Indikator 1 b gesundheitsförderung und Prävention

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Sozialplanung für Senioren Literaturverzeichnis

Indikator 5.1 B

Gesundheitsförderung und Prävention
Die Gesundheitsförderung und Prävention gilt als imaginäre vierte Säule des Gesundheitswesens, welcher im Rahmen der Erhebung des Indikators Rechnung getragen wird. Es geht dabei um eine Bestandsaufnahme aller vorhandenen gesundheitsförderlichen und präventiven Angebote für (ältere) Menschen.
Mit dem Ansteigen chronischer Erkrankungen in der Gesamtbevölkerung, die durch kurative Versorgung kaum beeinflussbar und nicht heilbar sind, nimmt die Bedeutung präventiver und gesundheitsfördernder Maßnahmen im Gesundheitswesen zu. Gesundheitsförderung umfasst Maßnahmen und Aktivitäten, mit denen die Stärkung der Gesundheitsressourcen und
-potenziale der Menschen erreicht werden soll. Durch eine bessere Aufklärung (z. B. Diabetes- bzw. Ernährungsberatung, Alzheimerinformation) und eine höhere Auslastung von präventiven Angeboten (z. B. Rückenschulung, Wassergymnastik, Turnangebote, Wanderungen) kann die Bevölkerung gesünder altern. Dies führt zu einer höheren Lebenszufriedenheit und nicht zuletzt zu Einspareffekten für die Kommune.

Die Begriffe Gesundheitsförderung und Prävention sind aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte und Verortung in unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen und Praxisbereichen nicht trennscharf voneinander abzugrenzen:



Prävention zielt darauf ab, das Auftreten von Krankheiten zu vermeiden und ihre Verbreitung und ihre Auswirkungen auf die Mortalität der Bevölkerung zu verringern. Unter Zuhilfenahme von Kenntnissen zur Entstehung von Krankheiten sind präventive Interventionen darauf gerichtet, Ausgangsbedingungen und Risiken für Krankheiten (Risikofaktoren) zu identifizieren, zu verhindern oder abzumildern (Vermeidungsstrategie). Das erfolgt z. B. durch Öffentlichkeitsarbeit zu Themen wie Impfungen, gesunde Ernährung, Früherkennung und ausreichende Bewegung (vgl. Hurrelmann/Laaser, 2006, 750ff).

Der Begriff Gesundheitsförderung wurde 1986 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelt und in der Ottawa-Charta zusammengefasst und spezifiziert: Gesundheitsförderung strebt die Verbesserung von Lebensbedingungen und eine damit einhergehende Stärkung der Gesundheit an. Aufbauend auf dem Wissen zur Entstehung und Aufrechterhaltung von Gesundheit (Salutogenese), zielen gesundheitsfördernde Interventionen darauf, gesundheitsrelevante Lebensbedingungen und Lebensweisen aller Bevölkerungsgruppen zu beeinflussen. Im Mittelpunkt steht dabei die Stärkung persönlicher und sozialer Gesundheitskompetenz und eine auf die Verbesserung der Gesundheitsbestimmungen gerichtete Politik. Ziele sind die Bewahrung und Stabilisierung von Gesundheit sowie die Verbesserung und Steigerung von Gesundheitspotenzialen bei möglichst vielen Menschen (vgl. Hurrelmann/Laaser, 2006, 750ff).

Gesundheitsförderung und Prävention stellen eine gesamtgesellschaftliche und über die Gesundheitspolitik hinausgehende Querschnittsaufgabe dar, die auch mit in den Zuständigkeitsbereich der Kommunen fällt. Eine „gesunde Stadt“ im Sinne der WHO sollte einem ganzheitlichen Ansatz (Körper, Geist und Seele) verpflichtet sein und sich bemühen, auf allen Ebenen (Kindergärten, Schulen, Betriebe, Krankenhäuser und in der allgemeinen Gesundheitsförderung) aktiv zu sein.

Die wesentliche Aufgabe von Kommunen ist es zu vermitteln und zu vernetzen, d. h. die aktive und permanente Kooperation mit allen Akteuren innerhalb und außerhalb des Gesundheitswesens. Ferner sollen sie dazu beitragen, dass gesundheitserhaltende und -förderliche Angebote ausgebaut werden: Es geht darum, Gesundheitsdienste und Initiativen bei der Bildung neuer Gruppen und Versorgungssysteme zu unterstützen und dahingehend zu beraten, sich verstärkt auf die Förderung von Gesundheit zu konzentrieren. Vor allem sollen sie sich den Bedürfnissen der (älteren) Menschen anpassen.

Neben dem allgemeinpräventiven Aspekt werden durch gesundheitsbezogene Gemeinschaftsaktionen als positiver Nebeneffekt auch Sozialkontakte gefördert, z. B. durch den Austausch und/oder die Teilnahme an gesundheitsförderlichen Aktionen in Gruppen (Nachbarschaftshilfen, Gemeinschaftsaktivitäten von Bürgern, Selbsthilfeaktivitäten). Hierdurch kann die Lebenszufriedenheit in der älteren Wohnbevölkerung gesteigert werden. Dies ist zugleich die besondere Stärke von Gesundheitsförderung im Wohnumfeld, da hier auch sozial benachteiligte Menschen oder Menschen mit niedrigem Bildungsstand gut erreicht werden können.
Durch diese Investitionen in die längere Gesunderhaltung der älteren Bürger kann eine frühe Übernahme entstehender Pflegekosten durch die Kommune hinausgezögert werden. Wie bei allen anderen Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität der älteren Bürger müssen die Senioren auch hier rechtzeitig in den Prozess einbezogen werden, sodass ihre persönlichen Bedürfnislagen bei der Umsetzung beachtet werden können. Damit die neuen Angebotsformen später auch von der Bevölkerung angemessen wahrgenommen und genutzt werden, sollten sie miteinander abgestimmt und örtlich sowie zeitlich verteilt sein und außerdem in der Öffentlichkeit entsprechend transparent gemacht werden.

 Bei der inhaltlichen und finanziellen Ausgestaltung von Präventions- und Gesundheitsförderungsmaßnahmen können neben der Politik in Bund, Ländern, Städten und Gemeinden ganz unterschiedliche Institutionen und Personen beteiligt und verantwortlich sein, z. B. Sozialversicherungsträger, Wirtschaftsunternehmen, Bildungseinrichtungen, Leistungserbringer, Selbsthilfegruppen, Forschung und Wissenschaft.

 Trotz der Zunahme chronisch-degenerativer Erkrankungen und des damit einhergehenden Anwachsens des Versorgungsbedarfs (z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebserkrankungen, Erkrankungen des Bewegungsapparates und neuropsychische Erkrankungen) ist die Bedeutung von Maßnahmen zur Prävention im deutschen Gesundheitswesen weiterhin gering: Seit 2001 stiegen die Gesundheitsausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für Prävention/Gesundheitsschutz zwar geringfügig an, machten 2005 aber nur ca. 4 % der Gesamtausgaben aus; davon wurden 50 % speziell für gesundheitsförderliche Maßnahmen ausgegeben (vgl. Tabelle 1).

Tabelle 1: Gesundheitsausgaben* in Mio. € nach Art der Leistung und Jahr



Leistungsart

Jahre

2001

2003

2005

in Mio. €

in %

in Mio. €

in %

in Mio. €

in %

Gesundheitsausgaben

220.423

100,0

233.735

100,0

239.357

100,0

davon

Prävention/Gesundheitsschutz



7.456

3,4

8.723

3,7

8.991

3,8

davon

Gesundheitsförderung



3.876

1,8

4.476

1,9

4.669

1,9

* Werte beziehen sich auf die Ausgabenträger insgesamt sowie die Einrichtungen insgesamt.

Quelle: Gesundheitsberichterstattung des Bundes, www.gbe-bund.de


 2005 wurden in fast 70 % der Betriebe als gesundheitsförderliche Maßnahmen Aktivitäten zur Reduzierung körperlicher Belastungen durchgeführt, ein gutes Drittel der Betriebe hebt zudem Maßnahmen zum Stressmanagement hervor (vgl. Tabelle 2).
Tabelle 2: Inhaltliche Ausrichtung der betrieblichen Aktivitäten zur Gesundheitsförderung

Themen

Anteil der Aktivitäten in %

Reduktion körperlicher Belastungen

69,8

Stressmanagement

37,1

gesundheitsgerechte Mitarbeiterführung

30,7

gesundheitsgerechte Gemeinschaftsverpflegung

29,3

Prävention von Genuss- und Suchtmittelmissbrauch

19,7

Quelle: MDK 2006 – in: Gesundheitsberichterstattung des Bundes, www.gbe-bund.de
Die freiwillige Teilnahme an individuellen Kursen im Rahmen von Primärprävention wird von der Gesamtbevölkerung erst wenig angenommen: 2003 betrug der Anteil von Pflichtversicherten an diesen Kursen 9 % bei den Frauen und 2 % bei den Männern. In der Gruppe der Rentner liegt die Teilnahmequote bei den Frauen um 50 % niedriger, bei den Männern auf dem Niveau der Pflichtversicherten (vgl. Tabelle 3). Diese Zahlen verdeutlichen, dass das Interesse an derartigen Kursen in der Bevölkerung noch gering ist oder aber die Angebote nicht bekannt sind, weshalb verstärkt in der Öffentlichkeit darauf hingewiesen werden muss.
Tabelle 3: Teilnahmequote an Kursen zur individuellen Primärprävention1 nach Versichertenstatus und Geschlecht pro 1.000 Mitglieder (2003) (n = 44.718)

Versichertenstatus

Frauen

Männer

Pflichtversicherte

9,0 %

2,2 %

freiwillig Versicherte

10,5 %

4,9 %

Arbeitslose

6,5 %

1,6 %

Rentner

4,6 %

2,2 %

Quelle: BKK Bundesverband, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, www.gbe-bund.de
Selbsthilfegruppen

Ein positiver Trend im Rahmen von Gesundheitsförderung und Prävention ist bei den lokalen Selbsthilfegruppen festzustellen, welche daher von der Kommune auch besonders unterstützt werden sollten.

Auf der Grundlage von Hochrechnungen wird davon ausgegangen, dass es in Deutschland ca. 70.000 bis 100.000 Selbsthilfegruppen in den Kommunen gibt, in denen rund 3 Mio. Menschen mitwirken (2004). Demzufolge sind rund 5 % der 18- bis 80-Jährigen in Selbsthilfegruppen engagiert. 15 Jahre früher lag der Anteil noch bei rund 1 %. Mögliche Gründe für diesen Anstieg sind z. B. die Zunahme von chronischen und psychischen Erkrankungen sowie Veränderungen der familiären Bindungen und Strukturen. Darüber hinaus hat die Anzahl von Angehörigengruppen deutlich zugenommen. 2003 gaben im Rahmen des Telefon-Gesundheitssurveys des Robert-Koch-Instituts (RKI) insgesamt 9 % der 8.300 Befragten im Alter von 18 bis 79 Jahren an, schon einmal wegen ihrer eigenen oder der Gesundheit von anderen an einer Selbsthilfegruppe teilgenommen zu haben. Bei den Frauen und Männern im Alter von 60 bis 69 Jahren lag der Anteil über 11 %, in der Altersgruppe der über 70-Jährigen haben bereits 9 % der Männer an einer Selbsthilfegruppe aktiv teilgenommen, aber nur 8 % der Frauen. Die Anzahl der Selbsthilfeorganisationen wird bundesweit mit ca. 360 angegeben, außerdem gibt es auf lokaler Ebene etwa 270 Selbsthilfekontaktstellen, z. B. Kontakt- und Informationsstellen für Selbsthilfegruppen (KISS) (NAKOS, 2004).
Fachliche Beratung war 2001 mit 86 % das wesentlichste Unterstützungsangebot der (bundesweiten) Selbsthilfegruppen (n = 339), über 50 % bieten des Weiteren Organisationshilfen an. Ähnlich viele Selbsthilfeorganisationen erstellen eigene Medien oder führen Fortbildungen und Seminare durch. Beachtenswert ist, dass die meisten Unterstützungsangebote (rund 90 %) auch von Nichtmitgliedern genutzt werden können. 50 % der Selbsthilfeorganisationen haben zudem spezielle Angebote für Angehörige.
Aktuelle bundesweit gültige Zahlen über das umfangreiche und schwer eingrenzbare Angebot an gesundheitsfördernden und gesundheitspräventiven Einrichtungen und Organisationen liegen derzeit nicht vor!
Um zu verdeutlichen, wie wichtig den älteren Menschen ihre Gesundheit ist, sind abschließend Informationen zur subjektiven Gesundheit bzw. zum Gesundheitsbewusstsein angefügt:

Die subjektive Gesundheit spiegelt neben objektivierbaren Fakten des Gesundheitszustandes, wie körperliche Funktionsfähigkeit, diagnostizierte Krankheiten u. Ä., auch physische, psychische und soziale Aspekte der Gesundheit in der ganzheitlichen Sichtweise der Betroffenen wider. Ergebnisse des telefonischen Gesundheitssurveys des RKI 2004 zeigen, dass der weit überwiegende Teil der Befragten in allen Altersgruppen die eigene Gesundheit als „gut“ oder „sehr gut“ bewertet (vgl. Tabelle 4); trotzdem nimmt mit steigendem Alter die positive Einschätzung der Gesundheit ab, was insbesondere mit der im Alter ansteigenden Zahl der Erkrankungen zusammenhängt.


Tabelle 4: Selbsteinschätzung der Gesundheit nach Alter und Geschlecht (2004) („Wie ist Ihr Gesundheitszustand im Allgemeinen?“)




sehr gut

gut

mittelmäßig

schlecht

sehr schlecht




Anteile in %

Frauen (n = 3.792)
















50–59 Jahre

19,7

43,7

26,9

7,9

1,7

60–69 Jahre

11,7

45,5

33,3

7,5

2,0

70 Jahre und älter

6,7

39,3

41,0

10,7

2,3

Gesamt

21,2

49,5

23,2

4,8

1,3

Männer (n = 3.542)
















50–59 Jahre

13,3

53,3

23,2

7,6

2,6

60–69 Jahre

11,3

44,7

36,0

6,7

1,3

70 Jahre und älter

9,9

43,5

33,3

10,6

2,7

Gesamt

22,3

53,9

18,5

4,1

1,2

Quelle: Telefonischer Gesundheitssurvey des RKI 2004 – in: DZA (Menning, Sonja) (2006): Gesundheitszustand und gesundheitsrelevantes Verhalten Älterer (GeroStat – Statistisches Informationssystem 02/2006), www.dza.de/gerostat/gerostat-aktuelle.html

Mit wachsendem Alter steigt das Gesundheitsbewusstsein tendenziell an, bei Männern deutlicher als bei Frauen. Von den über 70-jährigen Frauen gaben 52 % an, sehr stark oder stark auf ihre Gesundheit zu achten. Die gleichaltrigen Männer waren sogar mit 57 % dieser Meinung. Dieser Wert liegt damit deutlich über dem aller befragten Männer (vgl. Tabelle 5).


Tabelle 5: Gesundheitsbewusstsein nach Alter und Geschlecht („Wie stark achten Sie im Allgemeinen auf Ihre Gesundheit?“)




sehr stark/stark

mittelmäßig

weniger stark/gar nicht




Anteile in %

Frauen (n = 3.783)










50–59 Jahre

49,1

42,2

8,6

60–69 Jahre

55,5

38,7

5,9

70 Jahre und älter

52,3

40,2

7,4

Gesamt

49,6

42,5

7,9

Männer (n = 3.535)










50–59 Jahre

44,1

48,0

7,8

60–69 Jahre

53,0

38,6

8,5

70 Jahre und älter

57,2

35,0

7,7

Gesamt

45,3

43,6

11,1

Quelle: Telefonischer Gesundheitssurvey des RKI 2004 – in: DZA (Menning, Sonja) (2006): Gesundheitszustand und gesundheitsrelevantes Verhalten Älterer (GeroStat – Statistisches Informationssystem 02/2006), www.dza.de/gerostat/gerostat-aktuelle.html
Mögliche Verknüpfungen zu anderen Indikatoren (Auswahl):

  • 1.9 E Bildungsstand (mit Höhe des Bildungsstands nimmt Gesundheitsbewusstsein zu)

  • 2.1 B Bürgerschaftliches Engagement (potenzieller neuer Engagementbereich)

  • 3.7 B/3.11 E Innerstädtische Mobilität – Erweiterung (Erreichbarkeit der Angebote)

  • 5.7 E Ärztliche Versorgung



Mehr zu diesem Thema:


  • Gesundheitsberichterstattung des Bundes (Robert-Koch-Institut) (2002): Gesundheit im Alter, Heft 10  Bericht als PDF

  • Gesundheitsberichterstattung des Bundes (Robert-Koch-Institut) (2004): Selbsthilfe im Gesundheitsbereich, Heft 23  Bericht als PDF

  • Hurrelmann, K./Laaser, U. (2006): Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention. Hurrelmann, K./Laaser, U./Razum, O. (Hrsg.): Handbuch Gesundheitswissenschaften, Weinheim/München: Juventa

  • Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS)  zur Homepage (hier: u. a. Adressdatenbanken zu bundesweiten Selbsthilfeorganisationen und örtlichen Selbsthilfekontaktstellen, Beantragung von Fördermitteln)

  • Deutsches Forum für Prävention und Gesundheitsförderung  zur Homepage (Initiative von 71 Verbänden und Organisationen aus dem Gesundheitsbereich)

  • Gesunde Städte Netzwerk  zur Homepage

  • DZA (2006): Gesundheitszustand und gesundheitsrelevantes Verhalten Älterer  Bericht als PDF




1Nach § 20 SGB V (Prävention und Selbsthilfe).


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