Berufsförderungswerk Würzburg gGmbh geschäftsbericht 2013



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Berufsförderungswerk Würzburg gGmbH

Geschäftsbericht 2013

www.bfw-wuerzburg.de
Umschlag vorne
Das Berufsförderungswerk (BFW) Würzburg ist ein überregionales Kompetenzzentrum für die berufliche Bildung von erwachsenen blinden und sehbehinderten Menschen. Ziel des BFW ist die Wiedereingliederung der Teilnehmer in das berufliche und gesellschaftliche Leben. Individuelle Beratungsangebote und passgenau abgestimmte Qualifizierungen machen das BFW Würzburg zu einer der bundesweit führenden Einrichtungen.
Das 1962 gegründete Berufsförderungswerk hat seinen Firmensitz seit 1980 in Veitshöchheim. Es verfügt über mehr als 200 Qualifizierungsplätze in über zwanzig verschiedenen Berufen, Berufsvorbereitungen und zahlreichen Qualifizierungsmodulen. Die Angebote des BFW Würzburg nutzen blinde und sehbehinderte Erwachsene, Rehabilitationsträger sowie Betriebe der Wirtschaft und des öffentlichen Dienstes. Die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit sorgt für eine erfreuliche Bilanz: Über 70 Prozent der Absolventen finden nach ihrer BFW-Zeit wieder einen festen Arbeitsplatz.
Impressum:

Herausgeber:

Berufsförderungswerk Würzburg gGmbH
Redaktion:

Marcus Meier, Alfred G. Schulz, Monika Weigand


Layout:

Universal Services GBR, Veitshöchheim


Fotos:

Thomas Obermeier, Würzburg

Marcus Meier, BFW Würzburg
Gesamtherstellung:

Flyeralarm GmbH, Würzburg


Stand: 31. Juli 2013

Auflage: 2 000


BFW Würzburg gGmbH

Helen-Keller-Straße 5 · 97209 Veitshöchheim

Telefon: 0931 9001-0 · Fax: 0931 9001-105

eMail: info@bfw-wuerzburg.de

Internet: www.bfw-wuerzburg.de
Seite 1
Inhaltsverzeichnis
2 Grußwort

3 Editorial

4 Kundenkommunikation

5 PR + Marketing

8 Aktuelles

10 Assessment

14 Qualifizierung

17 BFW online - eLearning für Blinde

20 Reha- und Integrationsmanagement

22 Regional-Center

26 Essen und Wohnen

27 Tagungsmanagement

28 Administration

30 Angaben zur Gesellschaft

34 Kapazität und Belegung

36 Zahlen und Fakten

42 Mitarbeiter

46 Jahresabschluss 2012

48 Maßnahmeübersicht
Seite 2

Grußwort
Chancen im Leben hängen von der beruflichen Qualifizierung ab. Die Wege dazu sind vielfältig, lebenslang und herausfordernd. Das gilt besonders für Blinde und Sehbehinderte. Das Berufsförderungswerk Würzburg ist ein herausragendes Beispiel in Deutschland für intelligente und erfolgreiche Wiedereingliederung von Blinden und Sehbehinderten. Die Fülle der Angebote und Berufsfelder ist überraschend und überzeugend und öffnet Karrieren in vielen Branchen.
Mich beeindruckt besonders der Einsatz moderner Medien, der bereits 2005 mit dem Bayern-online-Preis für eLearning gewürdigt wurde. Damit wurde eine Pionierleistung anerkannt. Das war aber kein Anlass zum Zurücklehnen, sondern Ansporn für weitere Aktivitäten und neue Formen der Umsetzung, die Blinden und Sehbehinderten die Teilhabe am beruflichen und sozialen Leben ermöglichen. Die Digitalisierung erhöht damit die Lebensqualität entscheidend. Das Erkennen dieser Chancen und die kreative Umsetzung mit Smartphones und Tablets ist ein Markenzeichen des Berufsförderungswerkes Würzburg. Dieses Beispiel setzt Maßstäbe für die Bildungspolitik generell und zeigt die Entwicklungspotenziale von eLearning, die auch von den allgemeinbildenden Schulen genutzt werden können. Auch Inklusion bekommt damit eine ganz neue Dimension.
Der Ehrgeiz es immer noch besser zu machen und die hohe Erfolgsquote zu steigern ist als gemeinsame Motivation bei Lehrenden und Lernenden auf den ersten Blick zu erkennen und vielleicht das Geheimnis steigenden Kundennutzens und wachsender Kundenzufriedenheit.

Das Berufsförderungswerk Würzburg strahlt auf die ganze Region aus und macht Mut: den Menschen, die von Sehbehinderungen betroffen sind, und den Arbeitgebern, die sich auf die durch das Berufsförderungswerk qualifizierten Mitarbeiter verlassen können. Ich danke allen, die sich hier in Veitshöchheim mit hohem Engagement einbringen, aber auch denen, die als Freunde und Partner die Arbeit des Berufsförderungswerkes begleiten. Viel Erfolg und ein segensreiches Wirken auch in den kommenden Jahren!


Eberhard Sinner MdL
Foto Eberhard Sinner

Seite 3
Editorial
Wenn der BFW-Geschäftsführer auf den Ruhestand zusteuert, ist das ein guter Zeitpunkt, auf Weichenstellungen der letzten Jahre zurückzuschauen. Und es ist eine willkommene Gelegenheit, den Blick auf die Zukunft der beruflichen Wiedereingliederung zu richten.Ganzheitliche Rehabilitation, mehr Kundenorientierung und organisatorische Umstrukturierungen standen zu Beginn meines Wirkens im Jahr 1997 an. Drei Jahre später erfolgte die Umbenennung des BFW Veits-höchheim in das BFW Würzburg - ein wichtiger Schritt, um die bundesweite Bedeutung des Bildungszentrums zu dokumentieren.

2001 führte das BFW Würzburg ein Qualitätsmanagement nach DIN EN ISO:9001:2000 ein. In den Folgejahren ging es darum, blinden und sehbehinderten Menschen in Deutschland dezentrale Anlaufstationen zu bieten. Dem Regional-Center München, das 2003 seinen Betrieb aufnahm, folgten Regional-Center in Hannover, Erfurt und Wiesbaden.


Für den Erfolg des BFW Würzburg ist es entscheidend, innovativ zu denken und den technischen Fortschritt in der beruflichen Rehabilitation zu nutzen. Ein Meilenstein auf diesem Weg ist die barrierefreie eLearning-Plattform BFW online. Über 1.500 BFW-Absolventen konnten sich bisher über das Internet auf BFW online fortbilden und ihre beruflichen Chancen verbessern. Das Kursprogramm umfasst inzwischen rund 30 Angebote und reicht von Excel-Fortbildungen über die PHP-Programmierung bis hin zum Kommunikationstraining.
Aktuelle Entwicklungen greift die BFW-Arbeitsgruppe BFW mobile auf. Sie hat sich seit 2012 zum Ziel gesetzt, BFW-Teilnehmern den beruflichen Nutzen mobiler Endgeräte wie Smartphones und Tablet-PCs näherzubringen. Kaum ein Hilfsmittel hat die Blinden- und Sehbehindertenszene so revolutioniert wie iPhone und Co. Im engen Austausch mit blinden Usern entdeckt die Arbeitsgruppe BFW mobile fast täglich neue Anwendungen, neudeutsch „Apps“, die die Selbstständigkeit und das berufliche Leistungsvermögen unserer Absolventen steigern.
Das Berufsförderungswerk Würzburg steht für mehr als 50 Jahre Know-how rund um die berufliche Wiedereingliederung. Und für innovative Ideen, um diesen Weg erfolgreich zu gestalten. Berufliche Rehabilitation rechnet sich. Vor allem, wenn über 70 Prozent der BFW-Absolventen wieder ins Berufsleben integriert werden. Kunden wie die Deutsche Rentenversicherung, die Agentur für Arbeit oder die Berufsgenossenschaften wissen die Dienstleistungsqualität und Vermittlungsquote des BFW sehr zu schätzen. Die Ge-schäftsführung und die Mitarbeiter des BFW arbeiten jeden Tag dafür, dass dies auch in Zukunft so bleibt.
Alfred G. Schulz
Foto Alfred G. Schulz

Seite 4
Kundenkommunikation
"Kommunikation stammt aus dem Lateinischen. Communicare bedeutet 'teilen, mitteilen, teilnehmen lassen; gemeinsam machen, vereinigen'. In dieser ursprünglichen Bedeutung ist eine Sozialhandlung gemeint, in die mehrere Menschen einbezogen sind ..." Diese Erklärung aus Wikipedia beschreibt, wie auch im BFW Würzburg Kommunikation betrieben wird.
Wie wird Kommunikation im Rahmen der Kundenkommunikation im BFW umgesetzt?
"Teilen" … Die Beauftragte für Kundenkommunikation ist häufig der erste Ansprechpartner für den Ratsuchenden. Im Erstberatungsgespräch teilen Betroffene, neben konkreten Fragen nach Möglichkeiten einer beruflichen Neuorientierung, selbstverständlich auch ihre emotionale Befindlichkeit mit. Wir teilen ihre Sorgen und versuchen gemeinsam, Lösungsstrategien zu erarbeiten.
"Mitteilen" … Die Kostenträger erwarten zu Recht vom BFW, dass sie auf dem Laufenden gehalten werden. Diesem Wunsch kommen wir selbstverständlich und gern nach. Der kontinuierliche Leistungsfortschritt der Rehabilitanden wird von den Fachabteilungen übermittelt. Die Kundenkommunikation informiert mit regelmäßigen Besuchen. Mit Einladungen zu Info-Veranstaltungen schaffen wir Gelegenheiten, das BFW Würzburg als Spezialeinrichtung für blinde und sehbehinderte Menschen kennenzulernen.
"Teilnehmen lassen" … bedeutet für die Kundenkommunikation, neben den üblicherweise am Rehabilitationsprozess Beteiligten weitere Interessengruppen über die Arbeit des BFW Würzburg zu informieren. Mit Fortbildungsreihen für Augenärzte und Assistenzpersonal informieren wir rund um das Thema "Sehbehinderung und Beruf" direkt in den Arztpraxen vor Ort.
„Gemeinsam machen“ … mit den Organisationen der Blinden- und Sehbehindertenverbände. Die regionalen Selbsthilfegruppen erhalten durch das BFW Würzburg fachkundige Informationen zu einer beruflichen Umorientierung. Die regelmäßigen Sprechtage vor Ort sind inzwischen fest etabliert
„Vereinigen“ … Das Zusammenführen der Netzwerkpartner wie Kostenträger, Betroffene, Selbsthilfe, Augenärzte und Kliniken unterstützt den reibungslosen Verlauf der beruflichen Rehabilitation und ermöglicht es den Betroffenen, die Teilhabe am Arbeitsleben zurückzuerlangen.
Foto Susanne Patze

Kundenkommunikation



Seite 5
PR + Marketing
Mit einer erfreulichen Nachricht der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs GmbH (WVV) beginnt das Jahr im Bereich PR + Marketing. Die WVV setzt eine Anregung des BFW Würzburg zur Veitshöchheimer Bushaltestelle "Sonnenstraße" um. In den Bussen wird die Ansage "Sonnenstraße" ab sofort um die Angabe "Berufsförderungswerk" ergänzt. Blinde und sehbehinderte BFW-Kun-den erhalten so eine klare akustische Information, von welcher Haltestelle aus sie das BFW Würzburg am besten erreichen.
Um die erfolgreiche Vermittlungsarbeit des BFW Würzburg vorzustellen, wird die bewährte ERFOLGE-Broschüre pünktlich zur Messe SightCity neu aufgelegt. Die im Leporello-Falz gedruckte Publikation beinhaltet die Porträts von sechs blinden und seh-behinderten Menschen, die mit BFW-Unterstützung wieder beruflich Fuß fassen konnten. Für blinde Interessenten erscheint die Broschüre auch als Mutmacher-CD zum Anhören. Die in Zusammenarbeit mit der Blindenbücherei München (BBH) entstandene Produktion lässt zwölf Porträtierte in der Ich-Form zu Wort kommen.
Auf großes Interesse bei der Würzburger Bevölkerung stößt Anfang Oktober das "Erlebnis im Dunkeln". Die Gemeinschaftsaktion von Blindeninstitut Würzburg, Bezirksgruppe Unterfranken-Würzburg des Bayerischen Blinden-und Sehbehindertenbundes (BBSB) und BFW Würzburg findet diesmal am Unteren Markt in Würzburg statt. Die Führung durch zwei völlig abgedunkelte Container übernehmen Mitglieder des BBSB zusammen mit Teilnehmern des BFW Würzburg. Die blinden und sehbehinderten Guides geleiteten die Besucher im Container durch einen "Hindernisparcour" bis in ein Dunkelcafé. Für das BFW sind über 20 BFW-Teilnehmer als Guides im Einsatz. Rund 500 Schülerinnen und Schüler und einige Hundert Erwachsene besuchen das Erlebnis im Dunkeln. Bayerischer Rundfunk, TV Touring und Main-Post berichten ausführlich über die Aktion.
Als Festivalpartner des Inklusiven Filmfestivals engagiert sich das BFW im Dezember in Bamberg. Im Lichtspiel-Kino läuft der südkoreanische Spielfim „Blind“ mit Audiodeskription für Sehbehinderte, für den das BFW Würzburg die Patenschaft übernimmt. Teilnehmer des BFW Würzburg informieren interessierte Besucher im Anschluss an den Film in einer lebhaften Diskussion über das Leben mit Seheinschränkung. Zudem zeigen die BFW-Vetreter die beruflichen Perspektiven von blinden und sehbehinderten Menschen auf.
Foto Marcus Meier

PR + Marketing



Seite 6/7

Dagmar Schlusche, 47 Jahre
Als Dagmar Schlusche vor rund zehn Jahren ihre Tätigkeit in der Gastronomie wegen einer starken Seheinschränkung aufgeben musste, war das nicht einfach. Selbst eine zwischenzeitliche Umschulung im Bürobereich sorgte nicht dafür, dass die gebürtige Peinerin beruflich Fuß fassen konnte. Mit Unterstützung des Regional-Centers Hannover ging es dann endlich aufwärts. Ein Praktikum im Seniorenzentrum Godehardistift lief so gut, dass die 47-Jährige im Dezember 2012 einen Arbeitsvertrag erhielt. Heute kümmert sie sich engagiert um das Wohlergehen der betagten Bewohner. Für viel Spaß im Betreuungsalltag sorgt ihre Handpuppe Willy. Mit dem schauspielerischen Talent von Dagmar Schlusche wurde der "freche Willy" schnell zum Liebling des Godehardistifts.
Foto Dagmar Schlusche

Seite 8
Aktuelles
Aufklappen - einscannen - fertig!
Cem Tören ist ein echter iPhone-Freak. Es vergeht kaum eine Stunde, in der der blinde Unterfranke sein Smartphone nicht in die Hand nimmt. Anders als die meisten seiner Altersgenossen nutzt der ehemalige Teilnehmer des BFW Würzburg sein iPhone nicht nur zum Telefonieren, Surfen und Simsen. Denn für den 23-Jährigen ist die neue Technik ein wichtiges Hilfsmittel, um sein Handicap im Alltag weitgehend auszugleichen.
„Das iPhone löst in der Blindenszene gerade einen regelrechten Boom aus“, betont der angehende Physiotherapeut. Doch wie kommen blinde Menschen mit dem für sie unsichtbaren TouchScreen klar? Knackpunkt dabei ist die Sprachausgabe, die das Gerät für blinde Menschen leicht bedienbar macht, erläutert Tören. In Kombination mit eingeübten Fingergesten kommt man so mit den Funktionen des Smartphones auch ohne zu sehen gut klar. „Das iPhone hat für blinde Menschen einen riesengroßen Nutzen“, erklärt der BFW-Teilnehmer und ergänzt: „Auch wenn noch einige Hürden zu nehmen sind - vor allem die Navigations-Apps können die Mobilität von Blinden enorm verbessern.“
Eine Entwicklung des iPhone-Tüftlers ist eine robuste Scanhilfe aus Metall. Dieses Stativ er-möglicht es ihm, Briefe und Skripte schnell einzuscannen und sich diese über die Sprachausgabe vorlesen zu lassen. „Durch meine Sehprobleme ist es immer eine besondere Herausforderung, die Kamera des iPhones im richtigen Abstand zum Blatt zu halten“, erläutert er die Schwierigkeiten für blinde iPhone-User. Diese gehören nun der Vergangenheit an. Mit seiner aufklappbaren Scanhilfe und der für iPhones maß-geschneiderten Halterung kann er sich Briefe und Dokumente im Handumdrehen vorlesen lassen. „Aufklappen, einscannen, fertig“, bringt er den Nutzen des stabilen Aluminium-Prototypen auf den Punkt.
Cem Tören bereitete sich im BFW Würzburg auf seine Zukunft als Masseur und medizinischer Bademeister vor. Seine Ausbildung wird er im BFW Mainz abschließen. Irgendwelche Bedenken, sich in neuer, ungewohnter Umgebung zurechtzufinden, hat er nicht. „Ich habe ja meinen Kopf, meinen Langstock und mein iPhone. Mehr brauche ich nicht“, sagt der junge Mann und checkt nebenbei die eingehende SMS auf seinem iPhone.
Foto Cem Tören

Seite 9
Aktuelles
Keine Berührungsängste
Wenn die Auszubildenden der Hunger Dichtungen GmbH um acht Uhr früh in die Werkstatt des BFW Würzburg kommen, ist das für sie inzwischen nichts Besonderes mehr. Und doch leisten sie in dem Bildungszentrum einen aktiven Beitrag zur Inklusion von sehbehinderten Menschen.
„Anfangs waren wir schon etwas skeptisch, wie wir mit den sehbehinderten Kollegen klarkommen“, erklärt der Auszubildende Mykailo Kazhokin. Zumal die neuen Kollegen des 19-Jährigen neben ihrer Seheinschränkung auch beim Lebensalter einige Jahre mehr vorweisen. Doch schon nach kurzer Zeit waren eventuelle Berührungsängste zu den BFW-Teil-nehmern kein Thema mehr. „Das sind ganz normale Arbeitskollegen“, hat Lukas Cäsar von Hunger schon am ersten Tag festgestellt und ergänzt: „Wir haben sogar schon Telefonnummern ausgetauscht.“ Und noch etwas fasziniert den 18-jährigen Auszubildenden zum Zerspanungsmechaniker an den sehbehinderten BFW-Teilnehmern: „Ich kann im Arbeitsalltag überhaupt nicht feststellen, dass es Unterschiede gibt. Und das, obwohl die Kollegen viel schlechter sehen als ich.“
Insgesamt vier junge Männer der Hunger-Gruppe absolvieren im Rahmen ihrer Ausbildung den Grundlehrgang Metall nicht in ihrem Unternehmen in Würzburg, sondern im Veitshöchheimer Bildungszentrum für blinde und sehbehinderte Erwachsene. Ihr sechswöchiger Kurs beinhaltet den praktischen Umgang beim Feilen, Bohren und anderen Handfertigkeiten. „Die Zusammenarbeit hat Vorteile für beide Seiten“, erläutert Armin Strohmenger vom BFW Würzburg das Angebot. „Stimmt“, sagt sein Ausbilderkollege Klaus Löwe. „Die Hunger-Auszubildenden werden hier von erfahrenen Ausbildern fit für die Praxis gemacht. Und unsere Absolventen lernen, wie sie den sehenden Kollegen die eine oder andere Hemmschwelle im Umgang mit Sehbehinderten nehmen können.“ In Summe ergibt sich in der BFW-Werkstatt also Tag für Tag der natürliche und selbstverständliche Umgang von behinderten und nichtbehinderten Menschen, der auch als berufliche und soziale Inklusion bezeichnet wird.
Die Erfahrungen des BFW Würzburg mit den Auszubildenden der Hunger Dichtungen GmbH sind so positiv, dass man das Angebot der über-betrieblichen Ausbildung auf andere Unternehmen ausweiten möchte.
Foto aus der gewerblich-technischen Qualifizierung

Seite 10
Assessment
Insgesamt hat sich das Geschäftsjahr 2012 für die Abteilung Assessment positiv entwickelt.

Gegenüber dem Vorjahr konnte die Zahl der Assessment-Teilnehmer im BFW deutlich gesteigert werden. Die Angebotspalette im Bereich CaseManagement/Beratung wie auch im Bereich Assessment wurde erweitert, geschlossene Kooperationsverträge mit lokalen JobCentern runden die Jahresleistung ab.


CaseManagementBeratung
Die erfolgreiche Kooperation mit Krankenkassen für Menschen mit visuellen Einschränkungen


  • BARMER GEK

  • AOK-Bundesverband
    (Schwerpunkt AOK Bayern)

  • BKK Mobil Oil

  • Deutsche BKK



konnte im Jahr 2012 um eine unterfrankenweite Kooperation mit der DAK Gesundheit erweitert werden.
Die Kooperation zwischen der DAK Gesundheit und dem Berufsförderungswerk Würzburg zielt ergänzend zu den bestehenden Kooperationen vor allem auf Menschen mit psychischen und psychosomatischen Einschränkungen ab. Ziel der Rahmenvereinbarung zum CaseManagement ist die Sicherung des Arbeitsplatzes, der rasche Wiedereinstieg ins Berufsleben oder das Aufzeigen beruflicher Alternativen für Versicherte der DAK Gesundheit in ganz Unterfranken.
Sehr erfolgreich waren im Jahr 2012 wieder die angebotenen Schnuppertage im BFW Würz-burg. Über 50 Teilnehmer haben sich vor Ort in Veitshöchheim über das Angebot und die Mög-lichkeiten der beruflichen Wiedereingliederung von Menschen mit visuellen Einschränkungen informiert. Ergänzt wurden die Schnuppertage in Veitshöchheim durch das Angebot von regionalen Schnuppertagen vor Ort in den Regional-Centern des BFW Würzburg in Erfurt, Hannover, München und Wiesbaden.
RehaAssessment
Abklärung der beruflichen Eignung

Mit einer Steigerung um ca. 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2011 stellt sich die Entwicklung der Teilnehmerzahlen an Maßnahmen des RehaAssessment® im Jahr 2012 positiv dar.


Bei den Maßnahmetagen für das Jahr 2012 ergab sich - trotz gleichbleibendem Trend weg von der klassischen zweiwöchigen Maßnahme der Abklärung der beruflichen Eignung hin zu kürzeren Maßnahmen - eine Steigerung um rund 6 Prozent.
Foto Manfred Gerlinger

Leiter Assessment




Seite 11
Berufsbezogene Sehhilfenerprobung

Die Nachfrage nach berufsbezogenen Sehhilfenerprobungen als direktes Instrument zur Arbeitsplatzerhaltung hat sich mit einer Steigerung um 4 Prozent im Jahr 2012 leicht über dem Vorjahresniveau stabilisiert. An über 350 Maßnahmetagen wurden im Rahmen einer berufsbezogenen Sehhilfenerprobung arbeitsplatzbezogene Hilfsmittel erprobt und Vorschläge zur Hilfsmittelausstattung am Arbeitsplatz erarbeitet.


Assessment zur beruflichen Reintegration

Als neues Angebot im Rahmen einer Kooperation mit lokalen JobCentern wurde im Jahre 2012 das Angebot „Assessment zur beruflichen Reintegration“ entwickelt und erfolgreich in die Praxis umgesetzt. Derzeit nutzen zwei JobCenter im Rahmen des Zweiten Sozialgesetzbuches (SGB II) die Möglichkeit eines mehrtägigen Assessments für langzeitarbeitslose Menschen, insbesondere bei über 50-Jährigen.


Psychologischer Dienst

Die arbeitspsychologische Diagnostik und die Begutachtung im Rahmen des RehaAssessment® stellten auch im Jahr 2012 die Schwerpunkte der Tätigkeit der Psychologen im BFW Würzburg dar.


Für über 270 Teilnehmer wurde ein individuelles RehaAssessment mit psychologischer Eig-nungsuntersuchung durchgeführt. Die Ergebnisse der Begutachtung bilden, ergänzt durch die Einschätzung der Schlüssel- und Gesundheitskompetenzen der Teilnehmer, die Basis für den individuellen Förder- und Integrationsplan im Rahmen des Prozessprofilings und die individuelle Planung des Integrationsweges.
Die Mitarbeiter des psychologischen Dienstes stehen weiterhin für Beratung rund um Krank-heits- und Behinderungsbewältigung und für Kriseninterventionen zur Verfügung. Die psychologische Betreuung wird durch den Einsatz von zwei Psychotherapeuten im Rahmen der beruflichen Qualifizierungsmaßnahmen ergänzt.
Ärztlicher Dienst

Einen wichtigen Baustein im Rahmen der Beurteilung der visuellen Einschränkungen der Teil-nehmer stellt die enge Kooperation mit der Universitäts-Augenklinik Würzburg dar. Im Jahr 2012 wurden zur augenmedizinischen Begutachtung über 350 Teilnehmer des BFW Würz-burg in der Universitäts-Augenklinik vorgestellt.


Die ophthalmologische Versorgung der Teil-nehmer wurde seit den 80er Jahren ergänzt durch regelmäßige Sprechstunden von Dr. Günther Kremer, Würzburg. Nach 30-jähriger Tätigkeit beendete Dr. Kremer nun seine Tä-tigkeit. Die Nachfolge übernimmt die Augen-arztpraxis Dres. Schenkel aus Veitshöchheim.

Seite 12/13

Alexander Lode, 44 Jahre

Schon 24 Jahre ist Alexander Lode bei KBA Metronic in Veitshöchheim beschäftigt. Der freundliche und zurückhaltende Würzburger liebt seine Arbeit in der Montagehalle des Herstellers für Kennzeichnungssysteme und -geräte. Er verfügt mittlerweile über wertvolle Berufserfahrung und wird in seinem Team sehr geschätzt. Als sich seine angeborene Augenerkrankung in den letzten Jahren immer weiter verschlechterte, häuften sich die Probleme und der Arbeitsplatz schien gefährdet. Zur rechten Zeit nahm Alexander Lode Kon-takt mit dem Berufsförderungswerk in Veitshöchheim auf. Die Sehhilfenexperten des Bildungszentrums unterstützten ihn bei der passgenauen Umgestaltung seines Arbeitsplatzes: Großbildschirm und Vergrößerungssoft-ware sorgen jetzt für müheloses Arbeiten am PC und eine spezielle Arbeitsleuchte gewährleistet, dass Alexander Lode die Präzisionsarbeit bei KBA-Metronic jetzt wieder leicht und sicher von der Hand geht.


Foto Alexander Lode

Seite 14
Qualifizierung
Lernen mit neuen Medien
Wie unerlässlich die Arbeit mit modernen Medien für Blinde und Sehbehinderte geworden ist, zeigt sich im BFW Würzburg Tag für Tag. Jeder Teilnehmer arbeitet an seinem individuell mit Hilfsmitteln ausgestatteten Computer und hat dabei ständig Internet-Zugang. Eine Qualifizierung blinder und sehbehinderter Menschen ohne die neueste Technik ist heute undenkbar. Ohne den Computer wären eine Vielzahl von Berufen für Blinde und Sehbehinderte gar nicht möglich. Im BFW Würzburg bringen EDV-Fachleute und Lehrkräfte die Technik regelmäßig auf den neuesten Stand. 2012 wurde auf Office 2010 und Windows 7 umgestellt. Die Umstellung war verbunden mit zahlreichen Investitionen im Bereich der Hard- und Software sowie Fortbildungen für die Mitarbeiter. Auch die Office-Kurse auf BFW online, der barrierefreien eLearning-Plattform des BFW Würzburg, wurden 2012 auf Office 2010 „upgedatet“.
In den letzten Jahren haben sich Smartphones und Tablet-PCs zu multifunktionalen Hilfsmitteln für Blinde und Sehbehinderte entwickelt. 2012 wurde die Arbeitsgruppe BFW mobile gegründet, die die Möglichkeiten von Smartphone und Tablet-PC in den Bereichen Orientierung und Mobilität, Qualifizierung und Arbeit erproben und weiterentwickeln wird. Zunächst wurde unter den BFW-Teilnehmern eine Umfrage durchgeführt, wie viele bereits mit welchen Smartphone und Tablet-PC arbeiten und wie sie diese Hilfsmittel nutzen. Befragt wurden 113 Personen, von denen über 55 % ein Smartphone oder Tablet-PC haben. Die Ergebnisse wurden im April 2013 auf der Messe SightCity vorgestellt.

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