Wintersemester 2006/07


Gott als archetypisches Bild



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Gott als archetypisches Bild

„Vom psychologischen Standpunkt aus gesehen, ist die Religion ein psychisches Phänomen, das irrationaler­wei­se vorhanden ist, so gut wie die Tatsache unserer Phy­sio­logie oder Anato­mie.“ Briefe II, 1946-1965, Olten: Walter, 1972/1989, 512.


„Die religiösen Symbole ... stammen nicht aus dem Kopf, sondern irgendwo anders her, ... jedenfalls aus einer psychischen Tiefenschicht, die dem Bewußtsein, das immer nur Oberflä­che ist, wenig ähnelt. Darum ha­ben die religiösen Symbole auch ausgesprochenen 'Of­fen­ba­rungscharakter', das heißt, sie sind in der Regel spon­tane Erzeugnisse der unbewußten See­lentätigkeit. Sie sind alles, nur nicht ausgedacht; sie sind vielmehr im Laufe der Jahrtausende allmählich gewachsen, wie Pflan­­zen, als natürliche Offenbarungen der Mensch­heits­seele. ... Auf alle Fälle beweist die Erfahrung, daß die Religio­nen keineswegs bewußter Erklügelung, son­dern dem na­tür­lichen Leben der unbewußten Seele ent­stammen ... . Da­raus nämlich erklärt sich ihre universelle Verbreitung und ihre ungeheuere historische Wirkung auf die Mensch­heit. Eine solche Wirkung wäre unver­ständ­lich, wenn die religiösen Symbole nicht zum min­de­sten psy­cho­logische Naturwahrheiten wären.“

Grundwerk, Bd. 9, Mensch und Kultur, Olten: Walter, 41995, 83.

„Wenn wir die Tatsache in Betracht ziehen, daß die Gottesidee eine ‘unwissenschaftliche’ Hypothese ist, können wir uns leicht erklären, warum die Menschen verlernt haben, in diese Richtung zu denken. Und sogar, wenn sie einen gewissen Glauben an Gott hegen, würden sie von der Idee des ‘inneren Gottes’ durch die religiöse Erziehung, welche diese Idee immer als ‘mystisch’ entwertet hat, abgeschreckt. Es ist jedoch gerade diese ‘mystische’ Idee, welche durch Träume und Visionen dem Bewußtsein aufgedrängt wird. ...


Es wäre ein bedauerlicher Irrtum, wenn jemand meine Beobachtungen als eine Art Beweis für die Existenz Gottes auffassen wollte. Sie beweisen nur das Vorhandensein eines archetypi­schen Bildes der Gottheit, und das ist alles, was wir, meines Erachtens, psychologisch über Gott aussagen können. Aber da es ein Archetypus von großer Bedeutung und starkem Einfluß ist, scheint sein relativ häufiges Vorkommen eine beachtenswerte Tatsache für jede theologia naturalis zu sein. Da das Erlebnis dieses Archetypus die Eigenschaft der Numinosität hat, oft sogar in hohem Maße, kommt ihm der Rang einer religiösen Erfahrung zu.“
C.G. Jung, Psychologie und Religion (1940), Taschenbuchausgabe dtv (Band: Psychologie und Religion), München 1991, 63.

Zur Entwicklungsgeschichte der Gottesidee

„Diejenige psychologische Tatsache, welche die größte Macht in einem Menschen besitzt, wirkt als ‘Gott’, weil es immer der überwältigende psychische Faktor ist, der Gott genannt wird. Sobald ein Gott aufhört, ein überwältigender Faktor zu sein, wird er ein bloßer Name. Sein Wesentliches ist tot, und seine Macht ist dahin. ...


Die Welt ist, wie sie immer war, aber unser Bewußtsein unterliegt eigentümlichen Verände­rungen. Zuerst, in fernen Zeiten ..., lag der Hauptteil des psychischen Lebens anscheinend außen in menschlichen und nichtmenschlichen Objekten: er war projiziert, wie wir jetzt sagen würden. ... Zuerst lebten die Götter in übermenschlicher Macht und Schönheit auf der Spitze schneebedeckter Berge oder in der Dunkelheit von Höhlen ... . Später wuchsen sie zu einem Gott zusammen, und dann wurde dieser Gott Mensch. Aber in unserer Zeit scheint sogar der Gottmensch von seinem Throne herabzusteigen und sich im alltäglichen Menschen aufzulö­sen. ...

Der Platz der Gottheit scheint durch die Ganzheit des Menschen eingenommen zu werden.“



C.G. Jung, Psychologie und Religion (1940), Taschenbuchausgabe dtv (Band: Psychologie und Religion), München 1991, 84; 86; 85; 87.

Das „Selbst“ und die Rücknahme der Projektionen

„Wenn wir nun vom Menschen sprechen, so meinen wir dessen unbegrenzbares Ganzes, eine unformulierbare Totalität, die nur symbolisch ausgedrückt werden kann. Ich habe den Aus­druck ‘Selbst’ gewählt, um die Totalität des Menschen, die Summe seiner bewußten und un­bewußten Gegebenheiten, zu bezeichnen. Diesen Ausdruck habe ich übernommen in Über­einstimmung mit der östlichen Philosophie, welche sich seit Jahrhunderten mit denjenigen Problemen beschäftigt hat, die sich dann ergeben, wenn sogar die Menschwerdung der Götter überschritten ist. ...


Christus lebte ein konkretes, persönliches und einmaliges Leben, das aber zugleich in allen wesentlichen Zügen archetypischen Charakter hat. ... Insofern nun das Christusleben in ho­hem Maß archetypisch ist, stellt es in ebensolchem Maße das Leben des Archetypus dar. ... So ist darin auch die uns hier angehende Frage des Gottestodes in vollendeter Form voraus­ge­nommen. Christus ist selber der Typus des sterbenden und sich wandelnden Gottes. ...
Es entspricht moderner Bewußtseinshypertrophie, eben jener Hybris, der gefährlichen Auto­nomie des Unbewußten uneingedenk zu sein und sie nur negativ als Abwesenheit von Be­wußtsein zu erklären. Die Annahme unsichtbarer Götter und Dämonen wäre eine psycho­lo­gisch viel passendere Fomulierung des Unbewußten, obschon dies eine anthropomorphisti­sche Projektion wäre. Da nun die Entwicklung des Bewußtseins die Zurückziehung aller er­reichbaren Projektionen verlangt, so kann auch keine Götterlehre im Sinne nichtpsychologi­scher Existenz aufrecht erhalten werden. Wenn der historische Prozeß der Weltentseelung, eben der Zurücknahme der Projektionen, so weitergeht wie bisher, dann muß alles, was drau­ßen göttlichen oder dämonischen Charakter hat, zur Seele zurückkehren, in das Innere des unbekannten Menschen, von wo es anscheinend seinen Ausgang genommen hat.“
„Ich wende mich ja auch gar nicht an die beati possidentes des Glaubens, sondern an jene vielen, für die das Licht erloschen, das Mysterium versunken, und Gott tot ist. Für die meisten gibt es kein Zurück, und man weiß auch nicht genau, ob der Rückweg immer der bessere sei. Zum Verständnis der religiösen Dinge gibt es heute wohl nur noch den psychologischen Zu­gang, weshalb ich mich bemühe, historisch festgewordene Denkformen wieder einzu­schmel­zen und umzugießen in Anschauungen der unmittelbaren Erfahrung. ... Alle diese Parallelen [bestimmte religiöse Motive in verschiedenen Religionen] wollen bloß einen Versuch bedeuten, meine psychologischen Beobachtungen historisch einzureihen. Ohne die historische Verbindung würden sie in der Luft hängen und eine bloße Kuriosität bleiben ...“
C.G. Jung, Psychologie und Religion (1940), Taschenbuchausgabe dtv (Band: Psychologie und Religion), München 1991, 86, 88, 92, 93, 107.

Jung – Empiriker oder Philosoph?

„Obwohl man mich häufig einen Philosophen genannt hat, bin ich Empiriker und halte mich als solcher an den phänomenologischen Standpunkt. Ich bin der Ansicht, daß es nicht gegen die Grundsätze der wissenschaftlichen Empirie verstößt, wenn man gelegentlich Überlegun­gen anstellt, welche über eine bloße Anhäufung und Klassifizierung des Erfahrungsmaterials hinausgehen. Ich glaube in der Tat, daß Erfahrung ohne reflektierende Überlegung gar nicht möglich ist, weil ‘Erfahrung’ ein Assimilierungsprozeß ist, ohne welchen es überhaupt kein Verstehen gibt. Aus dieser Feststellung folgt, daß ich von einem naturwissenschaftlichen und nicht von einem philosophischen Standpunkt aus an die psychologischen Tatbestände heran­gehe. ...


Wenn die Psychologie zum Beispiel von dem Motiv der jungfräulichen Geburt spricht, so beschäftigt sie sich nur mit der Tatsache, daß es eine solche Idee gibt, aber sie beschäftigt sich nicht mit der Frage, ob eine solche Idee in irgendeinem Sinne wahr oder falsch sei. Die Idee ist psychologisch wahr, insoweit sie existiert.
Aber wir sind so sehr an die Meinung gewöhnt, psychische Ereignisse seien willkürliche Pro­dukte des freien Ermessens, ja geradezu Erfindungen des menschlichen Schöpfers, daß wir uns kaum von dem Vorurteil freimachen können, die Psyche und ihre Inhalte seien ... ein mehr oder weniger illusorisches Produkt von Annahmen und Urteilen. Tatsache ist, daß ge­wisse Ideen fast überall und zu allen Zeiten vorkommen und sich sogar spontan von selber bilden können, gänzlich unabhängig von Migration und Tradition. Sie werden nicht vom In­dividuum gemacht, sondern sie passieren ihm, ja sie drängen sich dem individuellen Bewußt­sein geradezu auf. Das ist nicht Platonische Philosophie, sondern empirische Psycho­logie.“
C.G. Jung, Psychologie und Religion (1940), Taschenbuchausgabe dtv (Band: Psychologie und Religion), München 1991, 8; 9.

Kapitel IV: Die Humanistische Psychologie - Auswahl



1. Abraham H. Maslows Ontopsychologie




Der ontologisch-teleologische Naturbegriff




“A person is both actuality and potentiality. He [man] doesn’t have to fly to a God. He can look within himself for all sorts of potentialities, strength, and goodness.”


Abraham Maslow, Toward a Psychology of Being; Vorwort von Richard Lowry, 1999 (1962), 15, 113.
„Jeder von uns hat eine wesentliche innere Natur, die instinktoid, wirklich, gegeben, ‚natür­lich’ ist ... . Dieser innere Kern, das Selbst, wächst jedoch nur teilweise durch ... Entdeckung, Aufdeckung und Akzeptierung dessen zur Reife heran, was es vorher ‚dort’ gibt. Teilweise hat es auch der Mensch selbst erschaffen. Wir können nicht länger jemanden als ‚voll deter­miniert’ betrachten, wenn determiniert ‚nur von Kräften außerhalb des Menschen’ bedeutet.“
Es sieht so aus, „als gäbe es einen einzigen elementaren Wert für die Menschheit, ein Fern­ziel, nach dem alle Menschen streben. Man nennt es verschiedentlich ... Selbstverwirklichung, Selbstrealisierung, Integration, ... Individuation, Autonomie, Kreativität, Produktivität, doch alle stimmen überein, daß dies darauf hinausläuft, die Möglichkeiten des Menschen zu reali­sieren, was bedeutet, voll menschlich zu werden, alles, was der Mensch werden kann. ...
Diese innere Natur, soweit sie uns bislang bekannt ist, ist definitiv nicht primär ‚böse’, son­dern eher das, was wir Erwachsenen in unserer Kultur ‚gut’ nennen, zumindest aber neutral. Um es ganz genau auszudrücken: sie geht dem ‚Guten und Bösen’ voran. ...

Ein guter Mensch (oder ein Tiger oder ein Apfelbaum) ist gut in dem Ausmaß, in dem er den Begriff ‚menschliches Wesen’ (oder Tiger oder Apfelbaum) erfüllt.“


peak experiences als religiöses Erleben
„Selbstverständlich bedarf ein Mensch im Zustand des Seins keiner Zukunft, weil sie bereits da ist. Dann hört das Werden für den Augenblick auf, und seine Versprechungen sind in der Form höchster Belohnungen eingelöst, d.h. in Grenzerfahrungen (peak experiences), in denen die Zeit verschwindet und die Hoffnungen erfüllt sind. ...

In Grenzerfahrungen fühlt der Mensch sich gewöhnlich auf dem Gipfel seiner Kräfte, er glaubt alle seine Möglichkeiten voll auszuschöpfen. Entsprechend der gelungenen Formulie­rung von Rogers fühlt er sich ‚voll funktionierend’ ... .


Das heißt, die größte Errungenschaft der Identität – Autonomie oder Selbstheit – ist in sich gleichzeitig eine Transzendenz seiner selbst, ein Hinausgehen über und jenseits der Selbstheit. Der Mensch kann dann relativ ichlos werden. ...

Auf dieser Ebene habe ich den Menschen gottähnlich genannt, weil die meisten Götter angeb­lich keine Bedürfnisse, Entbehrungen oder Nöte gekannt, keine Mängel gelitten haben, in allen Dingen befriedigt waren.“


„Es ist möglich, daß der Existentialismus nicht nur die Psychologie bereichert. Er kann auch zu einem zusätzlichen Impuls für die Etablierung eines anderen Zweiges der Psychologie wer­den, der Psychologie des voll entfalteten und authentischen Selbst und seiner Seinsweisen. Sutich hat vorgeschlagen, sie Ontopsychologie zu nennen. ...
Wenn die Philosophie vom Menschen (von seiner Natur, seinen Zielen, seinen Möglichkeiten, seiner Erfüllung) sich ändert, dann ändert sich alles, nicht nur die Philosophie der Politik, der Ökonomie, der Ethik und der Werte, sondern auch die Philosophie der Erziehung, der Psy­chotherapie und des persönlichen Wachsens, die Theorie, wie man Menschen helfen kann, das zu werden, was sie werden können und zutiefst werden wollen.
Wir befinden uns jetzt mitten in einer solchen Änderung der Konzeption von den menschli­chen Kapazitäten, Potentialitäten und Zielen. Eine neue Vision beginnt sich aus den Möglich­keiten des Menschen und seines Schicksals abzuzeichnen, und es gibt viele Implikationen nicht nur für unser Konzept der Erziehung, sondern auch für die Wissenschaft, Politik, Lite­ratur, Ökonomie, Religion und sogar für unser Konzept der nichtmenschlichen Welt.“
Alle Zitate aus: Abraham Maslow, Psychologie des Seins, Frankfurt/Main 1994 (1968), 190; 192; 172; 157; 193; 212; 115; 119; 122; 33; 189.

2. Carl R. Rogers

Die Akt-Potenz-Theorie



Die zentrale Hypothese dieses Ansatzes: „Das Individuum verfügt potentiell über unerhörte Möglichkeiten, um sich selbst zu begreifen und seine Selbstkonzepte, seine Grundeinstellun­gen und sein selbstgesteuertes Verhalten zu verändern; dieses Potential kann erschlossen wer­den, wenn es gelingt, ein klar definierbares Klima förderlicher psychologischer Einstellungen herzustellen. ...
Aus Praxis, Theorie und Forschung geht eindeutig hervor, daß der personenzentrierte Ansatz auf einem grundlegenden Vertrauen zum Menschen und allen Organismen basiert. ... Man kann sagen, daß in jedem Organismus, auf jedweder Entwicklungsebene eine Grundtendenz zur konstruktiven Erfüllung der ihm innewohnenden Möglichkeiten vorhanden ist. ... Ob wir von einer Blume oder einem Eichenbaum, einem Regenwurm oder einem schönen Vogel, einem Affen oder einem Menschen sprechen - wir tun meines Erachtens gut daran, uns vor Augen zu halten, daß das Leben nicht ein passiver, sondern ein aktiver Prozeß ist. Ob der Stimulus von innen oder außen kommt, ob die Umwelt günstig oder ungünstig ist, man kann davon ausgehen, daß die Verhaltensweisen eines Organismus tendenziell der Erhaltung, Ent­faltung und Reproduktion des Selbst dienen. Dies ist die Urnatur des Prozesses, den wir Leben nennen. ...
Diese Selbstverwirklichungstendenz [aktualisierende Tendenz] kann natürlich gehemmt und deformiert werden, aber man kann sie nicht zerstören, ohne den Organismus zu vernichten. Ich erinnere mich, daß wir in meiner Kindheit unseren Wintervorrat an Kartoffeln im Keller aufbewahrten, etwa einen Meter unterhalb eines kleinen Fensters. Die Bedingungen waren ungünstig, dennoch begannen die Kartoffeln zu treiben - blasse Schößlinge, so ganz anders als die gesunden grünen Triebe, die aus dem Boden sprießen, wenn man die Knollen im Frühling in die Erde pflanzt. Aber diese dürftigen, spindeldürren Schößlinge streckten sich immerhin einen halben oder dreiviertel Meter hoch dem Lichtschein des Fensters entgegen. Diese Schößlinge waren in ihrem bizarren aussichtslosen Wachstum eine Art verzweifelter Aus­druck jener zielgerichteten Tendenz, von der ich gesprochen habe. ... Das Leben gab nicht auf, selbst wenn es nicht zur Blüte gelangen konnte. Beim Umgang mit Klienten, deren Leben schrecklich deformiert ist, ... muß ich oft an diese Schößlinge denken. Die Bedingungen, unter denen sich diese Menschen entwickelt haben, waren so ungünstig, daß ihr Leben oft abnor­mal, verkrüppelt, ja kaum menschlich erscheint. Doch kann man der zielgerichteten Tendenz in ihnen vertrauen. ...
Deshalb ist es für mich sinnvoll zu sagen, daß das Substrat aller Motivation die organismische Tendenz zur Selbstverwirklichung ist. ... Zweifellos müssen bestimmte Grundbedürfnisse zumindest teilweise erfüllt sein, bevor andere Bedürfnisse dringend werden. Dementspre­chend kann die Selbstverwirklichungstendenz des Organismus abwechselnd zur Suche nach Nahrung oder sexueller Befriedigung führen, und dennoch werden auch diese Befriedigungen, solange die Bedürfnisse nicht überwältigend groß sind, in einer Weise gesucht werden, die die Selbstachtung steigern und nicht verringern.“

Alle Zitate aus: Carl R. Rogers, Der neue Mensch, Stuttgart 31987 (1979), Kap.3.
3. Friedrich (Frederick, Fritz) S. Perls
“Der Zusammenhang des Organismus mit seinem Feld ist genau der eines dialektischen Gegensatzes. Um die Homöostase zu erreichen, muß der Organismus die von ihm benötigten Ergänzungen in der Umwelt finden. Das System der Orientierung macht das ausfindig, was wir wollen. Wir spüren den Stoff, der uns Befriedigung bringt; wir suchen direkt nach dem, was wir brauchen (ohne intellektuelle Kenntnisse, ohne uns ein Bild zu machen, ohne es uns vorzustellen). ...

Meine Phantasie über das Universum ist, daß es ein Bewußtseinsprozeß ist, der in der Theo­logie ausgedrückt wird, indem man Gott die Attribute der Unendlichkeit, Ewigkeit und All­wissenheit gibt. Ich glaube, daß das Universum Ausdehnung, Dauer und Bewußtheit hat. ... Z.B. kann man eine Pflanze nehmen und auf eine Stelle Dünger geben, und die Wurzeln der Pflanze werden in die Richtung des Düngers wachsen ... aus einem Gefühl für ihre Bedürf­nisse. ... Immer mehr Seelsorger beginnen auch, den personalen Gott zu leugnen und, sagen wir, die jüdische Vorstellung von Gott als dem Unaussprechlichen, als der grundlegenden kreativen Energie des Universums anzunehmen. ...

Überlegtes Handeln, Selbstbeherrschung, Gewissen sind soziale und zugleich biologische Funktionen. Eine Reintegration kann nur dann erfolgreich sein, wenn alles menschliche Han­deln, überlegtes ebenso wie spontanes, Gedanken ebenso wir Instinkte, als biologische Prozesse angesehen und behandelt werden.“

Friedrich S. Perls, Gestalt – Wachstum – Integration, Hilarion Petzold (Hg.), Paderborn 1980, 62, 173, 174, 62, 35.

Anhang:

Der Moses des Michelangelo in San Pietro in Vincoli in Rom – für Freud eine Szene des Triebverzichts: Moses bezähmt seine Wut über das Volk Israel, das er in der Ferne um das Goldene Kalb tanzen sieht


Dieses Mosesbild hing in der Wohnung von Freuds Herkunftsfamilie: Ein wütender Moses setzt an, die Gebotstafeln zu zerschmettern


Einführung in die Religionspsychologie/ VO/Susanne Heine/ WS 2006/07




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