Wintersemester 2006/07


Graphische Darstellung der Grenzen der empirischen Arbeitsweise



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Graphische Darstellung der Grenzen der empirischen Arbeitsweise:



Arno Anzenbacher, Einführung in die Philosophie, Linz 1981, 139.



Transzendent/Transzendenz:

Annahme einer nicht sinnlichen, übernatürlichen Welt jenseits der erfahrbaren Welt.


Transzendental:

Keine Erklärung von Empirischem aus Empirischem, sondern:

Frage nach den Bedingungen der Gegebenheit von Empirischem in den menschlichen Formen des Erkennens.

„Das Auge kommt im Gesichtsfeld nicht vor, und nichts im Gesichtsfeld weist darauf hin, daß es von einem Auge gesehen wird. … Wie muß das Auge beschaffen sein, damit ein Gesichtsfeld möglich ist?“


Arno Anzenbacher, Einführung in die Philosophie, Linz 1981, 139.


Geschichtliche Stationen der Religionspsychologie



USA:

Clark University School, Begründer: Stanley Hall (1844-1924), Schüler Edwin Starbuck (1866-1947) und James Leuba (1868-1946); William James (1842-1910), Schüler James Pratt.


Deutschland:

  • Würzburger Schule (experimentell): ausgehend von Wilhelm Wundt (1832-1920) Oswald Külpe (1862-1915), Schüler Karl Girgensohn (1875-1925);

  • Dorpater Schule (Estland, bis 1940): Karl Girgensohn, Schüler Werner Gruehn (1887-1961);

  • Wilhelm Stählin (1883-1975): Gründer der „Gesellschaft für Religionspsychologie“ (1914; Wilhelm Keilbach 1961); Publikationsorgan: Archiv für Religionspsycho­lo­gie.

  • Kurt Gins; Dänemark: Villiam Gronbaek;

  • Gustav Vorbrodt; Wilhelm Pöll (1965; 1974).

  • Ausgehend von William James: Georg Wobbermin (1869-1943); Karl Beth (Wien).

  • Psychodynamisch: Sigmund Freud (1856-1939), Carl Gustav Jung (1875-1961)


Skandinavien:

Hjalmar Sundén (Lehrstuhl Uppsala 1967, 1908-1993); Schüler Nils Holm (Abo/Finnland, 1943-), Owe Wikström (Uppsala).




Belgien: Antoine Vergote (Louvain la Neuve, Institutsvorstand 1961-1987), Schüler Jean-Marie Jaspard (Institutsvorstand bis 2001); Dirk Hutsebaut (Leuven).
Niederlande: Jan van der Lans (Nijmegen, 1933-2002); Jacob van Belzen (Amsterdam).

Foren religionspsychologischer Forschung und Diskussion (Auswahl):
Europa:

  • Internationale Gesellschaft für Religionspsychologie: Archiv für Religionspsychologie, 1914 begründet von Wilhelm Stählin, fortgeführt von Werner Gruehn (1928-36) und Wil­helm Keilbach (1961-76); Wahl 2006: Jozef Corveleyn

  • Deutsche Gesellschaft für Psychologie, seit 1994: Arbeitskreis für Religionspsychologie

  • Cahiers de Psychologie Religieuse (Belgien, seit 1957)

  • Societa Italiana di Psicologia della Religione, Varese (Mario Aletti): newsletter


USA:

  • American Psychological Association (Division 36), Washington, DC; newsletter

  • Society for Scientific Study of Religion (seit 1948): „Journal for the Scientific Study of Religion“ (seit 1961)

  • The Chicago Center for Religion and Science; Zygon: Journal of Religion and Science

  • International Journal for the Psychology of Religion

  • Journal for Mental Health, Religion and Culture

  • International Journal for the Psychology of Religion

  • Journal of Religion and Health

  • http://www.psywww.com/psyrelig/



Kapitel II: Der Pionier William James

Er ging in einen Ankleideraum, um etwas zu holen, „als plötzlich ohne irgendeine Warnung, gerade als käme sie aus der Dunkelheit, eine entsetzliche Angst um meine Existenz mich überfiel. [...] Es war, als gebe der Boden unter mir nach, als schwände etwas bisher Solides in meiner Brust völlig dahin, und ich wurde zu einer Masse schüttelnder Angst. Nach diesem Erlebnis war das Universum für mich völlig verändert. Ich wachte Morgen für Morgen mit einem entsetzlichen Magendruck auf und mit einem Gefühl der Unsicherheit des Lebens, das ich nie vorher gekannt hatte [...] . Es war wie eine Offenbarung; und obwohl das unmittelbare Gefühl vorbeiging, hat die Erfahrung mich seither in stete Sympathie mit den morbiden Gefühlen anderer gebracht. [...] Ich entsinne mich meiner Verwunderung darüber, wie andere Leute leben konnten, wie ich selbst gelebt habe, so völlig ohne Bewußtsein von der Grube voller Unsicherheit unter der Oberfläche des Lebens.“



William James, Die Vielfalt religiöser Erfahrung, Frankfurt/Main-Leipzig 1997 (1902), 183f.

Der Gegenstand der Religionspsychologie

Gegenstand: nicht institutionelle, sondern persönliche Religion:

„Ich spreche jetzt nicht von dem Ihnen bekannten Durchschnittsgläubigen, der die konventio­nellen Gebräuche seines Landes befolgt, sei er Buddhist, Christ oder Mohammedaner. Dessen Religion ist von anderen Menschen für ihn gemacht worden, sie ist ihm durch Überlieferung mitgeteilt worden, sie ist dazu bestimmt, durch Nachahmung feste Formen anzunehmen, und sie wird als Gewohnheit festgehalten. Das Studium dieses religiösen Lebens aus zweiter Hand würde uns wenig nützen. Vielmehr müssen wir nach den ursprünglichen Erfahrungen suchen ... . Diese Erfahrungen können wir nur bei Individuen finden, für die Religion weniger eine dumpfe Gewohnheit ist als vielmehr einem heftigen Fieber gleicht. ...
Deshalb werden uns diejenigen Dokumente am meisten beschäftigen, die von Menschen stammen, die es im religiösen Leben zu besonderer Vollkommenheit gebracht haben und die am besten in der Lage waren, einen verständlichen Bericht über ihre Vorstellungen und Mo­tive zu geben. …

Deshalb soll Religion ... für uns bedeuten: die Gefühle, Handlungen und Erfahrungen von einzelnen Menschen in ihrer Abgeschiedenheit, die von sich selbst glauben, daß sie in Bezie­hung zum Göttlichen stehen.”


William James, Die Vielfalt religiöser Erfahrung, Frankfurt/Main-Leipzig 1997 (1902), 61, 41/42, 39, 63/64.
James – der Empiriker
„pure experience“: „It is only virtually or potentially either object or subject as yet. For the time being, it is plain, unqualified actuality, or existence, a simple that. In this naïf immediacy it is of course valid; it is there, we act upon it; […] but the immediate experience in its passing is always ‘truth’, practical truth, something to act on, at its own movement.”

William James, Essays in Radical Empiricism, Perry, Ralph Barton, ed., 1947 (1912), 23f.
“Nothing which I can feel like that can be false.”
William James, The Priciples of Psychology, 1998 (1890), Bd. II, 308f.
„James setzt bei dem ein, was er ... ‚reine Erfahrungen’ nennt. Er zeigt, daß wir nicht ge­zwungen sind, unsere alltägliche Situation, in der wir Dinge und deren kontextuelle Veranke­rungen wahrnehmen, entlang der Cartesianischen Unterscheidung zwischen ‚res extensa‘ und ‚res cogitans‘ dichotomisch – d.h. durch den Kontrast von ‚wahrnehmendem Bewußtsein‘ und ‚dinglicher Realität‘- aufzuschlüsseln. Diese cartesianische Opposition führt ja, so James, in nächster Konsequenz in die unauflösbare Frage, wie Objekt und Subjekt einander (emirisch-kausal? oder ‚transzendental‘?) ‚affizieren‘. James möchte den Gordischen Knoten der neu­zeitlichen Philosophie ... durchhauen, indem er die prekäre Dualität von ‚Subjekt‘ und ‚Ob­jekt‘ im Blick auf ein ‚kontinuierliches‘ ... Gefüge von ‚reinen Erfahrungen‘, die in verschie­denen Kontexten verschiedenartig fungieren, zu unterlaufen sucht. ‚The parts of experience hold together from next to next by relations that are themselves parts of experience.‘ ...

Der Begriff der ‚reinen Erfahrung‘ muß das, was Descartes unter dem Titel ‚denkendes Be­wußtsein‘ abhandelte, schon mitenthalten. Die ‚erfahrene‘ Realität ist niemals unrelational-‚nackte‘ Realität, sondern immer eine ‚von uns‘ berührte (‚irgendwie beschriebene‘) Reali­tät. …

Jedes Erfahrbare hat einen – relational auf ‚uns‘ spezifizierten – speziellen Status von ‚pure experience‘. Dieser relationale Bezug ... kann freilich, und das ist die zweite Pointe des ‚radi­kalen Empirismus‘, nicht in einer ‚starken Theorie‘ des Subjekts ‚transzendental‘ erkundet werden. Denn auch die ‚Anlaufstellen‘ der Erfahrung sind, so James, nur als bewegliche Kontinuen von ‚pure experiences‘ denkbar.”

Ludwig Nagl, Pragmatismus, Frankfurt/Main-New York 1998, 83, 85, 84.
Die Bibel kann „trotz Irrtümer, Passionen und willkürlicher menschli­cher Zusammenstellung durchaus als Offenbarung gelten ..., solange es ein wahrer Bericht über die inneren Erlebnisse von offenen Menschen ist, die mit den Herausforderungen des Schicksals kämpfen. …
Die moderne Psychologie hat herausgefunden, daß bestimmte psychophysische Verbindun­gen tatsächlich bestehen, und nimmt daher als brauchbare Hypothese an, daß die Abhängig­keit geistiger Zustände von körperlichen Bedingungen durchgehend und vollständig sein muß. ... Aber nun frage ich Sie, in welcher Weise kann eine solche, von der Existenz [Genesis] aus­gehende Darstellung von Tatsachen der Geistesgeschichte über deren spirituellen Wert [Gel­tung] entscheiden?“

William James, Die Vielfalt religiöser Erfahrung, Frankfurt/Main-Leipzig 1997 (1902), 39, 40/4, 47.
James- der Pragmatist

Über Genesis und Geltung

„1. Was ist die Natur des Gegenstandes? Wie kam er zustande? Welches ist seine Verfassung, sein Ursprung, seine Geschichte?“ („Seinsfrage“, „Existenzurteil“)

2. „Was ist die Wertigkeit, die Bedeutung oder der Sinn eines Gegenstandes in seiner jetzigen Gegebenheit?“ („Werturteil“ oder „spirituelles Urteil“)

Pragmatismus



Der Wert „religiöser Meinungen ... kann nur durch spirituelle Urteile bestimmt werden; durch Urteile, die sich primär auf unser eigenes unmittelbares Gefühl stützen und sekundär auf das, was wir aufgrund ihres Erfahrungszusammenhanges mit unseren moralischen Bedürfnissen und allem anderen, was wir für wahr halten, bestätigen können.”

Letzter Prüfstein „für den Wahrheitsgehalt einer Anschauung ist nicht ihre Herkunft, sondern die Art und Weise, wie sie sich auf das Ganze auswirkt. Genau dies ist auch unser empirisches Kriterium; und letzten Endes sind selbst die hartnäckigsten Verfechter eines übernatürlichen Ursprungs gezwungen gewesen, dieses Kriterium anzuwenden. Denn unter den Visionen und Botschaften gab es immer welche, die so offenkundig unsinnig waren, unter den Trancezu­ständen und Krampfanfällen waren immer welche, die für Verhalten und Charakter so wenig brauchbar waren, daß sie unmöglich als bedeutungsvoll oder gar als göttlich durchgehen konnten. ...

Am Ende blieb auch ihnen nur unser empirisches Kriterium: An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen, nicht an ihren Wurzeln.“



William James, Die Vielfalt religiöser Erfahrung, Frankfurt/Main-Leipzig 1997 (1902), 51, 53.

„Das einzig verständliche Motiv der Denkbewegung ist, zu einer festen Überzeugung bzw. zur Denkruhe zu gelangen. Erst wenn unsere Gedanken über einen Gegenstand in einer Über­zeugung zur Ruhe gekommen sind, können wir von einem festen und sicheren Boden aus in bezug auf diesen Gegenstand tätig werden. Überzeugungen sind, kurz gesagt, Regeln fürs Handeln; und die ganze Denktätigkeit ist nur ein Schritt bei der Ausbildung aktiver Gewohn­heiten. Gäbe es einen Anteil im Denken, der auf die praktischen Konsequenzen des Denkens keinen Einfluß hätte, gehörte dieser Anteil nicht zu den eigentlichen Bedeutungselementen des Denkens. …

Die Religion behauptet, daß das, wovon sie berichtet, Erfahrungstatsachen seien. ... Begriff­liche Prozesse können diese Tatsachen klassifizieren, definieren, interpretieren; aber sie pro­duzieren sie nicht ... . ... Die Philosophie [und Theologie] bleibt in diesem Bereich eine sekundäre Tätigkeit, die die Wahrheit des Glaubens nicht rechtfertigen kann. ...

Zu den internen Problemen einer solchen [Religions] Wissenschaft gehört, daß sie an einen Punkt kommt, an dem sie gezwungen ist, die rein theoretische Haltung niederzulegen und ihren Knoten entweder ungelöst zu lassen oder durch tätigen Glauben zu zerschlagen.”



William James, Die Vielfalt religiöser Erfahrung, Frankfurt/Main-Leipzig 1997 (1902), 437/38, 447, 476.

“Der Pragmatismus ist zu allem bereit, er folgt der Logik oder den Sinnen und läßt auch die bescheidenste und persönlichste Erfahrung gelten. Er würde auch mystische Erfahrungen gelten lassen, wenn sie praktische Folgen hätten. Als annehmbare Wahrheit gilt ihm einzig und allein das, was uns am besten führt, was für jeden Teil des Lebens am besten paßt, was sich mit der Gesamtheit der Erfahrungen am besten vereinigen läßt. Wenn theologische Ideen das können, wenn speziell der Gottesbegriff sich hierzu bewährt, wie könnte da der Pragmatismus die Existenz Gottes leugnen. Er könnte gar keinen Sinn darin erblicken, ein Urteil, das pragmatisch so erfolgreich war, als unwahr zu betrachten.“



William James, Der Pragmatismus. Ein neuer Name für alte Denkmethoden; Übersetzung von Jerusalem, Wilhelm; Einleitung von Oehler, Klaus, 21994 (1977), 51.

Pragmatismus – Option

„Die Entscheidung ... zwischen zwei Hypothesen, wollen wir eine Option nennen. Es gibt deren mehrere Arten. Eine Option kann sein:



  1. lebendig oder tot;

  2. unumgänglich oder vermeidlich;

  3. bedeutungsvoll oder unerheblich;“

eine Option ist dann „echt, wenn sie unumgänglich, lebendig und bedeutungsvoll ist“.

William James, Der Wille zum Glauben, in: Ekkehard Martens (Hg.), Pragmatismus. Ausgewählte Texte, Stuttgart 1975, 129.

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