Theorien und modelle der verkehrsmittelwahl


Verkehrsmittelwahl als Forschungsfeld



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3Verkehrsmittelwahl als Forschungsfeld

3.1Begriffsabgrenzungen und Modellbedarf


Eine Voraussetzung für das Verstehen und die Effizienz der vorliegenden Untersuchung ist, daß die verwandten Begriffe in gleicher Weise begriffen werden. Zu den zentralen Begriffen dieser Arbeit zählen Mobilität, Mobilitätsverhalten, Verkehrsmittel und Verkehrsmittelwahl. Ein weiterer zentraler Begriff, der der Jugend, wurde bereits eingehend erklärt und definiert. Was in der vorliegenden Untersuchung unter den einzelnen Begriffen verstanden wird, muß zunächst definiert bzw. problembezogen abgegrenzt werden.
Der Begriff Mobilität geht auf „mobilitas“ zurück, was nicht nur Beweglichkeit, sondern auch Schnelligkeit, Gewandtheit, Unbeständigkeit und Wankelmut bedeutet. Wie diese Auflistung zeigt, ist Mobilität durchaus ambivalent (vgl. FLADE 1994, S. 5). In dieser Arbeit geht es um die räumliche Mobilität, die „Positionsveränderungen von Menschen, Gütern oder Informatio­nen innerhalb eines Systems“ (KALWITZKI 1994, S. 12) umfaßt. Räumliche Mobilität muß man zwischen residentieller und zirkulärer Mobilität unterscheiden. „Von residentieller Mobilität spricht man, wenn eine Person den Hauptwohnsitz ändert. Zirkuläre Mobilität meint dagegen, daß ein Ort nur für eine bestimmte Zeit verlassen und wieder aufgesucht wird (z. B. die Fahrt zur Arbeit). Während sich in den 70er Jahren die meisten Forschungsarbeiten mit der residentiellen Mobilität beschäftigten, rückt seit den 80er Jahren immer mehr die zirkuläre Mobilität ins Zentrums des Interesses. Ein Grund für diesen Wandel liegt darin, daß die zirkuläre Mobilität immer mehr zum Problem wird.“ (SCHMITZ 1994, S. 103)9 Beschränkt man sich auf die zirkuläre Mobilität von Personen, wie es in dieser Arbeit geschehen ist, dann handelt es sich nach KALWITZKI (1994, S. 12) dabei vor allem um

  • die Wahl von (Stand- und Ziel-) Orten, die im Rahmen der Bewältigung des Alltagslebens, zur Entfaltung anderer Aktivitäten, aufgesucht werden (z. B. Wohnort, Arbeitsplatz, Einkaufs- oder Freizeitorte),

  • die raum-zeitliche Überwindung der Entfernung zwischen den gewählten Orten (Orts-veränderungen), die weiter differenziert werden kann nach

- Verkehrsmittelwahl,

- Fortbewegung oder Verkehrsverhalten selbst (Manöver- und Kontrollebene; z. B. riskanter, rücksichtsloser und umweltschädlicher Gebrauch des Autos) sowie

- für die Fortbewegung notwendigen vor- oder nachbereitenden Handlungen.

In der Literatur wird keine eindeutige Definition von Mobilitätsverhalten durchgängig genutzt. Je nach Problemstellung wird Mobilitätsverhalten nach anderen Gesichtspunkten unterteilt bzw. einzelne Aspekte werden hinzugenommen oder abgetrennt. Da in den aktuellen Diskussionen vor allem die zwei Aspekte „Verkehrsmittelwahl“ und „Verkehrsverhalten“ problematisiert werden und in der Zielsetzung der Untersuchung die grundsätzliche Intention in einer zukünftigen bewußten Verkehrsmittelwahl von Jugendlichen liegt, wurde eine Eingrenzung auf den Aspekt der Verkehrsmittelwahl vorgenommen. Diese Begrenzung bedeutet aber nicht, daß die Verkehrsmittelwahl die einzige relevante Fragestellung des Mobilitätsverhaltens darstellt. Mit Hilfe des empirischen Teils der Arbeit werden ebenfalls weitere Aspekte des Mobilitäts­verhaltens von Jugendlichen analysiert; die vorrangige Beachtung wird aber der Verkehrsmittel­wahl und deren Einflußgrößen geschenkt.


In den Verkehrswissenschaften sind verschiedene Begriffe üblich, die sich auf das gemeinsame Objekt „Verkehrsmittel“ beziehen. Dieses Objekt wird dabei aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet bzw. es werden verschiedene theoretische Konzepte angewendet. Der auch in Deutschland meistgebrauchte Begriff „Modal Split“ bezieht sich auf ein Teilmodell der aggre­gierten Verkehrsplanungsmodelle (s. S. 21). Der „Modal Split“ bezeichnet nicht die Ebene der Verkehrsmittelnutzung, sondern er bezieht sich auf die Auswirkungen der Verkehrsmittelent­scheidungen bezüglich der Anteile der Verkehrsmittel am gesamten Verkehrsaufkommen. Die Verkehrsmittelwahl ist dagegen auf die Entscheidungen der Verkehrsteilnehmer gerichtet (HARTGEN 1970, S. 2 und INFAS 1970, S. 1; in Anlehnung an HELD 1980, S. 49). Dieser Begriff ist für diese Untersuchung als geeigneter anzusehen, da er auf der Ebene der Verkehrs­teilnehmer ansetzt, also bei den Jugendlichen. Dennoch lassen sich Einwände gegen die Inter­pretation der Verkehrsmittelwahl als Wahl im engeren Sinne anführen. „Da der Verkehrsteil­nehmer nicht vor jeder Nutzung eines Verkehrsmittels eine bewußte Abwägung unter den denkbaren und möglichen Alternativen im Sinne einer echten Entscheidung trifft, sondern die Verkehrsmittelnutzung in starkem Maße habitualisiert10 ist, ergibt sich, daß die üblichen Verknüpfungspunkte nicht zur Erklärung des Prozesses, sondern nur zur Abbildung des Verhaltens heranzuziehen sind (insofern ist der auch bei uns zu Abkürzungszwecken verwendete, übliche Terminus ‘Verkehrsmittelwahl’ (Hervorhebung im Original, d. Verf.) nicht korrekt).“ (HELD et al. 1981, S. 402; zitiert nach LITTIG 1995, S. 39)
Im folgenden werden nach eingehender Literaturrecherche Modelle und Theorien11 der Verkehrsmittelwahl aufgezeigt, womit ein - notwendigerweise verkürzter - Ausschnitt des Forschungsstandes gegeben wird, der für diese Arbeit von Interesse ist. Hiermit wird der weitere theoretische Bezugsrahmen, nach den jugendtheoretischen Grundlagen, dieser Arbeit gelegt. Dabei wird weniger eine ausführliche Darstellung der einzelnen Theorien und Modelle angestrebt, sondern versucht, die für diese Untersuchung wichtigen Strukturelemente herauszu­arbeiten sowie deren Einbeziehung in die weitere Arbeit herauszustellen. Dies erscheint insofern gerechtfertigt, als bisher noch kein Ansatz den Status eines zentralen, forschungsleitenden Paradigmas in der Erforschung der Verkehrsmittelwahl erlangen konnte. Für die Auseinandersetzung mit den Theorien und Modellen der Verkehrsmittelwahl wurden folgende fünf Zielsetzungen entwickelt:

  • mit Hilfe dieses Kapitels sollen die Hypothese und die Fragestellungen konkretisiert werden; diese stellen gleichzeitig die Grundlage für die empirische Untersuchung dar,

  • Einflußgrößen der Verkehrsmittelwahl sollen herausgearbeitet werden,

  • es soll zum Verständnis des Verkehrsmittelwahlverhaltens im allgemeinen und im speziellen von Jugendlichen beigetragen werden, in dem die ausgearbeitenden Determinanten in einer empirischen Untersuchung auf ihre Bedeutung für die Verkehrsmittelwahl von Jugendlichen hin untersucht werden,

  • es soll dargelegt werden, daß die Verkehrssozialisation einen entscheidenden Einfluß auf die zukünftige alltägliche Verkehrsmittelwahl hat und

  • durch das Herausarbeiten der Einflußgrößen der Verkehrsmittelwahl und die Behandlung der Theorien und Modelle wird eine Grundlage für das Kapitel 4 geschaffen, das hierauf aufbauend planerische Strategien zur Beeinflussung der Verkehrsmittelwahl aufzeigt.

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