Tagebuch ohne Fotos zum Drucken



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Sonntag, 29. März 2009

An diesem Morgen sind wir um kurz vor sieben aufgestanden, haben uns schnell frisch gemacht und sind nach einem Morgengebet sofort (und ohne Frühstück) ins Frauenkloster zur Göttlichen Liturgie gefahren. Nach der Göttlichen Liturgie sind wir noch zur Akafist und zur Moleben (ein Gottesdienst) geblieben bis zur Öffnung des Schreins der Heiligen Fevronia und Pjotr. Zum Essen sind wir ebenfalls im Kloster geblieben, da uns eine junge Nonne eingeladen hat. So haben wir an einem separaten Tisch gemeinsam mit ihnen zu Mittag gegessen. Es gab eine leckere Suppe und einen Kartoffel-Möhren-Eintopf. Es sehr lecker geschmeckt - und auch der Ketchup, den es dabei gab, wird mir in sehr guter Erinnerung bleiben. Während dem Essen haben die Frauen hundertmal das Trishagion gesungen - fünfzig Mal für den Staat und fünfzig Mal für die Regierung. Später hat Masha mir erzählt, dass die Nonne mit uns nach Moskau fahren würde, da sie dort studiert. Nach dem Essen sind wir ins benachbarte Männerkloster gefahren, wo die Gebeine von drei Fürsten aufbewahrt sind. Dort haben wir auch Teile einer Taufe gesehen, die ich mir mit Verstand angeschaut habe. Leider war sie schon sehr schnell vorbei. Zunächst wollte eine Angestellte der Kirche uns dort nicht hinlassen, hat dann aber nachgegeben und wir konnten zuschauen. Anschließend sind wir zur Nicola-Nabereshnij-Kirche gefahren, wo wiederum eine Heilige liegt. Dort kamen wir gerade pünktlich zu einer weiteren Kindertaufe, die einen besonderen Charakter hatte, so dass es sich lohnt, darüber zu berichten. Zunächst war die Mutter noch sehr, sehr jung, sie hatte eine Freundin mitgebracht und dann die beiden Taufpaten. Da alle mit der Kirche "nichts am Hut haben" hat der Priester, Vater Michael, alles sehr jugendlich und sehr gut zugänglich für die kleine Gruppe gemacht und auch dann und wann mal ein Wort gesagt, dass eigentlich nicht so richtig in die passen mag. In der Russisch-orthodoxen Kirche gehört zum Widersagen des Satans dazu, dass man dreimal auf den Teufel spuckt, beziehungsweise es vielmehr andeutet. Das hat Vater Michael den Taufpaten gezeigt und daraufhin haben die beiden losgespuckt, allerdings in die falsche Richtung, worauf Vater Michael dann leicht entrüstet, aber nicht böse sagte, dass sie in Richtung Norden zu spucken hätten. Als das Sprechen des Glaubensbekenntnisses anstand, wusste er sehr früh, dass die beiden es nicht kannten und hat es dann für die beiden vorgelesen. Und als er das Evangelium lesen wollte, wurde laut von den Angestellten und anderen Gästen gesprochen und dann rief er laut und stimmgewaltig quer durch die Kirche "Evangelium tschitajem (wir lesen das Evangelium)", worauf es schlagartig mucksmäuschenstill in der Kirche wurde, was er zufrieden mit einem "Vot! (So!)" quittierte. Den Taufgottesdienst hatte er auf das Allernotwendigste zusammengekürzt und anschließend mit lockeren Worten aber dennoch ernst die Taufpaten über ihre Aufgaben informiert. Da mir diese kleine Gruppe irgendwie sehr am Herzen lag, habe ich denen für ein paar Rubel ein kleines Taufgeschenk gemacht: eine Christusikone und ein kleines Gebetbuch - was Masha als "kleine Nachhilfe" bezeichnete.

Nach der Taufe sind wir dann in das Spasskij-Kloster gefahren, dass wir uns in Ruhe angeschaut haben. Mashas Eltern sind dann zum Schlafen zurück ins Hotel gefahren, so dass wir Zeit hatten, alles in Ruhe zu genießen: Es war frühlingshaft warm, es lag noch herrlicher weißer Schnee, blauer Himmel, die Sonne schien und eine wunderschöne Aussicht auf den Fluss Oka und das Land dahinter! Und die Klosteranlage passte einfach herrlich dort herein, so dass ich schon wieder an Moskau denkend kaum von dort weg wollte. Im Kloster waren auch zwei Pferde, die wir ein wenig gestreichelt haben - was ein Pferd mit einem leichten Biss in Mashas Arm quittiert hat. Anschließend waren wir noch in dem Laden für christliches Equipment und in dem Klosterladen, der zur Fastenzeit völlig unpassende Produkte verkauft. Dort haben wir einerseits Kuchen gekauft und ich etwas Brot für zu Hause - hier war es um die Hälfte günstiger. Auf dem Weg zurück zum Hotel habe ich Masha stückweise getragen, weil einfach zu viel Wasser und Schneematsch auf dem Gehweg lag und ihre Schuhe schon feucht geworden sind. Hier war wegen dem Tauwetter noch wesentlich mehr Wasser auf den Straßen als in Moskau, so dass ich selbst ich mit meinen hohen Schuhen sorgfältig schauen musste, wo ich entlanggehe. Zurück im Hotel haben wir uns noch kurz ausgeruht und dann sind wir gemeinsam nach Moskau aufgebrochen, haben aber erst die Nonne aus dem Frauenkloster abgeholt. Am Ortsausgang von Murom stand ein Kriegsdenkmal in Form einer Dampflokomotive mit Kriegsverkleidung, die ich auf den Sprung noch fotografiert habe. Den Rückweg von 293km haben wir innerhalb von dreieinhalb Stunden zurück gelegt.

Zurück in Moskau haben wir noch gemeinsam zu Abend gegessen, ich habe dann mit meiner Mutter telefoniert und alles Neue erzählt und erzählt bekommen und bin dann wie gewohnt in der Elektritschka ins Wohnheim gefahren. Auf dem Heimweg habe ich Oleg getroffen, mit dem ich mich noch gut unterhalten habe. Im Wohnheim bin ich dann gleich ins Bett gefallen, ich habe vorher nur noch die Tasche ausgepackt.

Nun hat es während dem Telefonat mit meiner Mutter eine Hiobsbotschaft gegeben: Es war geplant, das Gepäck über die gleiche Firma zurück nach Deutschland transportieren zu lassen, wie auch auf dem Hinweg. Dies funktioniert nun leider nicht, weil die Spedition lediglich von Deutschland nach Russland transportiert. Nun muss ich ernsthaft schauen, wie ich am kostengünstigsten meinen Kram nach Hause transportiert bekomme und gegebenenfalls umplanen.

Die Taufen waren sehr interessant zu beobachten und brachten natürlich einige Erinnerungen an Irkutsk und an die Vorlesung des Münsteraner Liturgie-Professors mit sich - dies waren ja immerhin die Auslöser für mein Studium in Moskau und das Interesse an der Russisch-orthodoxen Kirche. Nun hatte ich das erste Mal die Gelegenheit, nicht nur eine Taufe vom Anfang bis zum Ende zu sehen. Nach der Version von Vater Michael begann die Taufe mit der Wasserweihe - zunächst hat er seinen Finger hereingehalten und die Temperatur des Wassers mit "kalt" bezeichnet. Kurz darauf kam eine der Frauen der Gemeinde mit einem Zinkeimer mit heißem und dampfendem Wasser, dass sie dann in das Taufbecken gegossen hat. Daraufhin folgte die Ölweihe. Ähnlich wie in der katholische Kirche auch folgte das Absagen an den Satan, dazu gehört auch, dass die Taufpaten symbolisch mit dem Rücken zur Ikonostase und damit in Richtung Westen spucken - und dies, wie eben beschrieben, auf den Teufel. Anschließend sprechen die Taufpaten das Glaubensbekenntnis anstelle des Kindes. Dann folgte die Ölsalbung und währenddessen haucht der Priester drei Mal auf das Kind. Dann wird das Kind vom Priester in das Taufbecken gehoben und hereingesetzt und dreimal mit Wasser überschüttet, dabei spricht der Priester "Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes." Im Anschluss bekommt das Kind ein Kreuz umgehängt, das an einem Bändchen hängt. Dann folgt die Myronsalbung - dies ist sehr kostbar und heilig, daher wird es in der Regel nach dem Evangelium wieder abgewaschen - es darf nicht an die Kleidung kommen (der Patriarch und nur der Patriarch kann es, bereitet am Gründonnerstag Myron vor). ater Michael hat es sofort wieder abgewaschen - vielleicht, weil es in der Kirche nicht gerade sonderlich warm war. Vor dem Evangelium (Mat 28,16-20) wird das Kind dreimal um das Taufbecken getragen, der Priester geht das Kreuz haltend voraus und aus dem Römerbrief (Röm 6,3-11) gelesen. Dann werden drei Haarsträhnen vom Kopf des Kindes geschnitten als Symbol des eigenen Taufwillens und letztlich wird das Kind, sofern es ein Junge ist, vom Priester in den Altarraum getragen und ein Mädchen wird vor die Ikonen bei den Zarentüren gehalten und der Priester zeichnet mit dem Kind in den Händen ein Kreuz vor den Ikonen. Dann wird das Kind der Mutter übergeben und die Taufzeremonie ist zu Ende.

Montag, 30. März 2009

Nachdem ich gestern nur noch ein paar Stichpunkte ins Tagebuch geschrieben habe, ist daraus am heutigen Morgen für die letzten beiden Tage ein Text geworden. Ich dachte eigentlich, dass ich das in zwei Stunden schaffen könnte, habe mich aber geirrt - ich habe lediglich einen Großteil des Textes geschafft. Als ich im Internet war, habe ich noch schnell ein paar Bilder eingefügt - aber längst noch nicht alle. Den Rest habe ich dann bei Masha gemacht, bei der ich nach der Vorlesung wieder einmal zu Gast war. Dort habe ich zunächst die ganzen Bilder bearbeitet, verkleinert und dann in die Seite eingefügt. Das hat noch einmal fast eine Stunde gedauert, zumal mir Mashas kleiner Kater Pjatnisch dabei fleißig geholfen hat. Zudem haben wir gemeinsam an unseren Studienprojekten gearbeitet. So war heute an für sich ein ruhiger Tag - der nach dem Ausflug auch ganz angebracht war.

 
Dienstag, 31. März 2009

Nun ist heute schon der letzte Tag des Monats März und es verbleiben mir nur noch wenige Monate in Russland, Moskau und der Orthodoxie. Es sind immer die Momente, die mich wie aus einem wunderschönen Traum erwachen lassen und in die Realität zurückholen scheinen zu wollen. Ich hoffe, dass die letzten Monate genauso schön und gut werden, wie die ersten Sieben,  die für mich zu einer unvergesslichen Zeit geworden sind.

Der Tag ist heute völlig normal verlaufen - so wie jeder Tag in der Fastenzeit: Zunächst habe ich am Morgen Wäsche gewaschen und bin dann zu den Vorlesungen in die Universität gefahren. Hier habe ich wieder verhältnismäßig viel verstanden - mir scheint das Thema Liturgik wohl irgendwie zu liegen, zumindest ist der "liturgische Dienstag" der Tag, an dem das Verständnis am höchsten ist - dicht gefolgt von den Vorlesungen bei Vater Valentin. Nach den Vorlesungen wollte ich eigentlich ein paar Briefmarken kaufen, doch die Schlange am Schalter war einfach zu lang, so dass ich direkt zu Masha gegangen bin. Sie war noch nicht zu Hause, hat mich aber gebeten, etwas zu kochen. Ich habe erst den Kühlschrank durchforstet und bin dann mit den Ergebnissen im Kopf einkaufen gefahren - dorthin, wo ich immer einkaufe. Und so habe ich dann Salat gemacht und als Hauptgericht Nudeln mit einer Tomatensoße, die dann von allen gelobt worden ist. Den Abend haben wir beide dann mit dem Übersetzen eines alten Textes verbracht und wir haben eine Postkarte an eine gemeinsame Bekannte geschrieben. Wie immer bin ich dann um kurz nach zehn zur U-Bahn gehechtet und war dann um Punkt elf im Wohnheim zurück und habe dann um kurz nach Mitternacht im Bett gelegen.

 

 



Mittwoch, 01. April 2009

 

1.) Du bist mein Helfer und mein Retter in der Not.



Diesen meinen Gott erhöhe und preise ich,

meinen heiligen Gott, ihn erhöhe ich,

weil er ruhmreich ist.

Erbarme Dich meiner, Gott, erbarme Dich meiner.
2.) Sehet, sehet, dass ich Gott bin,

Manna ließ ich regnen

und ließ Wasser aus Steinen hervorspringen

vor langer Zeit in der Wüste für mein Volk

mit rechter Hand und mit großer Stärke.

Erbarme Dich meiner, Gott, erbarme Dich meiner.
3.) Festige mein Herz, Herr,

auf dem unerschütterlichen Stein Deiner Weisungen,

denn Du allein bist Herr und Heiliger.

Erbarme Dich meiner, Gott, erbarme Dich meiner.
4.) Der Prophet hörte von Deinem Kommen, oh Herr,

und war in Angst,

da Du geboren warst von einer Jungfrau

und zeigtest Dich den Männern  und er sagte:

Ich habe den Bericht von Dir gehört und bin in Angst.“



Ehre sei Deiner Kraft, oh Herr.

Erbarme Dich meiner, Gott, erbarme Dich meiner.
5.) Tief in der Nacht,

um Dich früh zu sehen,

erleuchte mich und ich bete, Menschenliebender,

führe mich ein in Deine Weisungen und lehre mich, Retter,

Deinen Willen zu tun.

Erbarme Dich meiner, Gott, erbarme Dich meiner.
6.) Ich rufe mit meinem ganzen Herzen zu Gott

und er hörte mich aus der tiefsten Hölle

und ließ aufgehen mein Leben aus dem Verderben.

Erbarme Dich meiner, Gott, erbarme Dich meiner.
Kondak: Meine Seele, meine Seele, erhebe Dich.

Warum schläfst Du?

Das Ende zeichnet sich bald ab

und Du wirst Dich verirren.

Wache auf, und dann sei wachsam,

das Christus unser Gott möge Dich bewahren,

denn er ist überall und erfüllt alles.
7.) Wir haben gesündigt, zuwidergehandelt,

Falsches getan vor Dir,

wir haben nicht gesehen oder getan,

wie Du uns angewiesen hast,

aber gib uns nicht auf, oh Gott unserer Väter.

Erbarme Dich meiner, Gott, erbarme Dich meiner.
8.) Unaussprechlich ist die samenlose Geburt des Kindes,

makellos die Schwangerschaft von der Jungfrauen Mutter,

für die Geburt von Gott Erneuerung der Naturen.

So erhöhen wir Dich, in rechtgläubiger Weise

als die Mutter und Braut von Gott.

Erbarme Dich meiner, Gott, erbarme Dich meiner.
Hochwürdige Mutter Maria, bete zu Gott für uns.

Heiliger Vater Andrej, bete zu Gott für uns.
Gesang des Chores beim Kanon des Hl. Andrej Kritskij
Mit dem letzten Tag im Monat beginnt ein neuer Monat - der erste April in diesem Fall. Während es in Deutschland üblich ist, die Menschen in den April zu schicken, scheint man dies hier nicht zu kennen. Zumindest hat es bei mir keiner probiert - oder es hat nicht geklappt. Dennoch hat die Universität heute einige Studenten nach Deutschland geschickt, damit sie dort für ein paar Monate an der Berliner Humboldt-Universität studieren und Deutsch lernen können. Dabei sind Daniel und Alexeij, letzteren habe ich heute noch kurz vor dem Abflug in der Stalowaja getroffen und konnte ihm von viel Erfolg für sein Studienvorhaben wünschen, dass ihn sehr wahrscheinlich auch nach Münster führen wird.

Den Morgen habe ich damit verbracht, mein Zimmer im Wohnheim zu reinigen: Staub feucht wischen, Staubsaugen, aufräumen und letztlich habe ich auch Wäsche gewaschen. Nun sieht es wieder sehr wohnlich bei mir aus - auch wenn in gewohnter Weise noch einige Wäsche im Fenster hängt. Gegen elf Uhr bin ich dann in die Universität gefahren und habe dort Vitali getroffen, dem ich meinen Meyendorf-Text auf einem USB-Stick zum übersetzen gegeben habe. Er hat das Programm auf dem Computer, das bei mir nicht funktionieren will und mit dem man prima Texte vom Russischen ins Deutsche und noch besser umgekehrt übersetzen kann. Und so hat er mir nach der Vorlesung den Stick mit der Übersetzung zurückgegeben. So habe ich etwas Arbeit gespart. Auch wenn es leichter ist, auf diese Weise zu übersetzen, so werde ich die meisten Texte weiter per Hand übersetzen.

Nach der Chorstunde und den Vorlesungen war ich in der Kirche, wo der Kanon des Heiligen Andrej Kritskij gesungen wurde. In diesem Fall war er wesentlich länger als sonst, das zum einen alle Texte gelesen wurden, die es in der ersten Fastenwoche verteilt auf vier Tage gab und zudem wurde aus dem Leben der Heiligen Maria von Ägypten vorgelesen, was ich zunächst als Predigt gedeutet habe. Zwischendurch wurden auch noch Ektenien gesungen. Da ich zum einen Hunger hatte und nicht darauf gefasst war, dass es solange dauert, war ich erst ein wenig grummelig gelaunt, das hat sich dann aber schnell wieder geändert. Und so war der Kanon wie sonst auch wieder wunderschön!

Als ich gerade eben bei der Heimkehr ins Wohnheim auf das Thermometer geschaut habe, zeigte es +7°C an - es regnete und es wehte ein verhältnismäßig starker Wind. Ich hatte für kurze Zeit das Gefühl, in meiner Heimat zu sein. Bei den warmen Temperaturen hat das natürlich zur Folge, dass die Bäume langsam anfangen zu sprießen. Der Knospen am Baum beim Küchenfenster werden immer größer und es dürfte nicht mehr sehr lange dauern, bis er anfängt zu blühen. Aber sonst gibt es noch kaum Anzeichen für Frühling - bislang wächst noch kein Gras und es schaut auch keine Frühlingsblume aus der Erde. Aber der Frühling klopft merklich an die Türe.



Donnerstag, 02. April 2009 - Fest der Heiligen Maria von Ägypten

Zunächst habe ich am Morgen auf Vitali gewartet, der eigentlich mit mir Lernen Deutsch lernen wollte, er ist aber nicht gekommen. So konnte ich einige Mails schreiben und weiter an meinen Texten für die Hausarbeit übersetzen. Gegen viertel vor elf bin ich dann in die Stadt ins Internet gefahren und habe dort eine Zeit lang mit meiner Mutter telefoniert und ihr das Neueste erzählt und erzählt bekommen. Anschließend bin ich die Uni gefahren, habe dort wie üblich gegessen und bin dann in die Vorlesung zu Vater Valentin gegangen. Zuvor habe ich Janka noch abgeholt, die heute mit mir zusammen in der Vorlesung saß. Es war mal ganz interessant zu sehen, wie sie in den Vorlesungen arbeitet. Und: Wir konnten uns gegenseitig unterstützen, so dass die Vorlesung sehr fruchtbar für mich war. Nach der Vorlesung habe ich mich wieder mit Kusma getroffen und mit ihm bis kurz nach halb fünf in der Stalowaja gesessen und so einiges über klassische Musik erfahren und den Bezug, den er zu ihr hat. So lerne ich Musik nun aus einer ganz anderen Sichtweise kennen und mir macht es sehr viel Spaß, mehr darüber zu erfahren.

Anschließend habe ich mich wieder mit Masha getroffen und nach einer kleinen Teepause sind wir zum internationalen Postamt nach Nagatinskaja gefahren, wo wir sehr schnell dran waren. Dort muss man immer eine Nummer ziehen und manchmal muss man sehr lange warten. Leider wurden wir heute zu einem Schalter beordert, wo eine Dame saß, mit der ich nicht sonderlich gut klar komme. Sie denkt sich immer neue Sachen aus, um mich zu ärgern. So wollte ich heute kleine Geschenke verschicken, die sie teilweise geöffnet und dann erst auf Zuruf wieder verschlossen hat. Und dann wollte ich in einem der Umschläge Briefumschläge mit abgestempelten Briefmarken aus Deutschland mit verschicken, doch sie hat sich geweigert diese mit zu versenden - ohne weitere Begründung. Sie sagte nur, dass sie Briefmarken nicht verschicken. Auch Masha konnte da nichts ausrichten. Eine Reaktion die ich mir nach einigem Überlegen nur so erklären kann, dass sie die Briefmarken für wertvoll hält... Anschließend habe ich noch einige interessante Briefmarken gekauft - einerseits für die Sammlung - andererseits zum Verschicken. Die Russische Post scheint da einen riesigen Fundus von philatelistischen Marken zu entwickeln, die man eigentlich nur kaufen und sammeln, aber kaum portogerecht verkleben kann. Heute ist auch ein Brief angekommen, den ich innerhalb von Moskau verschickt habe. Ihn habe ich am 23. März eingeworfen - so war er geschlagene zehn Tage unterwegs.

Heute wurde in der Russisch-orthodoxen Kirche das Fest der Heiligen Maria von Ägypten begangen. Gestern Abend war ja die Vetschernaja und der Kanon des Heiligen Andrej Kritskij und heute war ich nicht extra in der Kirche. Sie wird in der katholischen und Russisch-orthodoxen Kirche als Heilige verehrt und lebte als Eremitin in der Wüste. Vorher war sie eine Prostituierte und beschloss, eine Wallfahrt nach Jerusalem zu unternehmen und in der Grabeskirche - deren Zugang sie von unsichtbarer Hand erst nach dreimaligem Beten und Bitten erhielt - vollführte sich ein Lebenswandel - den zu Eremitin. Sie zog sich in die Wüste zurück und nach fast 50 Jahren fand sie ein Mönch am Osterfest, von dem sie zum nächsten Osterfest die Kommunion erbat. Dieser kehrte zurück und sie empfing sie - dabei schritt sie über den über die Ufer getretenen Jordan. Im nächsten Jahr war sie bereits ein Jahr lang verstorben, jedoch hatte sie dem Mönchen einen Hinweis in den Sand geschrieben, ihn zu beerdigen. Ein Löwe grub das Grab, in das der Mönch Zosimus sie bettete. Sie ist die Patronin der Büßenden und daher passt sie sehr gut in die orthodoxe Fastenzeit, die ihren Schwerpunkt in den Sünden und der Bereinigung dieser hat.



Freitag, 03. April 2009

Wie sonst auch bin ich an diesem Morgen gegen acht Uhr vom Wohnheim zur den Vorlesungen aufgebrochen. Vom Kursker Bahnhof fahre ich zumeist mit der Ringlinie bis in die Nähe der Universität. Vor allem morgens liegen dort oft Obdachlose und schlafen dort seelenruhig. So auch heute – es waren ein Mann und eine Frau. Die Frau war laut am schnarchen, während der Mann seinen Kopf auf den der Frau gelegt hatte. Beide waren schon etwas älter. An der nächsten Station stieg ein Mann ein, sah die beiden, schüttelte mit dem Kopf und sagte mit einer sehr hohen und etwas gebrechlich klingenden Stimme: “Hehe – normal...” Dabei wird dieses “normal” hier in Moskau immer dann gebraucht, um zu sagen, dass alles in Ordnung ist – aber auch, um Verwunderung auszudrücken. Und so musste ich den ganzen Tag darüber lächeln.

Nach den Vorlesungen habe ich wieder beim Abwasch geholfen und ich hätte mich fast mit Valentina gestritten, mit der ich sonst meistens gut klar komme. Sie wollte mir zeigen, wie man Besteck abwäscht und dabei Wasser spart. Das ist ja an für sich nicht weiter tragisch – jedoch wollte sie mir die ganze Zeit dabei über die Schulter schauen und hatte an ihrem Arbeitsplatz selbst mehr als genügend zu tun – um nicht zu sagen, dass ich noch nie soviel Arbeit dort gesehen habe. Zudem habe ich schon oft genug in ihrem Dabeisein Besteck gespült.

Anschlieβend war Chorprobe und dann haben wir in der Dreifaltigkeitskirche die Akafist zum morgigen Marienfest gesungen, was uns sogar gut gelungen ist – vielleicht, weil mehr Disziplin im Chor geherrscht hat. Und im Anschluss daran haben wir für die Göttliche Liturgie nach Johannes Chrysostomus für den nächsten Morgen geprobt, was uns auch sehr gut gelungen ist. Glücklicherweise konnte ich bei Masha übernachten, so dass ich nicht ganz so früh aufstehen muss.



Samstag, 04. April 2009

Heute Morgen bin ich allein aufgestanden, weil ich ja gegen sieben Uhr in der Kirche sein musste. Ich habe mir bei Mashas Eltern Frühstück gemacht, unter den wachsamen Augen von Mashas Kater. Der ist dann zu mir auf die Bank gesprungen und es schien, dass er mich am frühstücken hindern wollte: Immer wenn ich mein Sojawurstbrot zum Mundführen wollte, versuchte er langsam und vorsichtig mit der Pfote an mein Brot zu kommen. Letztlich hat er aber nichts abbekommen – auch wenn er mich auf Schritt und Tritt verfolgt hat.

Ich selbst war genau um sieben Uhr in der Kirche und es dauerte nicht mehr sonderlich lange, bis dass die Göttliche Liturgie anfing. Und auch heute haben wir wieder recht gut gesungen, auch wenn mich die Quatscherei während der Predigt und der Lesung wieder gestört hat. Nach der Liturgie bin ich mit Masha zurück nach Hause gegangen, wir haben gefrühstückt und uns dann noch ein wenig ausgeruht. Ich habe in dieser Zeit nicht nur auf dem Ohr gelegen, sondern ein paar Mails beantwortet und etwas übersetzt.

Am frühen Nachmittag sind wir beide dann nach Neu Jerusalem aufgebrochen und wir sind dort ein wenig spazieren gegangen. Es lag noch etwas Schnee, der allerdings recht hart war, so dass es ziemlich anstrengend war, spazieren zu gehen. Dort habe ich eine weitere Kirche entdeckt, die direkt an dem Fluss Istra liegt. Und direkt bei der Kirche gibt es zwei Stege mit Treppen ins Wasser. Vielleicht wurde sie schon benutzt zum Fest Taufe des Herrn, bei dem man traditionell ja dreimal ins kalte Wasser steigt, es könnte aber auch eine Taufstelle in dem Fluss sein. Dabei stand ein Kreuz mit der Ikone "Taufe des Herrn". Auf dem Rückweg sind wir noch in einem Café essen gegangen - dieses Mal konnten wir wieder nur die Beilagen essen, da alles andere mit Fleisch gewesen wäre. Gegen 20 Uhr sind wir dann wieder in Richtung Moskau aufgebrochen. So hatten wir heute wieder die Möglichkeit, Landluft zu schnuppern. Ich hoffe, dass ich es im Sommer noch einmal schaffe nach Neu Jerusalem zu fahren, um an der Taufstelle oder bei der Taufstelle im Fluss baden zu können. Das Wasser scheint sehr sauber zu sein, zumal wir dort hunderte von kleinen Fischen gesehen haben und auch sonst war das Wasser sehr klar.



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