„Wann Krieg beginnt, kann man wissen, aber wann beginnt der Vor



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MASARYKOVA UNIVERZITA

Filozofická fakulta

DIPLOMOVÁ PRÁCE BAKALÁŘSKÁ

Brno 2006 Svatava Kyselová

Masaryk-Universität

Philosophische Fakultät

Institut für Germanistik, Nordistik und Nederlandistik

Christa Wolf, Kassandra



Unter der Leitung von PhDr. Jaroslav Kovář, CSc.

Svatava Kyselová Brno 2006

Ich danke dem Leiter meiner Arbeit PhDr. Jaroslav Kovář, CSc. für seine Hilfe.


Weiter erkläre ich, dass ich diese Arbeit selbständig geschrieben und mich nur der angegebenen Literatur bedient habe.


Vorwort der Arbeit

Ich habe mich entschieden, von der Erzählung „Kassandra“ zu schreiben, weil ich mich für die griechische Mythologie interessiere und weil ich das bekannte Werk von der berühmten deutschen Schriftstellerin näher kennen lernen mochte. Die Arbeit teilt sich in 22. Kapitel. Zuerst beschäftige ich mich mit der Biographie der Autorin und gebe die Liste ihrer Werke zu. Weiter schreibe ich mit der Hilfe des Buches von Stefanie Risse über die eigenen Absichten der Autorin, über die Rolle des Mythos in der gegenwärtigen Literatur und ich versuche, die Erzählung ausführlicher zu analysieren. Schließlich arbeite ich die Liste aller Figuren aus, die in der Erzählung auftreten.



Inhalt der Arbeit:

  1. Christa Wolfs Biographie

  2. Werke

  3. Kurzzusammenfassung der Erzählung Kassandra

  4. Wahrnehmung der Wahrheit und Christa Wolfs Absicht

5. Tradition und Strukturen abendländisch-männlichen Denkens

Die Entwicklung innerhalb der Mythen: Die Entmachtung der weiblichen Gottheiten und die Verdrängung des „Weiblichen“ aus der Geschichte

6. Mythos in der Erzählung

7. Abstraktion und Wahndenken

8. Der Krieg als Ausdruck abstrakten Denkens

9. Sprachkrieg

10. Verweigerungsarten

11. Erkennensarten von Christa Wolf

12. Kassandras Konfrontation mit ihrem Vater Priamos

13. Der Verlust all dessen, was ich „Vater“ nannte

14. Die Sehergabe

15. Drei Schiffe

16. Liebe vs. körperliche Beziehung

17. Die Person, mit der man erzählt

18. Angst vor dem Tod

19. Kurze Charakteristik der Götter, die in der Erzählung eine wichtige Rolle spielen

20. Kurze Charakteristik der einzelnen Figuren nach der mythologischen Interpretierung mit der Ergänzung der Charakteristik aus der eigenen Erzählung von Christa Wolf

21. Weitere Figuren, die in der Erzählung auftreten

22. Nachwort der Arbeit

23. Bibliographie



1. Christa Wolfs Biographie
Kindheit, Studium und schriftstellerische Anfänge

Christa Wolf wurde am 18. März 1929 in Landsberg an der Warthe (Gorzow Wielkpolsky im heutigen Polen) geboren. Dort wuchs sie mit ihrem um 3 Jahre jüngeren Bruder auf. Ihre Eltern Herta und Otto Ihlenfeld besaβen dort ein Lebensmittelgeschäft.

Am Kriegsende floh die Familie nach Mecklenburg, Christa arbeitete als Schreibkraft beim Bürgermeister und besuchte die Oberschule in Gammeln bei Schwerin. 1949 machte sie in Bad Frankenhausen ihr Abitur und trat in die SED ein. Sie studierte 1949–53 Germanistik in

Jena und Leipzig, heiratete 1951 ihren Studienfreund, den Schriftsteller Gerhard Wolf, und bekam 1952 ihre erste Tochter, Annette. Von 1953–57 arbeitete Wolf als wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Deutschen Schriftstellerverband, wurde dann Cheflektorin im Verlag Neues Leben und 1958–59 Redakteurin der Zeitschrift Neue Deutsche Literatur.

1956 gebar sie ihre zweite Tochter, Katrin.

Seit dem 22. 4. 1959 hat Christa Wolf in der Funktion eines geheimen Informators mehrere Berichte für die Staatssicherheit über einzelne Schriftsteller und die Situation im Schriftstellerverband abgeliefert.1976 wurde sie aufgrund der Mitunterzeichnung des offenen Briefes gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen.


Reisen

Bereits 1972 unternahm sie eine Reise nach Paris und wurde 1984 Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste in Paris. Zwei Jahre später trat sie der Freien Akademie der Künste in Hamburg bei. Wolf unternahm viele Lesereisen, unter anderem nach Schweden, Finnland, Frankreich und in die USA.


Schriftstellerische Durchsetzung
Für ihre Moskauer Novelle von 1961 bekommt sie den Kunstpreis der Stadt Halle, und Christa Wolf lässt sich 1962 als freie Schriftstellerin in Klein-Machnow bei Berlin nieder, wo sie von 1962 – 1976 lebte. Seit 1976 in Berlin. Ihr erster Roman heiβt Der geteilte Himmel (1963). Das Buch bringt der Autorin den Heinrich-Mann-Preis, wird ein Jahr später in der DDR verfilmt und macht sie auch im Westen bekannt. Sie bekommt den Nationalpreis III. Klasse für Kunst und Literatur und wird Kandidatin des Zentralkomitees der SED.

Politisches Engagement

Als Christa Wolf sich im Dezember 1965 auf dem 11. ZK-Plenum der SED als einzige Rednerin gegen eine neue restriktive Kulturpolitik aussprach, begann für sie eine Zeit schwieriger Konflikte mit dem SED-Machtapparat. Ein Film, den sie zusammen mit ihrem Mann und dem Regisseur Konrad Wolf gemacht hatte, wurde zensiert und nicht fertig gemacht.



Weitere Werke

Ihr zweiter Roman, Nachdenken über Christa T. (1968), wurde in der DDR zuerst verboten, dann in kleiner Auflage gedruckt.


In Kindheitsmuster (1976) wandte sich Wolf der Geschichte ihrer Generation zu, ging ihren Erinnerungen an das Leben im "Dritten Reich" nach, um die Wurzeln gegenwärtiger Verhaltens- und Denkmuster bloßzulegen und herauszufinden.
Mit ihren nächsten zwei Büchern projizierte Wolf ihre Thematik noch weiter in die Vergangenheit zurück. Sie schreibt das Werk Kein Ort. Nirgends (1977) mit Figuren aus der deutschen Romantik – Heinrich von Kleist und Karoline von Günderode. Die Erzählung Kassandra schreibt sie im Jahre 1983. Hier griff Wolf auf den antiken Mythos zurück, um die Anfänge des Krieges in der patriarchalischen Kultur der Griechen zu untersuchen. Wolfs schon längst feministische Ansätze werden durch Auseinandersetzungen mit Schriften der "westlichen" Frauenbewegung vertieft und erweitert; sie wird jetzt als gesamtdeutsche Schriftstellerin anerkannt.
Zahlreiche Preise
Obgleich Christa Wolf von 1968 bis 1989 wegen ihrer von der offiziellen Linie abweichenden Meinungen unter systematischer Beobachtung durch die Staatssicherheit stand, durfte sie trotzdem zu Tagungen und für längere Aufenthalte in den Westen reisen, wo sie zum Beispiel Gastprofessorin war (Oberlin College, USA), Vorträge hielt (Frankfurter Poetik-Vorlesungen) oder Preise entgegennahm – u.a. den Büchner-Preis der deutschen Akademie für Sprache und Dichtung (1980), den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur (1985) und den Geschwister-Scholl-Preis der Stadt München (1987). Nach 1990 bekam sie weitere Preise, darunter den Elisabeth-Langgässer-Preis (1999), den Nelly-Sachs-Literaturpreis (1999), und den eingangs erwähnten Bücherpreis des deutschen Buchhandels (März 2002).

Weitere Tätigkeiten
Trotz ihrer Enttäuschung und ihrer Kritik wollte Wolf keinen vollständigen Bruch mit der DDR-Regierung provozieren, zog sich eher soviel wie möglich aus offiziellen Gremien und

Tätigkeiten zurück. Ihr Biograph Jörg Magenau betrachtet ihr Leben als "eine Chronik fortgesetzter Verabschiedungen" oder Emanzipation von jeweiligen Glaubenssätzen und Idealen, als immer wieder eintretende "Ernüchterung." Schließlich trat sie im Juni 1989 aus der SED aus und versuchte, die politischen Geschehnisse des Umbruchs zu beeinflussen. Sie und andere Intellektuelle wie Volker Braun und Stefan Heym argumentierten gegen eine Vereinnahmung der DDR durch die Bundesrepublik und für das Weiterbestehen einer unabhängigen DDR.



Scharfe Kritiken

In den neunziger Jahren war Wolf scharfen Angriffen ausgesetzt und wurde – vor allem von westdeutschen Kritikern und Journalisten – als "Staatsdichterin" der DDR verschrien. In dem ganzen Medienrummel wurde beinahe vergessen, daß sie selbst über 20 Jahre lang unter permanenter Überwachung durch die Stasi gestanden hatte.

Anfang der 1990er Jahre wurde bekannt, dass sie von 1959 bis 1962 als "IM Margarete" beim Ministerium für Staatssicherheit der DDR geführt worden war.

1990 war der in den siebziger Jahren entstandene Band Was bleibt erschienen, der Wolfs Reflexionen über ihre Stasi-Überwachung enthält.


Mythos und Krankheit

Trotz solcher Schwierigkeiten, auf die sie oft mit Krankheit reagierte, und auch um sie zu bewältigen, schrieb sie weiter: 1993 kam Medea heraus, Wolfs Umformung des antiken Mythos im Sinne ihrer Kritik an der gesellschaftlichen Ausgrenzung des Fremden. Die Erzählung Leibhaftig (2003) berichtet von einer lebensgefährlichen Krankheit der Erzählerin kurz vor dem Ende der DDR.

Mit Ein Tag im Jahr: 1960-2000 (2003) liefert Wolf ein wichtiges Dokument zu ihrer Biographie sowie zur Alltags- und politischen Geschichte der DDR und der zehn Jahre nach der Wende.
Bedeutende Persönlichkeit

Christa Wolf, neben Günter Grass wohl Deutschlands renommierteste Schriftstellerpersönlichkeit, wurde 2002 für ihr Lebenswerk mit dem erstmals verliehenen Deutschen Bücherpreis geehrt, weil sie sich in die großen Debatten der DDR und des wiedervereinigten Deutschland eingemischt habe. Doch Wolf war schon längst wegen ihrer tiefgründigen Schriften und mutigen Stellungnahmen eine Identifikationsfigur für ihre Leser im "Osten" wie im "Westen" geworden. Mit ihrem die Dinge befragenden, reflektierenden Stil bringt sie ihre Leser dazu, selbst über die Fragen nachzudenken, die sie an die moralischen und politischen Ereignisse ihrer Zeit – von der Aufbauphase der DDR bis zu deren Ende und danach – stellt.


Zuerst als neue Stimme der DDR-Literatur gefeiert, galt sie seit den 60er Jahren als "loyale Dissidentin", die das Regime kritisierte, aber dem Sozialismus als besserer Alternative zum kapitalistischen Westen die Treue hielt. Mit der Zeit dehnte Wolf ihre Kritik auf die technologischen und patriarchalischen Deformationen der heutigen Kultur aus, immer darauf bedacht, das menschliche - in ihren Werken meist weibliche - Subjekt gegen Instrumentalisierungen jeder Art zu verteidigen.



2. Werke

Moskauer Novelle, 1961

Der geteilte Himmel, 1963

Nachdenken über Christa Wolf, 1968

Lesen und Schreiben, 1972

Till Eulenspiegel, 1972

Unter den Linden, 1974

Kindheitsmuster, 1976

Kein Ort Nirgends, 1979

Fortgesetzter Versuch, 1979

Geschlechtertausch, 1980

Lesen und Schreiben. Neue Sammlung, 1980

Kassandra, 1983

Voraussetzung einer Erzählung: Kassandra, 1983

Ins Ungebundene geht eine Sehnsucht, 1985

Die Dimension des Autors, 1986

Störfall, 1987

Ansprachen, 1988

Sommerstück, 1989

Was bleibt, 1990

Reden im Herbst, 1990

Sei gegrüβt und lebe. Eine Freundschaft in Briefen (Ch. W. und Brigitte Reimann), 1993

Auf dem Wege nach Tabou, 1994

Ch. W. und Franz Fühmann. Monsieur – wir finden uns wieder. Briefe 1968-1984, 1995

Medea, 1996

Hierzulande Andernorts, 1999

Liebhaftig, 2002

Ein Tag im Jahr, 2003

Mit anderem Blick, 2005

Quellen:


Horsley, Joey: Frauen-Biographie der Woche: Christa Wolf. URL: http://www.fembio.org/frauen-biographie/christa-wolf.shtml - Download vom 20. 4. 2006

URL: http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/WolfChrista/ - Download vom 20. 4. 2006


URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Christa_Wolf - Download vom 20. 4. 2006

3. Kurzzusammenfassung der Erzählung Kassandra

Kassandra, die Tochter von König von Troja und seiner Frau Hekabe, wird von dem Gott Apollon mit der Sehergabe beschenkt, was sie sich sehr wünschte. Sie weigerte sich aber dann, mit ihm zu leben. Wenigstens einen Kuß konnte sich Apollon ausbitten, doch spuckte der Gott der Kassandra in den Mund — infolgedessen glaubte niemand ihre Sprüche. Das war die Strafe für ihre Ablehnung. Also ihre Warnungen gegenüber ihren Landsleuten, den Troern, vor dem Krieg mit den Griechen waren überflüssig.

Nach dem Untergang Trojas verschleppte der griechische Heerführer Agamemnon sie als Sklavin nach Griechenland.

An dieser Stelle setzt die Erzählung Christa Wolfs ein. Kassandra, vor dem Löwentor von Mykene stehend, ist sich ihres bevorstehenden Todes bewusst und weiß auch um das Schicksal Agamemnons, der durch die Hand seiner Frau Klytämnestra und ihres Liebhabers den Tod finden wird. In einem inneren Monolog der Erinnerung blickt Kassandra auf ihr Leben zurück, auf ihre Liebe zu Aineias und auf den Krieg, der um ein Phantom geführt worden war, denn Paris war es nie gelungen, Helena nach Troja zu bringen.

Sie schildert ihre Jugend, die Beziehung zu Geschwistern und Eltern, ihre Begegnung mit Aineias im Zusammenhang mit der entwürdigenden Prozedur der Entjungferung bei der Einführung ins Priesterinnenamt, ihre Liebe zu ihm, die Vorboten des Krieges und das sich verändernde gesellschaftliche und politische Leben in Troja. Die wirklichen Ereignisse des Krieges werden reflektiert: die Landung der Griechenflotte, der Kampf Hektors mit Achill, der Tod Penthesileas, die Zerstörung der Stadt nach der erfolgreichen List des Odysseus, die Trennung von Aineias und dessen Flucht.

Sie schildert auch ihre Loslösung und Entfremdung von Priamos, den sie sehr liebte und für den guten König der alten Zeiten hielt. Nach dem Anfang des Krieges und aufgrund des Einflusses des Eumelos, eines zielstrebigen und gefährlichen Offizier, veränderte sich der König so, dass Kassandra mit ihm nicht mehr einverstanden sein konnte. Sie schildert auch das Leben in den Ida-Bergen, in den die Leute lebten, die sich nach einem ruhigen Leben ohne Krieg sehnten. Es ist eine Art utopischen Gegenwelt Trojas – Sie schildert auch ihre Beziehung zu den Leitfiguren dieser Gemeinschaft am Skamandros, dem weisen Anchises und zu Arisbe.

Bedeutend sind die Träume und Anfälle Kassandras, wie die Reflexion über die Sprache und ihren Ge- bzw. Missbrauch. Zusätzlich wird Kassandras wachsende Selbstkritik, die sie in die Lage versetzt, Wünsche, Zweifel, Ängste, Hoffnungen und selbstständiges Verhalten nicht nur zuzulassen, sondern auch schonungslos zu reflektieren, geschildert. Diese Erinnerungen und verlorenen Hoffnungen verbinden sich zum Eingeständnis eigener Ohnmacht.

Die Erzählung Kassandra ist eine Neubearbeitung des antiken Mythos vom Trojanischen Krieg. Sie stellt aber nicht nur die Ereignisse dieses Krieges dar, sondern spiegelt auch Probleme der Gegenwart wider. Sie ist die Geschichte eines Krieges als Kritik am Krieg und als Kritik am Patriarchat, das solche Kriege auslöst, weist aber auch den Anteil der Frauen an einem solchen Geschehen nach. Die Erzählung bildet zugleich die Darstellung eines Geschichtsmythos aus weiblicher Sicht im Unterschied zur vorwiegend von Männern getragenen Geschichtsschreibung. Sie enthält die Utopie einer alternativen Gesellschaft unter der Führung des Weiblichen, gleichsam ein Bild für ein sanftes, harmonisches Zusammenleben von Mann und Frau, ist die Entwicklungsgeschichte Kassandras vom naiven Mädchen zur klugen, »sehenden« Frau, beschreibt den Weg einer radikalen Selbstfindung und ist schließlich ein Buch, das in all diesen Aspekten aktuelle Fragen der Gegenwart behandelt: Politik, Gesellschaft, Religion und Psychologie.

Es ist keine Utopie gegen die Männer, die die matriarchale Fiktionen idealisiert. Und überhaupt ist es eine Utopie der idealen Gesellschaft, die nötig herzustellen ist. Hier wird das Wirkliche und Unwirkliche gemischt. Wolf geht davon aus, dass die menschlichen Träume und Sehnen das Wesentliche sind. Sie schildert die Zeit, in der die Frauen noch nicht als ein Objekt betrachtet und die Männer nicht als Helden erzogen wurden. Und sie beschreibt gefühlsvoll den Punkt, von dessen sich diese Wirklichkeiten verändert haben.

4. Wahrnehmung der Wahrheit und die Christa Wolfs Absicht

Wann Krieg beginnt, kann man wissen, aber wann beginnt der Vorkrieg?“ Diese Frage geht Christa Wolf in ihrer Erzählung „Kassandra“ nach. Diese Frage ist sehr wichtig. Man spricht nicht nur von dem Beginn des Krieges, aber man muss auch wissen, wann es eigentlich angefangen hat? Sie findet keine Antwort, aber sie findet viele Zeichen: Zeichen, die es Kassandra und uns überlassen, ob sie wahrgenommen werden, oder nicht. Sie zeigt uns, wie Kassandra die unsichtbaren Wahrheiten hinter der sichtbaren Welt der Fakten wahrnimmt.


„Die Frage nach dem Beginn des Vorkriegs führt Christa Wolf zurück zur Entstehung eines Denkens, dem Gewalt nicht nur strukturell innenwohnt, sondern das zugleich der sichtbaren, kriegerischen Gewalt den Boden bereitet. Dieses Denken ist stärker als die Individuen, in denen es wirkt; nicht sie, sondern das Denken selbst gilt Christa Wolf als Subjekt der Geschichte.“ /1
1. Risse, Stefanie: Wahrnehmen und Erkennen in Christa Wolfs Erzählung Kassandra, Bamberg: Pfaffenweiler, 1986, S. 1
„Der Rückgriff auf den Mythos, die epische Vorlage des Trojanischen Krieges, stellt keinen Versuch der Autorin dar, die Probleme der Gegenwart zu fliehen. Sie versucht im Gegenteil, durch das Ausfindigmachen der Wurzeln unserer modernen Industriegesellschaften Selbstverständliches bewusst zu machen: Emanzipation und Subjektwerdung kann es nur im Aufbrechen internalisierter Strukturen geben.“ /1
Die Geschichte des Abendlandes, unserer Zivilisation, liest sich bei Christa Wolf – in vollkommener Umkehrung tradierter Werte – als einzige „Katastrophengeschichte“, die mit dem Trojanischen Krieg ihren Ausgang nahm, und über unzählige Kriege und Schlachten, über zwei Weltkriege hinweg einen dritten, alleszerstörenden zu betreiben. „Wie der Fortschritt unserer Kultur seiner ökonomischen Form nach auf Unterdrückung und Ausbeutung der arbeitenden Menschen und der Natur beruht, so basiert er auf der Ebene des Denkens auf der Verdrängung der inneren Natur.“/2

„Kulturgewinn durch Naturverlust. Fortschritt durch Leid: Die Formeln, vierhundert Jahre vor unserer Zeitrechnung benannt, die der Kultur des Abendlandes zugrunde liegen.“ (Christa Wolf, Voraussetzung einer Erzählung: Kassandra)


„Ihre Forderung stützt sich auf unbestreitbare Erkenntnis, dass die vor allem von Männern geprägte abendländische Geschichte ganz bestimmte charakteristische Denk- und Verhaltensformen ausgebildet hat, in denen Rationalität, Zweckmäßigkeit und Instrumentelles überwiegen. Der Primat von Technik und Industrie gehört ebenso dazu wie das Bedürfnis und die daraus entstandene Gewohnheit, Konflikte gewaltsam zu lösen. Und als Verbindung aller dieser Faktoren und als letzter Auswuchs männlicher Herrschsucht: die Schaffung eines Rüstungspotentials, das die Menschheit hundertfach vernichten kann.“ /3



  1. Risse, Stefanie: Wahrnehmen und Erkennen in Christa Wolfs Erzählung Kassandra, Bamberg: Pfaffenweiler, 1986, S. 2

  2. Ebenda, S. 2

  3. Ebenda, S. 2-3

Christa Wolf geht die Fragen nach: Wo leben wir? Wie leben wir? Haben unsere Bemühungen nicht nur zerstörende Folgen? Denken wir überhaupt darüber nach, was wir machen und wie wir sind? Was passiert, wenn wir, ganz blind und taub, aufmerksam nur auf uns selbst, feststellen, dass unser Zusammenbruch sich nähert? Sind wir dessen bewusst, dass wir demutsvoller werden sollen? Und was die zwei Welten der Männer und Frauen betrifft, sind Männer in ihrem Tun und Benehmen gefährlicher als Frauen? Wirken Frauen nur als Deckmantel, als Verursachung ihres Benehmen und Steuerleute ihres Denkens? Der Trojanische Krieg wurde um ein Phantom geführt – um die Schönheit. Ist es richtig so? Kämpfen wir wohl nicht immer nur um ein Phantom?


Der Autorin geht es um keinen biologisch begründeten Kampf der Geschlechter.
„Das männliche Denken besteht in jener herrschenden Form, die die allgemeingültigen Regeln des Wahrnehmens und Erkennens gesetzt hat. Allein durch ihre im Vergleich zu den Frauen größere Nähe zu den gesellschaftlichen Orten der Macht, in deren Interesse dieses Denken steht, sind die Männer wesentlich stärker mit ihm verbunden. Dennoch kann diese Verbundenheit individuell durchbrochen werden. Christa Wolf schätzt positiv das weibliche Widerstandspotenzial ein. Sie hat versucht, mit Hilfe einer Figur, die in der Ferne von Geschichte und Mythos beheimatet ist, die Allgemeingültigkeit ihrer Theorie über die Auseinandersetzung des weiblichen und des männlichen Lebensprinzips zu beweisen. Der Weg, den Kassandra in der Erzählung zurücklegt, wird durch die antagonisöchen Pole ihrer Gier nach Erkenntnis und ihrem Hang nach Übereinstimmung bestimmt.“ /1

„Sie befindet sich in einem unlösbaren Konflikt, der sie immer wieder lähmt, in Anfällen von Wahnsinn zurückwirft, der sie aber auch in großen Sprüngen voran treibt.“/2

Kassandra durchläuft zwei Phasen des Erkennens: In der ersten Phase versucht Kassandra, sich die Regeln des herrschenden Denkens anzueignen. Unvermittelt stehen körperliche Wahrnehmung und rationale Erkenntnis nebeneinander. Jede neue Erkenntnis vergrößert die Spaltung ihrer selbst, die sie zu zerreißen droht, ihr Erkennen richtet sich destruktiv gegen ihre eigene Person.

1. Risse, Stefanie: Wahrnehmen und Erkennen in Christa Wolfs Erzählung Kassandra, Bamberg: Pfaffenweiler, 1986, S. 3

2. Ebenda, S. 5
„Erst nach dem endgültigen Zusammenbruch Kassandras und dem Verlust der Hoffnung darauf, dass die unvereinbaren Gegensätze doch gelöst werden könnten, ist sie in der Lage, ihre körperliche und sinnliche Wahrnehmung selbst zum Medium ihres Erkennens zu machen. Ihr Wahrnehmen ist zugleich Sehen, Fühlen, Erfahren; ihr Erkennen, das auf der Sinnlichkeit basiert, macht sie zur Außenseiterin der trojanischen Gesellschaft. Dennoch kann sie durch das sinnliche Wahrnehmen der Außenwelt und die vernünftige Wahrnehmung ihrer Sinne, ihres Körpers selbst die verlorene Einheit in sich wiederherstellen. Die Konstruktion dieser Einheit stellt Christa Wolfs Versuch einer anderen, einer „weiblichen“ Form des Wahrnehmens und Erkennens dar.“ /1
Die sinnliche Wahrnehmung der Begebenheiten, der Umstände und des Benehmens der Leute ist bei Kassandra sehr wichtig. Sie kann die Welt gefühlsvoller als die anderen wahrnehmen, obwohl sie das ganze Leben nur in einer Stadt lebt. Diese Stadt spiegelt in ihren Augen die ganze Welt wider.

5. Tradition und Strukturen abendländisch-männlichen Denkens

Die Entwicklung innerhalb der Mythen: Die Entmachtung der weiblichen Gottheiten und die Verdrängung des „Weiblichen“ aus der Geschichte
Christa Wolf greift in ihrer Erzählung auf historisch-mythische Zeit zurück, in der sie die geistigen Wurzeln unserer heutigen Gesellschaft zu finden meint.
„Man kann zwischen dem ursprünglichen Mythos, der das kollektive Gedächtnis schriftloser Völker bewahrt und ausdrückt und zugleich eine Denkform darstellt, und dem Inhalt des Mythos, der uns in den Epen überliefert ist und der der Autorin als Vorlage diente, unterscheiden. Der ursprüngliche Mythos war im wesentlichen eine Denkform, die sich den Gesetzen der Vernunft und des Verstandes entzog.“ /2
Die Mythen dienen hier als eine Vorlage, als ein Vorbild im Sinne der verlorenen Werte.

1. Risse, Stefanie: Wahrnehmen und Erkennen in Christa Wolfs Erzählung Kassandra, Bamberg: Pfaffenweiler, 1986, S. 5-6

2. Ebenda, S. 7

„Die Epen spiegeln selbst die Veränderung innerhalb der Mythen wider“/1, nämlich den Prozess der Verdrängung und Entmachtung der weiblichen Erd- und Muttergottheiten durch den immer stärker hervortretenden Gott-Vater; “diese Entwicklung geht vom nebeneinander verschiedener Mythen und Götter – der Polymythie – zum monomythischen, eindimensionalen und linearen Geschichtsbild.“/2 Die Autorin stellt sich die Frage, ob der aufgeklärte, göttliche Mensch nun entsteht, oder ob neue, unsichtbare Fesseln, von denen man jetzt beherrscht und gefesselt werden muss, „und die das vermeintlich autonome Subjekt zum neuerlich Unterworfenen machen, entstehen. Und welche Folgen dieser Prozess für die Stellung der Frauen in der Gesellschaft hat.“/3


„Der Zeitpunkt der schriftlichen Fixierung der Mythen, auf den Christa Wolf mit „Kassandra“ zurückgreift, kann mit gutem Grund als Ursprung des Prozesses der Aufklärung betrachtet werden. Es ist notwendig, die Zeit der homerischen Epen und zugleich die der Erzählhandlung Christa Wolfs „Kassandra“ als jene Phase geschichtlicher Entwicklung zu verstehen, in der sich der Umbruch vom mythischen zum rationalen und abstrakten Denken vollzieht. Im Troja der Christa Wolf gelangt ein neues Prinzip zur Geltung, das bis heute das Muster unseres abendländischen Denkens liefert.“ /4
Im Troja entstanden neue gesellschaftliche Regeln, die eigentlich gewissermaβen bis heute gelten.
„Die Mythen selbst legen Zeugnis ab von dem Beginn einer Entwicklung, an deren Ende wir heute stehen. In den Mythen spiegelt sich der Kampf zweier Prinzipien, und es vermittelt sich ein Bild von der allmählichen Verdrängung und Entmachtung der alten Erd- und Totengottheiten, unter denen die Erde selbst, als Urgöttin, unter vielen Namen zentral ist, durch die männlichen, olympischen Gottheiten, von denen Homer berichtet. Diese Gottheiten, die Erinnyen oder Eumeniden, wachen über das alte Recht. Das Gastrecht, die Rechte des Blutes und der Verwandtschaft, die Verpflichtung gegenüber Schutzbedürftigen sind heilig; der Verstoß, ob wissentlich oder unwissentlich begangen, macht schuldig, bringt den Tod. Aber gerade dieser hat im alten Glauben keine auslöschende, sondern eine reinigende und erhöhende Funktion.“ /5

1., 2. Risse, Stefanie: Wahrnehmen und Erkennen in Christa Wolfs Erzählung Kassandra, Bamberg: Pfaffenweiler, 1986, S. 7

3. Ebenda, S. 8

4. Ebenda, S. 9

5. Ebenda, S. 10-11

„Mit dem alten Mythos, der immer polymythisch, vielheitlich war und in dessen Mittelpunkt immer das Geschehen, nicht die klar umrissenen Individualitäten der Handelnden standen, sterben die alten Gottheiten, die mit den Elementen eins und mit dem Tode vertraut waren.


Die Ablösung des alten Mythos geht mit der Verdrängung der weiblichen Gottheiten durch männliche, schließlich durch den einen Gott-Vater, Zeus, einher. Es soll ein Spiegel einer gesellschaftlichen Entwicklung in dieser Entwicklung der Mythen sein, innerhalb derer matriarchale Strukturen vom patriarchalen System abgelöst werden. Die ursprünglich weiblichen Symbole werden von den männlichen Göttern vereinnahmt. Schließlich wird sogar die weibliche Gebärfähigkeit vom männlichen Gott imitiert: Zeus gebiert die Athene – allerdings nicht aus dem Bauch, sondern aus seinem Kopf!“/1
Die matriarchale Gesellschaft wird als eine soziale Hochkultur dargestellt, deren grundlegende Anschauungen jetzt den hohen Idealen der westlichen Demokratien entsprechen. Inwiefern aber entsprechen die Ideale der westlichen Demokratie den wirklichen, ursprünglichen Idealen der matriarchalen Gesellschaft, ist es schwer zu sagen.

Diese Gesellschaftsform beruht auf sehr intelligenten Spielregeln, die in jahrtausendelanger Erfahrung gewachsen sind.


Es ist eine „Gesellschaft in Balance“/2, die den Grundsatz von der Gleichwertigkeit bei natürlichen Unterschieden (von Frauen und Männern, von Alten und Jungen etc.), verwirklicht hat. Gleichzeitig ist sie eine gewaltfreie, nicht ausbeuterische, alles Leben auf der Erde respektierende Gesellschaftsordnung. Diesem Leben mit diesen Idealen entspricht gerade das Leben der Frauen in den Idabergen.
„Eine Hinwendung zum geistigen Prinzip ist auch in der Entwicklung der homerischen Epen selbst festzustellen: Während in der Ilias noch primär die Darstellung des Götterzorns beschrieben wird, steht in der Odyssee bereits ein menschliches Schicksal im Mittelpunkt.“/3


  1. Risse, Stefanie: Wahrnehmen und Erkennen in Christa Wolfs Erzählung Kassandra, Bamberg: Pfaffenweiler, 1986, S. 12

3. Ebenda, S. 13

2. URL: http://matriarchat.net – Download vom 13. 4. 2006.


„Auch Adorno und Horkheimer sehen in Odysseus die Verkörperung des neuen, rationalen Prinzips, wenn er durch seine List den Kampf gegen sein Schicksal aufnimmt. Die Verurteilung der sinnen- und erdgebundenen matriarchalen Gottheiten ist seit Homer fester Bestandteil der abendländischen Tradition.



Die Herauslösung des einzelnen aus dem Zusammenhang von Natur und Gottheit – welche eins waren - , schuf weniger autonome Subjekte als eine Logik des Denkens und der Macht, deren totalitäre Herrschaft eine freie Wahrnehmung und Erkenntnis unmöglich macht. Eine doppelte Unfreiheit bedeutet diese Entwicklung für die Frauen, da sie vom neuen Denken nicht nur beherrscht, sondern mehr noch verdrängt und ausgeklammert werden. Die Geschichte des Abendlandes hat eine rein männliche Tradition.“/1
Christa Wolf schreibt in ihren „Voraussetzungen einer Erzählung: Kassandra“: „Sollte man nicht einmal versuchen, was herauskäme, setzte man in die großen Muster der Weltliteratur Frauen an die Stelle der Männer? Achill, Herakles, Odysseus, Ödipus, Agamemnon, Jesus, König Lear, Faust, Julien Sorel, Wilhelm Meister. Frauen als Handelnde, Gewalttätige, Erkennende? Sie fallen durch das Raster der Literatur. Dies heißt „Realismus“. Die ganze bisherige Existenz der Frau war unrealistisch.“
„In diesem Zusammenhang kann sich Frau nicht finden; ihre Geschichtslosigkeit macht es ihr im Gegensatz zum Mann unmöglich, Selbstbewusstsein aus Identifikation mit Vorbildern zu gewinnen. Kassandra bot für Christa Wolf die Möglichkeit – bzw. sie schaffte sich in Kassandra die Möglichkeit - ,die Vorstellung von der Kontinuität und Tradition weiblichen Widerstehens und Sich-Widersetzens zu entwickeln. Mit Kassandra schafft Christa Wolf das Muster der weiblichen Stimme, die bislang geschwiegen zu haben scheint, die aber in Wirklichkeit nur nicht gehört wurde.“/2
Die Person der Kassandra kann eigentlich als ein Modell schicksalsloser Frau, die nicht begriffen und geachtet ist, betrachtet werden. Sie will sich durchsetzen, sie will einflussreich und geachtet werden. Sie sehnt danach, bekannt und hilfsbereit zu sein. Allmählich stellt sie aber fest, dass ihre Bemühungen und Wünsche unnötig und ignoriert sind. (Im Sinne der Gestalt der Seherin, der niemand glaubt.)



    1. Risse, Stefanie: Wahrnehmen und Erkennen in Christa Wolfs Erzählung Kassandra, Bamberg: Pfaffenweiler, 1986, S. 13-14

    2. Ebenda, S. 15-16

„Eine grundlegende Kategorie, vielleicht die grundlegendste, ist die Opposition zwischen Mann und Frau und die damit verbundene Zuordnung der Geschlechtscharaktere und Eigenschaften, die sich als Grundmuster durch unser gesamtes Denken zieht. Auf der einen Seite stehen der Mann und der Geist, die Frau und die Natur auf der anderen Seite. „Mit der einfachen Umbewertung, d.h. mit der Höherbewertung der Frau und der ihr zugeordneten Eigenschaften, ist Befreiung nicht möglich, weil die Strukturen der Herrschaft bewahrt bleiben. Die Auflösung dieses Rasters wäre das Ziel einer feministischen Kulturpolitik. Auch für Kassandra ist die Bewusstwerdung dieses Grundmusters des herrschenden Denkens, das ihr mit seinen sich ausschließenden Alternativen von „Entweder-Oder“ entgegentritt, ein wesentlicher Schritt auf ihrem Weg zur Seherin.“/1
Kassandras Weg zur Seherin und Erkennenden ist hürdenreich; mehr noch als die äußeren Grenzen, die die Welt des Palastes ihr setzen, sind es die Schranken ihrer eigenen Wahrnehmung und ihres Denkens, die sie sich bewusst machen muss, um tatsächlich Neues erkennen zu können. Sie muss sich von ihren naiven Vorstellungen des jungen Mädchens, von den Beschränkungen und Verhinderungen der Königstochter und von den persönlichen Idealen einer schon reifen Frau freimachen.
„Gerade Christa Wolfs Erfahrungen innerhalb der sozialistischen Gesellschaft der DDR, in der formal alle Klassenschranken aufgehoben sind und auch die rechtliche Gleichstellung der Frau gesichert ist, veranlassen Christa Wolf, über die inneren Schranken jedes und jeder einzelnen, die weiterhin der Subjektwerdung und individuellen Autonomie im Wege stehen, zu reflektieren.“/2
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