rrazn online Hypertext Manual



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1.3.3.1.2 Ethnische Schichtung nach Heckmann

Im Folgenden wollen wir versuchen, derzeitige Positionen der ethnischen Schichtung durch Zitate Heckmanns21 aufzugreifen, nicht ohne aber gleichzeitig diese Ansätze in unser Gesellschaftsmodell zu integrieren. Auch hier stellen wir fest, dass die empirisch-pragmatische Tiefe und Verschränktheit unseres Modells in der bisherigen Theorie nicht erreicht wurde.


"Ethnische Schichtung bedeutet zunächst einmal, daß in einer Gesellschaft zwischen verschie­denen ethnischen Gruppen ein Ungleichheits- oder Schichtungsverhältnis besteht. Als Implikation dessen bedeutet ethnische Schichtung weiterhin, daß Positions- und Statuszuweisung auch auf der Basis von ethnischer Zugehörigkeit erfolgt; das heißt, der Erwerb von Positionen und eines allge­meinen Prestigestatus für Personen ist nicht nur etwa von Schulbildung, beruflicher Qualifikation oder Besitz abhängig, sondern auch von ethnischer Zugehörigkeit und dem Platz, den eine be­stimmte ethnische Gruppe in der Hierarchie der verschiedenen ethnischen Gruppen in der Gesell­schaft einnimmt. Es gibt also nicht nur eine Bildungsschichtung, Berufs- oder Einkommens­schichtung in der Gesellschaft, sondern auch eine Zuordnung von Personen und die Verteilung gesellschaftlicher Ressourcen und Lebenschancen nach unterschiedlich bewerteter ethnischer Zugehörigkeit.
Da ethnische Zugehörigkeit als Statusmerkmal von Personen 'vorhanden' ist und nicht in einer Wettbewerbssituation erworben wird, handelt es sich bei ethnischer Schichtung um einen Zu­schreibungsprozess, der entgegen den Prinzipien einer 'modernen' Gesellschaft askriptiv erfolgt.
Grenzfälle ethnischer Schichtung sind zum einen Sozialstrukturen, in denen soziale Positionszuweisung und ethnische Zugehörigkeit weitgehend zusammenfallen, d.h. die soziale Ungleichheitsstruktur mit der ethnischen Ungleichheitsstruktur identisch ist und zum anderen, als Gegenteil, wenn Positionserwerb und -zuweisung völlig unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit erfolgen d.h. ethnische Schichtung als Strukturierungsprinzip nicht existiert.
Eine allgemeine Erklärung für die Entstehung von ethnischer Schichtung wird von Noel (1968) gegeben: Ethnozentrismus, Wettbewerb um gemeinsam angestrebte Güter und Machtungleichheit zwischen ethnischen Gruppen werden als notwendige und hinreichende Bedingungen für die Her­ausbildung ethnischer Schichtung genannt. 'Wettbewerb schafft die Motivation für Schichtung, Ethnozentrismus kanalisiert den Wettbewerb entlang ethnischer Grenzlinien und Machtunter­schiede bestimmen, ob eine Gruppe die andere unterordnen kann' (Noel 1968, 157)."
In unser Gesellschaftsmodell übersetzt, ergibt sich daher die Frage, ob es in einer Gesellschaft im Schichtaufbau ethnische Gruppen gibt, die historisch gewachsen in einer bestimmten Schichte leben und denen man durch Diskriminierung die Ausübung bestimmter Berufe überhaupt untersagt, weil sie der Ethnie angehören, oder ob etwa bei gleicher beruflicher Qualifikation und formal gleichen Zugangschancen einer Ethnie der Aufstieg in andere, höhere Berufsschichten infolge ethnischer Diskriminierung nicht gestattet wird.
"Ein weiteres Konzept gestattet, inner-ethnische wie inter-ethnische Unterschiede und Gemein­samkeiten analytisch in Sozialstrukturuntersuchungen zu erfassen. Das Konzept der 'ethclass' von Milton Gordon (1978) arbeitet mit der Prämisse, daß sowohl von sozialer Schichtungszugehörig­keit als auch von ethnischer Zugehörigkeit relevante Einflüsse auf Gruppenbildung und Bewußt­sein von Menschen ausgehen. Kombiniert man die beiden Merkmale, kommt man zu einer Diffe­renzierung der Sozialstruktur ethnischer Minderheiten, die für die Bildung und Artikulierung von Meinungen und Einstellungen, für Interessenbildung und für die Konstituierung sozialer Ver­kehrskreise, kurz für die Bildung 'sozialer Milieus' oder 'Subgesellschaften' bedeutsam ist. Das Wort 'ethclass' ist ein Kunstwort, das leider nicht angemessen übersetzbar ist. Gordon arbeitet mit der Vorstellung, daß sich die Gesamtgesellschaft aufspalte in verschiedene Subgesellschaften ('subsocieties') mit zugehörigen Subkulturen: Subgesellschaften entstehen aus der Gemeinsamkeit von Personen in Bezug auf ethnische Gruppenzugehörigkeit, Schichtenzugehörigkeit, städtische oder ländliche sowie regionale Lebensweise bzw. Herkunft. Beispiele für solche 'subsocieties' und zugehörige Subkulturen sind z. B. 'upper-middle class white Protestant, southern urban' oder 'lower-middle class white Jewish, western urban'.
Will man sozialstrukturell die Differenzierung der gesamten ethnischen Minderheitenpopulation einer Gesellschaft sowohl unter Berücksichtigung inter-ethnischer wie inner-ethnischer Unter­schiede herausarbeiten, erscheint 'ethclass' als fruchtbares Konzept. 'Ethclasses' sind Gruppen, die sich durch Gemeinsamkeiten sowohl der ethnischen Zugehörigkeit wie der Sozialstrukturstellung bilden. Beispiele für solche 'ethclasses' in der Bundesrepublik wären etwa die 'Subgesellschaft' türkischer Facharbeiter, italienischer oder griechischer Selbständiger oder portugiesischer un-qualifizierter Arbeiter. Zu vermuten, aber noch nicht empirisch überprüft, ist, daß sich auf der Basis von 'ethclasses' soziale Lebenswelten, Verkehrskreise und soziale Milieus in den ethnischen Minderheiten entwickeln."
Hier zeigen sich bei Heckmann bereits gegenüber unserem Ansatz Unbestimmt­heiten. Der inter-ethnische Zusammenhang wird nur recht allgemein behandelt. Es muss aber eine genaue Schichtung der Gesellschaft, die mit den entsprechenden Eigenschaften der Ebenen korreliert wird, beachtet werden, um die Position dieser Ethnie im Gesamtaufbau der Schichtung zu lokalisieren.
"Gehen in der dargestellten Weise von ethnischer Schichtung 'stabilisierende' Wirkungen auf die Sozialstruktur und das herrschende Ungleichheitssystem aus, enthält ethnische Schichtung jedoch andererseits ein gravierendes Spannungs- und Konfliktpotential: Ethnische Schichtung verletzt universalistische Prinzipien und Chancengleichheitsvor­stellungen, die für moderne, demokratische Gesellschaften konstitutiv sind. In dem Maße, in dem der ersten Generation der Einwanderer, die ihre Maßstäbe zu einem bedeutenden Teil aus den Herkunftsgesellschaften bezog, nachfolgende Generationen universalistische Prinzipien in ihren Erwartungshorizont aufnehmen, wird die Tendenz der ethnischen Minderheiten wachsen, einen Widerspruch zwischen universalistischer Ideologie und partikularistischer Askription nicht zu akzeptieren und ethnische Schichtung und ihre Wirkungsmechanismen zu bekämpfen.
Besteht ethnische Schichtung dennoch fort, entsteht eine 'anomische' Situation, in der Ziele und Mittel, diese Ziele legitim zu erreichen, auseinander klaffen; folgt man den bekannten Überlegungen Mertons, entsteht aus dieser Konstellation ein Druck zu abweichendem Verhalten, das die Formen von Ritualismus, Rückzug, Innovation oder Rebellion annehmen kann."
Es ist zweifelsohne notwendig, für jede ethnische oder auch religiös definierte Gruppe eine präzise Einordnung in unser (Sprache-Kultur-Wirtschaft-Politik)-Modell durchzuführen. Die Migranten in Europa bilden in der Regel neue ethnisch-soziale Unterschichten unter den heimischen untersten Schichten der Fach- und Hilfsarbeiter.
Wie nähert sich die Forschung dem von uns bereits für einen Türken in Figur 4 erarbeiteten Identitätskonflikten und Identitätsspannungen in der Auseinanderset­zung zwischen den grünen Werten der Mehrheitsgesellschaft und den lila Werten der Minderheit?22 Wir sehen, dass man diesen Konflikt sehr wohl theoretisch erkannte, halten jedoch fest, dass er aber bisher keineswegs in dieser Präzision und vor allem nicht mit einer derart strikten Einbindung in die übrigen Elemente von Gesellschaftlichkeit ausgearbeitet wurde.
Nach unseren Systemtheorien des (Sprache-Kultur-Wirtschaft-Politik)-Modells muss untersucht werden:
a) Wo im Modell lebt die Gruppe; ist sie einer bestimmten Schichte im System infolge ihrer beruflichen Tätigkeit eindeutig zuzuordnen, lebt sie in Konkurrenz zu einer bestimmten Schichte oder lebt sie abgetrennt vom Schichtsystem der Majorität.
b) Wie stellt sich für sie dieser Konflikt zwischen den lila Determinanten der Min­derheit und den grünen Elementen der Mehrheit gemäß Figur 423 stratifikatorisch und inhaltlich dar und
c) welche Kräfte der Aufnahmegesellschaft hindern bzw. begünstigen Akkultura­tion und Assimilation.
Heckmann entwickelt im Weiteren die Begriffe Akkomodation, Akkulturation und Assimilation.



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