Wintersemester 2006/07


Der Verlust der Innenwelt



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Der Verlust der Innenwelt

„From the angle of realism illusions are dangerous, or at least frivolous. Yet single minded dedication to reality forces the arts to be reproductive ..., science to be utilitarian or technological, and religion to be the warp and weft of the social fabric that should not be disturbed. In the clutches of the realistic sphere, symbols are turned into mere emblems and signs.”


Paul W. Pruyser, Religion in Psychodynamic Perspective, ed. By H. Newton Malony/Bernard Spilka, Oxford University Press, New York 1991, 176.
“Dann wird man sehen, daß sich hinter der Orientierung an der ‘Realität’, die gemeinhin das Kriterium für Gesundheit ist, eine tiefere und weniger augenfällige Pathologie verbirgt: die des ‘normalen’ Verhaltens, die Pathologie der Anpassung als Folge der Preisgabe des Selbst. ...

Wenn das fühlende Innere verschlossen ist, wird es unberührt bleiben vom Fluß der Interakti­onen des einzelnen mit dem äußeren Leben. ... Das Ausmaß der daraus folgenden inneren Isolation steht in direktem Zusammenhang mit dem Selbsthaß. Er wird hervorgerufen durch die aktive Beteiligung an der Unterwerfung unter das Diktat einer ‘Realität’, die die Leug­nung autonomer Gefühle verlangt.“


Arno Gruen, Der Wahnsinn der Normalität, 7. A., dtv-München 1996, 20; 22; 23; 24.

III, 3 Tiefenpsychologie (Analytische Psychologie):

Carl Gustav Jung




Das kollektive Unbewußte

„Manche Komplexe sind lediglich vom Bewußtsein abgespalten, weil dieses es vorzog, sie durch Verdrängung loszuwerden. Aber es gibt andere Komplexe, die niemals vorher im Be­wußtsein waren und die deshalb niemals willkürlich verdrängt werden konnten. Sie wach­sen aus dem Unbewußten heraus und überschwemmen das Bewußtsein mit ihren seltsamen und unerschütterlichen Überzeugungen und Impulsen. ...


Es gibt eine Unzahl von magischen Riten zu dem einzigen Zweck, sich gegen die unerwarte­ten, gefährlichen Tendenzen des Unbewußten zu verteidigen. ...
Meine psychologische Erfahrung hat mir immer wieder gezeigt, daß gewisse Inhalte von einer Psyche herstammen, die vollständiger ist als das Bewußtsein. Sie enthalten oft eine überle­gene Analyse oder Einsicht oder ein Wissen, welche das jeweilige Bewußtsein nicht hervor­zubringen vermöchte. Wir haben ein passendes Wort für solche Vorkommnisse - Intuition. ... man hat einen Einfall, der von selbst entstanden ist, und man kann ihn nur dann erwischen, wenn man schnell genug zur Hand ist.“
C.G. Jung, Psychologie und Religion (1940), Taschenbuchausgabe dtv (Band: Psychologie und Religion), München 1991, 16; 21; 45.

Der ontologische Naturbegriff

„Wir haben ebenso Grund zu vermuten, daß das Unbewußte keineswegs ruhend ist, in dem Sinne, daß es inaktiv wäre, sondern es ist anhaltend beschäftigt mit der Gruppierung und Um­gruppierung seiner Inhalte. Diese Aktivität wäre nur in pathologischen Fällen als gänzlich unabhängig zu denken; normalerweise ist sie dem Bewußtsein koordiniert im Sinne einer kompensatorischen Beziehung. ...


Ich gebrauche ausdrücklich das Wort ‘kompensatorisch’ und nicht das Wort ‘kontrastierend’, weil Bewußt und Unbewußt nicht notwendigerweise in einem Gegensatz zueinander stehen, sondern sie ergänzen sich gegenseitig zu einem Ganzen, zum Selbst. Gemäß dieser Definition ist daher das Selbst eine dem bewußten Ich übergeordnete Größe. Es um faßt nicht nur die bewußte, sondern auch die unbewußte Psyche und ist daher sozusagen eine Persönlichkeit, die wir auch sind. ... Die das bewußte Ich kompensierenden Vorgänge enthalten alle jene Ele­mente, die zur Selbstregulierung der Gesamtpsyche nötig sind. ...
Jeder schöpferische Mensch weiß, daß Unwillkürlichkeit die wesentliche Eigenschaft des schöp­ferischen Gedankens ist. Weil das Unbewußte nicht nur reaktive Spiegelung, sondern selbstän­dige, produktive Tätigkeit ist, so ist sein Erfahrungsgebiet eine eigene Welt, eine eigene Realität, von der wir aussagen können, daß sie auf uns wirke ... .
Das Unbewußte ist ein reiner Naturvorgang einerseits ohne Absicht, aber andererseits mit jenem potentiellen Gerichtetsein, das für jeden energetischen Vorgang schlechthin charakte­ristisch ist. ...
Es gibt seelische Zwecke, die jenseits bewußter Zwecke liegen, ja, ihnen sogar feindlich ge­genübertreten können. Ein feindliches oder rücksichtsloses Verhalten des Unbewußten ge­genüber dem Bewußtsein finden wir nur dort, wo das Bewußtsein eine falsche und anma­ßende Einstellung hat. ...
Es mag dem Leser vielleicht komisch klingen, wenn ich vom Unbewußten sozusagen in per­sönlicher Weise spreche. Ich möchte dadurch nicht das Vorurteil erregen, daß ich mir das Unbewußte als persönlich denke. Das Unbewußte besteht aus Naturvorgängen, die jenseits des Menschlich-Persönlichen liegen. Nur unser Bewußtsein ist persönlich.“
C.G. Jung, Die Beziehungen zwischen dem Ich und dem Unbewußten ([1916] 1928), Taschenbuchausgabe dtv (Bandtitel s.o.), München 19913, 11; 63; 70; 116; 100; 119.
„Es ist nämlich nie zu vergessen – und das muß man der Freudschen Schule zurufen – daß die Moral nicht in Form von Tafeln vom Sinai heruntergebracht und dem Volk aufgenötigt wurde, sondern die Moral ist eine Funktion der menschlichen Seele, die so alt ist wie die Menschheit. Die Moral wird nicht von außen aufgenötigt – man hat sie schließlich apriori in sich selbst; nicht das Gesetz, wohl aber das moralische Wesen, ohne das ein Zusammenleben der menschlichen Sozietät unmöglich wäre.“ Die Moral ist „ein instinktives Regulativ des Han­delns“.
C.G. Jung, Über die Psychologie des Unbewußten, GW VII, Zürich 1964 (1953), 28.


Das Jungsche Seelenmodell nach:

Obrist, Willy (1988), Neues Bewußsein und Religiosität, 79.


Die Archetypentheorie

„Die Träume enthalten Bilder und gedankliche Zusammenhänge, die wir nicht mit bewußter Absicht erzeugen. Sie entstehen spontan, ohne unser Zutun, und stellen somit eine der Will­kürlichkeit entzogene, psychische Tätigkeit dar. Der Traum ist daher eigentlich ein höchst objektives, sozusagen ein Naturprodukt der Psyche ... . Da nun der psychische Lebensprozeß ... nicht bloß ein kausaler Ablauf, sondern auch ein final orientierter, zweckmäßiger Vorgang ist, so darf man vom Traum ... Indizien über eine objektive Ursächlichkeit sowohl wie über objektive Tendenzen erwarten. ... denn es gibt keine wirklich lebendigen Dinge, die nicht ir­gend einen Zwecksinn hätten ... .


Man wird wohl der Wahrheit am nächsten kommen, wenn man sich vorstellt, daß unsere be­wußte und persönliche Psyche auf dem breiten Fundament einer vererbten und allgemeinen Geistesdisposition ruht, die als solche unbewußt ist, und daß sich unsere persönliche Psyche zu der Kollektivpsyche etwa verhält wie das Individuum zur Gesellschaft.“
C.G. Jung, Die Beziehungen zwischen dem Ich und dem Unbewußten ([1916] 1928), Taschenbuchausgabe dtv (Bandtitel s.o.), München 19913, 15; 16; 30/31; 36.
„Die Inhalte des kollektiven Unbewußten ... sind die sogenannten Archetypen. ... Der Begriff des Archetypus, der ein unumgängliches Korrelat zur Idee des kollektiven Unbewußten bildet, deutet das Vorhandensein bestimmter Formen in der Psyche an, die allgegenwärtig oder über­all verbreitet sind. ... Das kollektive Unbewußte entwickelt sich nicht individuell, sondern wird ererbt. Es besteht aus präexistenten Formen, Archetypen, die erst sekundär bewußtwer­den können und den Inhalten des Bewußtseins festumrissene Form verleihen. ...

Ich begegne immer wieder dem Mißverständnis, daß die Archetypen inhaltlich bestimmt, das heißt eine Art unbewußter ‘Vorstellungen’ seien. Es muß deshalb noch einmal hervorgehoben werden, daß die Archetypen nicht inhaltlich, sondern bloß formal bestimmt sind ... . Inhaltlich bestimmt ist ein Urbild nachweisbar nur, wenn es bewußt und daher mit dem Material be­wußter Erfahrung ausgefüllt ist. ... Der Archetypus ist ein an sich leeres, formales Element, das nichts anderes ist als eine ‘facultas praeformandi’, eine a priori gegebene Möglichkeit der Vorstellungsform. Vererbt werden nicht die Vorstellungen, sondern die Formen ... .“


C.G. Jung, Über die Archetypen des kollektiven Unbewußten (1934) und: Über den Archety­pus mit besonderer Berücksichtigung des Animabegriffs (1936), Taschenbuchausgabe dtv (Bandtitel: Archetypen), München 19934, 8; 45; 46; 79.


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