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Nationalitäten-Gemeinden im Komitat Komorn-Gran



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Nationalitäten-Gemeinden im Komitat Komorn-Gran


Während das Komitat Raab-Ödenburg ganz in der Ober-ungarischen Tiefebene liegt, gehört das Komitat Komorn-Gran bereits zum Transdanubischen Mittel-gebirge und dessen nörd-lichen Ausläufern. Genauer gesagt gehört der nördliche Teil des Schildgebirges, der ganze Geretsch, das Hügelland von Bársonyos, ein kleiner Teil des Pilischergebirges und der Nordostzipfel des Buchenwaldes hierher.



Die Nationalitäten-Dörfer findet man hauptsächlich im östlichen und südlichen gebirgigen Teil des Komitats. Der Grund dafür ist im Verlauf der türkischen Grenze (siehe Karte!) um 1600 zu suchen. In den von den Türken besetzten Mittelgebirgen wurden die ungarischen Dörfer zum großen Teil als Folge der ständigen Kampfhandlungen vernichtet. In dem 1683–85 von den Türken befreiten Komitat waren zweiundneunzig Siedlungen verwüstet.

Die Bevölkerung wurde auch im Rákó­czischen Freiheitskampf (1704–1711) stark dezimiert. Wie im ganzen Land kam es auch im Komorner Komitat im Laufe des 18. Jahrhunderts zur Neubesiedlung der entvölkerten Landstriche. Die weltlichen (Est-erházy, Grassalkovics) und Kirchlichem (Klarissinnen von Alt-Ofen. en) Grundherren riefen deutsche und slowakische Siedler auf ihre Güter.

Aber auch vor der türkischen Zeit muss es hier schon Deutsche gegeben haben. In der Gemeinde Kocs (westlich von Tata/Totis) soll der Wagen (ung. kocsi) erfunden worden sein, nachdem ein gewisser Johann Hammermayer Anfang des 15. Jahrhunderts das 5. Rad ersann. Es befindet sich über der Vorderachse und dient zur Richtungsänderung beim Fahren.

1920 lebten im Komitat Komorn rd. 105000 Menschen, davon waren 82,89 % Ungarn, 12,64 % Deutsche, 3,27 % Slowaken und 1,2 % Sonstige. 1930 waren von 154000 Einwohnern 12,14 % Deutsche und 4,3 % Slowaken. Diese Angaben sind sicher nicht ganz korrekt, da sie aus einer Zeit stammen, in der man alles darangesetzt hat, die Zahl der Nichtmadjaren zu verringern.

Die ersten Siedler kamen neun Jahre nach der Vertreibung der Türken, 1694 aus Schwaben nach Dorog. 1699 kamen Elsässer nach Schitte, wo zwanzig Jahre später von 29 Familien 24 deutsche waren. Im Jahre 1700 sollen sich auch 18 Familien aus dem Elsass in Tscholnok niedergelassen haben. Die Haupt-einwanderungswellen kamen erst im Laufe des 18. Jahrhunderts. Damals waren auf dem heutigen Gebiet des Komitats 42 Ortschaften (30 deutsche, 12 slowakische) von Nationalitäten besiedelt. So kommt es, dass heute noch von den 72 Siedlungen etwa die Hälfte als Nationalitäten-Dörfer gelten.

Die deutschsprachigen Siedler sind hauptsächlich aus dem bairischen Dialektraum (Österreich, Bayern und Böhmen) gekommen. So ist es nicht verwunderlich, dass man 250–300 Jahre nach der Ansiedlung in vielen Gemeinden heute noch den mittelbairischen ua-Dialekt hier hören kann. Das Schwäbische und Alemannische wurde – unter Einfluß von Wien – von dem Bairischen weitgehend verdrängt.

In Tolnau finden wir noch einen fränkisch gefärbten Dialekt. In , Woje und Schitte spricht man einen ui-Dialekt. In den zwei ersteren Dörfern wurden Heidebauern aus West-Ungarn angesiedelt. Fast jedes Dorf hat einen anderen Einschlag in seiner Mundart. Es handelt sich also um Mischdialekte, die sich erst in Ungarn aus Elementen der Urheimat entwickelten.

Die jüngste deutsche Gemeinde im Komitat Komorn ist Kirwa. Sie wurde 1785 mit der Ansiedlung von 61 Familien gegründet. Die Masse der Siedler kam aus dem S-Schwarzwald. Infolge Einheirat aus den benachbarten deutschen Dörfern haben auch sie ihren alemannischen Dialekt verloren und nahmen die ua-Mundart an.

Auf dem Gebiet des 2250 km2 großen Komitats finden wir 5 Städte, 77 Straßendörfer, Weiler (Pußten) und Einzelhofsied-lungen (Tanyas). Bei den Pußten oder Weilern handelt es sich um kleinere Siedlungen, die einst Mittelpunkte eines Groß-grundbesitzes waren. Der Großgrundbesitzer wohnte im Kastell, seine Bediensteten in den 10-15 Häusern der kleinen Siedlung. Bis Anfang der 90er Jahre waren die Pußten Zentren von Staatsgütern.

In den breiten Straßen der Dörfer findet man verschiedene Haustypen. Am weitesten verbreitet sind die ebenerdigen mit dem Dachfirst senkrecht zur Straße stehenden Häuser. Das ist die sogenannte Langhausform. Vor dem Haus hatte man früher einen kleinen Vorgarten (Gartl) für Blumen. In den vergangenen Jahr-zehnten fiel das Gartl Umbauarbeiten zum Opfer.

Daran schließt sich der Wohnteil an. Er besteht aus der vorderen Stube (vraunige Stuum), der Küche (Kuchl) und der hinteren Stube (hintrige Stuum).

Der Eingang ist an der Hofseite durch die Küche. Von der Straße gelangt man durch das kleine Tor (Türl) auf den Gang (Flur), der bei einfacheren Häusern von einem etwa ein Meter breiten Dachvorsprung überdacht ist. Wohl­ha­bendere Leute bauten einen Säulen­­gang. Der Dachvorsprung ist breiter und durch Säulen abgestützt. In manchen Häusern findet man nach der hinteren Stube eine zweite Küche.

An den Wohntrakt schließt sich der Wirtschaftsteil an. Zunächst folgt die Kammer, von der aus man auf den Dachboden (im vorderen Teil des Hauses) und in den Gewölbekeller gelangen kann. Dann folgen die Ställe mit dem Heuboden. Schweine- und Hühnerställe stehen meistens gesondert.

Beim Schweinestall älteren Typs handelt es sich um einen Holzstall (Mäststeig), der etwas erhöht auf Balken oder Steinen steht. Bei reicheren Bauern stand quer zum Hof am Ende des Hauses die Scheune (Scheuer). Dahinter standen die Stroh- und Heuhaufen (Tristen).

Im Hof findet man neben den Mäststeigen und Ställen für Geflügel noch den Brunnen. Der 10-12 m tiefe Brunnen war früher mit Steinen ausgemauert, heute überwiegen aber die Betonringe. Auf dem Brunnen-gestell finden wir ein Dach zum Schutz der Walze mit Seil und Eimer (Amber) und des Rades. Der Hof wird auf der Süd- bzw. Ost-Seite von der Rückwand des Nachbarhauses abgeschlossen. An der Straßenfront befindet sich neben dem Türl noch das Tor und Tür an der Straßenseite. Sie ist aber meistens verschlossen.

Das oben beschriebene Langhaus ist eine Mischform zwischen dem mitteldeutschen Gehöft und dem süd-west­deutschen Einhaus. Häuser ähnlicher Anord-nung – aber dennoch anders aussehend – finden wir in der Pfalz.

Wohlhabendere Leute, v. a. Geschäftsleute, haben sich ein Querhaus gebaut. Es steht mit dem Dachfirst parallel zur Straße. Vielfach finden wir in der Mitte eine große Toreinfahrt. An das Querhaus schließt sich nach hinten noch ein Langhaus an. Im Querhaus waren meistens gewerbliche Räume untergebracht.

Die Häusler- und Arbeiterhäuser auf den Dörfern bestanden nur aus einer Stube und einer Küche. Daran schlossen sich Kammer, kleiner Stall und Schuppen an.

Nach 1945 vollzog sich auf dem Gebiet des Hausbaus auch ein großer Wandel. Der Funktionswandel im Berufsleben der Menschen wirkte sich auch auf Haus und Hof aus. Während früher 80-90 % der Menschen in der Landwirtschaft beschäftigt waren, waren es 1968 nur noch 30 %1. Die Menschen sind in die sich entwickelnde Industrie abgewandert. Die früheren Bauern-häuser wurden Arbeiterhäuser. Die Scheunen wurden abgerissen und die Ställe umgebaut. Falls der Hof breit genug war, baute man an der Straßenfront noch ein zweites Zimmer an. So entstanden L-förmige Haustypen.

Die ab den 50-60er Jahren in großer Zahl entstandenen Neubauten sind bereits viereckig mit zwei Zimmern, Küche und Diele. Die zwei Zimmer befinden sich an der Straßenseite. Der Eingang ist an der Hofseite, er führt in das Vorzimmer. Von dort gelangt man in das eine Zimmer und die Küche. In das zweite Zimmer kommt man über die Küche. Im Hof befinden sich die Ställe für die Kleintierhaltung. Obwohl die alten Häuser alle nach dem gleichen Grundschema gebaut sind, haben sie doch ihr individuelles Gepräge. Das läßt sich von den Neubauten nicht mehr sagen.

Ähnlich wie im Hausbau läßt sich ein Wandel auch in der Flurform feststellen. Von der Dreifelderwirtschaft über die Fruchtwechselwirtschaft – mit Flurzwang und ohne – führt der Weg zu der großbetrieblichen Landwirtschaft der kommunis-tischen Ära. Während vor 1945 die Gemarkung (Hotter) in viele lange schmale Parzellen geteilt war, gab es von 1950 bis 1993 riesige einheitlich bestellte Tafeln. d. h. eine Großblockflur.

Die alte Streifen-Parzellierung ist in gebirgigen Gegenden des Komitats heute noch anzutreffen. In allen Gemeinden unseres Gebiets betrieb man gemischte Landwirtschaft. Das heißt: Die Bauern befaßten sich mit Viehzucht, Ackerbau sowie Wein- und Obstbau.

Vor dem Zweiten Weltkrieg überwog im Komitat Komorn die bäuerliche Bevölkerung. Die Zahl der Arbeiter war auf den Dörfern gering, da es kaum Verkehrsverbindungen in die Städte gab. Die Bauern kann man je nach Betriebsgröße in Zwergbauern (unter 1 kj = unter 0,57 ha), Kleinbauern (>1–5 kj = >0,57–2,87 ha), Mittelbauern (>5–50 kj = >2,87–28,7 ha), Großbauern (>50–100 kj = >28,7–57,47 ha) und Großgrundbesitzer (>100- über 1000 kj = >57,47– über 574,7 ha) einteilen2.

Wie in der deutschen Urheimat der Einwanderer herrschte auch hier die Realteilung vor, d. h., sie haben ihr Ackerland unter ihren Erben gleichmäßig aufgeteilt. Da die Kinderzahl im Durchschnitt bei 4–5 lag, ist es nicht verwunderlich, wenn die Zahl der kleinen landwirtschaftlichen Betriebe überwog. Aber nicht nur das Feld, sondern auch die Häuser wurden unter den Erben geteilt. So gab es in der Mitte des 20. Jahrhunderts Höfe, wo 2–3 Familien wohnen.

Zur Illustration der bäuerlichen Sozialstruktur seien hier einige statistische Zahlen – 1935 veröffentlicht – für den Kreis Totis angeführt*. Von der Gesamtzahl der Bauern gehörten damals 98,66 % zu den Zwerg-, Klein- und Mittelbauern. Sie besaßen zusammen aber nur 42,76 % des Ackerlandes! Während die Großgrundbesitzer mit ihren 0,71 % Anteil 52,95 % der landwirtschaftlichen Fläche bewirtschafteten. Also ein krasses Mißverhältnis in der Verteilung des Landes.

Die mittlere Betriebsgröße hätte bei gleichmäßiger Verteilung des Ackerlandes auf alle Betriebe bei 10 kj (5,9 ha) liegen müssen. Die tatsächliche mittlere Betriebsgröße lag bei den Zwergbauern bei 0,4 kj (0,23 ha), den Kleinbauern bei 2,4 kj (1,38 ha), den Mittelbauern bei 13,68 kj (7,8 ha), den Großbauern bei 68,65 kj (39,45 ha) und den Großgrundbesitzern bei 745,81 kj (428,63 ha).

Da die Zahl der Kinder groß und das zur Verfügung stehende Land knapp war, blieb für die Jugend nur die Möglichkeit, ein Handwerk zu erlernen oder in die Stadt abzuwandern. Die Abwanderer zog es vor allem nach Budapest, wo sie als Knechte, Kutscher oder Dienst-mädchen sehr gefragt waren, sie waren nämlich durchweg fleißig und zuverlässig. Nach einigen Jahren sind die meisten wieder in ihre Heimatdörfer zurückgekehrt, wo sie geheiratet haben und beschei-denes Dasein führten.

In 15 deutschen Gemeinden des Komitats wurden in den Jahren 1925-1931 Ortsgruppen des Ungarländi-schen Deutschen Volksbildungsvereins (UDV) gegrü-ndet. Während sich seine Arbeit unter schwierigeren Bedingungen mehr im Stillen vollzog, trat der Volksbund der Deutschen in Ungarn (VDU) 1938–1944 durch seine Versammlungen mehr in die Öffentlichkeit und ins Bewußtsein der Menschen. So kam es denn auch zu mehr Ortsgruppengründungen im Komorner Komitat als beim UDV. Zwischen 1940 und 1942 wurden in 24 Gemeinden Ortsgruppen des Volksbundes ins Leben gerufen. Nur ein Teil, der deutschen sympathisierte mit dem Volksbund (in Tarian 16,8%), der andere Teil ahnte schon instinktiv, was nach dem Krieg folgen wird. Das Engagement der einen und die Zurückhaltung der anderen führte schon Jahre vor Kriegsende zur Spaltung der deutschen Bevölkerung.

Die Folgen zeigten sich bald. Mit dem Herannahen der Front (Dezember 1944) wurden von den rund 22000 Deutschen im Komitat Komorn (nach VDU-Unterlagen)3 aus 17 Ortschaften 4800 von der deutschen Wehrmacht evakuiert. Die zurückgelassenen Haustiere und Nah-rungsmittelvorräte dienten der Versorgung der Soldaten. Die Zahl von 4800 Evakuierten scheint mir viel zu hoch gegriffen. Aus Tarian z. B. sollen 362 Personen evakuiert worden sein. Josef Mikonya berichtet von 2915. Mir sind namentlich nur 145 bekannt, von denen noch vor Kriegsende 98 zurückgekehrt sind ( > Namensliste). So ähnlich dürfte es auch in anderen deutschen Dörfern gewesen sein.

Kaum hatten sich die Menschen von dem Schock des Krieges erholt, folgte 1946 die Enteignung von Deutschen. In erster Linie waren davon die Volksbündler betroffen, aber auch andere. Daraus erkennt man, dass die Zugehörigkeit zum Volksbund nur ein Vorwand war. Aus ärmeren Komitaten des Landes kamen ungarische Siedler in die deutschen Dörfer. Sie erhielten Ackerland, Haus und Vieh. Damit wurde nicht nur der wirtschaft-liche Ruin der »Schwaben« eingeleitet, sondern auch ihre beschleunigte Assimilierung ins Ungarntum. Die verheerenden Folgen sind heute deutlich sichtbar.

1947 machte sich in den deutschen Dörfern des Komitats wieder Angst und Unsicherheit breit, das Gerücht von der bevorstehenden Aussiedlung der Deutschen ging um. Aber nur aus Kirwa, Leinwar, Somor und kirne erfolgte eine Vertreibung (aus den ersten drei Dörfern schon 1946). Im Jahr darauf sprach man erneut von der Aussiedlung der Deutschen und Slowaken.

Tatsächlich wurden aber Slowaken nur aus Bokod, Piliscsév, Tardos u. a. auf freiwilliger Basis in die Slowakei umgesiedelt. Rund 70 000 Slowaken verließen damals Ungarn. Im Austausch kamen Madjaren aus dem ehemaligen Oberungarn in das benachbarte Komitat, aber auch in deutschbewohnte Komitate Süd-Ungarns. Da meist arme Slowaken ihr Glück im Mutterland suchten, die nicht viele Immobilien hinterließen, siedelte man die "Felvidéker" (= Oberländer), wie man die Ungarn aus der Slowakei bezeichnet, hauptsächlich in deutschen Dörfern an.

Das machte die Enteignung von weiteren deutschen Familien erforderlich. In mancher Ortschaft lebten nun 4-5 Sorten Menschen. Die räumliche Enge in den Häusern, die andere Sprache, Religion und Herkunft führte im ersten Jahrzehnt des Zusammenlebens häufig zu schweren Auseinandersetzungen.

Im Zuge der Umgestaltung der Wirtschaft und des politischen Lebens (Kollektivierung der Landwirtschaft, Verstaatlichung der Industrie, Machtübernahme der Kommunisten) kam die Bevölkerung des Komitats erneut in Bewegung. Viele ungarische Siedler verließen wieder die Nationalitäten-Dörfer. So mancher früherer Eigentümer kaufte bei dieser Gelegenheit sein Haus wieder zurück. Um den politischen Druck zu entgehen, wanderten auch Deutsche in die industriellen Ballungsräume ab. Immer mehr Menschen suchten ihren Lebensunterhalt in der Industrie. Die Zahl der Pend­­ler, die täglich aus den Dörfern in die Städte zur Arbeit fahren, ist stark angestiegen.

Von dem 144 600 ha landwirtschaft­lichen Areals des Komitats bewirt­schafteten 1968 die Staatsgüter 29 % und die LPGs 35 %. Der Rest entfiel auf die Hofstellen der LPG-Bauern, auf Arbeiter-Bauern und selbständige Bauern. Bei dem – zu dieser Zeit – noch in Privatbesitz befindlichen Ackerland und Weingärten handelte sich um gebirgiges Gelände, das mit Maschinen nicht zu bestellen war. Die Zahl der Staats­­güter wurde von 1952 bis 1968 – durch Zusammenlegung – auf weniger als die Hälfte reduziert. Die durchschnittliche Größe lag 1968 bei 4700 ha!

Als in den fünfziger Jahren die Kollektivierung mit allen Mitteln vorangetrieben wurde, gab es in jedem Dorf eine LPG. Viele Gemeinden des Komitats wurden aber erst in den sechziger Jahren zu "sozialistischen Dörfern", was soviel bedeutet, dass es keine selbständigen Bauern mehr gab. Die Kollektivierung erfolgte in allen Dörfern gleich; egal, ob Deutsche, Ungarn oder Slowaken die Bewohner waren.

Anfang der 70er Jahre war die Zahl der land-wirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften etwa auf die Hälfte zusam-mengeschrumpft, da jeweils zwei zusammengelegt wurden. 1968 gab es im Komitat 36 LPGs und 9 Staatsgüter. Die durchschnittliche Betriebsgröße der LPGs betrug 1400 ha! Seit der Erhöhung der landwirtschaftlichen Aufkaufspreise und der Liberalisierung auf wirtschaftlichem Gebiet – in den 60er Jahren – ist der materielle Anreiz, in einer LPG zu arbeiten, viel größer geworden. Das führte zur Konsolidierung der großbetrieblichen Landwirtschaft.

Von 1960 bis 1968 stieg im Komitat das Jahreseinkommen eines LPG-Bauern von 8993 Forint (Ft) auf 23686 Ft. Das sind rund 2000 Ft im Monat. Zur gleichen Zeit verdiente hier ein Industriearbeiter 2170 Ft/Monat. Während in den ersten Jahren die Deutschen von der Mitgliedschaft in einer LPG nichts wissen wollten, war in den vergangenen Jahrzehnten ihre Zahl ziemlich hoch. In mehreren Gemeinden war ein "Schwabe" LPG-Vorsitzender. Leiter oder Arbeiter, die Deutschen wurden überall geschätzt, weil sie gründlich und zuverlässig waren.

Wie hätte sich die ungarische Landwirtschaft entwickelt, hätte es die Kollektivierung nicht gegeben? Da eine weitere Zersplitterung der 1,4 Mio. land-wirtschaftlichen Betriebe kaum mehr möglich war, weil sie fast nicht mehr in der Lage waren, die Familien zu ernähren, ist anzunehmen, dass eine ähnliche Entwicklung wie in der westdeutschen Landwirtschaft eingetreten wäre. Das heißt, auch ohne Kollektivierung hätte ein Großteil der Bauernbetriebe aufgegeben werden müssen. Für die Existenz der Nationalitäten hätte das aber eine langsamere Assimilierung bedeutet.

Wichtige Schmelztiegel für die Madjarisierung der Natio-nalitäten sind die Industriegebiete um Tatabánya und Dorog. Während die Deutschen und Slowaken sich auf den Dörfern noch einigermaßen halten konnten, wurden sie in den Ballungszentren vom Madjarentum aufgesaugt. Obwohl auf den Dörfern in den vergangenen 50 Jahren die Assimilierung ziemlich weit vorangeschritten ist, findet man bei den Minderheiten noch ein starkes Zusamrnengehörigkeitsgefühl6. Man redet eine Misch-sprache oder Ungarisch, fühlt aber noch deutsch oder slowakisch. Das sieht man auch daran, dass man sich seinen Ehepartner nach wie vor aus der eigenen Volksgruppe sucht. Die allerjüngste Entwicklung brachte allerdings viele Mischehen mit einer hohen Scheidungsrate, was früher gänzlich unbekannt war. Das sind allerdings auch Begleiterscheinungen des modernen Industrie-zeitalters.

Das Überleben der Nationalitäten im Komitat Komorn-Gran – wie in ganz Ungarn – hängt davon ab, ob es ihnen gelingt, ihre Jugend in eigenen Schulen in der Muttersprache und Kultur zu unterrichten. Da es dafür keine materielle Grundlage, aber auch keine Einsicht und geistige Bereitschaft gibt, werden die Nationalitäten in absehbarer Zeit verschwinden. Ungarn wird damit auf geistigem Gebiet ärmer werden. Es wird keine Meinungsverschiedenheiten zwischen Ungarn und Nichtungarn geben. Aber das wird nicht bedeuten, dass es nicht andere Konflikte geben wird …

ung./deutscher Name Ansiedlungszeit Herkunft der Siedler dt-e Vereine4 Bevölk.1935/70

Ácsteszer 18. Jh. aus verschied.Geb. VDU 11.5.41

Agostyán-Augustin 1733 bair. Sprachraum UDV 16.1.26 600 576 VDU 7.7.40 (95% deutsch)

Aka 18. Jh. bair. Sprachraum VDU 11.5.41

Alsógalla-Untergalla 1735 bair. Sprachr.u. Elsass UDV 25.3.28

1770 (1941)

VDU 1.12.40

(45% deutsch)

Baj-Woje (Wallern) 1745 Elsass-Lothringen UDV 15.1. 26 1200 1782

und W-Ungarn VDU 20.1040 (88% deutsch)

Bakonysárkány- 1777/78 bair. Sprachraum u. UDV 18.3.30 Scharkan

andere Gebiete VDU 10.5.41

Csolnok-Tschaunok 170091738 Elsass UDV 20.2.27 3381 ?

VDU 29.9.40

(57% deutsch)

Dág-Dag(ed) 18. Jh. ? VDU 29.9.40 1045 (42% dt.)

Dorog 1694 schwäbischer UDV 10.5.31 5863 10000

Sprachraum VDU 30.6.40 (17 % deutsch)

Dunaszentmiklós Niklo - 18. Jh. bair. Sprachraum UDV 16.1.26 600 586

VDU 10.5.41 (95 % deutsch)

Felsögalla-Obergalla 1733 Würzburger Raum UDV 25.3.28 17110 (1941)

bair.- alleman. Raum VDU 17.10.40 (13 % deutsch)

Kecskéd- Kätschke 173591744 heut. Baden-Württemberg UDV 14.1. 26 1049 1642

VDU 17.11.40 (91 % deutsch)

Könye-Kirne 1745 Wieselburger Komitat UDV 13.1.26 2275 4228

VDU 28.7.40 (54 % deutsch)

Leányvár-Leinwar 1755 aus versch. dt. Geb. VDU 30.6.40 1326 1520(?) (80 % deutsch)

Máriahalom-Kirwa 1785 Geb. des heut. Baden- UDV 10.1.26 803 ? Würrtemberg u. a. VDU 29.9.40

(96 % deutsch)

Mogyorósbánya 1720 Slowaken u. Deutsche 692 900(?)

18% deutsch

Nyergesújfalu- Neudorf 1700,1732 heut. Baden-

Württemberg - VDU 8.12.40 2546 4916(?)

17% deutsch

Piszke (h. Lábatlan) 1732 Elsaß-Lothringen 1436 4800(?) madjarisiert

Süttö-Schitte 1720 Elsass VDU 8.12.40 1600 1803 (? ) 60% deutsch

Szomód-Samed 1750 heut. Baden Württemberg 1500 1775(?) madjarisiert

Szomor-Sumur 1720 verschied. dt Gebiete UDV 18.1.25 893 667(?) VDU 21.7.40 Tarján-Tarian 1737 Schwarzwald und UDV 18.10.25 80% deutsch 2065 2821

bair. Sprachraum VDU 20.10.40 85% deutsch

Tát-Taath 1702-1732 versch. dt. Gebiete VDU 29.9.40 1499 4500(?) 75% deutsch

Várgesztes-Gestiz 1735 bair. u. elsäßischer Sprachraum VDU 24.2.41 361 576 92% deutsch

Vértessom1ó - Schemling - 1737 bair. u. elsäßischer UDV 10.3.28 889 1286

Sprachraum VDU 28.7.40 95% deutsch

Vértestolna - Tolnau i. Sch. 1733 Franken und andere deutsche Gebiete

586 605 UDV 18.10.25 VDU 20.10.40

Quellen/Forrásmunkák:

1) Statisztikai évkönyv 1968 (Statistisches Jahrbuch Ungarns 1968), S. 498-99

2) O'sváth, Andor: Komárom-Esztergom egyelõre egyesített vármegyék múltja és jelene, 1938 (Vergangenheit und Gegenwart der vorläufig vereinigten Komitate Komom und Gran)

3) Tafferner, Anton: Evakuierungsmaßnahmen des Volksbundes .... Volkskalender der Deutschen aus Ungam, München , 1970, S. 51-53

4) Flach, Paul: Die Ortsgruppengründungen des Volksbundes der Deutschen in Ungam, Volkskalender der Deuschen aus Ungam, 1968, S.127-142

5) Mikonya, József, Tarjáni krónika, Tarján község a történelem tükrében (Tarianer Chronik, Die Gemeinde Tarian im Spiegel der Geschichte), 1992, S. 82. o.

6) Demeter Zayzon Mária, Öntudatosodás és önfeladás között– Nemzetiségszociológiai vizsgálatok Komárom-Esztergom megyei németek és szlovákok körében (Zwischen Bewußtwerden und Selbstaufgabe – Nationalitäten-soziologische Untersuchungen in den Reihen der Deutschen und Slowaken im Komitat Komorn-Gran), Tatabánya 1993, 134 o./S., 1 térkép/Karte



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