird nicht nur teurer, sondern auch knapper: Die Internationale Energiebehörde IEA warnt jetzt sogar davor, dass es beim Gas-Import Lieferschwierigkeiten geben könne.

IEA-Direktor Glaude Mandil rechet mit einem Lieferausfall beim weltgrößten Gasproduzenten, der russischen Gasprom, von bis zu 90 Milliarden Kubikmeter Gas „in einigen Jahren". Das schreibt Mandil laut „Financial Times Deutschland" in einem Brief an die G7-Energieminister, darunter die der USA, Deutschlands und Frankreichs. Als Grund nennen Experten Probleme der russischen Förderund Transportinfrastruktur sowie mögliche politische Instabilität.

Allein im Jahr 2004 sollen der Gasprom laut IEA 70 Milliarden Kubikmeter Gas bei Produktion und Transport verloren gegangen sein. Im Januar hatte Russland zudem seine Gaslieferungen an die Ukraine kurzzeitig gedrosselt und damit vorübergehend auch Westeuropa in Mitleidenschaft gezogen.

Die deutschen Gasversorger sind sich der Gefahr bewusst. Um die Importe auf breitere Füße zu stellen und die Abhängigkeit von Russland zu verringern, setzen sie auf moderne Fördertechnik und neue Importquellen. So plant EonRuhrgas ein Terminal für Flüssiggas-Tanker in Wilhelmshaven, das 2010 in Betrieb gehen soll. Die Entscheidung fällt im Sommer. Verflüssigtes Erdgas kommt unter anderem aus Algerien, Nigeria, Katar und Libyen. Wintershall hilft derweil Gasprom mit deutscher Technik bei der Gasförderung.

Der russische Monopolist exportierte 2005 rund 170 Milliarden Kubikmeter, Deutschland nimmt davon 40 Milliarden ab. Mittlerweile ist fast ein Viertel des Gas-Jahresabsatzes in Deutschland in heimischen Gastanks speicherbar, betont die Gaswirtschaft: „Eine Gasknappheit wie zuletzt in Großbritannien droht hier nicht." Seit 33 Jahren liefere Russland Gas an Deutschland, sagte Stephan Kohler, Geschäftsführer der bundeseigenen Deutschen Energie-Agentur (Dena), die Konzepte zur Energieeinsparung und zur Förderung erneuerbarer Energien entwickelt. „Noch nie hat es einen Lieferausfall gegeben."

Allerdings bildet sich der Gaspreis am Weltmarkt. Die IEA rechnet mit einer Verdopplung des Energieverbrauchs bis 2030, vor allem in den Boomstaaten China und Indien. Die nächsten Energiepreis-Erhöhungsrunden sind somit programmiert: Gerade gestern schloss Russland einen Liefervertrag mit der energiehungrigen Volksrepublik China ab.

Ein Haushalt, der Gas für Heizung, Warmwasser und Kochen braucht, zahlt derzeit bei den Stadtwerken Düsseldorf rund 105 Euro im Monat. Zugrunde liegt ein auf 20 000 Kilowattstunden im Jahr umgerechneter Gasverbrauch. Die Stadtwerke beziehen ihr Gas ausschließlich aus Holland, dem drittgrößten Importeur nach Russland und Norwegen.

Am Donnerstag und Freitag beraten die 25 Staats- und Regierungschefs beim Energiegipfel in Brüssel über das Thema Versorgungssicherheit. Auf dem deutschen Energiegipfel im Kanzleramt mit den Spitzen aus Politik und Energiewirtschaft soll es am 4. April um den Ausbau erneuerbarer Energien und um Preisstabilität gehen.

INFO Strompreis Die Strompreise sind im vergangenen Jahr im Schnitt um fünf Prozent und seit dem Jahr 2000 sogar um fast 40 Prozent gestiegen; ein Drei-Personen-Haushalt zahlt aktuell rund 57 Euro im Monat. Die Strompreise für die Wirtschaft. haben sich binnen sechs Jahren fast verdoppelt.
80 Milliarden für die Stromversorgung

BERLIN (afp) Die deutschen Stromunternehmen werden nach Branchenangaben bis zum Jahr 2020 insgesamt 80 Milliarden Euro für Investitionen ausgeben. Rund 40 Milliarden Euro fließen in den Ausbau und Erhalt der Stromnetze, weitere 40 Milliarden Euro sollen in neue Kraftwerke investiert werden, erklärte der Präsident des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW), Werner Brinker. Angesichts dieser Summen erwarte die Branche ein klares Energiekonzept von der Politik. Brinker plädierte für einen „Kurswechsel": Das Gleichgewicht zwischen Umweltschutz, bezahlbaren Preisen und Versorgungssicherheit müsse wiederhergestellt werden.

Er forderte zudem sowohl von der öffentlichen Hand als auch von den Unternehmen mehr Ausgaben für Forschung und Entwicklung, um vor allem alternative Energieformen sowie die Energieeffizienz zu verbessern. Nötig seien dafür mehrere hundert Millionen Euro.

Der Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur (dena), Stephan Kohler, geht davon aus, dass die Energieeffizienz und regenerative Energien beim Spitzengespräch der Branche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 3. April einen „hohen Stellenwert" haben werden. Kohler betonte, dass ohne die erneuerbaren Energien die Versorgung weder bezahlbar noch klimaschonend gestaltet werden könne. Die Bundeskanzlerin setzt auf jeden Fall auf diesen Energiebereich. Bei bei der Einweihung eines Biomasse-Heizkraftwerks wiederholte sie gestern das Ziel, in Zukunft 20 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Das sei ein absolut sicherer Wachstumsmarkt, denn es gebe gute Chancen, deutsche Technik zu exportieren. Es gehe aber auch um den sparsamen Umgang mit Energie, sagte die Kanzlerin: „Deutschland gehört nicht zu den Ländern, die alles mit eigenen Ressourcen schaffen können."


Steag optimistisch

Die Steag ist zuversichtlich, dass sie - wie geplant - Ende des Jahres mit dem Bau des neuen Kraftwerksblocks in Walsum beginnen kann.

VON HEINZ SCHILD

WALSUM Während die Bürgerinitiative Umweltgifte Duisburg Nord voller Hoffnung ist, mit ihrer Normenkontrollklage beim Oberverwaltungsgericht Münster und einer EU-Beschwerde den geplanten Bau des neuen Kraftwerksblocks 10 in Walsum verhindern, zumindest aber verzögern zu können, ist die Steag zuversichtlich, planmäßig Ende des Jahres mit ihrem Neubauprojekt beginnen zu können. So gab sich gestern Steag-Vorstandsmitglied Dr. Jürgen Rupp optimistisch, dass die Bezirksregierung Düsseldorf die beantragte Genehmigung noch in diesem Frühjahr erteilt.



Warten auf Genehmigung

Liegt sie vor, beginnen die Baufeldvorbereitung und die Fundamentierung. Dass die Genehmigung nicht erteilt werden könnte, ist für den Technologie- und Versorgungskonzern bisher noch nicht Gegenstand von Überlegungen gewesen. Denn die Steag ist davon überzeugt, mit ihrem Antrag die rechtlichen Rahmenbedingungen erfüllt und alle notwendigen Unterlagen vorgelegt zu haben, die auch einer gerichtlichen Überprüfung standhalten würden, erklärte Dr. Rupp.

Unterstützt wird das Vorhaben des Essener Konzerns von der SPD-Landtagsfraktion. Deren Arbeitskreis Wirtschaft informierte sich gestern über die Aktivitäten am Steag-Kraftwerksstandort Walsum und über den aktuellen Stand des Projekts. Die Sozialdemokraten, so der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion und Arbeitskreisvorsitzende Norbert Römer, wollen sich dafür stark machen, dass das Kraftwerkserneuerungsprogramm Zug um Zug umgesetzt werden kann. Die Investitionen, rund 800 Millionen Euro in Walsum, werden als wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung der Region angesehen. Von der Bundesregierung wird erwartet, dass sie noch vor dem Energiegipfel am 3. April die Entscheidungen zum Emissionshandel fällt, damit Energieversorgungsunternehmen wie die Steag die notwendige Planungssicherheit erhalten.

Mehr Unterstützung

Das Steag-Pojekt lobte der für Walsum zustände SPD-Landtagsabgeordnete Sören Link als klares Bekenntnis zu diesem Standort, der nicht zuletzt unter der bereits beschlossenen Schließung der Zeche und dem damit verbundenen Wegfall von Arbeits- und Ausbildungsplätzen arg zu leiden habe. Den Ausstieg aus der Kohle wertete Link als „falsch" und forderte nachdrücklich mehr Unterstützung für die Region.



INFO Kraftwerksblock 10 Der neue Kraftwerksblock 10, der in Walsum entstehen soll, wird über eine installierte Leistung von 750 Megawatt verfügen. Verfeuert wird Steinkohle. Der Wirkungsgrad liegt bei etwas mehr als 45 Prozent. Der Kühlturm wird 181 Meter hoch sein. Die Investitionssumme beträgt rund 800 Millionen Euro.
Rheinische Post Donnerstag 23.03.2006

WIRTSCHAFT

Zweifel an Energie-Rechnung

Bundesumweltminister Gabriel lobt erneuerbare Energien als Jobmaschine. Experten kritisieren die Angaben und rechnen vor: Die Sanierung von Kohlekraftwerken wäre billiger und bringe mehr für die Umwelt.

VON ALEXANDER VON GERSDORFF

BERLIN Für Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sind erneuerbare Energien ein Jobmotor. Herstellung und Betrieb von Wind-, Biomasse- und Solaranlagen brächten weit mehr neue Arbeitsplätze, als auf der anderen Seite durch Kaufkraftverlust wegen der hohen Subventionen verloren gingen. Auch seien die volkswirtschaftlichen Vorteile durch mehr Beschäftigung und sauberere Umwelt größer als die Kosten, die jeder Bürger über einen Zuschlag auf den Strompreis dafür zahlen muss.

Energieexperten zweifeln die Rechnung an. „Die Anbieter werden von den Verbrauchern finanziert, ein Ende ist nicht in Sicht", sagte Bernhard Hillebrand, Geschäftsführer des privaten Energieinstituts EEFA. „Würden die Subventionen wegfallen, wären auch die meisten Arbeitsplätze weg."

Gabriel hat sich durch eine Studie bestätigen lassen, dass in Deutschland insgesamt 170 000 Menschen durch den Ausbau der regenerativen Stromerzeuger beschäftigt werden. 2020 sollen es 300 000 Beschäftigte sein. Zu den Verfassern der Studie zählt das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW). Da die neuen Energien noch nicht wettbewerbsfähig seien, müsse die Subvention noch 20 Jahre erhalten bleiben, sagte ZSW-Projektleiter Frithjof Staiß.

Ein großer Teil der Subventionen kommt aus der „Einspeisevergütung": Knapp fünf Milliarden Euro zahlen Stromkunden 2006 an die Betreiber von Wind-, Biomasse- und Sonnenkraftwerken. Grundlage ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Laut Stromnetzbetreibern steigt die Summe bis 2012 kontinuierlich auf über neun Milliarden Euro. Das führe langfristig sogar zu Arbeitsplatzverlusten, haben das Energiewirtschaftliche Institut Köln (EWI) und das Wirtschaftsinstitut RWI in Essen ermittelt: Bis 2012 gingen 20 000 Jobs mehr verloren als bei den neuen Energien geschaffen würden.

„Die Subventionen haben ein so hohes Volumen erreicht, dass stärker auf die Effizienz erneuerbarer Energien geachtet werden muss", sagte Ralf Wissen vom EWI. Er rät, die Einspeisevergütung durch ein europaweites Quotensystem zu ersetzen. So könnte die EU beschließen, dass der Anteil erneuerbarer Energien bis 2020 auf 30 Prozent steigen müsse. Die Anbieter stünden aber in Konkurrenz untereinander. „Auf diesem Wege setzen sich dann nur noch die effizientesten Energieformen durch." Vor allem Photovoltaik fiele durch.

Die Kosten, um den Ausstoß einer Tonne CO2 zu vermeiden, seien bei erneuerbaren Energien enorm hoch, sagte Hillebrand, der an der EWI/RWI-Studie für das Bundeswirtschaftsministerium mitgearbeitet hatte. „Kostengünstiger ist der Neu- und Umbau bestehender Braunkohlekraftwerke." Damit ließen sich in 15 Jahren rund 38 Millionen Tonnen CO2 vermeiden. Selbst durch Windenergie, die noch am effizientesten gilt, seien es höchstens 20 Millionen Tonnen. Kommentar



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