Evangelisches Gemeindelexikon



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Blankenburger Konferenz

Die Geschichte der B.K. deckt sich nicht mit der Geschichte der Ev. —> Allianz in Deutschland, die 1857 erstmalig an die Öf­fentlichkeit trat. Doch ohne sie bleibt die Geschichte der Ev. Allianz unvollständig. Gegründet wurde die B.K. 1886 durch A.v. —» Weling und wuchs allmählich. Jahre hin­durch war der Dr. F. W. —» Baedeker prägend. Während der Deutsche Zweig der Ev. Al­lianz den Landeskirchen gegenüber keinen aggressiven Ton anschlug, hat Blankenburg in den Anfangsjahren fast alle Teilnehmer aus den Reihen der landeskirchlichen Pfar­rer vergrämt. Dabei war die Wirkung dieser Konferenz, die von —» Freikirchen sowie der deutschen —> Gemeinschaftsbewegung mit­getragen bzw. bejaht wurde, trotz immer wieder auftretender extremer Schwankun­gen z.B. während der Pfingst- und Zun­genreden-Bewegung (1900-1910) und in der —» Kirchenkampfzeit, die zur Aufkündigung einer weiteren Zusammenarbeit mit der Ev. Allianz durch die deutsche Gemeinschafts­bewegungführte, stark und nachhaltig. Cha­rismatische Persönlichkeiten wie Freiherr von Thümmler, E. —» Schrenk, O. —» Stock­mayer, Generalleutnant von Viebahn, In­spektor —> Rappard, Freiherr von Tiele- Winckler, später Prof. Karl Müller (Erlan­gen), Pastor E. —> Modersohn, Missionsdi­rektor -» Kroeker u.a. drückten ihr mit ihrer erwecklichen Verkündigung von -> Bekeh­rung und Jesus—» Nachfolge einen unver­kennbaren Stempel auf. 1886 entstand das Allianzhaus mit einer Halle (ca. 2 000 Sitz­plätze) und 1890 das Ev. Allianzblatt, das nach 1970 einging. Blankenburg wurde nach 1945 zum Zentrum der Ev. Allianzkonfe­renz in der DDR. Im Verhältnis zu den Lan­deskirchen trat ein grundlegender Wandel ein. Sie wird von den Landeskirchlichen Gemeinschaften und Freikirchen in der DDR einmütig getragen.

Lit.: E. Beyreuther, Der Weg der Ev. Allianz in Deutschland, 1969

Beyreuther



Blaues Kreuz

  1. Gründung: Das B.K. wurde 1877 in Genf durch Pfarrer Louis Lucien Rochat (1849-1917) gegründet. Dieser war in Eng­land einem geretteten Alkoholiker begegnet und war fortan von der Frage umgetrieben, wie dem übermäßigen Trinken begegnet werden könnte. Während eines internatio­nalen Kongresses zur Hebung der Sittlich­keit in Genf lud er die Teilnehmer zu einer Sonderveranstaltung ein. Im Anschluß an den Vortragsabend verpflichteten sich neben Rochat 27 Christen schriftlich zur Alko­hol-Enthaltsamkeit. Deshalb heißt die Pa­role des B.K.es: »»Evangelium und Absti­nenz«. 1883 gab sich die Vereinigung den Namen »»Schweizerischer Verein des Blauen Kreuzes«.

Durch Rochats Arbeit angeregt, gründete Pfarrer Arnold Bovet r885 in Hagen/Westf. den ersten deutschen Blaukreuz-Verein. Der Vorkämpfer der Blaukreuz-Arbeit in Deutschland aber wurde Oberstleutnant Curt von —» Knobelsdorff. Er gründete 1892 den Deutschen Hauptverein des Blauen Kreuzes e.V. mit seinem Sitz in Wuppertal- Barmen.

  1. Geschichte: Erster vollzeitlicher General­sekretär wurde 1906 der Lehrer Wilhelm Goebel, der die Leitung des Werkes bis zu seinem Tode 1942 innehatte. Sein Bruder, Dietrich Goebel, leitete in der Nähe von Hamm die erste Heilstätte für alkoholsüch­tige Männer, die im Dritten Reich aufgelöst wurde. Die Arbeit konnte 1946 neu begon­nen werden. 1956 wurde Pfarrer Theo Schreiner zum Direktor des Werkes berufen. In seiner Amtszeit wurde der Name in »»Blaues Kreuz in Deutschland e.V.« umbe­nannt. Seit 1965 ist Architekt Kurt Twelker (Kassel) 1. Vorsitzender.

  2. selbstverständnis: Das B.K. versteht sich als Teil der Gemeinde Jesu mit einem be­sonderen diakonischen Auftrag. Es weiß sich der Ev. —> Allianz verbunden und arbei­tet mit Kirchen, —» Freikirchen und Ge­meinschaften zusammen. Die Grundlage für die Arbeit ist der Gehorsam gegenüber dem dreieinigen Gott, wie er sich in der Heiligen Schrift offenbart. Das B.K. in Deutschland ist ein freies Werk, das überwiegend durch freiwillige Gaben und Spenden getragen wird. Es ist dem Internationalen Bund des Blauen Kreuzes angeschlossen, der achtzehn Zentralverbände mit insgesamt 183000 Mitgliedern zählt.

4 Auftrag und Angebot: Die Aufgabe des B.K.es besteht darin, Suchtgefährdeten und Alkoholikern zu helfen und durch Informa­tion dem Mißbrauch des Alkohols entge­genzuwirken. Diese Aufgabe wird durch Einzelmitglieder, Ortsvereine, Gruppen, Freunde und Förderer wahrgenommen. Etwa 7 000 Mitglieder bzw. ehrenamtliche Helfer in mehr als 200 Vereinen und Begegnungs­gruppen begleiten und beraten Alkohol­kranke. Weitere Hilfen werden in Besin­nungswochen für Alkoholkranke und für ehemals Süchtige und für Mitarbeiter durch Rüstwochen, Seminare, Konferenzen auf re­gionaler, Landes- oder Bundesebene gege­ben. Das B. K. unterhält eine Fachklinik, das »Curt-von-Knobelsdorff-Haus«, in Rade­vormwald für alkoholkranke Männer mit 43 Betten; ein Familien-Ferienheim in Bur­bach-Holzhausen mit 100 Betten, sowie Rehabilitationsheime in Bad Salzuflen, Ha­gen, Hagen-Haspe, Kassel, München und Wuppertal mit insgesamt 114 Betten. - Als vorbeugende Maßnahme gilt die Kinder- und Jugendarbeit; insgesamt gehören hierzu 59 Kindergruppen mit 1 600 Kindern und 50 Ju­gendgruppen mit ca. 900 Jugendlichen.

Die Öffentlichkeitsarbeit besteht in der Verbreitung der vom Blaukreuzverlag her­ausgegebenen Zeitschriften »blaues kreuz«, »Rettung« und »füreinander«, dem Fami­lienkalender und dem Bildpostkartenkalen­der; ferner in Sendungen des B.K.es über den -> Evangeliums-Rundfunk, in dem Vertrieb von Tonbändern und Informationsschriften zu dem Thema »Alkoholismus - Hilfe ist möglich« und in der Durchführung von öf­fentlichen Veranstaltungen mit Fachvorträ­gen und Evangelisationsabenden. Das B.K. beschäftigt in der Zentrale und im Verlag, in den Ortsvereinen, im Reisedienst und in den verschiedenen Einrichtungen insgesamt 135 vollzeitliche Mitarbeiterinnen und Mitar­beiter.

Lit.: Charles-L. Deletra: louis lucien rochat - ein bahnbrecher, Bern 19622 - Selbstdarstellung ••Blaukreuz-Arbeit heute« 1975

Frische


Blazejewski, Carl Ferdinand, * 17. 1.

1862 Thom, t 2,4- 5- 1900 Borken b. Bar­tenstein, Gemeindepfarrer. Viele Jahre schwankte er zwischen Skepsis und Glau­ben. In einer Zeit tiefer Niedergeschlagen­heit, als Marinepfarrer, griff er zur Bibel. Sie erwies sich ihm als das Buch der Wahrheit und des Lebens. In der ostdeutschen -» Er­weckungsbewegung bewährte sich B. als be­gnadeter —> Evangelist und Schriftausleger. Auf einer Gemeinschaftskonferenz, an der auch Pfarrer Th. —» Krawielitzki aus Vands- burg teilnahm, bekam B. den Auftrag, die Gründung eines Gemeinschaftsschwe­sternhauses vorzubereiten. Am 2. 10. 1899 eröffnete er es in seinem Pfarrhaus mit vier jungen Schwestern. Damit legte er den Grund für den -» Deutschen Gemein­schafts-Diakonieverband.

Lit.: K. Zdunek, Aus mir Pechvogel wird doch nichts, 19642

Zdunek


Blindenmission -> Christoffel

Blücher, Toni von, * 23. 7. 1836 Stolp, Pommern, f 18. 5. 1906, Berlin. Als Tochter eines Oberstleutnants und Großnichte des bekannten Generals erlebte sie während ei­ner —> Evangelisation des amerikanischen Evangelisten P. —> Smith und Dr. Bae­deker in der Garnisonkirche ihre Bekehrung. Sie begann daraufhin mit Kinderversamm­lungen, Tee-Versammlungen, der Vertei­lung von Traktaten sowie Mütter- und El­ternversammlungen, besonders unter der armen Bevölkerung. So entstand 1883 eine Gemeinde, die im April 1894 in Berlin, Ho- henstaufenstr. 65 ein Gemeindehaus erhielt. In diesen Räumen wurde am 15. 9. 1905 die Bibelschule für »Innere und Äußere Mis­sion« (heute —> Wiedenest) eröffnet, die im April desselben Jahres von führenden Män­nern und Frauen der Evangelischen Al­lianz gegründet worden war.

Herrn


Blumhardt, Christoph Friedrich, * 1. 6.

1842 Möttlingen, f 2. 8. 1919 Bad Boll, stu­dierte Theologie und übernahm nach dem Tod seines Vaters Joh.Chr. —» B. 1880 die Lei­tung von Bad Boll. Auch für ihn stand das —> Reich Gottes im Zentrum der Verkündi­gung. Er erwartete das Reich als Erlösung (—> Heil) der Welt. Diese Erlösung setzt sich im Kampf gegen die Finsternis, d.h. gegen die






Christoph Friedrich Blumhardt


Macht des »Fleisches«, des Egoismus, des Unrechts durch. Besonderes Gewicht erhält der Begriff der Gerechtigkeit, der auch B.s Kritik an der Kirche bestimmt. Denn diese ist selber zu tief mit dem Unrecht in der Welt verquickt, als daß sie wirklich dagegen kämpfen kann. Statt von der Kirche redet er lieber von der —> Gemeinde, wobei die Gren­ze, wer zur Gemeinde gehört, unklar bleibt. Unverkennbar sind gewisse Einflüsse der Zeitphilosophie, insb. der Entwicklungs­und Fortschrittsgedanke. Zwar hält er daran fest, daß das Kommen des »Neuen«, des Rei­ches, Gottes Tat ist, zugleich erscheint die­ses Kommen als ein unaufhaltsamer und letztlich durchschaubarer Weltprozeß. Nicht mehr in wunderbaren Geist Wirkun­gen, sondern im Kampf gegen Armut und Not wird das »Neue« manifest, weshalb er sich im Kampf der Arbeiterschaft anschloß, der Sozialdemokratie beitrat und Landtags­abgeordneter wurde. Weil die Gottesherr­schaft vor allem als Macht verstanden ist, die die Welt verwandelt, ist die Heilserwar­tung universalistisch und in gewissem Sinn diesseitig. B. übte starken Einfluß auf die Bewegung des religiösen —> Sozialismus in der Schweiz (H. Kutter, L. Ragaz) aus.

Lit.: G. Sauter, Die Theologie des Reiches Gottes beim älteren und jüngeren B., 1962

Flückiger



Blumhardt, Johann Christoph, * 16. 6.

1805 Stuttgart, + 25.2. 1880 Bad Boll, aufge­wachsen unter dem Einfluß eines von Bengel und Oetinger geprägten —» Pietismus, Theo­logiestudium in Tübingen (Stift), 1829 Vikar in Dürrmenz, 1830 Lehrer am Missionshaus Basel, 1837 Vikar in Iptingen, 1838 Pfarrer in Möttlingen. Hier wird ihm der seelsorgerli- che Kampf um die Heilung der seelisch-kör­perlich kranken Gottliebin Dittus zum ent­scheidenden Erlebnis: Deren Krankheit ent­hüllt sich ihm als eigentliche Besessenheit, zugleich »überkommt« ihn die charisma­tisch zu nennende Gewißheit der helfenden Macht Jesu. Die Seelsorge wird zum Gebets­kampf, der in der Weihnachtswoche 1843 mit einer dramatischen und endgültigen Heilung des Mädchens endet. Dem Ereignis folgt eine Erweckungsbewegung in M., ge­kennzeichnet als Bußbewegung und Absolu­tion, zugleich begleitet von —» Krankenhei­lungen. Der Prediger und Seelsorger B. wird nun von Tausenden aufgesucht, was ihn nö­tigt, 1852 das Gemeindepfarramt aufzuge­ben, um sich im neu erworbenen Bad Boll ganz dem Kampf gegen das »Elend« der Menschen, das ihm in den Hilfesuchenden entgegentritt, zu widmen. 1869 und 1872 treten auch seine beiden Söhne in den Dienst des Werkes.

Es geht B. um eine charismatische Erneue­rung der Gemeinde Christi. Er will, daß seine Zuhörer sich nicht mit dem Hören des




fohann Christoph Blumhardt


Wortes begnügen, sondern dessen Wirkung erfahren, nämlich den —> Geist, den das Wort vermittelt. Er sieht diese Wirkung aufgehal­ten durch die Gebundenheit der Menschen unter die Macht der Finsternis. Der Sinn des »Kampfes« ist daher die Brechung dieser Macht durch das rettende »Eingreifen« Jesu. »Jesus ist Sieger«. Glaube darf sich nach B. nicht auf die Gerechtmachung und Neu­schöpfung erst im Jenseits vertrösten, son­dern muß jetzt schon zum Durchbruch, zur Buße und zur Erfahrung der —» Wiedergeburt im Geiste führen. Die Zeichen der macht­vollen Gegenwart Jesu sind für B. ein »An­geld« der kommenden Erneuerung und Ret­tung der ganzen Welt durch das Kommen Christi, das —» Reich Gottes. Die charisma­tische Erfahrung geht Hand in Hand mit ei­ner intensiv gesteigerten endzeitlichen Hoffnung, die dem sehnsüchtig und für bald erwarteten Tag entgegensieht, wo die Macht Satans endgültig zerbricht und die ganze Welt der Herrlichkeit Gottes voll sein wird.

Lit.: Fr. Zündel, Joh.Chr. Blumhardt, i88ou.ö.-G. Sauter, Die Theologie des Reiches Gottes beim äl­teren und jüngeren B., 1962

Flückiger

Bodelschwingh, Friedrich d. Ä. von,

*6.3.1831 Tecklenburg, 12.4.1910 Bethel.

B. wurde als 6. Kind des westfälischen Landedelmanns, Oberpräsidenten und Fi­nanzministers —> Friedrich Wilhelms IV., Ernst von B., geboren und wuchs in Berlin u.a. als Spielgefährte des späteren Kaisers Friedrich III. auf. Von daher hatte er allezeit gute Beziehungen zum kaiserlichen Hof. Zunächst erlernte er von 1849 bis 1851 die Landwirtschaft und war dann als Gutsver­walter in Pommern tätig. Mit durch eine Missionspredigt angerührt, entschloß er sich 1854, Theologie zu studieren und Mis­sionar zu werden. Er studierte in Basel (—» Auberlen), Erlangen und Berlin,- W. —» Löhe in —» Neuendettelsau und Christoph —» Blumhardt in Bad Boll wurden seine eigent­lichen Lehrer in praktischer Theologie. Nach Studienabschluß wurde er 1858 Hilfs­prediger und Pastor der deutschen Ge­meinde in Paris und nahm sich dort beson­ders der Lumpensammler und Straßenkeh­rer an. Von 1864 bis 1872 wirkte er als Pastor in Dellwig bei Essen, wo er 1869 innerhalb von 14 Tagen seine 4 Kinder an einer Keuch­hustenepidemie verlor.

1872 übernahm er in Bielefeld die Leitung






Friedrich von Bodelschwingh d.Ä.


des 1869 gegründeten Diakonissenhauses und des ihm angegliederten Pflegehauses für epileptische Kinder. Schritt für Schritt baute er nun in einem Seitental des Teutoburger Waldes -» Bethel als Heimstatt für die von der Gesellschaft verstoßenen Epileptiker auf, wobei er bewußt die Gründung einer Anstalt vermied, sondern das Modell einer Großfamilie in Leben und Arbeiten vor Au­gen behielt. Ziel seiner Wirksamkeit war weniger die Durchführung eines sozialen Programms als der Wille, auch den Kranken ihre Gottesebenbildlichkeit (—»• Mensch) zu verkündigen und sie zur -> Nachfolge Chri­sti aufzurufen. Aus diesem Ziel heraus kam es 1877 zur Gründung der Diakonenanstalt Nazareth. Wenig später wandte sich B. der Nichtseßhaftenfürsorge zu und gründete die Kolonistenhöfe von Wilhelmsdorf und spä­ter Freistatt bei Sulingen und Hoffnungstal bei Berlin, um durch Arbeit und Gemein­schaft der Verelendung der Wanderarmen abzuhelfen (»Arbeit statt Almosen«). Er knüpfte dafür Beziehungen zur Regierung und zur Sozialdemokratie, wurde Abgeord­neter im Parlament und unbequemer Mah­ner des ganzen deutschen Volkes. Mit der Gründung des Vereins »Arbeiterheim« baute er in der Nähe Bethels eine Eigen­heimsiedlung für Arbeiter auf und nahm damit den Gedanken des sozialen Woh­nungsbaus um Jahrzehnte vorweg.

In Bethel war mit der Gründung des Hauses Morija die Betreuung der seelisch und geistig Kranken aufgenommen worden. 1890 trat B. in den Vorstand der 1886 gegründeten »Ev. Missionsgesellschaft für Deutsch-Ostafri- ka«, die 1906 nach Bethel verlegt wurde. Die Einsicht in die Zusammengehörigkeit von —> Innerer und Äußerer —> Mission ließ B. diesen Missionszweig in sein Werk integrie­ren und in Ostafrika u.a. ein kleines Bethel (Epilepsie- und Geisteskrankenhaus in Lu- tindi) aufbauen.

1890 begründete B. ein Kandidatenkonvikt, um das Interesse für -> Diakonie auch in der Pfarrerschaft zu wecken. Hieraus erwuchs 1905 die Theologische Schule, die ursprüng­lich als freie theologische Fakultät gegen die herrschende —» liberale Theologie geplant war. In der Gründung dieser Hochschule kommt B.s Beitrag zur Studienreform und praxisbezogenen —> Ausbildung des Theolo­gen zum Ausdruck.

Aus dem Nichts hatte er so in vier Jahrzehn­ten das größte diakonische Werk der Welt aufgebaut und wurde als Pastor der Zions­gemeinde zum Anwalt der Notleidenden in Deutschland und aller Welt.

Lit.: Ausgewählte Schritten, 3 Bände, hg. v. A. Adam, 1955 bis 1964 - Briefwechsel, Teil 1 bis 12, hg. v. A. Adam 1966 bis 1974- Uber B.: M. Gerhardt-A. Adam, F. von B., 3 Bde., 1950 bis 1958 - K. Pergande, Der Einsame von Be­thel, 1953 -B. Grämlich, B., Bethel und die Barm­herzigkeit, 1964

Ruhbach

Bodelschwingh, Friedrich d.J. von, ‘14.


  1. 1877 Bethel, [4. 1. 1946 ebda.

Als jüngster Sohn des ersten Leiters von —> Bethel wurde er zeitlebens von der Autorität seines Vaters geprägt. Von früh an empfing er in der Gemeinschaft von Gesunden und Kranken bleibende Eindrücke. Sein Theolo­giestudium in Bonn, Basel, Tübingen und Greifswald brachte ihn in enge Verbindung mit H. —» Cremer und A. —» Schiatter, die bis zu deren Tod andauerte. Von Natur aus schüchtern fühlte sich der hochbegabte B. eher zur Wissenschaft gezogen; er folgte aber 1901 dem Ruf seines Vaters und übernahm 1910 nach dessen Tod die Leitung der Bethe- ler Anstalten.

Bald wuchs B. in sein Amt hinein und ver­schaffte sich als Prediger, Seelsorger und Vermittler zwischen mancherlei gegensätz­lichen Traditionen Respekt und Verehrung. Anders als sein Vater nahm er die Leitungs-






Friedrich von Bodelschwingh d.J.


aufgaben weniger autokratisch als kollegial über eigens dafür geschaffene Gremien wahr. Der gewaltige Aufschwung, den Be­thel unter seiner Hand erfuhr, ist ein deutli­ches Zeichen für seine Führungsqualitäten. Neue Pflegehäuser wurden errichtet, die eine stärkere Differenzierung der Kranken ermöglichten, Zweiganstalten wie Ek- kardtsheim wurden gebaut und ausgebaut, das Schulwesen in Bethel wurde erweitert, die Kapazität der Theologischen Schule ver­größert und auch die Arbeit der Bethelmis­sion intensiviert. Die medizinische For­schung besonders der Epilepsie wurde vor­angetrieben, die Arbeitstherapie nach noch heute modernen Gesichtspunkten weiterge­führt, die Fürsorge für Flüchtlinge, Auswan­derer und Fremdenlegionäre wie die Betreu­ung der Nichtseßhaften mit allem Nach­druck betrieben. In der Zeit der großen Ar­beitslosigkeit rief B. einen freiwilligen Ar­beitsdienst ins Leben. Als neues Arbeitsge­biet kam die bald lebhaft blühende Schrif­tenmission (-* Literaturarbeit) Bethels hin­zu. Nur die Zeit der beiden Weltkriege führte zu einer Stagnation im Aufbau, in den Kriegsjahren 1943 bis 1945 sogar zur Zerstö­rung mehrerer Häuser durch Bomben.

Im beginnenden Kirchenkampf hielt sich B. zurück, erschien jedoch als der geeignete Repräsentant des bekenntnisgebundenen Protestantismus und wurde am 27.5.1933

von den Bevollmächtigten der Landeskir­chen zum Reichsbischof der Deutschen Ev. Kirche gewählt. Durch die Einsetzung A. Jä­gers zum Staatskommissar für die preußi­schen Landeskirchen sah sich B. jedoch be­reits 27 Tage später gezwungen, sein Amt zur Verfügung zu stellen. Blieb er selbst auch während des weiteren Kirchenkampfes im Hintergrund, so stellte er Bethel immer wie­der für Tagungen den Gremien der Beken­nenden Kirche zur Verfügung, arbeitete selbst in den Leitungsgremien der Inneren Mission mit und stand vielen Ratsuchenden zur Seite. Erst als der NS-Staat mit seiner Eu­thanasie-Aktion das Leben seiner Kranken bedrohte, trat B. den Staatskommissaren in den Weg und erreichte zusammen mit ande­ren den Abbruch der ganzen Aktion. Am 4.1.1946, mitten im Wiederaufbau Bethels und der —» Ev. Kirche Deutschlands stehend, starb er als todkranker Mann.

Werke: Lebendig und frei, Band 1-3, 1949 - Der Weg zum Bruder, 1953

Über B.: W. Brandt, F. von B., Nachfolger und Ge-



Böhme, Jakob —> Pietismus II

Boehmerle, Theodor, * 25. 6.1870 Eßlin­gen, t 7. i- 1927 Langensteinbach. Ev. Theo­loge. 1903-1908 Reise-Inspektor des Ev. Vereins für -» Innere Mission Augsburgi- schen Bekenntnisses (Badischer Gemein­schaftsverband), 1909-1927 Bibelheimlei­

ter. In der 1905 gegründeten Zeitschrift »Reichsgottesbote« und auf Bibelkursen übte B. einen nachhaltigen Einfluß auf den süddeutschen —> Pietismus aus. Von schwä­bischer —> Theosophie (Oetinger, J.M. —> Hahn) und H. -h» Cremer geprägt, vertrat B. eine strenge Wiederbringungslehre: Nach einem vorzeitlich gefaßten »Wohlgefallens­plan« (Eph r ,4f.) läuft die —> Heilsgeschichte in vielen Gottzeitaltern ab. Gott schafft mit dem Himmel auch die Engel und den Satan. - Jesus erlöst durch sein Blut eine »Aus­wahlgemeinde«, die entrückt wird. - Israel treibt dann im iooojähr. Reich Mission un­ter den Nationen. Am Ende wird alles, auch der Satan, Gott unterworfen (—> Allversöh­nung). - 1909 gründete B. das Bibelheim Be­thanien, das 1927—35 von Adolf Pfleiderer, seitdem von Wilhelm Beck in den Linien B.s weitergeführt wird.

Lit.: Reichsgottesbote, 1905 -1927- Die Gemeine, Monatsschrift, 1924-26 - Gleichnisse Jesu, i960 - G. Urban, Theodor Boehmerle. Ein Zeuge Jesu Christi und Seiner Gemeinde, 1973

Rothenberg



Böse, Das

I. Biblische Orientierung

  1. Das Problem des B. begegnet uns schon auf den ersten Seiten der Bibel. Gen 3 er­zählt, wie der Mensch im Bestreben, so sein zu wollen wie Gott, dessen Gebot Übertritt. Zwei Sachverhalte kommen hier zur Spra­che, die in der ganzen Bibel immer wieder auftauchen: 1. Der Mensch wird zum Tun des B. verführt, d.h. das B. erscheint als Macht und zugleich als Tat. 2. Trotz dieser »Fremdbestimmung« behaftet Gott den Menschen bei seiner Tat und zieht ihn zur Verantwortung. Über den Ursprung des B. sagt Gen 3 nichts aus; diese Frage bleibt von der Bibel letztlich unbeantwortet. Das AT wehrt zumindest jeden Versuch ab, das B. einem von Gott entzogenen, eigenständigen Machtbereich zuzuordnen (vgl. Hiob 1 und 2). Gott kann es in seinen Dienst nehmen (vgl. 2 Sam 24,1.10).

  2. Die Botschaft des Sieges Jesu über das B. gehört zum Zentrum des NT. Als Urheber allen Übels wird der Satan gesehen (1 Joh 3,8 ff). Deshalb gilt ihm der Kampf Jesu. Stärker noch als das AT stellt so das NT den Gegen­satz zwischen Gott und dem Satan (—» Teu­fel) in den Vordergrund, ohne deshalb aber den Gedanken des Monotheismus (die An­erkennung und Verehrung eines einzigen Gottes) aufzugeben. Der Satan wird als Fürst dieser Welt bezeichnet, der seine Herrschaft über die Menschen ausübt (Lk 4,6; Joh 12,31; 2 Kor 4,4). Jesu Begegnung und Überwindung des B. vollzieht sich in vielerlei Weise, ent­sprechend der mannigfaltigen Gestalt des B. (vgl. Mt 4,1—11; Mk 8,31-33; Mk 1,21-28). Der Mensch kann sich vom B. nicht selbst befreien; dies führt Paulus in Röm 7,19 ff aus, wo er auf die Sünde als die über den Menschen herrschende Macht hinweist; der Mensch ist gezwungen, B. zu tun, obwohl er das Gute will. Weil die Sünde über ihn herrscht, sündigt er auch. Indem Christus die Schuld des Menschen auf sich genom­men hat und ihn an seinem Sieg teilhaben läßt, wird der Mensch vom Gesetz der Sünde befreit (Röm 8,2). Dieser Sieg Jesu bedeutet nun freilich nicht die Beseitigung des B. auf dieser Erde. Die Gemeinde Christi selbst steht ja im täglichen Kampf. Dem entspricht die Bitte des Vaterunsers um Erlösung von dem B. (Mt 6,13). Am Ende der irdischen Ge­schichte konzentriert das B. sich zu einer großen widergöttlichen Macht (2 Thess 2,4.8; Offb 13; 17) mit umfassendem Herr­schaftsanspruch. Es zeigt sich in machtvol­len Taten und wird endgültig besiegt durch die —> Wiederkunft Christi.

II. Das Problem des B. in der Gegenwart In den vergangenen Jahrzehnten sind vor al­lem zwei Tendenzen bemerkbar:

  1. Das B. hat sich in einer schreckenerre­genden Weise entfaltet und in Personen, Strukturen und Ereignissen offenbart. Es sei hier nur an die Kriege der letzten vier Jahr­zehnte erinnert mit ihren grausamen Dik­tatoren und furchtbaren Möglichkeiten der Vernichtung, an die starke Ausbreitung atheistischer —> Ideologien und an das An­wachsen des Okkultismus (—> Aberglaube) in jüngster Zeit.

  2. Parallel zu dieser Entwicklung ist das Be­streben zu beobachten, das B. vernünftig zu erklären und so in den Griff zu bekommen. Auf dem Gebiet der Theologie entwickelt sich dieses Vorhaben im Gefolge des Entmy- thologisierungsprogrammes von R. -» Buh­mann, {-» Moderne Theologie), der sich auf die Naturwissenschaften beruft: »Erledigt ist durch die Kenntnis der Kräfte und Ge­setze der Natur der Geister- und Dämo­nenglaube .. .«. Andere Wissenschaften — etwa Psychologie und Soziologie - suchen die Einflüsse aufzuspüren, die einzelne Menschen oder Gruppen für das B. öffnen. Oft wird dabei der Optimismus geäußert, die Beseitigung bestimmter Verhältnisse schaffe auch das B. aus der Welt. Das Aus­maß des B. jedoch und seinen letzten Grund kann keine Wissenschaft einleuchtend er­klären. Da, wo es gelungen ist, Lebensbedin­gungen im beabsichtigten Sinn zu verän­dern, tauchte das B. oft in ganz anderer Form und noch bedrohlicher als vorher auf. Aller­dings können die Wissenschaften bei Aner­kennung ihrer Grenzen eine wichtige Hilfe im Kampf gegen das B. sein. Die Bibel spricht von einem Machtbereich des B. (Mk 3, 24-27), der dem Menschen nicht verfügbar ist. Christen glauben aber nicht an den Sa­tan, sondern gegen ihn. Er steht im Schatten Gottes. Der Glaube an den Sieg Jesu am Kreuz ermöglicht eine der Wirklichkeit an­gemessene Haltung, die den Kampf mit den Mächten der Finsternis aufnimmt (Eph 6,12 ff). -» Teufel

Lit.: O. Michel und A. Fischer, Gestaltwandel des Bösen, 1975

Weiland


Bonekemper, Joh., *1796 Niederbreun­feld, f 24. 1. 1837 Nümbrecht. Als früh ver­waister Schmiedelehrling im Jünglingsver­ein von P. Döring in Elberfeld erweckt. Vor der Ausbildung im Basler Missionshaus ist B. 1 /4 Jahr bei Pestalozzi. 1824 wird B. als Pa­stor an die deutsch-ev. Gemeinde Rohrbach bei Odessa nach Rußland gesandt. Die ver­wahrloste Gemeinde erlebt eine tiefgehende —» Erweckung. —>■ Stunden entstehen und werden durch einen Brüderrat geleitet. B. er­fährt von der Kirchenbehörde konfessionelle und persönliche Gegnerschaft. 1848 über­nimmt er die Gemeinde Atmagea in der tür­kischen Dobrudscha. 18 s 1 zieht er in seine Heimat, wo er mit 61 Jahren stirbt. - Sein äl­tester Sohn Karl wird später Nachfolger des Vaters, für die russischen Arbeiter hält er die »Stunde« in russischer Sprache. Dadurch entstand der -* Stundismus.

Lit.: H. Brandenburg, Christen im Schatten der Macht, 1974

Brandenburg



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