5 Darstellung des Konzepts



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Brabeckschule Iserlohn, Stand 10.09.2010

3.15 Konzept Waldtag


Ein wöchentlicher Waldtag in der Unterstufe“ – Ein Konzept zur Wahrnehmungsförderung

1 Darstellung des Konzepts


Anhand der unten aufgeführten Eckpunkte wird im Folgenden beschrieben, welche Aspekte bei der Organisation in die Überlegungen einzuschließen sind, welche Vorkehrungen getroffen werden müssen und welche Risiken und Gefahren im Wald beachtet werden müssen. Neben der Vorstellung einer allgemeinen Struktur und Erläuterung von Spielideen im Wald, werden Integrationsmöglichkeiten des Waldaufenthalts in den Fächerkanon dargestellt.


Eckpunkte des Konzepts

Ziele

Auswahl eines Waldes

  • Auflistung von Kriterien für die Wahl eines geeigneten Waldstücks

Äußere Rahmenbedingungen

(Jahreszeit/Wetter/



Kleidung/Wochentag)

  • Darstellung von Chancen und Möglichkeiten verschiedener Jahreszeiten und unterschiedlicher Wetterbedingungen

  • Handlungsempfehlung für den Umgang mit unterschiedlichen Wetterbedingungen

  • Auflistung von sinnvoller Kleidung bei unterschiedlichen Wetterlagen

  • Entscheidungshilfen für die Auswahl eines Wochentags

Personelle Rahmen-bedingungen

  • Informationen zu Voraussetzungen, die durch die Leitung bzw. Begleitung eines wöchentlichen Waldtages erfüllt sein sollten

Ausrüstung


  • Auflistung über elementare Ausrüstungen der Kinder und weitere Materialien

  • Bereitstellung einer Checkliste (s. Anhang)

Verhaltensregeln im Wald

  • Auflistung grundlegender Regeln im Wald

  • Auflistung kindgerecht formulierter Regeln (s. Anhang)

Gefahren im Wald

  • Auflistung von möglichen Risiken und Gefahren im Wald

  • Handlungsempfehlungen für den Umgang mit möglichen Risiken

Elternarbeit

  • Informieren der Eltern

  • Exemplarischer Elternbrief (s. Anhang)

Exemplarische Planung für einen wöchentlichen Waldtag

  • Darstellung einer allgemeinen Struktur eines Waldtages

  • Darstellung von Spielideen zur Förderung der taktilen, kinästhetischen und vestibulären Wahrnehmung

Integration möglicher Aktivitäten in den Fächerkanon

  • Darstellung von Integrationsmöglichkeiten des wöchentlichen Waldaufenthalts in den Fächerkanon




Tabelle: Eckpunkte des Konzepts

1.1 Auswahl eines Waldes


Voraussetzung für die Durchführung eines wöchentlichen Waldtages ist die Auswahl eines geeigneten Waldstücks. An dieser Stelle werden drei Kriterien aufgeführt, anhand derer ein Waldstück bewertet werden kann.


Kriterium

Begründung

Erreichbarkeit

Der Weg von der Schule zum Waldstück muss kurz und risikoarm und wenn möglich zu Fuß zu erreichen sein. Wünschenswert ist es, den Kindern zu zeigen, dass interessante Erlebnisse auch ohne Mobilität mit dem PKW möglich sind. Da die Kinder unterschiedlich schnell gehen, ist es wichtig, im Vorfeld verbindliche Wartepunkte festzulegen. So wird zum einen ein Auseinanderziehen der Gruppe über eine größere Distanz verhindert und zum anderen können schnellere Kinder bis zum Wartepunkt in ihrem eigenen Tempo laufen. Gleichzeitig werden die etwas langsameren Kinder möglicherweise durch die wartenden Kinder motiviert, schneller zu gehen.

Generell sind aber auch kurze Wege mit öffentlichen Verkehrs-mitteln vertretbar.



Vielfältigkeit

Bei der Auswahl des Waldstücks muss darauf geachtet werden, dass eine gewisse Vielfältigkeit und Abwechslung (z.B. Bäche, Gräben, Steilhänge, unterschiedliche Baumbestände, unterschied-liche Bodenbeschaffenheit, Lichtungen etc.) geboten werden können. Nur dann ist es möglich, unterschiedliche Erfahrungen und Eindrücke zu sammeln. Außerdem ist ein möglichst großer Abstand zu Straßen und Verkehrszonen mit erhöhtem Verkehrsaufkommen und -lärm vorteilhaft.

Förster und

Försterinnen



Der zuständige Förster bzw. die zuständige Försterin des betreffenden Reviers muss informiert und gefragt werden, ob und in wieweit das Waldstück für Aktivitäten eines wöchentlichen Waldtags geeignet ist. Ggf. können in diesem Gespräch weitere wichtige Hinweise und Ratschläge eingeholt werden (z.B. ob der Wald einem bestimmten Schutzstatus unterliegt).

Tabelle: Kriterien für die Auswahl eines Waldstücks

1.2 Äußere Rahmenbedingungen (Jahreszeit/Wetter/Kleidung/Wochentag)


Soll ein Waldtag nur bei schönem Wetter bzw. nur in der warmen Jahreszeit (Frühling bis Sommer) stattfinden?

Die Beantwortung dieser Frage ist zentral für die weitere Organisation eines wöchentlichen Waldtages. Meiner Meinung nach, soll ein Waldtag das ganze Jahr über, d.h. bei (fast) jedem Wetter stattfinden. Entsprechend dem Motto „Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung“!

Besonders Regen ermöglicht es den Kindern viele zusätzliche sinnliche Erfahrungen zu machen bzw. bereits erlebte Erfahrungen zu verstärken. Zudem muss sich jede Lehrperson der Tatsache bewusst werden, dass den meisten Kindern Regen wenig ausmacht. Im Gegenteil, der Regen wird von den Kindern sogar häufig mit in ihre Tätigkeiten einbezogen. Das Durchlaufen von Pfützen und Matsch, das Kitzeln von Regentropfen auf der Haut und im Mund, das Abkühlen und Erfrischen der Haut sind für Kinder sinnliche Erfahrungen, die sie in ihrer taktilen, aber auch in ihrer kinästhetischen und vestibulären Wahrnehmung fördern. Die Erfahrungen einen matschigen und somit rutschigen Berg hoch bzw. hinunter zu laufen, sind ganz andere als einen Berg an einem sonnigen und trockenen Tag zu bewältigen. Außerdem kann sich der Waldaufenthalt bei unterschiedlichen Wetterbedingungen positiv auf das Immunsystem der Kinder auswirken (vgl. JAKOB 2000).

Ein Aufenthalt im Regen ist aber auch an gewisse Grenzen gebunden. Abhängig von der Stärke und Dauer des Regens und der Außentemperatur müssen die verantwortlichen Lehrkräfte abwägen, ob es sinnvoll ist, den geplanten Waldtag durchzuführen oder nicht. Es gibt jedoch auch Wetterbedingungen, bei denen der Wald unter keinen Umständen aufzusuchen bzw. schnellstmöglich wieder zu verlassen ist. Bei Gewitter besteht die Gefahr eines Blitzeinschlages. Auch bei starkem Sturm ist ein Waldaufenthalt zu vermeiden, da Kinder von umstürzenden Bäumen oder herunterfallenden Ästen getroffen werden können (vgl. MICHLER- HANNEKEN 2008).

Für einen Waldtag ist die Kleidung sowohl bei gutem als auch bei schlechtem Wetter entscheidend. Daher müssen folgende Kriterien beachtet werden:


  • Bei schlechtem Wetter:

    • Regenkleidung (Regenhose und -jacke, Gummistiefel)

    • „Zwiebellook“, d.h. mehrere dünne Schichten, statt einer dicken, die bei Bedarf ausgezogen werden können

  • Bei schönem Wetter:

    • Lange Hose, dünner Pullover, feste Schuhe und evtl. eine Kopfbedeckung als Schutz vor Mücken, Zecken und der Sonne

Generell muss gelten: Die Kleidung darf schmutzig werden. Am Besten geeignet sind so genannte Matschhosen.

Neben der Entscheidung, ob das ganze Jahr über ein Waldtag stattfinden soll, muss auch ein Wochentag festgelegt werden. Prinzipiell kann ein Waldtag natürlich an jedem Werktag stattfinden. Meiner Meinung nach, ist jedoch der Montag ein besonders guter Tag dafür, denn:

„Viele Erzieherinnen und Lehrer klagen über das so genannte Montags-Syndrom: Nach einem Wochenende voller unverarbeiteter Erlebnisse (durch stundenlangen Fernsehkonsum, lange Autofahrten, aber auch Belastungen in der Familie) brauchen Kinder zunächst einmal ein Ventil, um den aufgestauten Bewegungsdrang loszuwerden“ (ZIMMER 2005, 27).
Genau dieses Montags-Syndrom nehmen auch wir im Schulalltag wahr. Wenn die Kinder im Morgenkreis ihre Erlebnisse vom Wochenende schildern, dann handeln die Erzählungen häufig von diversen Fernsehsendungen oder Computerspielen. Der Aufenthalt im Wald bietet den Kindern dann die Gelegenheit, sich vielfältig zu bewegen und dabei auch sinnliche Erfahrungen zu machen, die neben dem visuellen Sinn auch die anderen Sinnessysteme ansprechen.

1.3 Personelle Rahmenbedingungen


Für die Durchführung eines Waldtages sind, je nach Gruppengröße, mindestens zwei Betreuungslehrerinnen bzw. -lehrer erforderlich. Es muss sichergestellt werden, dass im Notfall eine Lehrkraft bei der Gruppe bleiben kann, während die andere Hilfe organisiert. Da bei einem wöchentlichen Unterrichtsgang in den Wald das vertraute Schulgelände verlassen wird, sind die Kinder besonders auf dem Weg zum Wald und wieder zurück sorgfältig zu beaufsichtigen. Genau wie in der Schule muss sich auch im Wald das erforderliche Maß der Aufsicht an die drei Merkmale kontinuierlich, aktiv und präventiv orientieren (vgl. http://www.schulministerium.nrw.de/BP/Schulsystem/Ganztagsbetreuung/SicherheitAufsichtErste_Hilfe/Flyer_Ganztag_Sicherheit.pdf (11.05.2009). Kontinuierlich bedeutet in diesem Zusammenhang eine ununterbrochene Aufsicht. Da es im Wald jedoch sehr schwierig ist, immer alle Kinder im Auge zu behalten, ist es grundlegend, dass sich die Kinder zumindest beaufsichtigt fühlen, z.B. durch regelmäßiges Beobachten von Spielsituationen. Eine aktive Aufsicht zeichnet sich durch die Überprüfung von aufgestellten Regeln aus. Bei Nichteinhaltung müssen Konsequenzen folgen. Die Regeln müssen im Vorfeld mit den Schülerinnen und Schülern gemeinsam besprochen werden. Die Aufsichtsführung ist präventiv, wenn sie vorausschauend unter Berücksichtigung von möglichen Gefahren wahrgenommen wird. Aus diesem Grund müssen sich die betreffenden Lehrkräfte im Vorfeld intensiv mit den möglichen Gefahren im Wald und mit deren Umgang auseinandersetzen.

Bei der Organisation eines Waldtages ist es von großer Bedeutung, dass sich jede Lehrperson darüber bewusst ist, dass „die Qualität von Draußentagen mit dem Lehrer steht und fällt. Wenn man als Lehrer keine Freude daran hat, werden die Kinder sie auch nicht finden“ (TOPPE/LELL/WARTNER 2003, 12).

Des Weiteren nehmen die verantwortlichen Lehrkräfte eine Art Vorbildfunktion ein. Der Umgang mit Tieren und Pflanzen ist für viele Kinder ungewohnt. Das sachgerechte Verhalten der Lehrpersonen im Wald dient den Kindern als Orientierungshilfe.

1.4 Ausrüstung


Welches Material bzw. welche Ausrüstung in den Wald mitgenommen werde muss, ist stark abhängig vom jeweiligen Vorhaben. Es gibt jedoch einige Dinge, die grundsätzlich nicht fehlen dürfen und die immer mitgeführt werden müssen. Dazu gehören unter anderem:

  • Mobiltelefon für Notfälle mit entsprechender Telefonliste (Ärzte, Krankenwagen, Giftzentrale, Eltern, Schule, Forstamt)

  • Erste-Hilfe-Set (neben den üblichen Bestandteilen eines Erste-Hilfe-Sets muss im Sommer zusätzlich Sonnenschutzmittel eingepackt werden)

  • Toilettenpapier oder Taschentücher

  • Wasser

  • Ggf. Notfallset bei Allergikern

Des Weiteren können mitgenommen werden:



  • Bei kaltem Wetter Sitzunterlagen (z.B. ein Stück einer Isomatte)

  • Bestimmungsliteratur

  • Biologisch abbaubare Seife (z.B. Lavaerde)

  • Fotoapparat

  • Seile (für Seilkonstruktionen zum Klettern und Schwingen)

Im Anhang befindet sich eine Checkliste, auf der die einzelnen Punkte bezüglich Material und Ausrüstung systematisch abgehakt werden können. Dies kann insbesondere zu Beginn der Organisation eines Waldtages hilfreich sein.
Die Kinder nehmen außerdem einen Rucksack mit, um einige Dinge selbst zu transportieren:

  • Verpflegung (Brotdose und Trinkflasche, möglichst keine Süßigkeiten, da diese Bienen und Wespen anlocken würden)

  • Regenkleidung

  • Evtl. Wechselkleidung (Socken u.ä.)

Die Kinder können sich aber auch zu zweit einen Rucksack teilen und sich beim Transport abwechseln (vgl. DÖBERT/KERZ 2006).

1.5 Verhaltensregeln im Wald


Bei der Planung eines wöchentlichen Waldtages müssen im Vorfeld einige Regeln mit den Kindern aufgestellt und besprochen werden. Im Folgenden werden die wichtigsten Regeln, die grundsätzlich eingehalten werden müssen, aufgeführt. Je nach örtlichen Umständen kann die Liste noch ergänzt werden.

  • Alle Kinder bleiben in Hör- und Sichtweite. Vereinbarte Aufenthaltsbereiche dürfen ohne Rücksprache nicht verlassen werden → Gewährleistung der Aufsichtspflicht

  • Es dürfen prinzipiell keine Waldfrüchte (z.B. Pilze, Beeren, Gräser) in den Mund gesteckt oder gegessen werden → Vergiftungsgefahr

  • Es dürfen keine zahmen Wildtiere, Kadaver und Kot angefasst werden

Ansteckungsgefahr

  • Es wird kein Müll im Wald hinterlassen → Umweltverschmutzung

(vgl. SANDHOF/STUMPF 2001, MICHLER-HANNEKEN 2008)

Bei der Aufstellung von Verhaltensregeln im Wald ist darauf zu achten, dass den Kindern jede einzelne Regel plausibel erklärt wird. Nur dann können Kinder einen Nutzen in ihnen sehen und die Akzeptanz der Regeln steigt. Eine Regel kann aufgrund eines aktuellen Anlasses wiederholt werden. Beispielsweise dann, wenn ein totes Tier gefunden wird.

In den ersten Wochen werden die Verhaltensregeln jedes Mal zu Beginn eines Waldtages wiederholt und den Kindern so in Erinnerung gerufen. Diese müssen kindgerecht formuliert sein und können auf einem Plakat dargestellt werden. Wenn die Regeln in der Ich- oder Wir-Form formuliert werden, können sich die Kinder besser damit identifizieren (vgl. BERGSSON/LUCKFIEL 1998). Im Anhang befindet sich ein Beispiel für ein kindgerechtes Regelplakat.

1.6 Gefahrenquellen im Wald


Neben den dargestellten vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten gibt es im Wald aber auch Gefahren, über die sich alle Beteiligten bewusst sein müssen. Im Folgenden werden die größten Risiken- und Gefahrenquellen und ein möglicher Umgang mit ihnen aufgezeigt.
Zeckenstiche/Zeckenkrankheiten:

Zecken werden hauptsächlich in den Monaten März bis Oktober aktiv. Sie halten sich überwiegend in Sträuchern, Hecken, Gräsern und Farnen auf. Der Speichel von Zecken enthält eine betäubende Substanz, sodass Zeckenstiche oftmals nicht bemerkt werden (vgl. MICHLER-HANNEKEN 2008).

Die Zecke selbst stellt für den Menschen keine Gefahr dar. Zecken können allerdings zwei Arten von Krankheitserregern übertragen:


  1. Viren, die FMSE (Früh- Sommer- Meningo- Enzephalitis) übertragen: Dabei handelt es sich um eine Erkrankung des zentralen Nervensystems. Zu 90% verläuft die Infektion in Form einer Sommergrippe oder ohne jegliche Symptome. Bei 10% der betroffenen Personen kann es zu einer schweren Erkrankung (z.B. Hirnhaut- und Gehirnentzündung) kommen. Zecken, die diese Art von Viren übertragen können, kommen hauptsächlich in Süddeutschland vor. Es ist möglich, auch schon Kinder gegen FSME zu impfen (vgl. BERTHOLD/ZIEGENSPECK 2002).

  2. Bakterien, die Borreliose übertragen: Dabei handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die besonders die Haut, das Nervensystem, das Herz und die Gelenke betrifft. Die Erkrankung verläuft dabei fast immer in drei Stadien. Im ersten Stadium (nach 2 bis 4 Wochen) können Hautrötungen um die Stichstelle auftreten. Im zweiten Stadium (3 bis 6 Monaten) kann es zu starken Kopf- und Nervenschmerzen, Sehstörungen und Entzündungen des Nervensystems und der Gelenke kommen. Nach weiteren sechs bis zwölf Monaten (3. Stadium) treten oft Entzündungen im Fuß- und Kniegelenksbereich auf. Zecken, die Borreliosebakterien in sich tragen, kommen im gesamten Bundesgebiet vor. Zurzeit gibt es dagegen noch keinen Impfschutz (vgl. BERTHOLD/ZIEGENSPECK 2002).

Um sich vor Zecken zu schützen, gelten folgende Vorsichts- bzw. Schutzmaßnahmen:

  • Langärmlige Kleidung (auch im Sommer), damit die Zecken möglichst wenig Angriffsfläche haben

  • Nach jedem Waldaufenthalt den ganzen Körper nach Zecken absuchen

  • Kleidung ausschütteln

  • Ätherische Öle (z.B. Lavendel- und Zitronenölmischung) können Zecken kurzzeitig (ca. 2 bis 4 Stunden) abhalten (vgl. MICHLER-HANNEKEN 2008).

Falls bei den Kindern eine Zecke entdeckt wird, darf die Lehrkraft diese nicht entfernen. In solch einer Situation muss immer ein Arzt aufgesucht werden. (vgl. ebd. 2008).
Insektenstiche oder -bisse

Auch von Bienen, Wespen, Bremsen und Hornissen können Gefahren ausgehen. Dies gilt insbesondere für Kinder, die bei Insektenstichen allergisch reagieren. Aus diesem Grund ist ein Notfallset mit Gegenmitteln stets mitzuführen. Die Kinder müssen wissen, dass sie nicht nach diesen Insekten schlagen, keine süßen Nahrungsmittel zu sich nehmen (vor allem in den Sommermonaten) dürfen und dass sie ihre Trinkflaschen geschlossen halten müssen (vgl. MICHLER-HANNEKEN 2008).


Kleiner Fuchsbandwurm

Der kleine Fuchsbandwurm ist ein Parasit, der über den Fuchskot ausgeschieden wird. Eine Infektion mit den Eiern des kleinen Fuchsbandwurms ist nur über den Mund möglich (z.B. beim Verzehr von Waldfrüchten). Im schlimmsten Fall können diese Eier im menschlichen Körper zu einem tumorartigen Wachstum der Leber führen. Die Infektionsquellen müssen daher möglichst gemieden werden, d.h. Kinder dürfen keine Pilze, Beeren, Kräuter usw. im ungekochten Zustand essen. Zudem dürfen keine toten Tiere angefasst werden (vgl. MICHLER-HANNEKEN 2008).


Tollwut

Die Tollwut ist eine lebensgefährliche, durch Viren übertragbare Infektionskrankheit, die zumeist durch den Speichel oder den Biss von einem erkrankten Tier übertragen wird. Aus diesem Grund muss den Kindern vermittelt werden, dass sie keine Wildtiere und auch keinen Kadaver anfassen dürfen. Hinter der Zutraulichkeit von Wildtieren verbirgt sich häufig eine Tollwutinfektion (vgl. MICHLER-HANNEKEN 2008). Viele Teile von Deutschland sind mittlerweile frei von Tollwut, da zahlreiche Impfaktionen durchgeführt wurden (vgl. BERTHOLD/ZIEGENSPECK 2002).


Vergiftung

Im Wald gibt es einige Pflanzen (z.B. Eibe, Stechpalme, Fingerhut, Knollenblätterpilz), die zum Teil hochgiftig sind. Kommt es zu einem Verzehr oder Kontakt, können Symptome wie Benommenheit, Übelkeit, Brechreiz und Schweißausbrüche auftreten. Die Kinder dürfen deshalb keine Waldfrüchte essen. Sollte es dennoch zu einer Vergiftung kommen, muss schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden. Zudem sollte als Sofortmaßnahme der Magen durch einen künstlichen Brechreiz (z.B. Finger in den Hals) geleert werden (vgl. SANDHOF/STUMPF 2001; MICHLER-HANNEKEN 2008).



1.7 Elternarbeit


Bei der Planung und Organisation eines wöchentlichen Waldtages müssen im Vorfeld die Eltern der Schülerinnen und Schüler informiert werden. Dabei kann es sein, dass einige Eltern eher mit Unverständnis reagieren. Schließlich sollen ihre Kinder in der Schule etwas lernen und nicht nur spielen. Ein Elternabend, bei dem sowohl die Zielsetzung als auch ein möglicher Ablauf eines wöchentlichen Waldtages vorgestellt werden, kann zum Abbau von Skepsis beitragen. In diesem Zusammenhang wird den Eltern erklärt, welche Möglichkeiten der Wald bietet und wie der Aufenthalt im Wald die Entwicklung ihrer Kinder positiv beeinflussen kann. Offene Fragen der Eltern können ebenfalls geklärt werden. In einem Elternbrief werden noch einmal die wichtigsten Informationen (Kleidung, Verpflegung, Umgang mit möglichen Gefahren (insbesondere Zecken) etc.) zusammengefasst. Im Anhang befindet sich dazu ein Beispiel.

Besonders an Förderschulen kann die angemessene Kleidung der Schülerinnen und Schüler möglicherweise ein Problem darstellen. Einige Eltern können es sich nicht leisten, beispielsweise eine extra Regenausrüstung für ihre Kinder zu kaufen. Eine mögliche Lösung für dieses Problem wäre beispielsweise, im Kollegium nach gebrauchten, aber gut erhaltenen Gummistiefeln, Reckenjacken, Matschhosen etc. zu fragen. Ein weiterer Schritt könnte es sein, einen Sammelaufruf in einer lokalen Tageszeitung zu platzieren.



1.8 Exemplarische Planung für einen wöchentlichen Waldtag


Im folgenden Kapitel stelle ich anhand einer strukturierten Planung einen exemplarischen Waldtag vor. Die Struktur kann für nachfolgende Waldtage übernommen und bei Bedarf verändert werden. Im Anschluss daran folgt eine Zusammenstellung von Spielideen, die sich auf die Förderung der taktilen, kinästhetischen und vestibulären Wahrnehmung beziehen. Die Anzahl der Spielideen sind ausgelegt für die Durchführung eines wöchentlichen Waldtages innerhalb eines Schulhalbjahres.

1.8.1 Ablauf und Struktur eines wöchentlichen Waldtages


Genau wie im Schulalltag, so ist es auch während eines wöchentlichen Waldtages für Kinder besonders wichtig, dass sie eine feste Struktur und Rituale haben, an denen sie sich orientieren können und die ihnen eine gewisse Sicherheit geben. Darüber hinaus erleichtert eine Grundstruktur auch die Planung der verantwortlichen Lehrkräfte.

In der Unterstufe beginnt der Waldtag zumeist mit einem Morgenkreis. Dort werden die Kinder begrüßt (z.B. durch ein Lied), Organisatorisches und Besonderheiten geklärt und der Tagesverlauf und die Aktivitäten vorgestellt. An der Brabeckschule hat es sich bewährt, den Morgenkreis in der Schule zu machen, da häufig noch einige Dinge besprochen werden und viele der Schülerinnen und Schüler sich noch für den Wald umziehen müssen.

Im Anschluss folgt die Wanderung zum Wald. Im Wald angekommen, findet das Frühstück an einer markanten Stelle (z.B. an einem Bach oder auf einer Lichtung) statt. Dieser Ort kann immer wieder als Bezugs- und Treffpunkt genutzt werden.

Nach dem Frühstück folgt eine aktive Phase, die aus einer vorgegebenen Aktivität und aus einer Freispielphase besteht. So kann der Vormittag abwechslungsreich gestaltet werden. In dieser Zeit können sich bewegungsintensive mit ruhigen und entspannenden Phasen abwechseln. Die ausgewählte Aktivität richtet sich dabei nach dem Förderbedarf der Schülerinnen und Schüler. Je nach Aktivität werden die Erfahrungen der Kinder direkt nach einem Spiel ausgetauscht und reflektiert.

Freispielphasen sind für Kinder sehr wichtig. Freiraum zu besitzen und ihn nach eigenen Interessen zu nutzen, ist für viele Kinder eine neue und wichtige Erfahrung, die ihnen nicht verwehrt werden darf. Schülerinnen und Schüler mit einem Ruhebedürfnis können sich zurückziehen, andere können ihren Bewegungsdrang befriedigen. Dadurch wird ein ver-stärktes Selbsterleben ermöglicht. Zudem bietet der Freiraum den Kindern die Möglichkeit, eigene Entdeckungen im Wald zu machen und sich diesen oft neuen Erfahrungsraum selbständig zu erschließen. Die Lehrkräfte beobachten die Schülerinnen und Schüler in dieser Phase und geben bei Bedarf spielerische Anregungen.

Bevor es zurück zur Schule geht, findet ein gemeinsamer Abschluss statt. Dieser erfolgt in Form eines Abschlusskreises. Dabei berichten die Schülerinnen und Schüler über Erfahrungen und Empfindungen, die sie über den gesamten Vormittag hinweg gesammelt und erlebt haben. Innerhalb dieser Reflexionsphase können Erlebnisse letztendlich zu Erkenntnissen führen. Aber auch aufgetretene Probleme werden in diesem Rahmen thematisiert. Um im Abschlusskreis die Aufmerksamkeit auf nur ein Kind zu richten, wird beispielsweise ein besonders schöner Ast als eine Art „Redestock“ verwendet.

Für einen wöchentlichen Waldtag sind etwa drei Stunden einzuplanen. In diesen drei Stunden ist es gut möglich, die beschriebene Struktur einzuhalten, sodass für die Durchführung der einzelnen Phasen genug Zeit zur Verfügung steht.

1.8.2 Spielideen für die Praxis


Der Wald bietet alleine durch seine vielfältige und abwechslungsreiche Struktur zahlreiche Möglichkeiten, um die Wahrnehmung zu fördern. Trotzdem ist es sinnvoll verschiedene Spiele gemäß dem Förderbedarf der Kinder anzubieten. Zum einen können so die sinnlichen Erfahrungen intensiviert werden, zum anderen kann damit die Motivation der Schülerinnen und Schüler über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten werden:

„Wahrnehmungsförderung ist ohne Freude und Motivation nicht sinnvoll. Es muss dem Kind Spaß machen, seine Sinne zu üben, zu prüfen, zu erproben – oder zu „verschaukeln“. Nur wenn das Kind mit Lust und Begeisterung mitmacht, wenn es durch die Aufgabenstellung auch erfährt, was es alles kann (und nicht nur, was es nicht kann), wird es ein positives Bild von sich selbst aufbauen und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gewinnen können“ (ZIMMER 2005, 167 f.).


Im folgenden Abschnitt werden Spiele für die aktive Phase beschrieben, die zum Teil durch die Darstellung von Variations- bzw. Differenzierungsmöglichkeiten und die Veränderungen der Namen kindgerecht und motivierend modifiziert wurden. Die Spiele sind nach Förderschwerpunkten (taktil- kinästhetischer und vestibulärer Wahrnehmung) sortiert. Für die aktive Phase ist pro Waldtag ein Spiel und ggf. eine Variationsmöglichkeit vorgesehen. So haben die Schülerinnen und Schüler anschließend noch genug Zeit für die Freispielphase und Reflexion.

Die Spiele müssen nicht in der vorgegebenen Reihenfolge durchgeführt, sondern können je nach Thema und Schwerpunktsetzung ausgewählt werden. Auch die Wetterlage spielt in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle, da nicht bei jedem Wetter alle Spiele durchgeführt werden können. So ist es beispielsweise nicht sinnvoll, die Kinder bei starkem Regen auf Baumstämmen balancieren zu lassen, da diese dann sehr rutschig und glatt sein können.



1.8.2.1 Spielideen im Wald zur Förderung der taktil- kinästhetischen Wahrnehmung





Spiel

Durchführung

Material

Variations- bzw. Differenzierungsmöglichkeiten

Baumgesichter

(Erdgesichter)



Die Kinder nehmen Erde (am besten Lehm) in die Hand und formen daraus ein Gesicht an einem Baumstamm. Falls die Erde zu trocken ist, sollte ein wenig Wasser (z.B. aus einem Bach) hinzu gegeben werden. Anschließend bekommt das Gesicht mit weiteren Naturmaterialen Augen, Ohren, Nase, Mund, Haare etc. Bei diesem Spiel können die SuS alleine oder mit einem Partner arbeiten.

Erde (Lehm), Tannenzapfen, Gräser, Äste, Steine

Die Kinder können auch riesige Erdgesichter (ca. 2 Meter groß) auf dem Boden formen und mit Naturmaterialien verzieren (vgl. WALTER 2004).

Baumfühlung

Die Kinder bilden Paare. Jedes Paar erhält eine Augenbinde. Der Sehende führt den „Blinden“ vorsichtig zu einem Baum. Diesen Baum tastet der „Blinde“ mit seinen Händen nach Narben, Wurzeln, Ästen, Dicke des Stammes etc. ab. Nach ein paar Minuten wird er zum Ausgangspunkt zurückgeführt, darf die Augenbinde abnehmen und muss nun versuchen seinen Baum wieder zu finden (vgl. POTABGY 2008).

Augenbinde




Spürnasen aufgepasst!

Die Kinder suchen im Wald einen Gegenstand (z.B. Moos, Rinde, ein Blatt etc.). Danach stellen sich alle Kinder Schulter an Schulter in einen Kreis mit dem Gesicht nach außen, die Hände mit dem Gegenstand auf dem Rücken. Auf ein Zeichen geben alle ihren Gegenstand an den rechten Nachbarn weiter und zwar so, dass die anderen ihn nicht sehen, also hinter dem Rücken. Jeder hat jetzt etwa 10 Sek. Zeit, um den neuen Gegenstand zu erfühlen und sich einzuprägen. Dieser Vorgang wiederholt sich bis die Kinder ihren eigenen Gegenstand wieder erfühlen. Anschließend zählen die Kinder alle Waldgegenstände auf, die sie meinen erfühlt zu haben. Richtig genannte werden in die Mitte des Kreises gelegt (vgl. POTABGY 2008).

Naturmaterialien aus dem Wald

Je höher die Kinderanzahl, desto mehr müssen sich die Kinder merken. Um das Spiel leichter zu machen, bestehen die Gruppen aus weniger Kindern.

Wir bauen eine Taststraße!

Zunächst wird eine Art Straße mit Stöcken abgesteckt. Je vier Stöcke bilden den Rahmen für verschiedene Waldmaterialien. Anschließend suchen die Kinder verschiedene Waldmaterialien und legen diese auf die „Straße“. Dabei wird jede Umrandung anders gefüllt, z.B. mit Blättern, Moos, Tannenzapfen, Stöcken etc. Wenn die Taststraße fertig gebaut ist, probieren die Kinder sie aus (auf allen Vieren oder im aufrechten Gang). Anschließend können die SuS über ihre Erfahrungen berichten (vgl. HÄNSCH/WENSKY 2005).

Naturmaterialien aus dem Wald

  • Wenn es das Wetter zulässt, können die Kinder auch barfuss über die „Straße“ gehen.

  • Die Kinder finden sich paarweise zusammen. Ein Kind schließt die Augen bzw. bekommt die Augen verbunden, während es von dem anderen Kind über die Taststraße geführt wird. Das „blinde“ Kind muss erraten, um welches Material es sich handelt. Anschließend werden die Rollen getauscht.

Die blinde Karawane

Die Spielleitung muss zunächst einen geeigneten Weg durch den Waldabschnitt suchen. Dabei ist es wichtig, dass auf dieser Strecke keine spitzen Äste in Kopfhöhe oder scharfkantige Gegenstände (z.B. Steine) vorhanden sind und dass der Boden möglichst abwechslungsreich ist. Anschließend wird ein Seil zwischen zwei Bäume gespannt (etwa in Beckenhöhe), an dem die SuS barfuss und mit verbundenen Augen entlang gehen sollen. Während die SuS den Weg entlang gehen, dürfen sie nicht sprechen, denn sie sollen nicht abgelenkt werden. Am Ende angekommen, nehmen die Kinder ihre Augenbinde ab und legen den Weg noch mal mit offenen Augen zurück (vgl. CORNELL 1979).

1 Augenbinde pro Person, 1 Seil (30-40 m lang, bzw. 2 Seile, jew. ca. 20 m lang)

Falls kein Seil zu Hand sein sollte, können die SuS sich auch hintereinander in einer Reihe aufstellen, die Augen verbinden und ihre Hände auf die Schultern ihres Vordermannes legen. Die Spielleitung ist nicht blind und führt die Karawane barfuss durch ein kleines Waldstück. Dabei ist es wichtig, dass die Spielleitung besonders langsam geht, damit die Karawane nicht auseinander reißt.

Pärchen gesucht!

Die Spielleitung muss verschiedene Naturmaterialien so auf zwei Stoffbeutel verteilen, dass die Gegenstände voneinander getrennt sind. Die Kinder sitzen in einem Kreis. Jedes Kind zieht aus einem der beiden Beutel einen Gegenstand und macht sich durch Ertasten mit ihm vertraut. Dann wird der zweite Beutel herumgegeben. Die SuS sollen nun nur durch Erfühlen den Gegenstand finden, der zu dem ersten Gegenstand passt. (vgl. SANDHOF/STUMPF 2001).

2 Stoffbeutel, 2 gleiche Natur-materialien (z.B. Schneckenhaus, Feder, Nuss, Kastanie) je Kind

Eine Differenzierung ist möglich, indem man die SuS zu Beginn nicht aus dem ersten Beutel einen Gegenstand ziehen lässt, sondern als Spielleiter die Gegenstände gezielt an die Kinder verteilt und diese dann den dazu passenden Gegenstand im zweiten Beutel ertasten müssen.

Bachdurchquerung

Falls in dem ausgewählten Waldstück ein kleiner Bach zur Verfügung steht, kann dieser für eine Bachwanderung genutzt werden. In der warmen Jahreszeit können die SuS auch barfuss durch den Bach gehen und die unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten direkt auf der Haut spüren.







Kamera

Die Kinder finden sich in Paaren zusammen. Ein Partner ist der „Fotograf“, der andere die „Kamera“. Die „Kamera“ schließt die Augen. Der Fotograf führt nun die „Kamera“ zu einem besonders schönen „Bild“ (z.B. einer schönen Blume, einem Baumstumpf mit Moos etc.). Dann richtet er die geschlossenen Augen der „Kamera“ auf dieses Bild. Die „Kamera“ geht links herum, wenn der Fotograf auf die linke Schulter tippt Rechtsherum wird die „Kamera“ durch Tippen auf die rechte Schulter und herab durch ein Tippen auf den Kopf gesteuert. Auf ein vorher gegebenes Zeichen darf die „Kamera“ nun kurz (ca. 2 Sekunden) ihre Augen öffnen und ein Foto schießen. Danach wird die „Kamera“ wieder zum Ausgangspunkt zurückgeführt und soll versuchen, das geknipste Bild wieder zu finden. Anschließend werden die Rollen getauscht (vgl. POTABGY 2008).







Der Berg der Langsamkeit

Mit den Kindern wird im Vorfeld darüber gesprochen, welche Möglichkeiten der Tarnung es für Tiere im Wald gibt. Eine denkbare Tarnung ist z.B. sich ganz langsam fortzubewegen. Genau das sollen die Kinder nun tun. Alle SuS stellen sich auf einen kleinen Berg in ausreichendem Abstand zueinander auf und beginnen ganz langsam im Zeitlupentempo herunter zu gehen. Wer als letztes angekommen ist, hat gewonnen. Die SuS müssen dabei immer in Bewegung sein, sie dürfen also nicht stehen bleiben (vgl. POTABGY 2008).







Zielwerfen

Die SuS müssen in einem Einzelwettbewerb versuchen unterschiedliche Früchte (s. Material) in verschieden weit entfernte Behälter zu werfen. Wer schafft bei fünf Würfen die meisten Treffer? Anschließend kann noch darüber gesprochen werden, welche Früchte besonders leicht zu werfen waren und bei welchen es vielleicht schwierig war den Behälter zu treffen (vgl. NEUMANN/NEUMANN 1999).

Kastanien, Eicheln, Tannen- od. Kiefernzapfen, Behälter

Dieses Spiel kann auch als Gruppen-wettbewerb veranstaltet werden. Dazu muss die Gruppe in mehrere Riegen eingeteilt werden, die dann gegeneinander spielen.

Tierpantomime

Die SuS werden in Gruppen mit jeweils ca. 3-4 Kindern eingeteilt. Jede Gruppe bekommt eine Karte mit der Aufgabe, ein Tier bzw. ein Tierverhalten (z.B. Schlange, Ameise, Eule etc.) ohne Worte und Geräusche darzustellen. Die Gruppen erhalten ca. fünf Minuten Zeit, um zu proben. Anschließend werden die Tiere bzw. das Tierverhalten vorgestellt und die anderen müssen erraten, um welches Tier es sich handelt (vgl. POTABGY 2008).

Tierkarten




Spinnennetz

Zwischen zwei Bäumen wird mit einem langen Seil ein großes Spinnennetz geknüpft. Die dabei entstehenden Löcher sollten verschieden groß sein und sich in unterschiedlichen Höhen befinden. Die SuS dürfen dann einzeln hindurchklettern, ohne dass sie das Seil berühren. Die anderen Kinder können dabei hilfreiche Anweisungen geben (vgl. BEZDEK/ BEZDEK/ BEZDEK 2007).

2 Bäume, langes Seil




Tabelle: Spielideen zur Förderung der taktil- kinästhetischen Wahrnehmung
1.8.2.2 Spielideen im Wald zur Förderung der vestibulären Wahrnehmung


Spiel

Durchführung

Material

Variations- bzw. Differenzierungsmöglichkeiten

Balancierartisten

Die SuS balancieren über umherliegende Baumstämme. Dabei können die Kinder zunächst einfach nur drüber balancieren. Meist sind verschieden breite Baumstämme zu finden, die verschiedene Anforderungen an die Kinder stellen. Im Anschluss daran können die SuS den Balancierakt erschweren, indem sie beispielsweise kleine Hindernisse (Tannenzapfen, Nüsse etc.) auf dem Baumstamm platzieren über die sie dann balancieren müssen, ohne die Hindernisse mit den Füßen zu berühren (vgl. ERKERT 2002).


Baumstämme,

Naturmaterialien



  • Wenn es das Wetter zulässt, können die SuS auch barfuss balancieren.

  • Während die SuS über die Baumstämme balancieren, können sie Naturmaterialien auf dem Kopf transportieren, ohne dass diese herunterfallen.

  • Die SuS können rückwärts balancieren.

  • Die SuS können mit geschlossenen Augen balancieren (nur mit Hilfestellung)

Balancier-

wettbewerb



Ein umgestürzter dicker Baumstamm dient als Balancierbalken. Bei diesem Spiel treten immer zwei Kinder gegeneinander an. Die zwei Kinder stehen jeweils am Ende des Baumstammes. Auf ein Zeichen des Spielleiters balancieren die beiden Kinder aufeinander zu. In der Mitte angekommen legen beide Kinder eine Hand auf den Rücken. Mit einem Finger der anderen Hand versuchen sie den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen, indem sie gestikulierend ihren Finger vor dessen Körper hin- und her bewegen. Erlaubt ist ebenfalls ein ganz leichtes Anstupsen des Gegners. Wer sich am längsten auf dem Balken halten kann, hat gewonnen.

dicker Baumstamm

  • Dieses Spiel lässt sich auch gut als Mannschaftsspiel durchführen. Gewonnen hat dann die Mannschaft, die die meisten Punkte bekommen hat.

  • Das Spiel „Fingerhakeln“ kann auch auf dem Balancierbalken gespielt werden.



Wer bleibt oben?


Ein umgestürzter dicker Baumstamm dient als Balancierbalken. Zwei Kinder stehen jeweils am Ende des Baumstammes und balancieren aufeinander zu. Ziel ist es nun für beide Kinder an das andere Ende des Baumstammes zu kommen. Die beiden müssen also versuchen, aneinander vorbei zu balancieren, ohne dabei den Baumstamm zu verlassen.


dicker Baumstamm


Dieses Spiel ist auch mit mehreren Kindern möglich. Dabei stehen ca. 8 SuS auf dem Baumstamm und erhalten die Aufgabe sich nach dem Anfangsbuchstaben ihres Vornamens zu ordnen, ohne dass ein Kind dabei herunterfällt. Der Schwierigkeitsgrad kann durch eine größere Kinderanzahl erhöht werden.



Brückenbau

Falls ein kleiner Bach in dem Waldstück zu finden ist, können die SuS eine Brücke bzw. einen Steg aus verschiedenen Naturmaterialien (Äste, Steine etc.) bauen. Anschließend erproben sie die verschiedenen Brücken und versuchen dabei nicht ins Wasser zu fallen. Die besten Brückenbauer bekommen einen kleinen Preis.




Die SuS werden in 3er- oder 4er-Gruppen eingeteilt werden. Jede Gruppe bekommt ein bestimmtes „Baumaterial“ zugeordnet, mit dem sie eine Brücke bauen muss.


Tannenzapfen-

rennen


Die SuS werden in zwei oder drei Mannschaften aufgeteilt. Auf einer kleinen Astgabel wird um die Wette ein Tannen- oder Kiefernzapfen balanciert, der beim Laufen nicht herunterfallen darf und der auch nicht mit den Händen festgehalten werden darf. Falls einem Kind der Zapfen doch runter fällt, muss es wieder zu Startpunkt laufen und von neuem beginnen. Die Mannschaft, deren Mitglieder als erste einen Zapfen transportiert haben, hat gewonnen (vgl. NEUMANN/NEUMANN 1999).

Kleine Astgabel, Tannen- oder Kiefernzapfen




Tarzan und Jane

Ein langes, festes Seil wir an einen höheren starken Ast mit einem Sackstich1 geknotet. Ideal wäre es, wenn der Ast über einen kleinen Graben oder Bach hängt. Knapp über dem Boden wird dann noch ein dicker Knoten in das Seil gemacht. Die SuS können nun frei schwingen oder sich wie „Tarzan“ bzw. „Jane“ über einen Graben/Bach und wieder zurück schwingen (vgl. BEZDEK/ BEZDEK/ BEZDEK 2007).

Baum mit starken Ästen, Langes und festes Seil

Die ganze Gruppe darf den Graben nur mithilfe des Seils überqueren. Dies ist besonders interessant, wenn die SuS der Gruppe verschiedenen Alters sind (Wie wird das Problem gelöst über den Graben zu kommen, wer beginnt, wer fängt, wer hilft?)

Seiltänzer

(Foto s. Anhang

S. IX)


Ein Seilende wird mit einem Maurerknoten an einem Baum befestigt. Anschließend wird das Seil horizontal auf einer Höhe von 40-50cm waagerecht zum Waldboden mit der Spann-Wickel-Technik gespannt (Fußseil). Zusätzlich wird noch ein Handseil in einer Höhe von etwa 1,60m parallel zum Fußseil mit der Spann-Wickel-Technik gespannt, an dem sich die Kinder festhalten können. Nun müssen die SuS versuchen, die Piratenbrücke zu bewältigen, ohne herunterzufallen (vgl. SCHWARZER 2006).

2 Bäume, 2 Seile (ca. 10m bzw. 20m lang, Durchmesser ca. 10-12mm)

Die Piratenbrücke kann auch verlängert werden, indem man mit 20m langen Seilen an mehreren Bäumen entlang spannt. Dabei kann die Brücke auch von Baum zu Baum immer höher werden. Am Ende dürfen die SuS dann abspringen.

Schaukelbrücke

(Foto s. Anhang

S. IX)


Das Handseil wird in einer Höhe von 1,60 auf der rechten Seite des Baumstamms mit einem Maurerknoten befestigt und dann schräg oder waagerecht zum Waldboden zum zweiten Baum gespannt. Hier wird der Stamm mehrmals umwickelt und zur linken Seite des ersten Baumes gespannt. Das Seil wird je nach Länge ein oder mehrere Male um den Stamm gewickelt und mit drei halben Schlägen befestigt. Die kurzen Seile werden als Fußschlaufen auf beiden Seiten der Handseile in Abständen von ca. 30cm mit dem gesteckten Mastwurf eingeknotet und mit einem halben Schlag gesichert (vgl. SCHWARZER 2006).

2 dicke Bäume,

1 Seil mit der Län-ge 20m (Handseil), 10 Seile mit der Länge 3m (Fuß-schlaufen)



Werden die Fußschlaufen länger und in Körpergröße der Kinder eingeknotet, ist dies eine besondere Herausforderung, da man sich beim Überqueren nicht an dem Handseil, sondern nur an den Schlaufen selbst festhalten kann. Dies ist besonders wackelig (vgl. SCHWARZER 2006).

Tabelle: Spielideen zur Förderung der vestibulären Wahrnehmung

1.9 Zur Integration in den Fächerkanon


Der wöchentliche Aufenthalt im Wald kann in vielfältiger Weise in den Fächerkanon integriert werden. Dabei kann der Deutschunterricht insbesondere noch einmal zur Reflexion des Erlebten beitragen. Im Kunst-, Musik- und Sachunterricht fördert der Umgang mit unstrukturierten Materialien des Waldes die taktile Wahrnehmung und die Feinmotorik. Eine Übersicht wird in der nachfolgenden Tabelle dargestellt.


Fach

Aktivität

Beispiele

Deutsch

  • Freies Schreiben

  • Gedichte

  • Phantasiegeschichten

  • Erlebtes verschriftlichen und damit reflektieren

  • Zu einem Waldfoto einen Text schreiben

  • Etc.

Sachunterricht

  • Pflanzen entdecken, bestimmen, sammeln und untersuchen

  • Jahreszeiten erleben

  • Tiere entdecken, bestimmen und beobachten

  • Umwelterziehung




  • Struktur und Eigenschaften von Bäumen kennen lernen

  • Früchte und Samen zum Keimen bringen

  • Merkmale der Jahrszeiten kennen lernen

  • Vogelstimmen unterscheiden lernen

  • Insekten bestimmen

  • Etc.

Kunst/Werken

  • Bauen und Gestalten

  • Naturmemory

  • Mobile aus Naturmaterialien bauen

  • Waldbild malen

  • Waldbild/Collagen mit Naturmaterialien gestalten

  • Zapfenmännchen bauen

  • Objekte aus Lehm bauen

  • Etc.

Musik

  • Bauen und Gestalten

  • Geräusche des Waldes aufnehmen

  • Musikinstrumente aus Naturmaterialien bauen und damit musizieren

  • Geräusche des Waldes nachmachen (Geräuschememory)

  • Etc.

Tabelle: Möglichkeiten der Integration von Waldaktivitäten in den Fächerkanon (modifiziert nach BERTHOLD/ZIEGENSPECK 2002, 103 und STEIN 2001, 9)
Anhang




An alles gedacht?

  • Mobiltelefon 

  • Erste- Hilfe- Set 

  • Toilettenpapier 

  • Ersatzkleidung 

  • Fotoapparat 

  • Verpflegung 

  • Evtl. benötigtes Material 

Unsere Waldregeln


  1. Ich bleibe in der Nähe der Lehrkraft!



  1. Ich nehme keine Beeren, Pilze oder Gräser in den Mund!



  1. Ich fasse keine Wildtiere, keine toten Tiere und keinen Kot an!



  1. Ich nehme meinen Müll wieder mit!




Liebe Eltern,

wir möchten in diesem Schuljahr jeden Montag von 9.00 bis 12.15 Uhr in den Wald gehen und pünktlich zum Mittagessen wieder in der Schule sein. Da wir bei jedem Wetter in den Wald gehen werden, ist es unbedingt notwendig, dass ihr Kind feste Schuhe und wetterfeste Kleidung trägt. Das Frühstück werden wir im Wald einnehmen. Geben Sie ihrem Kind bitte ausreichend Essen und Trinken mit.

Bitte denken Sie daran, dass Ihr Kind aus Schutz vor Zecken auch bei schönem Wetter möglichst lange Kleidung trägt. Außerdem sollten Sie Ihr Kind abends am ganzen Körper nach Zecken absuchen.


Mit freundlichen Grüßen

1 Zu einem der wichtigsten Elemente für das Bauen von Seilspielgeräten im Wald gehören die Knoten. Damit die Sicherheit der SuS beim Spielen und Klettern gewährleistet werdenkann, sind Grundkenntnisse der Knotentechnik für die Lehrkräfte unbedingt erforderlich. Um die aufgeführten Spielideen durchführen zu können, befinden sich im Anhang ( S. X) zu den oben erwähnten Knoten die entsprechenden Anleitungen. Mit etwas Übung im Vorfeld sind diese leicht zu erlernen.






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