3) Steigerungspartikeln
Nach Helbig/Buscha können Steigerungspartikeln auch als Intensivpartikeln oder Gradmodifikatoren bezeichnet werden. „Steigerungspartikeln ordnen die durch die Adjektive bezeichneten Eigenschaften einer impliziten Gradskale zu, indem sie den Grad dieser Eigenschaften angeben.“79 Hentschel/Weydt bezeichnen diese Gruppe von Partikeln als die Intensivpartikeln. „Sie dienen dazu, die „Intensität“ eines von einem anderen Wort ausgedrückten Inhaltes zu verstärken oder abzuschwächen.“80 Duden Grammatik bezeichnet diese Gruppe als Gradpartikeln. Sie erwähnt aber auch die Benennung als Steigerungspartikeln oder Intensitätspartikeln. „ Gradpartikeln geben an, in welchem Intensitätsgrad eine Eigenschaft oder ein Sachverhalt ausgeprägt ist. Deshalb stehen sie meist vor Adjektiven und Adverbien, oft auch bei Verben nicht jedoch vor artikelfähigen Substantiven.“81 Helbig/Buscha82 vermuten dagegen, dass diese Partikeln nur vor Adjektiven oder Adjektivadverbien vorkommen können.
Der Schüler ist sehr/ziemlich/recht/ungewöhnlich fleißig.
Der Schüler arbeitet sehr/ziemlich/recht/ungewöhnlich fleißig.83
Zu dieser Gruppe von Partikeln gehören: wenig, etwas, einigermaßen, fast, ziemlich, so, sehr, ausgesprochen, besonders, ungemein, ganz, äußerst, zutiefst, höchst, zu.84
4) Antwortpartikeln
Nach Helbig/Buscha85 können Antwortpartikeln auch als „Satzpartikel“ bezeichnet werden. Sie vermuten, dass es sich um zwei unterschiedliche Klassen handelt:
-
Antwort auf Entscheidungsfrage – ja, nein, doch (Antwortpartikeln als Satzäquivalente in diesem Fall). Damit stimmen auch die Duden Grammatik und Hentschel/Weydt zu.86
Möchtest du die Suppe? – Ja/Nein.
Möchtest du keine Suppe mehr? – Doch/Nein.87
-
Antwortpartikeln als „Elemente, die als Reaktion auf Sätze (aber nicht auf Entscheidungsfragen) vorkommen und als Reduktionen von Sätzen mit Abtönungspartikeln verstanden werden können.“88 Nach Duden Grammatik funktionieren „als Reaktion (Bestätigung, Verstärkung, Einschränkung) auf einen Aussagesatz. (Antwortpartikeln - doch, eben, schon, genau).“89 Hentschel/Weydt erwähnen diese Variante gar nicht.90
Du hast mir das fest versprochen. – Genau/Eben. (Verstärkung)91
5) Negationspartikel
Zu dieser Gruppe gehört nur die Negationspartikel nicht. Nach Duden Grammatik92 und Hentschel/Weydt93 dient die Negationspartikel nicht zur Negation, die meist den ganzen Satz negiert. Duden Grammatik94 und Helbig/Buscha95 fügen noch hinzu, dass unterschiedlich von anderen Partikeln die Auslassung der Partikel nicht den Wahrheitswert der Aussage ändert.
Die Mutter kommt heute nicht.
Es regnet nicht.96
3. Abtönungspartikeln
Die Abtönungspartikeln werden sehr häufig auch als Modalpartikeln bezeichnet. Helbig vermutet jedoch, dass der Terminus Abtönungspartikeln sich für diese Gruppe von Wörtern besser eignet. Als Grund für diese Ansicht gibt er an, „dass mit der „Modalität“ die Funktion der Abtönungspartikeln nur sehr vage umschrieben ist und außerdem eine Vermengung mit den Modalwörtern vermieden werden soll.“97
Duden Grammatik98 weist darauf hin, dass die Abtönungspartikeln ganz „junge“ Gruppe von Partikeln ist. Früher wurden die Abtönungspartikeln als „unnütze Füllwörter“ betrachtet. Die Sprachwissenschaft beschäftigt sich mit den Abtönungspartikeln erst seit einigen Jahrzehnten.
Die Partikeln, vor allem aber die Abtönungspartikeln werden im Deutschen besonders häufig verwendet. Am häufigsten kommen sie in der gesprochenen Sprache (vor allem in Dialogen) vor.99
Die häufigsten Abtönungspartikeln nach Duden Grammatik100: ja, denn, wohl, doch, aber, nur, halt, eben, mal, schon, auch, bloß, eigentlich, etwa, nicht, vielleicht, ruhig
3. 1. Die Merkmale der Abtönungspartikeln (Modalpartikeln)
Weydt verfasste Definition der Abtönungspartikel, die Helbig als „eine folgenreichste Charakteristika der Abtönungspartikeln“101 betrachtet:
„Abtönungspartikeln sind unflektierbare Wörtchen, die dazu dienen, die Stellung des Sprechers zum Gesagten zu kennzeichnen. Diese Wörtchen können in gleicher Bedeutung nicht die Antwort auf eine Frage bilden und nicht die erste Stelle im Satz einnehmen. Sie beziehen sich auf den ganzen Satz; sie sind im Satz integriert. In anderer syntaktischer Stellung oder anders akzentuiert haben sie alle eine oder mehrere andere Bedeutungen. In dieser anderen Verwendung gehören sie dann anderen Funktionsklassen an.“102
Weitere Merkmale:
-
„Die Abtönungspartikeln beziehen sich auf den ganzen Satz“ 103 Damit stimmen auch Helbig104 und Helbig/Buscha105 zu. Sie fügen jedoch hinzu, dass die Abtönungspartikeln sich nur auf das Prädikat beziehen. „Keine direkte syntaktische oder semantische Zuordnung von Abtönungspartikeln zu einem anderen Satzglied ist erkennbar.“106
-
„Die Funktion der Abtönungspartikeln liegt in erster Linie auf kommunikativer Ebene.“107 Die Funktion der Abtönungspartikeln, die am häufigsten angeführt wird, sagt, dass die Abtönungspartikeln die Einstellung des Sprechers zum Satzinhalt ausdrücken. Diese Funktion geben z. B. Weydt108, Hentschel109, Helbig110 oder Helbig/Buscha111 an. Helbig führt aber auch weitere Funktionen an: „Die Abtönungspartikeln verändern nicht die Wahrheitsbedingungen des Satzes, (…), sie ordnen die Äußerung in den Text, in die Gesprächssituation und in den Handlungskontext ein, indizieren bzw. modifizieren die Sprechhandlung, gliedern und steuern den Gesprächsablauf, signalisieren bestimmte Vorstellungen über die Gesprächspartner.“112 (Ausführlichere Beschreibung der Funktionen vgl. 3. 2. Funktionen der Abtönungspartikeln)
-
„Die Abtönungspartikeln zeigen bestimmte Restriktionen hinsichtlich der Sprechhandlung und der Satzart. Z. B. denn und etwa kommen fast nur in Fragesätzen vor, dagegen eben, halt und ja nicht in Fragesätzen.“113 (Ausführlicher in 3. 3. Formale Äußerungstype und Sprechhandlung der Abtönungspartikeln)
-
„Die Abtönungspartikeln sind in der Regel nicht negierbar.
-
Die zentrale Gruppe der Abtönungspartikeln ist nicht erstellenfähig, alle Abtönungspartikeln stehen hinter dem finiten Verb im deutschen Aussagesatz (Hauptsatz), wobei zwischen dem finiten Verb und der Abtönungspartikel mehrere andere (unbetonte) Glieder stehen können.“114
3. 2. Funktionen der Abtönungspartikeln
Nach Helbig/Buscha115 werden Abtönungspartikeln als besonders komplizierte Gruppe von Partikeln betrachtet, weil sie über viele verschiedene Funktionen verfügen.
● „Die Abtönungspartikeln sagen etwas über die Einstellung des Sprechers zum Satzinhalt aus, beziehen sich auf seine Ansichten, Haltungen, Erwartungen, Bewertungen, Einschätzungen.
●Sie haben illokutive Funktion, d. h., sie nehmen Bezug auf Sprechhandlungen, indizieren oder modifizieren manche Sprechhandlungen. (mehr in 3. 3.)
●Sie ordnen die Äußerung in den Handlungs- und Interaktionskontext ein, indem sie z. B. zum Konsens (a) oder zum Dissens (b) beitragen, indem sie z. B. die Präferenz des Sprechers für zustimmende (c) oder für eine negative Antwort (d) erkennen lassen.
-
Das haben wir ja/doch vereinbart.
-
Das hatten wir aber vereinbart.
-
Sie trinken doch eine Tasse Kaffee?
-
Rauchst du etwa?
●Abtönungspartikeln wirken konversationssteuernd, indem sie die Äußerung im konversationellen Kontext verankern und die konkrete Gesprächsstellung signalisieren, z. B. zeigen an, ob sich der Gesprächspartner am Anfang, in der Mitte oder am Ende des Gesprächs befindet (so deutet etwa eben auf den Abschluss des Gesprächs, überhaupt und eigentlich geben dem Gespräch eine Wendung).
●Sie wirken textverknüpfend, indem sie die Äußerungen verbinden und damit eine ähnliche Funktion wie Konjunktionen und Subjunktionen erfüllen (ohne dabei zu Konjunktionen oder Subjunktionen zu werden).“116
Ich gehe nicht schwimmen, das Wasser ist ja noch viel zu kalt. (Partikel)
Ich gehe nicht schwimmen, weil das Wasser noch viel zu kalt ist. (Subjunktion)117
3. 3. Formale Äußerungstype und Sprechhandlung der Abtönungspartikeln
In jeder Äußerung eines Satzes werden zugleich der lokutive Akt und der illokutive Akt ausgeübt. Der lokutive Akt heißt, dass „ein entsprechender (syntaktisch und semantisch korrekter) Satz mit seiner Bedeutung geäußert wird“118. Der illokutive Akt ist die Sprechhandlung der Äußerung, z. B. Warnung, Ratschlag, Drohung, Aufforderung, Frage usw. „Der illokutive Akt meint somit die mit der verbalen Äußerung verbundene Sprechhandlung. Wenn z. B. der Satz „ Der Hund ist bissig.“ geäußert wird (lokutiv), so ist damit zugleich in einer bestimmten Situation eine Warnung ausgesprochen (illokutiv).“119
Mit dem gleichen lokutiven Akt können jedoch die verschiedensten illokutiven Akte vollzogen werden, d. h., dass der Satzart (formaler Äußerungstyp) und die mit ihnen vollzogenen illokutiven Akte (Sprechhandlung) stehen nicht in dem direkten Verhältnis zueinander. Z. B. „Du kannst das Fenster schließen.“ Dieser Satz ist ein formaler Aussagesatz, der (abhängig vom Handlungskontext) eine Feststellung, ein Ratschlag, eine Aufforderung, oder eine Erlaubnis sein kann.120
Die Abtönungspartikeln haben die Funktion als „illokutive Indikatoren.“ „Sie gehören zu den in der Sprache ausgebildeten Mitteln, die die Äußerung auch relativ unabhängig vom Handlungskontext eindeutig oder wenigstens eindeutiger machen.“121 Mit der Hilfe von Abtönungspartikeln als illokutive Indikatoren „kann die illokutive Rolle eines Sprechakten sowohl angezeigt (indiziert) als auch verschoben (modifiziert) werden.“122
-
Du kannst mal das Fenster schließen.
-
Du kannst ja das Fenster schließen.
-
Du kannst doch das Fenster schließen.
In 1) ist die schwache Aufforderung ausgesprochen, in 2) der Ratschlag und in 3) der Ratschlag oder die Zustimmung zu einem Wunsch des Sprechpartners.123
Helbi/Kötz verfassten folgende Tabelle, die sehr übersichtlich die Abtönungspartikeln und ihre Vorkommensmöglichkeiten nach dem Satzart (formaler Äußerungstyp) und nach ihrer Sprechintention zeigt.
Tab. 1124
Formaler
Äußerungstyp
|
Aussagesatz
|
Entscheidungs-
frage
|
Ergänzungsfrage
|
Aufforde-
rungs-
satz
|
Sprechintention
|
Mit
Aus-
sage-
inten-
tion
|
Mit
Aus-
rufe-
inten-
tion
|
Mit
Frage-
inten-
tion
|
Mit
Aus-
rufe-
inten-
tion
|
Mit
Frage-
inten-
tion
|
Mit
Aus-
rufe-
inten-
tion
|
Mit
impli-
ziter-
Ant-
wort
|
|
aber
|
|
+
|
|
+
|
|
+
|
|
+
|
auch
|
+
|
|
+
|
|
|
+
|
+
|
+
|
bloß
|
+
|
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
denn
|
|
|
+
|
|
+
|
|
+
|
|
doch
|
+
|
+
|
|
+
|
+
|
+
|
|
+
|
eben
|
+
|
+
|
|
|
|
|
|
+
|
eigentlich
|
+
|
|
+
|
|
+
|
|
+
|
|
etwa
|
|
|
+
|
|
|
|
|
|
halt
|
+
|
+
|
|
|
|
|
|
+
|
ja
|
+
|
+
|
|
+
|
|
|
|
+
|
mal
|
+
|
|
|
|
|
|
|
+
|
nur
|
+
|
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
schon
|
+
|
|
|
|
|
|
+
|
+
|
vielleicht
|
|
+
|
+
|
+
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|
+
|
|
|
wohl
|
+
|
|
+
|
|
+
|
|
+
|
|
Die Satzarten sind nur formale Äußerungen und die Sprechintention entspricht ihnen nicht in direkter Weise.125 (Auf diese Problematik wurde schon in dem Kapitel 3. 3. „Formale Äußerungstype der Abtönungspartikeln“ hingewiesen)
3. 4. Analyse der Partikeln „halt“ und „mal“
3. 4. 1. Halt
3. 4. 1. 1. Tschechische Äquivalente von „halt“ als Abtönungspartikel im Siebenscheinwörterbuch, im Deutsch-tschechischen Wörterbuch (FIN Publishing) und Lingea Lexicon.
Tab. 2126
Siebenschein
|
FIN
|
Lingea Lexicon
|
|
|
holt
|
inu
|
inu
|
|
|
|
jednoduše
|
|
|
prostě
|
tak
|
|
|
tedy
|
|
|
zkrátka
|
|
|
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